Steuertipps für Existenzgründer: Von der Planung bis zur Gründung

Die steuerlichen Sondervorschriften für Existenzgründer
Aktualisiert am: 01.09.2015

Existenzgründung ist eine spannende Sache, vor allem im Umgang mit dem Finanzamt. Hier finden Sie einige Steuertipps, um den Weg in die Selbstständigkeit solide zu planen. Denn für den Fiskus sind Existenzgründer „Exoten“: Für sie gelten zahlreiche steuerliche Sondervorschriften. Die wichtigsten Infos zur Existenzgründung finden Sie hier.

Diese steuerlichen Phasen durchlaufen Sie bei der Existenzgründung

Als Existenzgründer durchlaufen Sie die folgenden Gründungsphasen und müssen jeweils einige steuerliche Besonderheiten beachten. Prinzipiell können Sie hier zwischen 2 Phasen unterscheiden:

  • Phase 1: Sie planen den Weg in die berufliche Selbstständigkeit. Bereits in dieser Phase der Gründung fallen einige Kosten an.
  • Phase 2: Die Existenzgründung hat begonnen, Gemeinde oder Finanzamt sind informiert. Jetzt müssen Sie bei bestimmten Wahlrechten steuerliche Besonderheiten für Existenzgründer beachten.

Steuertipps Phase 1: Wie mache ich Ausgaben steuerlich geltend?


Kosten vor der eigentlichen Existenzgründung – typischerweise für Beratungskosten, Gründerseminare, Fahrtkosten, Porto, Telefon oder Kopien – können Sie dem Finanzamt bereits im Jahr der Zahlung als „vorweggenommene“ Betriebsausgaben präsentieren. Die dabei entstehenden Verluste können Sie mit Einkünften des Vorjahres, des laufenden Jahres oder mit Einkünften in der Zukunft verrechnen.

Damit das Finanzamt den Abzug vorweggenommener Betriebsausgaben und die Erstattung der Vorsteuer aus den angefallenen Kosten anerkennt, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Schritt 1: Listen Sie sämtliche Ausgaben auf und vermerken Sie, dass es sich bei den Aufwendungen um vorweggenommene Betriebsausgaben für die geplante Existenzgründung handelt. Auch wenn Sie die Vorsteuererstattung beantragen, sind als Betriebsausgaben stets die Bruttokosten zu erfassen. Erst im Jahr der Erstattung der Vorsteuer müssen Sie den Erstattungsbetrag als Betriebseinnahme versteuern.
  • Schritt 2: Fügen Sie dieser Auflistung sämtliche Rechnungen bei, die Ihre vorweggenommenen Betriebsausgaben belegen.
  • Schritt 3: Notieren Sie auf der Rückseite der Rechnung oder einem eigenen Blatt, wofür die Ausgaben verwendet wurden und wie diese Kosten mit der geplanten Existenzgründung zusammenhängen.
  • Schritt 4: Tragen Sie die Summe der vorweggenommenen Betriebsausgaben in der Anlage G (bei gewerblichen Einkünften) oder in der Anlage S (selbstständige oder freiberufliche Einkünfte) zur Einkommensteuererklärung ein und geben Sie für die Erstattung der Vorsteuer eine Umsatzsteuerjahreserklärung beim Finanzamt ab.

Tipp: Vorweggenommener Vorsteuerabzug
Sind Sie aus der geplanten selbstständigen Tätigkeit zum Vorsteuerabzug aus Eingangsrechnungen berechtigt, können Sie beim Finanzamt auch die Erstattung der Vorsteuer aus den angefallenen Kosten beantragen.

Diese Besonderheiten sollten Sie kennen

Es kommt nicht zur Existenzgründung – was nun?

Kommt es wider Erwarten nicht zur Gründung, gehen Ihnen der Betriebsausgabenabzug und die Vorsteuererstattung nicht verloren. Sie müssen das Finanzamt nur von der Ernsthaftigkeit des Gründungswunsches überzeugen und begründen, warum der Weg in die Selbstständigkeit nicht mehr verfolgt wird.

Vorweggenommene Betriebsausgaben bei der Gewerbesteuer?

Unterliegen Ihre späteren Gewinne der Gewerbesteuer, werden in der Vorbereitungsphase keine vorweggenommenen Betriebsausgaben anerkannt. Dazu fehlt es an einem „stehenden Gewerbebebetrieb“.

Investitionsabzugsbetrag vor Gründung: Möglich, aber kompliziert

Für in den nächsten 3 Jahren geplante Investitionen ins betriebliche Anlagevermögen dürfen Unternehmer 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten als Betriebsausgaben geltend machen (der sogenannte Investitionsabzugsbetrag). Dieses Privileg gilt auch bei der Existenzgründung. Sie müssen jedoch eine verbindliche Bestellung zu der geplanten Investition vorlegen können. Dann akzeptiert das Finanzamt vorweggenommene Betriebsausgaben in Höhe des Investitionsabzugsbetrags.

Steuertipps Phase 2: Besonderheiten bei Wahlrechten für Existenzgründer


Starten Sie offiziell in die Selbstständigkeit, müssen Sie wegen Ihrer gewerblichen Einkünfte bei der Gemeinde ein Gewerbe anmelden. Die Gemeinde informiert dann automatisch das Finanzamt. Bei freiberuflichen Einkünften müssen Sie Ihre selbstständige Tätigkeit direkt beim Finanzamt anzeigen. In Phase 2 Ihrer Gründung müssen Sie Folgendes beachten:

Fragebogen des Finanzamts

Das Finanzamt schickt Ihnen einen Fragebogen zu. Bei der Frage nach dem voraussichtlichen Gewinn im ersten und zweiten Jahr sollten Sie zurückhaltend sein und eine „Null“ eintragen (Einnahmen und Ausgaben etwa gleich hoch). Denn tragen Sie hier euphorisch hohe Gewinnerwartungen ein, setzt das Finanzamt postwendend vierteljährliche Vorauszahlungen fest.

Kleinunternehmerregelung

Wird der Umsatz im Gründungsjahr voraussichtlich nicht mehr als 17.500 EUR betragen, können Sie sich als Kleinunternehmer einstufen lassen. Damit weisen Sie in Ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer aus, dürfen aus Eingangsrechnungen aber auch keine Vorsteuer geltend machen. Haben Sie sich die Vorsteuer aus den vorweggenommenen Betriebsausgaben erstatten lassen, scheidet die Kleinunternehmerregelung für Sie aus. Besonderheit: Der Umsatz im Gründungsjahr ist auf einen Jahresumsatz hochzurechnen.

Ist-Versteuerung

Liegt der Umsatz im Gründungsjahr nicht über 500.000 EUR, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf die umsatzsteuerliche Ist-Versteuerung stellen. In diesem Fall wird die Umsatzsteuer aus Ihrer Rechnung erst zur Zahlung ans Finanzamt fällig, wenn Ihr Kunde die Rechnung zahlt, und nicht schon mit Rechnungsstellung. Achtung: Wie beim Gesamtumsatz zur Kleinunternehmerregelung rechnet das Finanzamt den Umsatz des Gründungsjahrs auf 12 Monate hoch.

Umsatzsteuervoranmeldungen

So nervig es auch sein mag: Als Existenzgründer werden Sie vom Finanzamt unabhängig von der Höhe Ihrer Umsätze dazu verdonnert, monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung auf elektronischem Weg einzureichen. Erst nach Ablauf von 2 Jahren können Sie eine vierteljährliche oder jährliche Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen beantragen.

 

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