Steuertipps: Steuerfalle bei verdeckter Gewinnausschüttung vermeiden (z.B. bei Umsatzsteuer)

Betriebsprüfer bemängeln häufig eine verdeckte Gewinnausschüttung
Aktualisiert am: 31.07.2017

Spätestens beim Besuch der Betriebsprüfung in der GmbH kommt das Streitthema verdeckte Gewinnausschüttung auf den Tisch. Oft bemängelt der Finanzbeamte vor allem bei kleineren GmbHs, dass die strikte Trennung zwischen Privat- und Gesellschaftsvermögen zu wenig beachtet wird. Und dann kann die verdeckte Gewinnausschüttung bei der Steuer (z.B. Umsatzsteuer) richtig teuer werden.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung,

  • die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist,
  • sich auf den Steuergewinn auswirkt und
  • in keinem Zusammenhang mit einer offenen Ausschüttung steht.

Im Gegensatz zu einer Personengesellschaft kann die GmbH für Zahlungen an ihre Beteiligten einen gewinnmindernden Betriebsausgabenabzug bei der Steuer geltend machen. Dies bringt in erster Linie Vorteile bei der Gewerbesteuer. Am häufigsten anzutreffen sind Gehaltszahlungen an die Gesellschafter-Geschäftsführer, Mieten und Pachten für Immobilien der Beteiligten sowie Zinsaufwendungen aufgrund von Darlehensverträgen. Aber auch bei der Einkommensteuer kann es Vorteile geben, wenn die Gesamteinkünfte des GmbH-Gesellschafters gering sind und die Progression unter der Abgabenlast der GmbH liegt.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung kann in 4 Fällen vorliegen:

  1. Die GmbH wendet ihren Beteiligten etwas besonders günstig zu und würde diese Konditionen fremden Dritten nicht gewähren.
  2. Der Gesellschafter stellt seiner GmbH etwas überteuert in Rechnung.
  3. Leistungen zwischen GmbH und Gesellschafter werden ohne entsprechende Vereinbarung ausgeführt.
  4. Die Vertragspartner handeln nicht nach oder abweichend von der zuvor getroffenen Vereinbarung.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt auch bei Zuwendungen zugunsten einer nahestehenden Person vor. Das können Verwandte, aber auch Schwestergesellschaften sein. Insoweit rettet z. B. der Umweg über den Mietvertrag der GmbH mit dem Ehepartner des Gesellschafters nicht vor negativen Steuerfolgen.

Hinweis: Lesen Sie hierzu auch den Beitrag Verdeckte Gewinnausschütung und deren Folgen.

Steuerfolgen der verdeckten Gewinnausschüttung (z.B. Umsatzsteuer)

Eine verdeckte Gewinnausschüttung kann die GmbH steuerlich nicht vom Gewinn abziehen, obwohl der Aufwand tatsächlich entstanden ist. Im Gegenzug muss der private Geschäftsführer die verdeckte Gewinnausschüttung dennoch als Kapitaleinnahme versteuern, der Fiskus hält auf diese unerwünschte Einstufung also die Hand auf. Die verdeckte Gewinnausschüttung löst zudem Umsatzsteuer aus, ähnlich wie ein gewährter Vorteil an fremde Arbeitnehmer. Die aufgrund der verdeckten Gewinnausschüttung abgeführte Umsatzsteuer lässt sich bei der GmbH auch noch nicht einmal als Betriebsausgabe abziehen.

Steuertipp: So werden Verträge zwischen Gesellschaft und Gesellschafter-Geschäftsführer anerkannt

Um den beschriebenen negativen Steuerfolgen (z.B. bei Umsatzsteuer) bei der verdeckten Gewinnausschüttung aus dem Weg zu gehen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Erstellen Sie vorab eine klare und eindeutige Vereinbarung des Vertragsinhalts.
  • Legen Sie unbedingt angemessene Vergütungen fest (Lohn, Zinsen, Miete).
  • Treffen Sie Regelungen, wie sie unter fremden Dritten üblich (sog. Fremdvergleich) sind.
  • Führen Sie das Vertragsverhältnis auch tatsächlich aus.

Auf diese Punkte werfen Betriebsprüfer im Zusammenhang mit möglichen verdeckten Gewinnausschüttungen stets einen kritischen Blick.

Die 6 häufigsten Fallen bei verdeckter Gewinnausschüttung

Im Folgenden stellen wir Ihnen die 6 häufigsten Praxisfälle vor, bei denen die Gefahr einer verdeckten Gewinnausschüttung besteht:

1. Selbstkontrahierungsverbot wird nicht beachtet

Der juristische Begriff Selbstkontrahierungsverbot bedeutet, dass niemand Verträge abschließen kann, bei denen er auf der einen Vertragsseite für sich selbst und auf der anderen Vertragsseite als Vertreter für jemand anderen handelt. Mit diesem Verbot sollen Interessenskonflikte und Missbrauch verhindert werden.Damit der Geschäftsführer trotzdem Verträge für die GmbH mit sich selbst abschließen kann (beispielsweise beim Kauf eines Pkw), ist Voraussetzung, dass er von dem zivilrechtlich grundsätzlich bestehenden Selbstkontrahierungsverbot wirksam befreit ist. Dies gilt auch für 1-Mann-GmbHs. Diese Vertretung auf beiden Seiten des Verhandlungstisches muss sowohl im Gesellschaftsvertrag geregelt als auch im Handelsregister eingetragen sein. Ohne diese Befreiung sind geschlossene Vereinbarungen zivilrechtlich unwirksam, werden steuerlich (z.B. bei Umsatzsteuer) nicht anerkannt und auf dieser Basis gezahlte Vergütungen führen stets zur verdeckten Gewinnausschüttung.

Achten Sie also darauf, dass der Gesellschaftsvertrag der GmbH entweder eine Befreiung des Geschäftsführers vorsieht oder dass im Gesellschaftsvertrag die Möglichkeit vorgesehen ist, dass die Gesellschafterversammlung dem Geschäftsführer Befreiung vom Selbstkontrahierungsverbot erteilen darf. In diesem Fall muss ein entsprechender Beschluss der Gesellschafterversammlung herbeigeführt werden.Im Handelsregister ist dann mit der Bestellung des Geschäftsführers die Eintragung zu veranlassen, dass er von den Beschränkungen des § 181 BGB befreit ist.

Achtung: Diese Regelungen gelten auch für 1-Mann-GmbHs. Also auch wenn Sie alleiniger Gesellschafter und der einzige Geschäftsführer der GmbH sind, müssen Sie die Formalien genau so herbeiführen wie in GmbHs mit mehreren Gesellschaftern oder mehreren Geschäftsführern.

2. Fehler beim Abschluss eines Kreditvertrags zwischen Gesellschaftern und GmbH

Hier können 5 Vorgänge zu einer verdeckten Gewinnausschüttung führen:

  • Die Darlehensvereinbarung beinhaltet formale Fehler.
  • Die GmbH überlässt ein Darlehen zu einer unangemessen geringen Verzinsung.
  • Der Gesellschafter erhält für einen Kredit zu hohe Zinsen.
  • Es kommt zum Forderungsausfall, der sich bei der Kreditvergabe schon abgezeichnet hat.
  • Die GmbH verzichtet auf die Rückzahlung.

Zahlt eine GmbH an ihren Gesellschafter eine unangemessen hohe Vergütung oder fordert sie eine zu geringe Gegenleistung, liegt darin eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe der Differenz zwischen der tatsächlich vereinbarten und den statistischen Zinssätzen der Bundesbank vor.

3. Fehler beim Abschluss eines Mietvertrags

Beim Abschluss eines Mietvertrags können 3 Vorgänge zu einer verdeckten Gewinnausschüttung führen:

  • Die Vereinbarung beinhaltet formale Fehler.
  • Die GmbH vermietet zu einem unangemessen geringen Preis.
  • Der Gesellschafter erhält zu hohe Miete.

Hat der Gesellschafter jedoch eine Immobilie oder einen anderen Gegenstand günstig angemietet, muss er diesen Vorteil nicht zwingend durch einen günstigen Vertragsabschluss an die GmbH weitergeben. Zu einer verdeckten Gewinnausschüttung kommt es erst dann, wenn der Mietpreis unangemessen ist, gemessen an den ortsüblichen Bedingungen.

4. Preise sind unangemessen

Erwirbt eine GmbH von ihrem beherrschenden Gesellschafter ein Grundstück oder andere Wirtschaftsgüter zu überhöhten Preisen oder verkauft sie Gegenstände unter Wert, liegt in der Differenz eine verdeckte Gewinnausschüttung vor.

5. Ständige Verluste ohne Verlustausgleich

Unterhält eine GmbH im Interesse eines oder mehrerer Gesellschafter ein Wirtschaftsgut und entstehen ihr daraus nur Verluste, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor, wenn sich die Gesellschafter nicht zum Verlustausgleich plus einem angemessenen Gewinnaufschlag verpflichtet haben.

6. Verkauf der GmbH-Anteile unter Preis

Die Veräußerung eigener Anteile einer GmbH an die Gesellschafter kann als verdeckte Gewinnausschüttung zu werten sein. Denn ein ordentlicher Geschäftsleiter ist nicht mit Blick auf die Beteiligungsinteressen der Altgesellschafter gehindert, eigene Anteile der Gesellschaft gewinnbringend an Dritte zu veräußern. Daher stellt die Veräußerung eigener Anteile durch eine GmbH an ihre Gesellschafter zu einem unter dem gemeinen Wert liegenden Preis eine verdeckte Gewinnausschüttung dar.

Praxisbeispiel: Zu günstige Kreditkonditionen

Die GmbH gewährt einem ihrer Gesellschafter ein Darlehen von 100.000 EUR zu 3 % Zinsen, angemessen und marktüblich wären jedoch zumindest 5 %. Die jährliche Zinsersparnis (2 % × 100.000) von 2.000 EUR stellt eine verdeckte Gewinnausschüttung dar.

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