Tantieme des GmbH-Geschäftsführers richtig vereinbaren

Vergütungsform Tantieme für den GmbH-Gesellschafter richtig vereinbaren
Aktualisiert am: 23.03.2017

Tantiemen stellen eine weit verbreitete Vergütungsform alternativ zu den herkömmlich gezahlten Fixlöhnen dar. Die Tantieme empfiehlt sich vor allem dann, wenn sich der GmbH-Gewinn schlecht prognostizieren lässt. Mit einem zu hohen Festgehalt könnte die GmbH nämlich in die Verlustzone gleiten, und im umgekehrten Fall führt ein zu niedriges Festgehalt zu einem hohen GmbH-Gewinn und einer entsprechend hohen Steuerbelastung. Mit einer gewinnabhängigen Tantieme lassen sich diese beiden Probleme lösen. Jedoch muss diese Tantieme richtig vereinbart werden.

Tantieme: Klare, eindeutige Regelung ist Pflicht

Sagt die GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer eine variable Gewinntantieme zu, ist für die steuerliche Anerkennung im ersten Schritt wichtig, dass die getroffene Vereinbarung klare und eindeutige Regeln vorgibt, wie die Berechnungsformel für die Höhe der Auszahlung erfolgen soll (insbesondere Bemessungsgrundlage, Verlustjahr).

Ist die Ermittlung einer vereinbarten Gewinntantieme wegen fehlender oder schlampiger Formulierungen nicht nachvollziehbar, ist das Finanzamt bei beherrschenden Gesellschaftern sehr streng. Selbst dann, wenn die Gesamtbezüge des Gesellschafter-Geschäftsführers als angemessen anzusehen sind, sind die Zahlungen für die Tantieme bei nicht nachvollziehbaren Vereinbarungen als verdeckte Gewinnausschüttung einzustufen (FG Sachsen-Anhalt, Urteil v. 13.3.2013, Az. 3 K 309/09).

In dem Urteilsfall scheiterte die arbeitsrechtliche Vereinbarung zwischen der GmbH und ihrem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer an der ungenauen Formulierung, nach der die GmbH je nach wirtschaftlicher Lage die Höhe der Tantieme kürzen darf.

Die GmbH versuchte die Finanzrichter von der Feststellung einer verdeckten Gewinnausschüttung abzubringen, indem sie argumentierte, dass die Gesamtvergütung – also das Festgehalt zusammen mit der Tantieme – unstreitig angemessen war und dass durch das Eingreifen der Kappung die Gewinntantieme zu einer Festvergütung wurde. Doch die Finanzrichter konnten diese Argumente nicht überzeugen.

Es bleibt, wie immer, bei beherrschenden Gesellschaftern festzuhalten: Sofern ein Gesellschafter zu mehr als 50 % an einer GmbH beteiligt ist und somit als beherrschend gilt, sind im Vorhinein getroffene und vor allem unmissverständliche und nachvollziehbare Vereinbarungen mit der GmbH ein Muss.

Höhere Tantieme nach Betriebsprüfung?

Erhöht das Finanzamt nach einer Betriebsprüfung den GmbH-Gewinn, wirkt sich das auch auf den Gewinnanspruch des Geschäftsführers aus. Achtung: Das Finanzamt und einige Finanzgerichte sehen das aber nicht unbedingt so. So verlangt z. B. das Finanzgericht Niedersachsen, dass die höhere Tantieme nur ausgezahlt werden darf, wenn dies im Anstellungsvertrag so vereinbart ist (FG Niedersachsen, 6 K 547/95). Anders sehen das das FG Köln (13 K 6741/98) und das FG Hamburg (V 54/02). In deren Einzugsbereich darf die Tantieme auch ohne entsprechende Vereinbarung nachträglich nach oben angepasst werden.

Tipp: Wenn Sie als Geschäftsführer ganz sicher gehen wollen, dass Sie Ihre Tantieme nach einer Betriebsprüfung auf der Grundlage des höher veranlagten Gewinns auszahlen dürfen, sollten Sie das in Ihrem Anstellungsvertrag ergänzen: “Ändert sich der Gewinn der GmbH nach den Ergebnissen einer Betriebsprüfung und wirkt sich das auf die Bemessungsgrundlage der Tantieme aus, ist dies bei der Ermittlung der Tantieme zu berücksichtigen.“

Abschlagszahlungen zulässig?

Bei Abschlagszahlungen an den GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer für die Tantieme gilt folgendes:

Fall 1 – ohne Vereinbarung: Wurden die Abschlagszahlungen nicht im Arbeitsvertrag zwischen der GmbH und dem Gesellschafter-Geschäftsführer vereinbart, liegt in der Auszahlung der Abschlagszahlungen auf die Tantieme eine verdeckte Gewinnausschüttung vor.

Fall 2 – mit Vereinbarung: Wurde die Möglichkeit der Abschlagszahlung auf Tantiemen dagegen im Arbeitsvertrag ausdrücklich erlaubt, dürfen diese ohne steuerliche Konsequenzen noch vor Feststellung des Jahresabschlusses ausbezahlt werden.

Praxis-Tipp: Haben Sie bisher noch keine Möglichkeit auf Abschlagszahlungen auf die Tantieme, ändern Sie bis zum 31.12.2014 den Arbeitsvertrag zwischen Ihnen als Gesellschafter-Geschäftsführer und der GmbH und vereinbaren ab 2015 Abschlagszahlungen auf die Tantieme. Diese Änderungen des Arbeitsvertrags muss durch einen Gesellschafterbeschluss bestätigt werden.

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