Umsatzsteuer 2015: Neue Meldepflicht für elektronisch erbrachte Dienstleistungen

Schritt für Schritt Anleitung: Die Meldepflicht für elektronische Dienstleistungen
Aktualisiert am: 28.08.2015

In Sachen Umsatzsteuer müssen sich Unternehmer ab dem Jahr 2015 auf ein zusätzliches Meldeverfahren einstellen: Neben Umsatzsteuer-Voranmeldung und Jahreserklärung wird eine weitere Meldepflicht für Umsätze eingeführt, und zwar für elektronische Dienstleistungen, Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen, die im EU-Ausland an Privatkunden erbracht werden. Eine Vereinfachung kann das sogenannte Mini-One-Stop-Shop-Verfahren bieten, das vom Bundeszentralamt für Steuern angeboten wird.

Schritt 1: Bin ich von der Meldepflicht betroffen?

In Bezug auf Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen ist die Zahl der betroffenen Unternehmen sicher überschaubar. Anders sieht es bei den elektronischen Dienstleistungen aus. Diese umfassen eine große Bandbreite von Leistungen und Branchen. Umsatzsteuerrechtlich betroffen sind inländische Unternehmen, die in folgenden Bereichen Leistungen an Privatpersonen erbringen:

  • Webhosting, Fernwartung und Software-Dienstleistungen (SaaS) aller Art
  • Digitaler Content (Fotos, Bilder, Musik, E-Books, Online-Zeitschriften etc.)
  • Datenbanken
  • Digitale Weiterbildungs- und Informationsplattformen (Online-Seminare etc.)
  • Online-Marktplätze und -Verkaufsportale sowie alle Arten von Internet-Service-Paketen, die mehr umfassen als den reinen Internet-Zugang (Spielforen, Chatlines, Reiseportale, etc.)

Informationen für Lexware-Kunden

Kunden, die momentan mit der Version 2014 z.B. von Lexware faktura & auftrag, Lexware warenwirtschaft oder Lexware buchhalter arbeiten, erhalten weitere Informationen über die Service-Center direkt in das Produkt. Sobald der offizielle Anmeldelink auf das Portal zur Verfügung steht, wird dieser bekannt gegeben.  

Kunden, die mit der aktuellen Version 2015 z.B. von Lexware faktura & auftrag, Lexware warenwirtschaft oder Lexware buchhalter arbeiten, erhalten auch im kommenden Jahr weitere Informationen zum Thema MOSS sowie zur Erstellung der ersten MOSS-Meldung. Diese Informationen können zu gegebener Zeit im Service-Center abgerufen werden.

Schritt 2: Auf welchem Weg will ich die Umsätze melden?

Die Entscheidung darüber, wie man die elektronisch erzielten Umsätze an Privatpersonen im EU-Ausland melden möchte, muss noch in diesem Jahr gefällt werden, denn es sind Fristen einzuhalten.

Für die Meldung stehen prinzipiell 2 Wege zur Wahl:

  • Registrierung einzeln pro EU-Land. In diesem Fall werden die Umsätze in jedem Land, in dem Umsätze getätigt werden, einzeln erklärt. Voraussetzung ist, dass Sie sich im EU-Ausland umsatzsteuerlich bei der dortigen Finanzbehörde registriert haben. In der Regel helfen hier die Auslandshandelskammern weiter oder Sie nutzen einen Fiskalvertreter.
  • Nutzung des „Mini-One-Stop-Shop“ (auch MOSS-Verfahren oder KEA, für „kleine einzige Anlaufstelle“ genannt). Das MOSS-Verfahren wurde neu eingeführt, um gerade Kleinunternehmern die umsatzsteuerliche Registrierung in mehreren EU-Ländern zu ersparen. Die Registrierung erfolgt über ein ab Oktober zur Verfügung stehendes Online-Portal des Bundeszentralamts für Steuern.

Für die Teilnahme am MOSS-Verfahren spricht, dass Sie alle Auslandsumsätze an einer Stelle melden können. Sprachliche und verwaltungstechnische Hürden – wie bei der umsatzsteuerlichen Registrierung im EU-Ausland – gibt es keine.

Tipp: Sie sind bereits umsatzsteuerlich im EU-Ausland registriert?
Unternehmen, die umsatzsteuerlich im EU-Ausland bereits registriert sind, brauchen nichts weiter unternehmen, wenn dieser Weg weiterhin für die Meldung genutzt werden soll. Registrierte Unternehmen, die am MOSS-Verfahren teilnehmen möchten, sollten wissen, dass bei Entscheidung für eine Teilnahme am MOSS-Verfahren alle Auslandsumsätze über das Portal zu melden sind. Eine Vermischung der Verfahren ist nicht möglich.

Lexware unterstützt Sie mit allen wichtigen Informationen sowie einer FAQ-Liste zum Thema, die Sie hier herunterladen können.

Wenn Sie elektronische Dienstleistungen im EU-Ausland an Privatkunden erbringen, müssen Sie diese Umsätze ab 2015 entweder direkt in den einzelnen EU-Staaten oder beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) melden. Aus dieser Meldepflicht ergeben sich für Unternehmer weitere To-Dos, über die wir Sie hier informieren. Wichtig dabei: Falls Sie betroffen sind, sollten Sie nicht nur Rechnungsstellung und Buchungsweise anpassen, sondern auch Kalkulationen prüfen, den Vertrieb informieren, und einige andere organisatorische Dinge beachten.

Folgendes Schaubild gibt einen zeitlichen Überblick, an was Sie denken sollten:

Schritt 3: Preise prüfen, Verträge anpassen, Vertrieb informieren

In den einzelnen EU-Ländern gibt es unterschiedliche Mehrwertsteuersätze. Dadurch kann es zu Gewinnverschiebungen und -einbußen kommen, wie nachfolgendes Beispiel zeigt. Deshalb sollte man sich als Unternehmer auch überlegen, wie die Preise ab 2015 gestaltet werden sollen. Durch die unterschiedlichen Steuersätze in der EU ändert sich der Ertrag pro Land. Das sollte zumindest einmal durchgeplant und –kalkuliert werden.

Beispiel aus der Praxis: Unternehmer Huber bietet übers Internet E-Books und andere Downloads (neben Deutschland auch in Österreich und Spanien) an private Kunden an.

Sein Brutto-Preis beträgt derzeit 360 EUR. Er hatte mit 250 EUR Kosten kalkuliert.

Verkauf an Privatpersonen in
Verkauf an Privatpersonen in Brutto-Preis Netto-Preis USt Gewinn
Österreich 360 EUR 300,00 EUR 60,00 EUR (20% USt) 50,00 EUR
Spanien 360 EUR 297,52 EUR 62,48 EUR (21% USt) 47,52 EUR
Deutschland 360 EUR 302,57 EUR 57,49 EUR (19% USt) 52,51 EUR

Pro Verkauf in Spanien verliert Huber also rund 5 EUR Gewinn (bei in Spanien verkauften 1.000 Stück hat er am Ende des Jahres 5.000 EUR weniger Ertrag).

Tipp für Lexware-Kunden

Kunden, die z.B. mit Lexware faktura & auftrag, Lexware warenwirtschaft oder Lexware buchhalter arbeiten, erhalten weitere Informationen über die Vorgehensweise im Produkt direkt über das Service-Center und können diese Informationen zu gegebener Zeit auch über das Support-Portal abrufen.

Schritt 4: Rechnungsstellung und Buchhaltung anpassen

Für die Rechnungsstellung sind ab 1.1.2015 die gültigen Mehrwertsteuersätze der EU relevant. Dazu muss man die Fakturierung rechtzeitig anpassen.

Tipp: Die derzeit gültigen Mehrwertsteuersätze sind auf der offiziellen Homepage der EU abrufbar.

Was in Rechnung gestellt wird, muss auch verbucht werden. Dabei gibt es 2 Möglichkeiten:

  • Alle unter diese Regelung fallenden Umsatzerlöse werden auf ein Erlös-Konto gebucht.
  • Pro EU-Land und Steuersatz wird ein separates Konto angelegt.

Vorteil der Erfassung auf separate Konten ist, dass die Kontensalden zum Stichtag abgelesen und in die Meldung übertragen werden können – insbesondere wenn man sich für die Teilnahme am MOSS-Verfahren entschieden hat. Allerdings kann die Kontenanlage recht aufwändig werden, wenn man in viele EU-Länder liefert.

Nachteil der Buchung auf ein Erlöskonto ist, dass die Umsätze pro Land nachträglich aufwändig ermittelt werden müssen.

Schritt 5: Ablauf der Meldung über das MOSS-Verfahren im Jahr 2015

Spätestens zum 20.4.2015 ist die Online-Meldung über das Portal zu tätigen – vorausgesetzt, Sie hatten sich registriert. Die Daten werden auf dem Portal in einem Formular erfasst. Die Eingabe erfolgt manuell.  Zu melden sind die Netto-Umsätze pro Land und Steuersatz kumuliert. Wir gehen davon aus, dass das BZSt eine Ausfüllhilfe zur Verfügung stellen wird.

Hinweis: In der Umsatzsteuer-Voranmeldung muss ab VZ 2015 in der Zeile 42 (Kennzahl 45) Zeile 45 die Bemessungsgrundlage (Netto-Umsätze) dieser Leistungen angegeben werden. Der Steuerbetrag ist in der UStVA nicht zu melden.

Wie funktioniert die Registrierung für die Teilnahme am MOSS-Verfahren?

Das Bundeszentralamt für Steuern will ab Oktober eine Online-Registrierungsmöglichkeit für das MOSS-Verfahren anbieten. Über dieses Online-Portal sollen dann ab 2015 die Umsätze gemeldet werden. Um die Meldung über das Portal sofort zum Jahresbeginn nutzen zu können, müssen Sie die Meldefrist (01.10.- 31.12.2014) einhalten. Bei der Registrierung sind die üblichen Firmen-Angaben zu machen.

Die Meldungen sind quartalsweise - jeweils zum 20. des Folgemonats abzugeben. D.h. die Meldung für das 1. Quartal 2015 muss am 20. April 2015 beim BZSt über das MOSS-Portal eingegangen sein. Gleichzeitig mit der Meldung ist die Zahlung zu leisten.

Tipp:Details finden Sie auch in der FAQ-Liste.

Hinweis: Welche Punkte beim vereinfachten Besteuerungsverfahren (MOSS) geprüft werden müssen, finden Sie in unserer Checkliste

Jetzt Newsletter abonnieren

Jetzt Newsletter abonnieren


War dieser Beitrag hilfreich?
Bitte tragen Sie einen Kommentar ein.