Umsatzsteuer: Das ändert sich mit dem EU-Mehrwertsteuerpaket /fileadmin/_processed_/d/2/csm_Umsatzsteuer-EU-Ausland_1e4631351b.jpg 2015-08-28 Lexware

Umsatzsteuer: Das ändert sich mit dem EU-Mehrwertsteuerpaket

Prxistipps für das In-Rechnung-Stelluen des ausländischen Umsatzsteuersatzes
Von Lexware Redaktion
Aktualisiert am: 28.08.2015

Mit dem EU-Mehrwertsteuerpaket kommen ab 1. Januar 2015 einige Änderungen auf deutsche Unternehmen zu. Die Wichtigste: Künftig müssen alle Unternehmen, die elektronische Dienstleistungen im EU-Ausland an Privatkunden erbringen, den Umsatzsteuersatz des jeweiligen EU-Landes in Rechnung stellen. Um zu vermeiden, dass sich deutsche Unternehmen dafür in jedem EU-Land umsatzsteuerlich registrieren müssen, arbeitet das BMF am sogenannten Mini One Stop Shop (MOSS)-Verfahren. Ziel ist die Einrichtung eines Portals, über das deutsche Unternehmen ihre Umsätze im EU-Ausland erklären und gesammelt abführen können.

Welche Leistungen sind betroffen?

Bei den betroffenen Leistungen, die auf elektronischem Weg erbracht werden, kann es sich z. B. um E-Books, Software und andere Downloads handeln (ggf. auch im PDF-Format). Damit die Abwicklung via Internet funktioniert, muss auch die Zahlung sichergestellt werden. In den meisten Fällen zahlen die Kunden per PayPal oder mit Kreditkarte. Das sind die Daten, die der Unternehmer im eigenen Interesse ohnehin abfragt.

Der leistende Unternehmer kann nur zutreffend abrechnen, wenn er sich von seinen Kunden die Daten geben lässt, die eine exakte Zuordnung und Rechnungsstellung ermöglichen. Bei sonstigen Leistungen, die auf elektronischem Weg erbracht werden, muss der leistende Unternehmer auf seiner Internetseite Pflichtfelder einrichten, die der Kunde ausfüllen muss.

Wegen der unterschiedlich hohen Steuersätze in den einzelnen EU-Ländern stellt sich für den leistenden Unternehmer die Frage, wie er seine Preise gestalten will. Er kann einen Bruttobetrag in Rechnung stellen, sodass die Umsatzsteuer heraus gerechnet werden muss. Dadurch wird allerdings sein Ertrag verändert (siehe folgende Tabelle).                         

Elektronische Leistung wird erbracht in
Elektronische Leistung
wird erbracht in
Bruttobetrag Nettobetrag Umsatzsteuer
Deutschland (19 %) 100 EUR 84,03 EUR 15,97 EUR
Österreich (20 %) 100 EUR 83,33 EUR 16,67 EUR
Spanien (21 %) 100 EUR 82,64 EUR 17,36 EUR
Irland (23 %) 100 EUR 81,30 EUR 18,70 EUR

Der Unternehmer kann stattdessen auch einen Nettobetrag ausweisen, sodass dann die Umsatzsteuer hinzugerechnet wird (siehe folgende Tabelle). Er muss dann auf seiner Website die Steuersätze des jeweiligen EU-Landes hinterlegen, damit die Umsatzsteuer zutreffend ermittelt werden kann.

Elektronische Leistung wird erbracht in
Elektronische Leistung
wird erbracht in
Nettobetrag Umsatzsteuer Bruttobetrag
Deutschland (19 %) 100 EUR 19 EUR 119 EUR
Österreich (20 %) 100 EUR 20 EUR 120 EUR
Spanien (21 %) 100 EUR 21 EUR 121 EUR
Irland (23 %) 100 EUR 23 EUR 123 EUR

Der Kunde erwartet, wenn er eine sonstige Leistung online herunterlädt, dass der Download sofort (ohne längere Wartezeit) erfolgt. Das bedeutet für den leistenden Unternehmer, dass er seine Website so gestalten muss, dass der Kunde ihm alle erforderlichen Daten mitteilt. Hat der Kunde den Download erfolgreich ausgeführt, erhält der leistende Unternehmer in der Regel keine weiteren Daten mehr.

Unternehmer, die sonstige Leistungen auf elektronischem Weg ausführen, müssen sich folgende Daten geben lassen:

  • Name und Anschrift des Kunden mit Angabe des Wohnsitzlandes
  • Ist der Kunde Privatperson?                                              
  • Ist der Kunde Unternehmer?   Wenn JA, erfolgt die Verwendung für das Unternehmen? 
  • E-Mail-Adresse für die Übersendung der Rechnung
  • Zahlungsdaten: PayPal-Konto oder Kreditkartendaten 

Die Herausforderungen der neuen Regelung liegen für Unternehmer vor allem in den Bereichen Buchhaltung (richtige Kontierung), korrekter Rechnungsstellung sowie der Anmeldung ausländischer Umsatzsteuer bzw. deren Abwicklung in Deutschland (MOSS).

So kontieren Sie richtig!

Führt ein Unternehmer Leistungen auf elektronischem Weg an eine Privatperson aus, befindet sich der Ort der Leistung ab dem 1.1.2015 immer da, wo der Leistungsempfänger wohnt bzw. seinen Sitz hat. Befindet sich die Privatperson in einem anderen EU-Land, muss der leistende Unternehmer also die Umsatzsteuer im jeweils anderen EU-Land anmelden und zahlen. Um unnötigen umsatzsteuerlichen Verwaltungsaufwand zu vermeiden, wird das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) via MOSS die Möglichkeit bieten, dass deutsche Unternehmer die Umsatzsteuer, die anderen EU-Ländern zusteht, in Deutschland anmelden und an die inländische Finanzbehörde abführen.

Für die Buchung bietet sich zunächst das Konto „Umsatzsteuer aus im anderen EU-Land steuerpflichtige sonstige Leistungen/Werklieferungen“ 1728 (SKR 03) bzw. 3818 (SKR 04) an. Nachteil ist, dass man die Umsätze pro Land noch einmal separat zusammenfassen muss. Zu melden sind nämlich die Netto-Bemessungsgrundlage pro Land und Steuersatz.

Alternativ kann man pro Land ein separates Konto anlegen.  Vorteil: Man kann sich zum Meldetermin die Kontensalden vornehmen und die Summen in die MOSS-Meldung übertragen.

Welche Variante man nutzt, kommt natürlich auf das Volumen der Transaktionen an sowie die Anzahl der EU-Ländern, in die geleistet wird.

Tipp: Die meisten Kunden unterhalten Beziehungen in vermutlich weniger als 5 EU-Länder. In diesem Fall kann man die zweite Alternative zur Vorgehensweise empfehlen. Bei Leistung in mehr als 10 Länder sollte eine zusätzliche Erfassung z.B. in Excel in Erwägung gezogen werden. Kunden, die mit Lexware Buchhalter arbeiten, wird die zweite Variante empfohlen. Details hierzu erfahren Sie in Kürze in Ihrem Produkt.

Beispiel aus der Praxis

Unternehmer Huber bietet übers Internet E-Books und andere Downloads an, die seine Kunden per PayPal oder Kreditkarte zahlen. In den Monaten Januar bis März 2015 verkauft Herr Huber E-Books für brutto 360 EUR an Privatpersonen in Österreich (Steuersatz 20%) und für 410 EUR an Privatpersonen auf Mallorca (Steuersatz für Spanien 21%). Der Ort der sonstigen Leistungen, die er auf elektronischem Weg erbracht hat, befindet sich in Österreich und in Spanien. Er schuldet daher folgende Beträge:

Beispiel
Beispiel EUR
Für E-Book-Downloads in Österreich (netto 300 EUR) 360 EUR: 120 x 20 = 60,00 EUR
Für E-Book-Downloads in Spanien (netto 338,84 EUR) 410 EUR: 121 x 21 = 71,16 EUR
Netto 300 EUR + 338,84 EUR = 638,84 EUR; ausländische Umsatzsteuer insgesamt: 131,16 EUR

Ohne die Sonderregelung des § 18h UStG müsste Herr Huber die Umsatzsteuer von 60 EUR in Österreich und die Umsatzsteuer von 71,16 EUR in Spanien anmelden und zahlen. Da Herr Huber aber das Moss-Verfahren (mini-one-stop-shop = MOSS) anwenden will, meldet er sich hierfür über das Portal des BZSt an. Die Zahlung der ausländischen Umsatzsteuer erfolgt ebenfalls an die deutsche Steuerbehörde.

Hinweis: Ist der Leistungsempfänger ein Unternehmer, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung gemäß § 3a Abs. 2 UStG ebenfalls im Land des Leistungsempfängers. In dieser Situation ist jedoch der Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer, sodass das Reverse-Charge-Verfahren zum Einsatz kommt.

So funktioniert das MOSS-Verfahren im Detail

Bei elektronischen Leistungen an Privatpersonen bleibt der leistende Unternehmer Schuldner der Umsatzsteuer. Konsequenz ist, dass sich z. B. ein deutscher Unternehmer in jedem EU-Land, in dem er Leistungen auf elektronischem Weg an private Endabnehmer ausführt, zur Abwicklung der Umsatzsteuer registrieren lassen müsste. Um zu vermeiden, dass sich ein Unternehmer (oft nur für geringe Umsatzsteuerbeträge) in mehreren EU-Ländern registrieren lassen muss, wird ein neues vereinfachtes Besteuerungsverfahren eingeführt (§ 18h UStG), das sogenannte MOSS-Verfahren. Unternehmer mit Sitz in Deutschland, die an diesem Verfahren teilnehmen wollen, müssen dies anzeigen, und zwar:

  • gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)
  • nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz
  • durch Datenfernübertragung nach der Steuerdaten-Übermittlungsverordnung

Hat der Unternehmer sich für dieses Verfahren angemeldet, dann gilt diese Anmeldung für seine elektronischen Leistungen an Privatpersonen in allen EU-Ländern, in denen der Unternehmer weder einen Sitz noch eine Betriebsstätte hat (= sog. kleine Anlaufstelle, bezeichnet als Mini-one-stop-Shop, kurz MOSS).

Zu diesem Zweck muss der Unternehmer sich vor Beginn des Besteuerungszeitraums beim BZSt für das vereinfachte Verfahren anmelden. Besteuerungszeitraum ist das Kalendervierteljahr, sodass der Unternehmer sich vor dem 1.1.2015 beim BZSt anmelden muss. Das Verfahren kann angewendet werden, solange es nicht widerrufen wird. Der Widerruf kann nur mit Wirkung vom Beginn des Besteuerungszeitraums erfolgen und muss vor Beginn des Besteuerungszeitraums, für den er gelten soll, gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern nach amtlich vorgeschriebenen Datensatz auf elektronischem Weg erklärt werden.

Abgabe- und Zahlungsfristen bei MOSS

Unternehmer, die an dem vereinfachten Besteuerungsverfahren teilnehmen, müssen die hierfür vorgesehene Umsatzsteuererklärung bis zum 20. Tag nach Ablauf des Besteuerungszeitraums nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung dem BZSt übermitteln. Der Unternehmer ist verpflichtet, die Umsatzsteuer zu ermitteln. Die Zahlung der Steuerschuld erfolgt an das Bundeszentralamt für Steuern.

Es ist der allgemeine Steuersatz des Staates anzuwenden, in dem die Leistung durch Privatpersonen in Anspruch genommen wird. Die Verteilung und Zahlung an die jeweiligen Mitgliedsstaaten erfolgt dann durch das BZSt.

Das BZSt kann Unternehmer von dem Verfahren ausschließen, wenn sie ihren Aufzeichnungs- und Abgabeverpflichtungen nicht nachkommen. Das ist z. B. der Fall, wenn ein Unternehmer seine Umsatzsteuererklärungen wiederholt nicht oder nicht rechtzeitig an das BZSt übermittelt. Wichtig ist also, die Abgabefrist bis zum 20. Tag nach Ablauf des Besteuerungszeitraums einzuhalten. Die Abgabe ist auch dann erforderlich, wenn im Besteuerungszeitraum keine Umsätze auf elektronischem Weg in anderen EU-Ländern ausgeführt wurden.

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