Unternehmensanalyse: Wie leistungsfähig ist mein Unternehmen?

So beurteilen Sie die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens
Aktualisiert am: 06.08.2015

Unternehmer sollten sich hin und wieder die Frage stellen, ob sie gut gewirtschaftet haben und wie leistungsfähig ihr Betrieb insgesamt ist. Der Gewinn allein ist dafür meist kein ausreichender Indikator. Denn auch wenn ein Betrieb profitabel arbeitet, kann er in einzelnen Bereichen Probleme haben oder diese kurzfristig bekommen. Wie sich die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens umfassend beurteilen lässt und wie sich Verbesserungsmaßnahmen auf die Leistungsfähigkeit auswirken, zeigt dieser Beitrag. Zum Beitrag gehört auch eine Arbeitshilfe, mit der die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit ermittelt werden kann.

Kennzahlen der Leistungsfähigkeit

Die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens wird von Banken und anderen Geschäftspartnern im Wesentlichen an den finanziellen Ergebnissen festgemacht. Eine Beurteilungsgröße ist der erzielte Gewinn bzw. das Ergebnis nach GuV oder BWA. Allerdings kann man die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens nicht nur am Gewinn festmachen. Denn ein Unternehmen muss auch stets zahlungsfähig sein (Liquidität) und in anderen finanziellen Dingen gut aufgestellt sein, beispielsweise in Sachen Finanzierung (Kapitalanteile).

Banken und andere Investoren bewerten die finanzielle Leistungsfähigkeit (und damit auch die Bonität, die Ihr Unternehmen genießt) anhand mehrerer Kenngrößen. Die wichtigsten Kennziffern sind:

  • Eigenkapitalquote
  • Gesamtkapital-Rentabilität
  • Schuldentilgungsdauer (dynamischer Verschuldungsgrad)
  • Kapitaldienstfähigkeit
  • Working-Capital-Ratio (entspricht Liquiditätsgrad III)

Außerdem nehmen Banken zur Bewertung Ihrer Bonität – beispielsweise vor der Vergabe eines Kredits – i.d.R. eine ausführliche Cashflow-Analyse vor. Dabei wird nicht nur ein einfacher Cashflow (CF) gebildet, sondern es wird auch dargestellt, wofür der erwirtschaftete Mittelzufluss verwendet worden ist. Die Formeln zur Kennzahlenbildung finden Sie in der Arbeitshilfe Kennzahlenanalyse.

Achtung: Die Formeln der Kennzahlen können sich in der Zusammensetzung von Bank zu Bank unterscheiden. Beispielsweise kann an Stelle des bilanziellen Eigenkapitals auch das wirtschaftliche Eigenkapital verwendet werden. Um dieses zu ermitteln, benötigen Unternehmer u.a. noch Angaben zu Verbindlichkeiten und Forderungen gegenüber Gesellschaftern, ausstehenden Einlagen oder Gesellschafterdarlehen. Da diese Positionen bei kleinen Betrieben nicht so oft vorkommen, wurden sie aus Vereinfachungsgründen weggelassen. Auch bei der Schuldentilgungsdauer gibt es mehrere mögliche Formeln. In der Anwendung wurde eine Formel verwendet, die in der Praxis wohl am häufigsten zu finden ist.

So berechnen Sie Bonität und Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens

Unternehmer, die ihre Bonität und Leistungsfähigkeit selbst berechnen wollen, können dies zumindest näherungsweise mit relativ wenig Aufwand umsetzen. Es werden lediglich folgende Jahreswerte aus der aktuellen Bilanz und GuV/BWA benötigt:

  • Anlagevermögen
  • Umlaufvermögen (untergliedert nach Forderungen, Vorräten bei Beschaffungs- und Verkaufsgütern und liquiden Mitteln)
  • Eigenkapital
  • Rückstellungen
  • Fremdkapital (untergliedert nach langfristigen Verbindlichkeiten mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstigen Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr)
  • Ergebnis nach GuV/BWA nach Steuern, Abschreibungen/Zuschreibungen, Zinsaufwand, Gesellschafterentnahmen oder Ausschüttungen sowie die im Jahr erfolgte Tilgung

Um den Cashflow zu ermitteln, sind außerdem noch diese Angaben erforderlich:

  • Veränderungen von Rückstellungen (Vorjahr/laufendes Jahr)
  • Ggf. Erträge/Verluste aus Anlageverkäufen
  • Veränderungen von Forderungen, Vorräten und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Einzahlungen aus Desinvestitionen und Auszahlungen für Investitionen, mögliche Einzahlungen der Eigentümer
  • Einzahlungen aus der Aufnahme von Finanzverbindlichkeiten (Darlehen, Kredite), Auszahlungen für die Rückzahlung der Kredite
  • Finanzmittelbestand (Kasse, Bank) zu Beginn der betrachteten Periode

Diese Daten brauchen Sie für die Arbeitshilfe

Die geforderten Daten sollten in jedem Unternehmen vorliegen und im Tool in die Spalte „Ausgangsdaten“ eingetragen werden können. Aus den Eingaben werden die 5 Kennzahlen zur Bonitätsbewertung und der Cashflow einschließlich Verwendungsrechnung (Cashflow-Statement) ermittelt. Denn der Cashflow im engeren Sinn (Cashflow für Praktiker) hat den Nachteil, dass man nicht sehen kann, was mit zugeflossenen Mitteln passiert und wie hoch ggf. der Finanzbedarf zum Ausgleich fehlender Mittel ist. Durch die Verwendungsrechnung wird klar, wohin das Geld geflossen ist und ob es „gut“ verwendet wurde. Wird das Geld aus dem Cashflow für Praktiker z. B. genutzt, um übermäßig Materialien zu kaufen oder steigen die Forderungen deutlich, ist das ein Indikator für eine schlechte Verwendung. Denn dieses Geld ist gebunden und steht dem Betrieb nicht mehr für andere Dinge zur Verfügung, z.B. für Investitionen.

Bei den Lieferantenverbindlichkeiten ist es umgekehrt: Ein steigender Wert führt dazu, dass man über mehr Liquidität verfügt, da man die Rechnungen erst später begleichen muss. Aus dem Saldo dieser Zahlen ergibt sich der operative Cashflow. Er ist die Basis für die Berechnung der Kennzahlen „Schuldentilgungsdauer“ und „Kapitaldienstfähigkeit“. Allerdings ist die Verwendungsrechnung damit noch nicht beendet. Denn das Geld aus dem operativen Cashflow sollte ausreichen, um einen möglichst großen Anteil der Investitionen (CF aus Investitionstätigkeit) sowie der Auszahlungen an Eigentümer und Tilgungen zu begleichen. Sind nicht genügend Mittel hierfür vorhanden, müssen ggf. weitere Fremdmittel aufgenommen werden (CF aus Finanzierungstätigkeit, gelb hinterlegte Felder). Aus der Differenz von operativem CF, CF aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit ergibt sich ein positiver oder negativer Wert. Dieser wird noch um die liquiden Mittel zu Beginn der Periode ergänzt und am Ende ist ersichtlich, wie hoch die Liquidität des Unternehmens ist.

Nach diesen Richtwerten beurteilen Banken die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens

Für die Bonitätskennzahlen gibt es aus Sicht von Banken grundlegende Richt- und Orientierungswerte für günstige und weniger günstige Ausprägungen. Diese sind in der Mitte der Excel-Arbeitshilfe auf der rechten Seite zu finden (= Kästen mit grünen (sehr guten) bis roten (ungenügend) Färbungen; s.  Abb. 2). Für den Cashflow gibt es solche Orientierungsgrößen nicht. Es gilt: je höher er ist, desto besser – und desto besser die Kennzahlen „Schuldentilgungsdauer“ und „Kapitaldienstfähigkeit“. Zudem sollte der CF über mehrere Jahre ansteigen.

Achtung: Je nach Bank und Branchenzugehörigkeit kann es zu leichten Verschiebungen bei den Einordnungen kommen. Daher kann es sinnvoll sein, sich bei der Bank nach deren Einstufungen zu erkundigen, um eine noch genauere Standortbestimmung vornehmen zu können.

Abb. 1: Die Excel-Arbeitshilfe ...
Abb. 2: .... mit den Bonitätskennzahlen.

Auswirkungen von Verbesserungen simulieren

Wer wissen möchte, wie sich Verbesserungen auf die Leistungsfähigkeit auswirken, kann in der Spalte „Simulation“ eigene Eingaben machen. Im Beispiel ist zu sehen, dass Forderungen und Vorräte reduziert wurden und sich das Ergebnis durch die Rückführung von Verbindlichkeiten leicht verbessert. Ansonsten wurden keine Änderungen vorgenommen. Beim Cashflow-Statement müssen noch die Veränderungen bei Forderungen und Vorräten (Rückgang um 20.000 bzw. 30.000 EUR) abgebildet werden. Durch die Änderungen werden die Ausprägungen der 5 Kennzahlen besser. Auch der Cashflow steigt deutlich, mit der Folge, dass statt 120.000 nur 21.000 EUR neue Kredite aufgenommen werden müssten. Geht man von 6 % Zinsen p.a. aus, lassen sich jährlich fast 6.000 EUR Zinsen sparen. Ein weiterer Effekt der Verbesserungen ist, dass die Bonitätsnote steigt, und Zinssätze und Zinsbelastungen sinken.

Praxis-Tipp: Die Bewertung der Bonität wird von Banken nicht ausschließlich nach monetären Gesichtspunkten vorgenommen. In die Gesamtbewertung fließen auch qualitative Faktoren ein, etwa Managementqualität oder die Organisation der Buchhaltung. Daher ist es möglich, dass die Gesamt-Bonitätseinschätzung besser oder schlechter ausfällt als die finanzielle Einstufung. Sprechen Sie ggf. mit Ihrem Bankberater, welche qualitativen Faktoren in Ihrem Fall eine Rolle spielen und wie Sie diese positiv beeinflussen können.

Jetzt Newsletter abonnieren
Jetzt Newsletter abonnieren


War dieser Beitrag hilfreich?
Bitte tragen Sie einen Kommentar ein.