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Unternehmenskennzahlen zur Ratingvorbereitung – Schnell und einfach mit Excel-Unterstützung

Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 30.05.2018

Wenn Sie als Unternehmer einen Kredit benötigen, werden Sie von der Bank regelmäßig einem Rating (Bonitätsprüfung) unterworfen. Mit dem Rating versucht die Bank einzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie Unternehmer ihr Darlehen zurückzahlen werden. Beim Rating vergibt die Bank eine Note, die sich aus zwei Teilen zusammensetzt: der qualitativen und der quantitativen Bewertung. Die quantitative Bewertung, das ist das Ergebnis der Analyse und Beurteilung Ihrer Finanzergebnisse und Unternehmenskennzahlen. Die Kennzahlen fließen mit etwa 60 % in das Rating ein. Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sind für Unternehmer daher von besonderer Bedeutung. Und sie werden auch im Zuge einer Unternehmensbewertung benötigt, wenn Sie z.B. Ihr Unternehmen verkaufen oder selbst einen Betrieb zukaufen möchten.

So bereiten Sie Ihr Kleinunternehmen auf ein Rating vor

Wenn Sie einen Kredit benötigen, sollten Sie sich frühzeitig auf das Rating vorbereiten. Dazu gehört, dass Sie genau wissen, ob „Ihre“ betriebswirtschaftlichen Kennzahlen gut oder weniger gut ausfallen. Wichtige Kennzahlen im Unternehmen sind vor allem:

  • Eigenkapitalquote,
  • Gesamtkapital-Rentabilität,
  • Umsatzrentabilität,
  • Cashflow oder Deckungsgrad II.

Banken haben zur Kennzahlenanalyse eigene komplexe Programme und Berechnungsalgorithmen. Wenn Sie die Kennzahlen Unternehmen im Vorfeld eines Ratings selber bilden möchten, können Sie dazu aber auch eine Excel-Arbeitshilfe nutzen. Bereits mit wenigen Eingaben aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) können Sie alle benötigten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen selbst erstellen.

Es genügt fast immer, wenn folgende Daten aus der Bilanz vorliegen und eingegeben werden:

  • Vorräte,
  • Forderungen,
  • liquide Mittel,
  • Summe des Anlagevermögens sowie
  • Angaben zu Eigenkapital und Fremdkapital (gegebenenfalls unterteilt nach Fristigkeiten).

Außerdem werden aus der GuV Umsätze und Kosten benötigt und evtl. müssen Angaben zum geplanten Investitionsvorhaben gemacht werden. Diese Zahlen und Daten sollten Sie grundsätzlich binnen kurzer Zeit erheben können. Aus diesen Angaben lassen sich alle benötigten Unternehmenskennzahlen automatisch ermitteln.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen für die Unternehmensbewertung

Auch bei Unternehmensbewertungen wird die finanzielle Leistungsfähigkeit eines Unternehmens im Wesentlichen anhand der gleichen Unternehmenskennzahlen beurteilt wie beim Rating. Das bedeutet für Sie, dass sie mit lediglich einer Excel-Arbeitshilfe Lösungen für unterschiedliche Sachverhalte zur Hand haben.

Warum ist es wichtig, sich im Vorfeld eines Ratings oder einer Unternehmensbewertung mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu befassen?

Sie stellen sich jetzt vielleicht die Frage, warum Sie sich die Mühe machen sollen, im Vorfeld zum Beispiel einer Kreditverhandlung selbst Daten zu erheben und die Unternehmenskennzahlen für Ihren Betrieb zu erstellen, wenn das Bank oder Investoren ohnehin tun.
Die Antwort ist einfach: Das Kreditinstitut bildet die Unternehmenskennzahlen für Ihren Betrieb in jedem Fall, ist also über die Güte der Leistungsfähigkeit Ihrer Firma bestens informiert. Haben Sie sich selbst im Vorfeld darüber nicht informiert, wissen Sie z.B. nicht genau, ob Sie über eine gute oder eher weniger gute Eigenkapitalquote oder Gesamtkapital-Rentabilität verfügen. Damit fehlt Ihnen die Möglichkeit, z.B. bei einer eher schlechten Ausprägung frühzeitig zu überlegen, wie Sie der Bank die Entwicklung erklären und gleichzeitig aufzeigen können, wie Sie es künftig besser machen wollen. Beispiel: Sind Umsatz und Gewinn im letzten Jahr um 10 % zurückgegangen, weil ein großer Kunde abgesprungen ist, können Sie das im Gespräch von sich aus aktiv ansprechen und erklären. Haben Sie gleichzeitig die Akquise verstärkt und bereits neue Kunden hinzugewonnen, verfügen Sie über beste Argumente, um die Bank im Ratinggespräch davon zu überzeugen, dass sich Ihre betriebswirtschaftlichen Kennzahlen künftig wieder deutlich verbessern werden.

Und natürlich ist es aus den gleichen Gründen bei einer Unternehmensbewertung wichtig, sich über die Leistungsfähigkeit eines Betriebes zu informieren. Als Käufer wollen Sie vor dem Gespräch zumindest grob abschätzen können, auf was Sie sich einlassen. Als Verkäufer müssen Sie einschätzen können, ob der Betrieb für Sie attraktiv genug ist, um künftig höhere Gewinne erwirtschaften zu können.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen in der Praxis

Ein grundsätzliches Problem bei der Bildung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist, dass es kaum echte Standards für die Formelbildung gibt. Das bedeutet für Sie in letzter Konsequenz, dass sich die Ausprägung (Werte) der selbst erhobenen Kennzahlen Unternehmen von denen der Bank oder eines Investors oft zumindest leicht unterscheiden können. Um mögliche Irritationen zu vermeiden, sollten Sie sich im Vorfeld mit Ihrem Gegenüber abzustimmen, und sich nach der genauen Zusammensetzung „seiner“ Formel erkundigen. Sollten die Unterschiede bei der Formelbildung größer sein, ist es Ihnen leicht möglich, diese in der Excel-Lösung anzupassen.

Auch wenn es gegebenenfalls durch Unterschiede bei der Bildung der Kennzahlen Unter-nehmen dazu kommen kann, dass die Ausprägung der selbst ermittelten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nicht vollständig mit den der Bank übereinstimmen, genügen die Ergebnisse dennoch immer, um eine grundlegende Standortbestimmung vornehmen zu können.

Eine Excel-Arbeitshilfe zur Ratingvorbereitung und Unternehmensbewertung nutzen

Wenn Sie sich als Inhaber oder Geschäftsführer eines kleinen Betriebes auf ein Rating oder eine Unternehmensbewertung vorbereiten oder wissen möchten, wie Sie in Bezug auf die Finanzergebnisse und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen aus Bankensicht beurteilt werden, sollten Sie wissen, wann Sie gute und wann weniger gute Ausprägungen erreicht haben. Die folgende Tabelle zeigt Orientierungsgrößen für gute und weniger gute Ausprägungen wichtiger betriebswirtschaftlicher Kennzahlen:

Kennzahl
Kennzahl Ausprägung*
Gut Mittel Schlecht
Eigenkapitalanteil > 25% 10-25% <10%
Gesamtkapital-Rentabilität > 15% 5-15% <3-4%
Umsatzrendite (stark Branchen abhängig) >10% 5-10% <3%
Cashflow (stark Branchen abhängig) 3** 2** 1**
Umschlaghäufigkeit des Kapitals >1 ca. 1 < 1
Liquiditätsgrad 3 >150% 120-150% <100%
Deckungsgrad II >150% 110-150% <100%

*die Ausprägung ist tendenziell, kann je nach Bank leicht schwanken, daher vorab erkundigen

** = X-fache Höhe der Schulden (Verbindlichkeiten, Darlehen, Kredite)

Banken und Finanzinstitute sowie ggf. Investoren (bei Unternehmensbewertungen bzw. Un-ternehmenskäufen oder -verkäufen), haben für die Berechnungen eigene, hoch komplexe und teure EDV-Programme und Spezialsoftware. Da es für Sie aber vor allem darum geht, sich vorab einen ersten groben Eindruck von der Leistungsfähigkeit Ihres Betriebes zu verschaffen (sind die Ausprägungen eher gut, mittelmäßig oder schlecht), genügt es fast immer, wenn Sie die Unternehmenskennzahlen mit einer gut strukturierten Excel-Arbeitshilfe bilden.

Praxis-Tipp
Banken-und Investoren bewerten nicht nur die Ausprägungen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen eines Jahres, sondern sie betrachten die Ergebnisse mindestens der letzten 2-3 Jahre. Außerdem wird erwartet, dass Sie als Unternehmer eine Planung für ebenfalls 2-3 Jahre erstellen, aus denen sich die Planwerte für die Unternehmenskennzahlen ableiten lassen. Ziel der Banken ist es, so einen besseren Überblick über die tatsächliche Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens über einen längeren Zeitraum zu bekommen. Der Mehrjahresvergleich zeigt sowohl der Bank als auch Ihnen selbst, ob sich Ihr Unternehmen langfristig stabil entwickelt, gibt aber auch Hinweise auf mögliche Schwankungen und Risiken. Sie sollten die Kennzahlen mit der Excel Arbeitshilfe also möglichst den genannten Zeitraum bilden und die Ergebnisse einordnen.

 

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