Was sind die Stärken und Schwächen meines Unternehmens?

Firmenchef, Chefs kennen die Stärken ihres Betriebs meist sehr genau
Aktualisiert am: 01.09.2015

Firmenchefs kennen die Stärken ihres Betriebs meist sehr genau: Im Vergleich zu größeren Unternehmen punkten kleine Firmen häufig mit engen Kundenkontakten auf Chefebene und einem umfassenden Service. Anders sieht es aus, wenn Kleinunternehmer über die Schwächen ihres Unternehmens sprechen sollen. Sie sind vielen Chefs häufig weniger bewusst. In diesem Beitrag lesen Sie, wie Sie mit einer strukturierten Stärken-Schwächen-Analyse Risiken aufspüren und Schwächen beseitigen.

Typische Schwächen von kleinen Unternehmen

Es gibt bei kleinen Firmen häufig kritische Stellen, die sich quer durch alle Branchen ziehen. Zu diesen typischen Schwächen für Kleinunternehmen gehören: 

  • Mängel bei der Liquiditätssicherung Häufigster Grund für das Scheitern kleiner Unternehmen sind leere Bankkonten. So stellen zum Beispiel 50 Prozent der Existenzgründer ihr Unternehmen innerhalb von 5 Jahren ein, weil ihnen das Geld ausgeht.

    Tipp: Planen Sie Ihren Umsatz sorgfältig, stellen Sie Rechnungen zeitnah aus und überwachen Sie Forderungen und Zahlungseingang. Das hilft Ihnen, die Liquidität Ihres Unternehmens zu verbessern.

  • Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung Kleine Firmen haben häufig Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung. Laut einer Umfrage der KfW-Bank aus dem Jahr 2011 berichten 39 Prozent der befragten Unternehmen mit weniger als 1 Mio. EUR Jahresumsatz von Problemen bei der Kreditversorgung. In den meisten Fällen verweigerten die Banken den Kredit entweder ganz, verlangten sehr hohe Sicherheiten oder hohe Zinsen. Eine Gefahr sind Schnell-Ratings, die Banken besonders bei kleinen Firmen häufig automatisch vornehmen. Erfahrungen zeigen, dass Schnell-Ratings oft schlechter ausfallen als Voll-Ratings.
    Tipp:
    Pflegen Sie die Kontakte zur Hausbank; klären Sie in Gesprächen, wie eine Bank beim Rating vorgeht. Außerdem sollten Sie die Kreditgespräche sorgfältig vorbereiten und Ihre Hausbank regelmäßig über Geschäftsentwicklungen informieren.
  • Fehlende Innovationen Neue Ideen haben es oft schwer. Das gilt auch in kleinen Unternehmen. Laut der Studie „Erfolgsfaktor Innovationskultur“ wird kreatives Denken nur in knapp jedem 3. Unternehmen geschätzt. Die überwiegende Mehrheit setzt auf Prozesse mit klaren Regeln und Zuständigkeiten. Innovationen haben aber nur eine Chance, wenn eingespielte Prozesse auch hinterfragt werden dürfen.
    Tipp:
    Honorieren Sie Verbesserungsvorschläge. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter zu konstruktiver Kritik.

In 4 Schritten die Stärken und Schwächen eines Unternehmens ermitteln

Wer die Stärken und Schwächen in seinem Betrieb herausfinden will, muss alle wichtigen Aufgaben unter die Lupe nehmen und deren Effizienz bewerten. Das ist umso einfacher, je klarer Ihre Vorstellung vom Ziel der Analyse ist. Dabei geht es zum Beispiel um folgende Fragen:

  • Wie steht es um unsere Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Konkurrenten?
  • Wie gut ist unsere Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen (etwa bei abnehmender Kundennachfrage, bei Preisdruck durch Großanbieter oder bei fehlendem Fachpersonal)?
  • Wie können wir unser Produktangebot erweitern?

Schritt 1: Zuerst sollten Sie einen Kriterienkatalog erstellen, der alle wichtigen Funktionen in den Bereichen Beschaffung, Produktion und Dienstleistung, Marketing und Vertrieb, Finanzen und Verwaltung enthält. Hinzu kommen Faktoren wie Personal, Produkte, Betriebsausstattung, Kundenstamm, Kosten- und Umsatzstruktur. Die Funktionen und Faktoren lassen sich weiter aufgliedern und können dann bewertet werden. Hier einige Beispiele:

  • Beschaffung: hohe/niedrige Bezugspreise, gute/schlechte Qualität der Einkaufsware, hohe/niedrige Zuverlässigkeit der Lieferanten
  • Produktion: effiziente/ineffiziente Fertigungsmethode, hohe/geringe Flexibilität, hohe/niedrige Produktivität, hoher/niedriger Lohnkostenanteil
  • Kundenstruktur: Zahl der Großkunden, Anteil an Stammkunden, hohe/niedrige Kundenbindung, hoher/niedriger Umsatz/Gewinn pro Kunde
  • Finanzen: Verhältnis Eigen- und Fremdkapital, hohe/schwache Liquidität, hohe/geringe Fremdkapitalkosten, hoher/geringer Kapitalbedarf
  • Personal: hohes/niedriges Fachwissen, hohes/geringes Lohnniveau, hohe/geringe Fluktuation
  • Kostenstruktur: hoher/geringer Anteil Fixkosten, hoher/geringer Anteil Löhne + Gehälter, hoher/geringer Energieaufwand

Schritt 2: Ermitteln Sie nun den IST-Zustand für jedes ausgewählte Kriterium. Dabei sollten Sie auf möglichst konkrete und aktuelle Daten zurückgreifen. Sind diese nicht vorhanden, müssen Sie die Bewertung schätzen. 

Schritt 3: Jetzt folgt die Bewertung des IST-Zustands. Dazu müssen Sie den gewünschten SOLL-Zustand definieren und mit dem in Schritt 2 ermittelten IST-Zustand vergleichen. Als Grundlage für den SOLL-Zustand kann zum Beispiel die Jahresplanung dienen, die Fortschreibung der zeitlichen Entwicklung oder der Vergleich mit der (guten) Konkurrenz.

Schritt 4: Im letzten Schritt folgt die eigentliche Bewertung und Einordnung der Funktionen und Faktoren in „Stärke“ oder „Schwäche“. Die Bewertung lässt sich stufenweise in einem Stärken-Schwächen-Profil vornehmen und grafisch darstellen. Anhand der Grafik erkennen Sie, bei welchen Schwächen der dringendste Handlungsbedarf besteht oder welche Punkte sich mit verhältnismäßig wenig Aufwand verbessern lassen.

Chancen-Risiko-Analyse

Bei der Umsetzung sollten Sie die ermittelten Stärken und Schwächen durch eine Chancen-Risiko-Analyse ergänzen. Es kommt darauf an, die eigenen Stärken zu nutzen, um Chancen wahrzunehmen. Umgekehrt sind Schwächen zu beseitigen, damit Risiken vermieden oder beschränkt werden. Hier einige Fragen dazu:

  • Welche Leistungen sollten wir gegenüber den Kunden besonders herausstellen?
  • Welche Erfolgsfaktoren müssen wir ausbauen, um Stärken zu betonen?
  • Bei welchen Aufgaben sind Verbesserungen nötig, damit man Kunden und Konkurrenten weniger Argumente gegen das eigene Produkt/den Preis liefert?
Praxis-Beispiel

Der Chef einer Zimmerei mit 10 Mitarbeitern hat die Stärken und Schwächen seines Betriebs untersucht. Dabei stand die Frage im Vordergrund, worauf der Unternehmenserfolg zurückzuführen ist und wie die Firma der zunehmenden Konkurrenz durch Großunternehmen begegnen sollte. Bei der Analyse der Stärken und Schwächen stellte sich heraus, dass die Kunden den Service und die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter besonders schätzen und deshalb auch bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen. Der Geschäftsführer weiß, dass er keine Chance hat, seine Schwäche (den Preis) gegenüber den Großunternehmen zu beseitigen. Deshalb entscheidet er sich, das Angebot weiter zu verbessern und seine Stärken auszubauen; er verkürzt die Reaktionszeit auf Kundenanrufe und legt einen Zeitraum fest, in dem Kunden zurückgerufen werden müssen. Dem Kunden wird pünktliche Einhaltung garantiert. Auf diese Weise gelingt es dem Unternehmen, sich trotz der höheren Preise gegenüber Großunternehmen zu behaupten und sogar neue Kunden zu gewinnen.

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