Welche Haftungsfragen sollte ich als GmbH-Geschäftsführer beachten?

Die GmbH/Unternehmergesellschaft verspricht „beschränkte Haftung“. In der Praxis sieht das aber ganz anders aus. Der Geschäftsführer muss zahlreiche gesetzliche Vorschriften kennen.
Aktualisiert am: 31.08.2018

GmbH-Geschäftsführer sind im Vergleich zu GmbH-Gesellschaftern größeren Haftungsrisiken ausgesetzt. Oft wissen sie aber gar nicht, wie weit ihre Pflichten und ihre persönliche Haftung als GmbH-Geschäftsführer reichen. Da hilft nur eines: Wappnen Sie sich in Sache Haftung als GmbH-Geschäftsführer für alle Eventualitäten, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Risiko zur Haftung als GmbH-Geschäftsführer reduzieren: durch Sorgfalt

Die Grundregel hinsichtlich Haftung ist für den GmbH-Geschäftsführer im Prinzip ganz einfach: Führen Sie die Geschäfte stets so sorgfältig wie ein ordentlicher Kaufmann. Wenn Sie stets zum Wohl der Gesellschaft handeln, den Fortbestand der GmbH durch geeignete Maßnahmen sichern und sich immer auf angemessene Informationen stützen können, sind Sie auf der sicheren Seite. Dann wird die Sorge um die Haftung des GmbH-Geschäftsführers gleich kleiner. Fügen Sie dem Gesellschaftsvermögen jedoch durch eigene Schuld einen Schaden zu, müssen Sie diesen Schaden ersetzen.

Sichern Sie Forderungsausfälle ab, und vermeiden Sie unangemessene Risiken!
Bei größeren Geschäften sollten Sie (zur Vermeidung der Haftung) als GmbH-Geschäftsführer die Bonität Ihres Vertragspartners prüfen. Zudem empfiehlt es sich, Sicherheiten einzufordern, etwa in Form von Bankbürgschaften. Berücksichtigen Sie bei jedem Geschäftsabschluss die Art und Größe sowie die betriebswirtschaftliche und finanzielle Situation Ihres Unternehmens. Es gilt: Gehen Sie unvermeidbare, fernliegende und angemessene Risiken ein, die sich voraussichtlich gewinnbringend auswirken, aber sichern Sie diese stets ab.

Achtung: Gehen Sie auf Nummer sicher! Es ist schwierig einzuschätzen, wann ein Risiko angemessen ist und wann nicht. Gehen Sie daher stets davon aus, dass Ihr gesetzliches Korsett eng ist. Die Urteile der Gerichte zeigen dies. Im Zweifel sollten Sie daher lieber von einem Geschäft Abstand nehmen oder sich sehr gründlich gegen Forderungsausfälle absichern.

Risiko zur Haftung als GmbH-Geschäftsführer reduzieren: durch Stammkapital

Weitere Fallstricke der Haftung: GmbH-Geschäftsführer müssen die gesetzestreuen Weisungen der Gesellschafterversammlung erfüllen. Dies erfordert Ihr besonderes Geschick, wenn der andere Geschäftsführer (sofern es einen gibt) zugleich Gesellschafter ist. Schwierigkeiten treten vor allem dann auf, wenn ein Gesellschafter seine Entscheidung nicht zum Wohle der Gesellschaft trifft, sondern danach, wie er am meisten Ausschüttung herausholen kann. Achten Sie immer darauf, dass Entscheidungen nicht das Stammkapital belasten. Andernfalls können Sie bei Pflichtverletzung in Haftung als GmbH Geschäftsführer genommen werden.

Achtung: Führen z. B. Ausschüttungen an die Gesellschafter zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft, und haben Sie dies als GmbH-Geschäftsführer nicht verhindert oder sogar schuldhaft veranlasst, müssen Sie der Gesellschaft Schadensersatz zahlen – ein teurer Fehler.

Machen Sie nur Geschäfte mit Rückendeckung der Gesellschafterversammlung
Überschreiten Sie niemals Ihre Kompetenzen. Bedenken Sie, dass Sie bei allen Rechtshandlungen und Geschäften, die für das Unternehmen ein hohes Risiko darstellen oder langfristige Verbindlichkeiten begründen, die Zustimmung der Gesellschafterversammlung einholen müssen. Werfen Sie auch einen Blick in die Satzung (Gesellschaftsvertrag). Häufig beinhaltet diese einen Katalog von Geschäften, die der Genehmigung der Gesellschafter bedürfen. Auch wenn Ihnen Entscheidungen der Gesellschafterversammlung lästig sind oder Sie sich bevormundet fühlen, sollten Sie akribisch Ihre Vorgaben einhalten und im Zweifel Rücksprache halten. Andernfalls greift die Haftung des GmbH-Geschäftsführers und kostet Ihr Geld.

Führen Sie die Sozialversicherungsbeiträge immer ordnungsgemäß ab
Als GmbH-Geschäftsführer haften Sie sowohl für die Arbeitnehmer- als auch für die Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeiträge, wenn diese nicht ordnungsgemäß abgeführt werden: jeweils am drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats. Zudem machen Sie sich dann strafbar. Oft sind Mitarbeiter mit der Aufgabe betraut, die Beiträge zu berechnen und abzuführen. Doch auch die besten Mitarbeiter machen manchmal Fehler. Deshalb: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Lassen Sie sich, wenn möglich, die Zahlen einmal im Monat vorlegen.

Achtung: Keine Gnade bei Sozialversicherungsbeiträgen. Sie müssen im Vorfeld Rücklagen für die Sozialversicherungsbeiträge bilden. Es gibt keine Ausreden. Auch im Krisenfall müssen Sie zahlen!

Risiko zur Haftung als GmbH-Geschäftsführer reduzieren: durch Insolvenzantrag

Das Unternehmen ist einem langjährigen GmbH-Geschäftsführer in der Regel ans Herz gewachsen. Umso schwerer kann er meistens davon loslassen, vor allem dann, wenn es dem Unternehmen so schlecht geht, dass es nicht mehr zu retten ist. Hier passieren die häufigsten Fehler, denn der Gesetzgeber sieht bei zahlungsunfähigen Unternehmen besonders strenge Auflagen und Pflichten vor. Es gilt daher, die Insolvenz rechtzeitig anzumelden, andernfalls gehen Sie als GmbH-Geschäftsführer ein unüberschaubares persönliches Risiko ein. Man spricht dann im Fachjargon von einer „Insolvenzverschleppung“, für die Sie die persönliche Haftung als GmbH-Geschäftsführer übernehmen.

Achtung: Insolvenzantrag innerhalb von 3 Wochen! Der Insolvenzantrag einer überschuldeten oder zahlungsunfähigen Gesellschaft muss innerhalb von 3 Wochen gestellt werden. Das heißt: Stellen Sie den Insolvenzantrag sofort, wenn innerhalb von 3 Wochen die entstandene Liquiditätslücke nicht beseitigt werden kann, wenn also mehr als 10 % der fälligen Gesamtverbindlichkeiten nicht mehr bezahlt werden können.

Haftung des GmbH-Geschäftsführers bei verjährten Pflichtverletzungen?

Pflichtverletzungen des GmbH-Geschäftsführers verjähren nach 5 Jahren gegenüber der GmbH. Damit endet Ihre Haftung als GmbH-Geschäftsführer. Lassen Sie sich jedoch zur weiteren Haftungseinschränkung von der Gesellschafterversammlung jährlich besser noch eine Entlastung erteilen. Auf diese Weise verzichtet die GmbH gegenüber dem Geschäftsführer auf Ersatzansprüche für die Vergangenheit. Eine solche Entlastung sollten Sie auch bei Ausscheiden aus der GmbH herbeiführen.

Lesen Sie dazu den Beitrag:

>> Entlastung des GmbH-Geschäftsführers: Die 4 häufigsten Fallen

Haftpflichtversicherung für Geschäftsführer

Haftpflichtversicherungen für Geschäftsführer greifen bei Schäden, die Sie als GmbH-Geschäftsführer fahrlässig verursacht haben. Sie können dies auch in den Geschäftsführervertrag aufnehmen. Da diese Absicherung in der Regel auch im Interesse der Gesellschafter liegt, stehen die Chancen gut, dass die Gesellschaft die Versicherungsbeiträge übernimmt.

Handeln ohne Zustimmung der Gesellschafterversammlung

Fallbeispiel zur Haftung: GmbH-Geschäftsführer Herr Sonntag ist laut Vertrag verpflichtet, bei Investitionen über 150.000 EUR die Zustimmung der Gesellschafterversammlung einzuholen. Da eine ausgefallene Maschine dringend ersetzt werden muss, kauft er kurzerhand für 155.000 EUR eine neue, ohne sich Alternativangebote einzuholen. Die Gesellschafterversammlung wirft ihm vor, ohne Zustimmung eine zu teure Maschine gekauft zu haben.

Lösung: Herr Sonntag hat seine Kompetenzen überschritten, da er die Zustimmung der Gesellschafterversammlung nicht eingeholt hat. Dies kann sogar Schadensersatzansprüche gegenüber der Gesellschaft begründen. Herr Sonntag muss beweisen, dass der Schaden (zu teurer Einkauf) auch entstanden wäre, wenn er Alternativangebote eingeholt hätte. Eventuell wären sogar durch den Maschinenausfall noch höhere Kosten angefallen, die den kurzfristigen Kauf rechtfertigen.

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