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Weniger Bürokratie durch BilRUG: So profitieren Kleinunternehmer von aktuellen Schwellenwerten

Einordnung von Unternehmen in Größenklassen, aktuelle Schwellenwerte
Von Reinhard Bleiber
Aktualisiert am: 01.02.2017

Für Kapitalgesellschaften gelten seit dem Geschäftsjahr 2015 die aktuellen Schwellenwerte für die Einordnung in Größenklassen. Vor allem Klein- und Kleinstunternehmen sparen sich dadurch erheblichen Aufwand bei der Erstellung des Jahresabschlusses. Durch das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) wurde in 2015 der § 267 im HGB verändert, der die Größenklasseneinteilung enthält. Damit wurde eine EU-Richtlinie umgesetzt, die für vergleichbare Bedingungen in der gesamten EU sorgt. In unserem Beitrag lesen Sie, wer Vorteile durch die aktuellen Regelungen erwarten kann und wie Sie die Bedingungen dafür schaffen.

BilRUG: Die neuen Schwellenwerte für Kapitalgesellschaften

Eine zentrale Rolle bei der versprochenen Reduktion der Bürokratiekosten spielen die Veränderungen der Schwellenwerte, die zur Einordnung der Gesellschaft in Größenklassen herangezogen werden. Die Schwelle von der kleinen zur mittleren Kapitalgesellschaft soll um mehr als 20 % angehoben werden. Von den folgenden Werten muss die Kapitalgesellschaft mindestens 2 unterschreiten (und zwar an mindestens 2 hintereinanderliegenden Bilanzstichtagen), um in die jeweils günstigere Größenklasse zu fallen.

Größenklasse
GrößenklasseKleinstgesellschaftKleinMittelGroß
Bilanzsumme
Mio. EUR
<= 0,35
(<= 0,35)
0,35 - 6,00
(0,35 - 4,84)
6,00 - 20,00
(4,84 - 19,25)
20
(> 19,25)
Umsatz
Mio. EUR
<= 0,70
(<= 0,70)
0,70 - 12,00
(0,70 - 9,68)
12,00 - 40,00
(9,68 - 38,50)
> 40
> 38,5
Anzahl
Mitarbeiter
<= 10
(<=10)
>10 - <= 50
(> 10 <= 50)
> 50 - <= 250
(> 50 - <= 250)
> 250
(> 250)

Die Einordnung in eine der beiden unteren Größenklassen ist deshalb attraktiv, weil Kleinstgesellschaften und kleine Kapitalgesellschaften von diversen Erleichterungen profitieren. Konkret geht es um Vorschriften zum Jahresabschluss, die im HGB für Kapitalgesellschaften vorgegeben sind. Diese gelten uneingeschränkt für mittlere und große Kapitalgesellschaften, ansonsten gelten die folgenden Erleichterungen:

Erleichterungen bei einer Kleinstgesellschaft

  • Der Jahresabschluss muss nicht digital veröffentlicht werden, er wird lediglich hinterlegt.
  • Es gilt ein vereinfachtes Gliederungsschema für Bilanz und GuV ( Bedingungen müssen erfüllt werden).
  • Ein Anhang zum Jahresabschluss muss nicht oder nur vereinfacht erstellt werden (Bedingungen müssen erfüllt werden).

Erleichterungen bei einer Kleinstgesellschaft und bei einer kleinen Kapitalgesellschaft

  • Der Jahresabschluss muss nicht von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert werden.
  • Der Jahresabschluss muss spätestens 6 Monate nach dem Bilanzstichtag vorliegen, nicht bereits nach 3 Monaten.

Die Erleichterungen ersparen vielen Unternehmen einen wesentlichen Aufwand. Allein das Testat des Abschlusses durch einen Wirtschaftsprüfer kann schnell mehrere tausend Euro kosten, nicht zu vergessen ist der hohe interne Aufwand im Rechnungswesen. Der Vorteil: Nach der Anpassung des § 267 HGB durch das BilRUG können sich mehr Kapitalgesellschaften als „klein“ einstufen lassen als viele annehmen. Außerdem gilt: Die Werte sind in den Unternehmen nicht fix, sie sind beeinflussbar.

Ist es für eine Kapitalgesellschaft beispielsweise attraktiv, nicht mehr zur Klasse der mittleren, sondern zu den kleinen Gesellschaften zu gehören – und werden Werte knapp oberhalb der neuen Schwellen erreicht – dann sollte geprüft werden, ob durch individuelle Maßnahmen eine ausreichende Reduktion der Werte erreicht werden kann.

BilRUG-Anpassung: So optimieren Sie bei Bilanzsumme, Umsatz und Mitarbeitern

Durch aufmerksames rechtzeitiges Reagieren kann die Bilanzsumme reduziert werden:

  • Rechnungen können kurz vor dem Bilanzstichtag bezahlt werden, was sowohl die Verbindlichkeiten als auch das Bankguthaben reduziert.
  • Überflüssiges Anlagevermögen oder nicht mehr benötigte Vorräte können verkauft, mit den Erlösen können Bankkredite getilgt werden. Das verringert die entsprechenden Bilanzpositionen.
  • Bestellungen können so vereinbart werden, dass die Lieferung der Waren erst nach dem Bilanzstichtag erfolgt. Dadurch sinken Vorräte und Verbindlichkeiten.
  • Gewinnvorträge können ausgeschüttet werden, um das Eigenkapital und das Bankguthaben zu reduzieren.

Achtung: Bilanzpolitik

Aus der Bilanz werden viele wichtige Kennzahlen errechnet. Alle Änderungen der Bilanzpositionen sollten daher auch daraufhin geprüft werden, wie sie sich auf wichtige Kennzahlen auswirken. So steigt beispielsweise die Eigenkapitalquote, wenn die Bilanzsumme verkürzt wird. Auf der anderen Seite ist die Ausschüttung von Eigenkapital negativ für die Quote. Auch Liquiditätskennziffern können sich verschlechtern.

Der Umsatz

Der Umsatz kann beeinflusst werden, wenn letzte Lieferungen eines Jahres in Absprache mit den Kunden bis ins neue Jahr zurückgehalten werden. Auch die Vereinbarung von Boni, die den Kunden bereits im Dezember ausgezahlt werden, reduziert den Umsatz.

Die Mitarbeiterzahl

Bei der Zahl der Mitarbeiter muss mittel- und langfristig agiert werden, um diese unter den Schwellenwert zu bringen. Ein beliebtes Mittel ist das Auslagern von Arbeiten abseits des Kerngeschäfts. So können Dienstleister anstelle eigener Mitarbeiter (z. B. in der IT) eingesetzt werden. Da für die BilRUG-Schwelle die Zahl der tatsächlich beschäftigten Personen zählt (unabhängig von der geleisteten Arbeitszeit), kann die Mitarbeiterzahl auch durch die Zusammenlegung von Teilzeitstellen zu einer Vollzeitstelle reduziert werden.

BilRUG: Die neue Definition von Umsatz

Durch die neue Umsatz-Definition im Zuge von BilRUG wird unter Umständen eine Reorganisation der Konten in der Buchhaltung notwendig. Hintergrund: Der in der bisherigen Definition enthaltene Verweis auf „die gewöhnliche Geschäftstätigkeit“ und „typische“ Erlöse sollen gestrichen werden. In der Folge müssen künftig auch diejenigen Erlöse als Umsatz ausgewiesen werden, die nicht in einem direkten Zusammenhang zur Geschäftstätigkeit des Unternehmens stehen. Viele „sonstige betriebliche Erträge“ (z. B. Mieteinnahmen aus Untervermietung eines Teils des selbst genutzten Bürogebäudes oder einer Lagerhalle bei Handwerkern usw.) sind nach aktueller Definition Umsatz. Das erhöht den auszuweisenden Umsatz, allerdings ohne die Kosten des Umsatzes korrekt zuzuordnen. Damit verlieren einige Kennzahlen (z. B. die Materialeinsatzquote) wenn schon nicht ihre Aussagekraft, so doch zumindest ihre Vergleichbarkeit mit älteren Werten. Gleichzeitig verschlechtert diese Änderung die Ausgangssituation im Kampf um die Reduktion des Umsatzes bezüglich der Schwellenwerte für die Größenklassen aus dem HGB.

BilRUG unterstellt Nutzungsdauer von 10 Jahren

Für den Fall, dass die Nutzungsdauer eines selbst erstellten, immateriellen Wirtschaftsgutes nicht verlässlich bestimmt werden kann, sieht das BilRUG eine Nutzungsdauer von 10 Jahren vor. Damit wird das Finanzamt immer versuchen, für solche Wirtschaftsgüter eine Mindestnutzungsdauer in Höhe dieser Vorgabe anzusetzen. Für niedrigere Werte muss das Unternehmen eine schlüssige Planung vorlegen. Diese wird am besten bereits bei der Aktivierung aufgestellt und dokumentiert. Sie zeigt als Ergebnis die realistische niedrigere Nutzungsdauer.

 

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