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Wie gehe ich mit der Lohnpfändung eines Mitarbeiters um?

Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen Mitarbeiter: Was Sie als Unternehmer bei einer Lohnpfändung beachten müssen
Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 01.07.2019

Wenn Ihr Mitarbeiter Schulden hat, kann sein Gläubiger eine Lohnpfändung (bzw. Gehaltspfändung) beantragen. Sie müssen dann einen Teil des Lohns direkt an den Gläubiger zahlen. Für Sie bedeutet eine Lohnpfändung in erster Linie Mehraufwand. Sie müssen sich um die Formalitäten kümmern und auch den genauen Pfändungsbetrag errechnen. Hier erfahren Sie alles, was Sie dazu wissen müssen.

Was passiert bei der Lohnpfändung/ Gehaltspfändung eines Mitarbeiters?

Die Lohnpfändung (bzw. Gehaltspfändung) eines Mitarbeiters ist eine Form der Zwangsvollstreckung. Wenn der Gläubiger weiß, wo sein Schuldner arbeitet, hat er damit gute Chancen, an sein Geld zu kommen. Zahlreiche Vorschriften in der Zivilprozessordnung (ZPO) sorgen allerdings dafür, dass dem Schuldner trotz Lohnpfändung genug zum Leben bleibt.

Möchte der Gläubiger Ihres Mitarbeiters den Lohn pfänden, beantragt er beim Gericht einen sogenannten Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Dieser Beschluss wird Ihnen als Arbeitgeber durch den Gerichtsvollzieher auf dem Postweg oder persönlich zugestellt. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie den pfändbaren Teil des Arbeitseinkommens direkt an den Gläubiger Ihres Mitarbeiters zahlen. Sie werden zum sogenannten „Drittschuldner“ des Gläubigers. Auch Ihrem Mitarbeiter wird der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss zugestellt. Ist das Arbeitsverhältnis bereits beendet, wenn Sie den Pfändungsbeschluss erhalten, und ist kein Lohn mehr offen, bleibt die Pfändung erfolglos, mit einer Ausnahme:

Achtung: „Alte“ Pfändung wirkt weiter
Fängt der Arbeitnehmer innerhalb von 9 Monaten nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses wieder in Ihrem Betrieb an, gilt die „alte“ Pfändung auch für die neue Beschäftigung.

Ignoriert der Arbeitgeber die Lohnpfändung und überweist das ganze Arbeitsentgelt an seinen Mitarbeiter, kann der Gläubiger den pfändbaren Teil noch einmal von ihm verlangen. Sie müssen hier also korrekt rechnen und abführen, sonst riskieren Sie finanziellen Schaden! Weitere Informationen, Praxisbeispiele und Arbeitshilfen finden Sie in der Online-Datenbank Lexware gmbh wissen.

Ankündigung der Lohnpfändung eines Mitarbeiters

Möchte der Gläubiger verhindern, dass ihm ein anderer zuvorkommt, kann er Ihnen eine sogenannte Vorpfändung zustellen lassen. Darin wird Ihnen mitgeteilt, dass eine Pfändung unmittelbar bevorsteht und Sie den pfändbaren Teil des Lohns ab sofort einbehalten müssen. Dieses Schreiben kann er selbst, sein Anwalt oder der Gerichtsvollzieher ausstellen. Entscheidend ist, dass Ihnen die Vorpfändung vom Gerichtsvollzieher zugestellt wird. Erfolgt die Zustellung des eigentlichen Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses dann innerhalb eines Monats, zahlen Sie den einbehaltenen Lohn an den Gläubiger. Wird diese Frist nicht eingehalten, wird die Vorpfändung hinfällig und Sie zahlen den einbehaltenen Lohn an Ihren Mitarbeiter aus.

Der Gläubiger kann Auskunft verlangen

Normalerweise weiß der Gläubiger Ihres Mitarbeiters nicht, ob Ihnen schon andere Pfändungen vorliegen und ob das Arbeitseinkommen Ihres Mitarbeiters für eine Pfändung reicht. Um zu erfahren, ob und wann er mit einer Zahlung rechnen kann, kann er Auskunft von Ihnen verlangen. Sie werden dann im Pfändungsbeschluss aufgefordert, eine sogenannte Drittschuldnererklärung abzugeben. Darin müssen Sie mitteilen,

  • ob ein weiterer Anspruch auf Lohn besteht,
  • ob und welche Ansprüche Dritte am Entgelt Ihres Mitarbeiters haben,
  • ob und wegen welcher Ansprüche der Lohn schon von anderen Gläubigern gepfändet wurde.

Verweigert der Arbeitgeber die Drittschuldnererklärung oder gibt er eine falsche oder unvollständige Auskunft, macht er sich schadenersatzpflichtig. Ein Schaden kann z. B. dadurch entstehen, dass der Gläubiger im Vertrauen auf die Drittschuldnererklärung nicht versucht, seine Forderung auf andere Weise einzutreiben.

So wird die Lohnpfändung eines Mitarbeiters berechnet

Weil manche Lohnteile gar nicht, andere nur zum Teil oder nur unter bestimmten Voraussetzungen pfändbar sind, müssen Sie im Einzelfall berechnen, welchen Betrag der Gläubiger zu bekommen hat.

Dabei gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Sie klären, welche Teile des Bruttolohns pfändbar sind. Nicht pfändbar und daher abzuziehen sind z. B. vermögenswirksame Leistungen, Aufwandsentschädigungen und die Hälfte der Überstundenvergütung. Naturalleistungen wie z. B. die erlaubte Privatnutzung eines Dienstwagens sind als Sachbezug einzurechnen.
  • Sie berechnen den pfändbaren Nettolohn. Dazu ziehen Sie vom errechneten pfändbaren Bruttolohn die darauf anfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ab.
    Vorsicht: Wenn Lohnteile nicht oder nur teilweise pfändbar sind, entspricht der pfändbare Nettolohn nicht dem, was auf der Lohnabrechnung normalerweise als Nettolohn erscheint. Denn dort wurden auch die auf den unpfändbaren Teil fallenden Abgaben abgezogen.
  • Sie ermitteln den bei Ihrem Mitarbeiter pfändbaren Betrag. Wie viel Sie vom pfändbaren Nettolohn an den Gläubiger abführen müssen, hängt davon ab, wie viele Unterhaltspflichten Ihr Mitarbeiter hat. Der pfändbare Betrag ergibt sich aus der amtlichen Lohnpfändungstabelle.

Mehrfache Lohnpfändung und Unterhaltspfändung

Bei der Lohnpfändung gilt „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Sollten also mehrere Gläubiger bei Ihnen anklopfen, müssen Sie zuerst an denjenigen zahlen, dessen Pfändung Sie zuerst erhalten haben. Erst wenn seine Forderung vollständig mit Zinsen und Vollstreckungskosten bezahlt ist, zahlen Sie an den Nächsten. Ist der Arbeitgeber bei mehreren Pfändungen unsicher, welchen Gläubiger er zuerst bedienen muss, kann er den pfändbaren Betrag beim Gericht hinterlegen. Die Verteilung wird dann vom Gericht vorgenommen.

Achtung: Sonderregelung bei der Unterhaltspfändung

Wird der Lohn Ihres Mitarbeiters gepfändet, weil er z. B. den Unterhalt für sein Kind nicht zahlt, gelten Sonderregeln. Geht es um Unterhaltspfändung, ist die Vollstreckung umfangreicher. In diesem Fall sind beispielsweise 75 Prozent der Überstundenvergütung pfändbar.

Amtliche Tabelle gilt nicht
Bei Unterhaltspfändungen ergibt sich der pfändbare Betrag nicht aus der amtlichen Lohnpfändungstabelle. Hier wird im Pfändungs- und Überweisungsbeschluss genau festgelegt, was Ihrem Mitarbeiter höchstens bleiben darf.

Unterhalt kann Vorrang haben
Der vom Gericht bei einer Unterhaltspfändung festgelegte „Pfändungsfreibetrag“ ist meistens niedriger als der aus der amtlichen Tabelle. Darum kann es vorkommen, dass Sie an einen Unterhaltsgläubiger zahlen müssen, obwohl ein „normaler“ Gläubiger, der früher gepfändet hat, leer ausgeht.

Praxis-Beispiel: Berechnung des Pfändungsbetrags

Sie haben das pfändbare Nettoeinkommen Ihres Mitarbeiters berechnet und fragen sich jetzt, wie viel Sie davon durch die Lohnpfändung an den Gläubiger zahlen müssen.

Bei Mitarbeiter A haben Sie einen pfändbaren Nettolohn von 1.179,99 EUR ausgerechnet. Er ist ledig und hat keine Kinder, also keine Unterhaltspflichten. Nach der seit 1.7.2019 geltenden amtlichen Lohnpfändungstabelle bekommt der Gläubiger nichts, weil bei diesem Nettoeinkommen kein pfändbarer Betrag anfällt. Ist der pfändbare Nettolohn aber nur einen Cent höher, müssen Sie 0,99 EUR an den Gläubiger überweisen. Dieses auf den ersten Blick kuriose Ergebnis kommt zustande, weil die Pfändungstabelle in 10-EUR-Schritten aufgebaut ist. So gehen bei einem pfändbaren Nettoeinkommen von 1.180,00 EUR bis 1.189,99 EUR zum Beispiel 0,99 EUR an den Gläubiger. Bei einem Einkommen von 1.190,00 EUR bis 1.199,99 EUR sind es sogar schon 7,99 EUR.

Ist Ihr Mitarbeiter A dagegen verheiratet und hat 2 kleine Kinder (3 Unterhaltsberechtigte), muss er mindestens 2.120 EUR netto verdienen, damit der Gläubiger per Lohnpfändung einen Teil des Lohns erhält. Liegt er unter dieser Pfändungsfreigrenze, geht der Gläubiger leer aus.

Achtung: Alle 2 Jahre neue Lohnpfändungstabelle!

Die amtliche Pfändungstabelle mit den Pfändungsfreigrenzen wird alle 2 Jahre immer zum 1. Juli angepasst. Die nächste Anpassung erfolgt zum 1. Juli 2021. Die aktuelle amtliche Lohnpfändungstabelle des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz finden Sie hier.


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