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Wie gehe ich mit meinem Steuerbescheid richtig um?

Fehler im Steuerbescheid entdecken und Rechtsmittel einlegen
Von Cecilia Hardenberg, Diplom-Wirtschaftsjuristin, M.I.Tax und Fachjournalistin
Aktualisiert am: 04.08.2015

Steuerbescheide vom Finanzamt sind viel häufiger fehlerhaft, als man denkt. Deshalb lohnt es sich, die Post vom Fiskus genau unter die Lupe zu nehmen. Doch damit ist es nicht getan. Wenn Ihnen Fehler auffallen, müssen Sie wissen, was im Einzelfall zu tun ist. Der Beitrag zeigt, wie Sie einen Steuerbescheid prüfen und welche Instrumente Ihnen zur Verfügung stehen.

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Prüfung Ihres Steuerbescheids

Zunächst einmal sollten Sie Ihren Steuerbescheid genau prüfen. Am besten gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

1. Prüfen Sie die Formalien

Im ersten Schritt sollten Sie den Steuerbescheid über „Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer“ daraufhin kontrollieren, ob Ihre Steuernummer in der linken Kopfzeile richtig angegeben wurde. Sind die Angaben falsch, sollten Sie das dem Finanzamt mitteilen. Hierzu genügt ein Anruf oder eine kurze Info per Post oder Fax an die Adresse, die auf dem Steuerbescheid angegeben ist.

2. Kontrollieren Sie den Betrag für Steuernachzahlung oder Steuerrückzahlung

In der Festsetzungstabelle des Steuerbescheids erfahren Sie, ob Sie Geld zurückerhalten oder nachzahlen müssen. Zudem finden Sie dort die Beträge zur Einkommensteuer, zur Kirchensteuer und zum Solidaritätszuschlag. Diese Daten vergleichen Sie mit Ihren Angaben in der Steuererklärung. Es ist sinnvoll, zu diesem Zweck stets eine Kopie der abgegebenen Steuererklärung parat zu haben.

Tipp: Sollten Sie Geld zurückerhalten, empfiehlt es sich auch, die Bankverbindung zu kontrollieren.

3. Prüfen Sie die Angaben zur Steuerberechnung und die Erläuterungen

Unmittelbar nach der Bankverbindung findet sich auf dem Steuerbescheid eine Auflistung der Steuerberechnung (die sogenannte „Besteuerungsgrundlage zur Steuerfestsetzung 20XX“). Sie beginnt mit den Einkünften und endet mit dem Betrag des zu versteuernden Einkommens bzw. der Berechnung des Solidaritätszuschlags. Diese Daten sollten Sie mit Ihren Angaben in der Steuererklärung vergleichen. Zuerst empfiehlt sich jedoch ein Blick in die „Erläuterungen“. Dort steht nämlich, in welchen Punkten das Finanzamt von Ihren Angaben in der Steuererklärung abgewichen ist.

4. Das sollten Sie tun, wenn Sie Schreib- oder Rechenfehler entdecken

Handelt es sich lediglich um Schreib- oder Rechenfehler, ist es aus Zeitgründen sinnvoller, einen Berichtigungsantrag beim Finanzamt zu stellen. Einziger Nachteil: Gerichtliche Schritte gegen die Entscheidung der Finanzverwaltung sind nur bei einem Einspruch möglich, nicht bei einem Berichtigungsantrag.

Tipp: Reichen Sie beim Finanzamt zeitgleich sowohl einen Berichtigungsantrag als auch ein Einspruchsschreiben ein, um sich alle rechtlichen Möglichkeiten offenzuhalten. Wird der Rechenfehler korrigiert, können Sie jederzeit auf den Einspruch verzichten.

5. Das sollten Sie tun, wenn Sie inhaltliche Fehler entdecken

Das Finanzamt kann Steuerbescheide aufheben oder ändern. Deshalb sollten Sie Einspruch einlegen, wenn Ihnen inhaltliche Fehler auffallen. Das Einspruchsverfahren ist kostenlos. Allerdings sollten Sie nicht zu lange zögern; denn viel Zeit bleibt nicht: Wie Sie Ihrem Steuerbescheid unter dem Punkt „Rechtsbehelfsbelehrung“ entnehmen können, muss der Einspruch schriftlich innerhalb eines Monats beim Finanzamt eingehen. Dabei müssen Sie unmissverständlich angeben, gegen welchen Steuerbescheid sich der Einspruch richtet. Eine Postkarte oder ein Fax genügt zur Wahrung der Schriftform. Es muss keine besondere Form eingehalten werden. Haben Sie nach Ablauf dieser Frist keinen Einspruch eingelegt, ist der Steuerbescheid „bestandskräftig“.

Die Einspruchsfrist beginnt grundsätzlich mit Bekanntgabe des Steuerbescheids, also mit Ablauf des Tages, an dem Sie den Steuerbescheid erhalten haben. Da dies bei Zusendung eines einfachen Briefs in der Regel nur schwer zu ermitteln ist, wird eine vereinfachte Regelung angewendet (die sogenannte Zugangsfiktion). Darin ist festgelegt, dass die Frist automatisch nach dem dritten Tag nach Übergabe des Steuerbescheids an die Post (durch das Finanzamt) beginnt. Dieses Datum erkennen Sie am Stempel des Finanzamts. Sollte die Versendung des Steuerbescheids länger als 3 Tage dauern, beginnt die Frist erst mit Ablauf des Tages des tatsächlichen Zugangs. Die Einspruchsfrist endet nach einem Monat. Fällt das Ende der Frist auf einen Sonntag oder auf einen gesetzlichen Feiertag, endet sie erst mit dem Ablauf des nächsten Werktags.

Tipp: Um bei der Einspruchfrist auf der sicheren Seite zu sein, legen Sie am besten sofort Einspruch ein und reichen die Begründung in einem gesonderten Schreiben nach.

Waren Sie genau im Zeitraum der Frist aus wichtigen Gründen abwesend, sodass Sie der Steuerbescheid nicht rechtzeitig erreicht hat, können Sie beim Finanzamt gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und eine Fristverlängerung (Fachbegriff: „Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand“) beantragen. Ihre Abwesenheit müssen Sie jedoch beweisen können.

Tipp: Bei einer Nachzahlung empfiehlt es sich, mit dem Einspruch gleichzeitig die „Aussetzung der Vollziehung“ zu beantragen. Dann müssen Sie die offenen Steuerbeträge erst begleichen, wenn die Streitpunkte geklärt wurden. Vorteil: Für den Fall, dass der Einspruch abgewiesen wird, vermeiden Sie auf diese Weise hohe Säumniszuschläge.

6. So deuten Sie die Entscheidung des Finanzamtes über den Einspruch

Haben Sie Ihren Einspruch fristgerecht eingereicht, prüft das Finanzamt den Steuerbescheid erneut. Dabei entscheidet es zuerst, ob der Einspruch überhaupt zulässig ist. Falls ja, kann die Finanzbehörde die Begründung des Antragstellers ganz oder teilweise teilen. Im Ergebnis wird der Steuerbescheid entsprechend geändert. Ein Einspruch kann jedoch zulässig sein und trotzdem abgelehnt werden, weil er in der Sache unbegründet ist. Das Finanzamt trifft dann eine Einspruchsentscheidung, lehnt also die Änderung des Bescheids ab.

Das Finanzamt prüft den Steuerbescheid immer in vollem Umfang. Es können sich durch die erneute Prüfung also noch weitere Fehler auftun, die aber auch zu einer Nachzahlung führen können. Darüber muss das Amt den Steuerzahler unterrichten, sodass er entscheiden kann, ob er den neuen oder den „alten“ Steuerbescheid anerkennt.

7. Letzte Möglichkeit: Die Klage vor Gericht

Wenn Ihr Einspruch keinen Erfolg hat, bleibt Ihnen noch die Klage vor Gericht. Dies sollten Sie jedoch nur tun, wenn gewichtige und plausible Gründe für die Änderung des Steuerbescheids sprechen. Denn schlimmstenfalls bleibt Ihnen nicht nur der Steuervorteil verwehrt, sondern Sie bleiben auch auf den hohen Prozesskosten und den Zinsen für den offenen Steuerbetrag sitzen. Deshalb sollten Sie die Klage auf jeden Fall in fachkundige Hände legen: Beziehen Sie Ihren Steuerberater und einen Anwalt ein, um vor Gericht das Bestmögliche herauszuholen.

Steuerliche Sonderfälle

Sonderfall 1: Das Musterverfahren

Manchmal gibt es Musterverfahren, vor allem wenn das Finanzgericht Fälle von allgemein großem Interesse und großer Tragweite bearbeitet. Ein bekanntes Beispiel hierfür war das Musterverfahren zur Kürzung der Entfernungspauschale. Ist ein Musterverfahren anhängig, lässt das Finanzamt bis zur Verkündung des Urteils den Punkt in der Steuererklärung offen. Der Steuerbescheid ergeht dann unter Vorbehalt.Der Vorteil: Sie sparen sich den Einspruch.

Sonderfall 2: Ruhen des Verfahrens

Wurde bereits zu einem Problem eine Klage eingereicht, können Sie sich in das Verfahren „einklinken“, indem Sie unter Angabe des Aktenzeichens das Ruhen des eigenen Verfahrens zu diesem Problem beantragen. Auf der Internetseite des Bundesfinanzhofs können Sie die momentan anhängigen Verfahren monatsaktuell einsehen.

Sonderfall 3: Zusammenveranlagung

Ehepaare, die zusammen veranlagt sind (d. h. nur eine Einkommensteuererklärung zusammen abgeben), müssen nur einen Einspruch abgeben.

Sonderfall 4: Das Finanzamt findet weitere Fehler, die zulasten des Steuerpflichtigen gehen

Bei einem Einspruch prüft das Finanzamt nochmals den Steuerbescheid. Findet es weitere Fehler, die möglicherweise eine Verschlechterung für Sie darstellen, muss es Sie darüber unterrichten. Dann können Sie immerhin noch entscheiden, ob Sie den Einspruch lieber zurücknehmen und den ersten Steuerbescheid anerkennen.

Sonderfall 5: Selbstanzeige

Wenn Sie es verpasst haben, alle Einnahmen anzugeben, sollten Sie dies sofort nach Kenntnis gegenüber dem Finanzamt anzeigen. Andernfalls riskieren Sie, dass die Finanzbehörde erst Jahre später selbst dieses Säumnis feststellt. Die Folge: Sie sind nicht nur in Erklärungsnot, sondern müssen auch noch hohe Buß- oder Strafgelder zahlen.

Fallbeispiel: Berechnung der Einspruchsfrist

Fall: Herr Kurz erhält seinen Steuerbescheid am Donnerstag, 22.9.2011, um 11 Uhr. Da er am 23.9.2011 in den Urlaub fliegt, hat er keine Zeit für die Bearbeitung und eine Reaktion. Nach 3 Wochen, am 14.10.2011, kommt Herr Kurz aus dem Urlaub zurück. Seinen Steuerbescheid hat er verlegt und aufgrund seiner hohen beruflichen Belastung nur noch undeutlich im Gedächtnis. Erst am 22.10.2011 (Samstag) findet er den Steuerbescheid und schreibt eine Postkarte mit seinem Einspruch an das Finanzamt. Diese wirft er am 23.10.2011 (Sonntag) um 11 Uhr persönlich dort ein. Später fällt ihm ein, dass er vergessen hat, auf der Postkarte seine Steuernummer zu notieren.

Lösung: Der Steuerbescheid von Herrn Kurz ist am 22.9.2011 um 11 Uhr zugegangen. Er wurde 3 Tage zuvor zur Post gegeben, insofern fallen der tatsächliche Zugang und die Fiktion des Zugangs (nach dem dritten Tag) auf dasselbe Datum. Die Frist beginnt immer erst mit Tagesablauf, in diesem Fall am 23.9.2011 um 0 Uhr. Sie endet nach einem Monat: am Sonntag, 23.10.2011 um 24 Uhr. Demnach hätte Herr Kurz seinen Einspruch zwar noch innerhalb der Frist verfasst, jedoch versäumt, ihn rechtzeitig beim Finanzamt abzugeben. Doch er hat Glück: Fällt nämlich das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag, endet die Frist erst am Ende des darauffolgenden Werktags, hier also erst am 24.10.2011 um 24 Uhr. Die Schriftform ist mit der Postkarte gewahrt. Die Angabe der Steuernummer hilft dem Finanzamt für eine schnelle Zuordnung zu der jeweiligen Veranlagungsstelle, ist jedoch nicht verpflichtend. Herr Kurz hat somit den Einspruch innerhalb der vorgegebenen Frist eingereicht. Er ist damit zulässig.

Tipp: Zur Wahrung der Einspruchsfrist dürfen Steuerzahler die Einspruchsbegründung in einem gesonderten Schreiben nachreichen. Eine Fristverlängerung aufgrund seines Urlaubs hätte Herr Kurz nicht beantragen können, da der Steuerbescheid ihm noch rechtzeitig vor seinem Urlaub zugegangen war und er davon Kenntnis erlangen konnte.Urlaub erkennt das Finanzamt nur als Abwesenheitsgrund an, wenn eine Reise (oder eine Geschäftsreise) nicht länger als 6 Wochen dauert und die Einspruchsfrist bei Rückkehr abgelaufen ist. Bei einer Reise (oder auch Erkrankung), die länger als 6 Wochen dauert, müssen Sie dafür sorgen, dass die Fristen eingehalten werden, indem Sie zum Beispiel einen Bevollmächtigen damit betrauen.

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