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Wiedereinführung der Meisterpflicht 2020: Das Wichtigste im Überblick

Von Lexware-Redaktion
Aktualisiert am: 10.01.2020

Für zwölf Handwerksberufe gilt seit Januar 2020 wieder die Meisterpflicht. Mit der Wiedereinführung soll die Zukunft des Handwerks durch höhere Qualifikation, mehr Qualität und eine nachhaltige Strukturentwicklung gesichert werden.

In diesen Gewerken gilt seit Januar 2020 wieder die Meisterpflicht

Mit der Änderung der Handwerksordnung wurde die Meisterpflicht zum 1. Januar 2020 in folgenden Gewerken wiedereingeführt:

  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Betonstein und Terrazzohersteller
  • Estrichleger
  • Behälter- und Apparatebauer
  • Parkettleger
  • Rolladen- und Sonnenschutztechniker
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Böttcher
  • Raumausstatter
  • Glasveredler
  • Orgel- und Harmoniumbauer
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller

Ziele der Wiedereinführung der Meisterpflicht

Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht ist für die oben genannten zwölf Gewerke das Ziel verbunden, durch verbindliche Standards die Qualität zu steigern und kleinbetriebliche Strukturen zu fördern. Außerdem soll die betriebliche Ausbildungsquote im Handwerk erhöht und durch eine gesteigerte Ausbildungsleistung wieder vermehrt die Möglichkeit für Betriebe geschaffen werden, diese generationsübergreifend weiterzugeben.

Für bestehende Betriebe gilt Bestandsschutz

Für bereits bestehende Handwerksbetriebe gilt Bestandsschutz: Handwerker ohne Meisterbrief können ihre Gewerke somit fortführen, ohne den Meistertitel nachträglich erwerben zu müssen. Jedoch wird die Konkurrenz durch Meisterbetriebe wieder ansteigen, sodass es für Handwerksbetriebe ohne Meisterbrief ratsam ist, den Markt zu beobachten und das eigene Angebot an die geänderten Umstände anzupassen.

Reaktionen auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht

Die Vertreter des Handwerks nehmen die Wiedereinführung der Meisterpflicht durchweg positiv auf. Diese ist für sie ein starkes Zeichen für mehr Qualität und Qualifikation im Handwerk. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die sich weiterhin für den freiwilligen Erwerb eines Meisterbriefs aussprechen. Sie warnen vor dem Risiko einer weiteren Erhöhung des Handwerkermangels und einer Wettbewerbsverzerrung zwischen Betrieben mit und ohne Meister.

Was ist die Meisterpflicht?

Die Meisterpflicht im Handwerk, auch Meisterzwang genannt, ist in Deutschland gesetzlich geregelt und bedeutet, dass ein Handwerksbetrieb nur von Handwerksmeistern und Gleichgestellten geführt werden darf. Ist der Inhaber des Betriebs nicht selbst Meister, so kann er die Meisterpflicht durch die Einstellung eines Meisters erfüllen. Dieses Vorgehen bedarf jedoch der Zustimmung der zuständigen Handwerkskammer.

Für die Beschäftigung von Auszubildenden ist ebenfalls ein Meisterbrief notwendig. Liegt dieser nicht vor, kann die zuständige Handwerkskammer eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Angestellte mit Meistertitel dürfen als Ausbilder tätig werden, auch wenn der Geschäftsinhaber selbst nicht über einen Meistertitel oder über eine erforderliche Qualifikation zur Ausführung einer betrieblichen Berufsausbildung verfügt.

Reform der Handwerksordnung 2004

Für 53 von 94 Handwerksberufe fiel 2004 die Meisterpflicht im Zuge der Reform der Handwerksordnung weg. Ziel dieser Reform war es, die Hürden für eine Existenzgründung im Handwerk zu senken, dadurch Neugründungen zu fördern und Arbeitslosigkeit abzubauen. Nicht gelockert wurde die Meisterpflicht für Berufsgruppen, bei denen – laut der Definition des Gesetzgebers – bei der Ausübung Gefahr für Leib und Leben oder die Gesundheit von Dritten besteht.

Das Ziel der Reform wurde nur teilweise erreicht: Seit der Abschaffung der Meisterpflicht für bestimmte Betriebe ist die Zahl der neugegründeten Handwerksbetriebe zwar gestiegen. Mit dem Anstieg wurden allerdings nicht mehr Ausbildungsplätze geschaffen, da viele der neuen Betriebe ohne Meister selbst nicht ausbilden. Einige Experten sehen darin auch den Grund für den akuten Fachkräftemangel im Handwerk. Die Zahl der Betriebe mit Meisterpflicht ist in den vergangenen Jahren gesunken, dafür ist die Größe dieser Betriebe – mit Ausnahme des Friseurhandwerks – gestiegen.

Regelung der Handwerksberufe in der Handwerksordnung

Welche Berufe als Handwerk gelten, ist in der Handwerksordnung festgelegt. Die Handwerksberufe sind darin in Anlage A, B1 und B2 aufgeteilt. In Anlage A sind alle zulassungspflichtigen Berufe aufgelistet – also diejenigen, für die eine Meisterpflicht besteht. Anlage B1 umfasst alle zulassungsfreien Berufe, für die keine Meisterpflicht gilt, jedoch die Meisterprüfung freiwillig abgelegt werden kann. In Anlage B2 sind alle handwerksähnlichen Gewerbe festgehalten.

Die 12 oben genannten Handwerksberufe sind seit der Wiedereinführung der Meisterpflicht am 1. Januar 2020 wieder in Anlage A gewandert. Hier sind seit 2004 auch bereits folgende 41 Gewerke aufgeführt:

  1. Maurer und Betonbauer
  2. Ofen- und Luftheizungsbauer
  3. Zimmerer
  4. Dachdecker
  5. Straßenbauer
  6. Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer
  7. Brunnenbauer
  8. Steinmetzen und Steinbildhauer
  9. Stuckateure
  10. Maler und Lackierer
  11. Gerüstbauer
  12. Schornsteinfeger
  13. Metallbauer
  14. Chirurgiemechaniker
  15. Karosserie- und Fahrzeugbauer
  16. Feinwerkmechaniker
  17. Zweiradmechaniker
  18. Kälteanlagenbauer
  19. Informationstechniker
  20. Kraftfahrzeugtechniker
  21. Landmaschinenmechaniker
  22. Büchsenmacher
  23. Klempner
  24. Installateur und Heizungsbauer
  25. Elektrotechniker
  26. Elektromaschinenbauer
  27. Tischler
  28. Boots- und Schiffbauer
  29. Seiler
  30. Bäcker
  31. Konditor
  32. Fleischer
  33. Augenoptiker
  34. Hörakustiker
  35. Orthopädietechniker
  36. Orthopädieschuhmacher
  37. Zahntechniker
  38. Friseure
  39. Glaser
  40. Glasbläser und Glasapparatebauer
  41. Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik

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