Zwei-Personen-GmbH: So gestalten Sie den Gesellschaftsvertrag optimal

So vermeiden Sie Konflikte zwischen gleichberechtigten Gesellschafter-Geschäftsführern bei der Beschlussfassung
Aktualisiert am: 18.08.2015

Hat die GmbH zwei gleichberechtigte (50:50) Gesellschafter-Geschäftsführer, muss die Chemie stimmen. Kommt es zu Konflikten, droht Handlungsunfähigkeit und Stillstand. Eine gemeinsame Beschlussfassung ist dann meist nicht mehr möglich. Wichtige Vorkehrungen können Sie schon im Gesellschaftsvertrag und in der Geschäftsordnung treffen. Ändern Sie diese rechtzeitig ab!

Beachten Sie auch den Grundlagenbeitrag zum Gesellschaftsvertrag:
>> Gesellschaftsvertrag: Kernstück der GmbH

Vorkehrungen im Gesellschaftsvertrag der Zwei-Personen-GmbH

  • Vereinbaren Sie im Gesellschaftsvertrag der GmbH, dass jeder Gesellschafter für die GmbH nur in Gesamtvertretung oder in unechter Gesamtvertretung (zusammen mit dem Prokuristen) handeln kann. Damit ist sichergestellt, dass Alleingänge eines einzelnen der zwei Gesellschafter-Geschäftsführers nicht möglich sind.
  • Sie können im Gesellschaftsvertrag die Verteilung der Aufgaben zwischen den zwei GmbH-Geschäftsführern vereinbaren (Ressortaufteilung). Damit ist sichergestellt, dass sich die Geschäftsführer nicht gegenseitig hereinreden und jeder für alles zuständig ist.
  • Sie können einen Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte im Gesellschaftsvertrag bestimmen. Damit wird festgelegt, dass Geschäfte ab einem bestimmten Volumen nur nach einem offiziellen Gesellschafterbeschluss getätigt werden dürfen.
  • Legen Sie gemeinsam fest, bei welchen Vorgängen und Fehlleistungen ein wichtiger Grund für die Abberufung eines Geschäftsführers bzw. für die Einziehung seines GmbH-Anteils vorliegt.
  • Treffen Sie Vorkehrungen dafür, dass es nicht zur Patt-Situation in der GmbH kommt. Üblich ist, dass die streitenden Parteien jeweils einen Schiedsrichter (Steuerberater, Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer) benennen. Die beiden Schiedsrichter wählen einen Obmann (Vertreter der IHK, Richter). Können sich die Schiedsrichter nicht auf einen Obmann einigen, kann eine dafür vorgesehene Person (z. B. der LG-Präsident) ersatzweise einen Obmann bestimmen. Auf jeden Fall sollte durch ein entsprechendes Auswahlverfahren sichergestellt sein, dass ein juristisch kompetentes Gremium eingerichtet wird. Damit ist sichergestellt, dass notwendige Beschlüsse auch tatsächlich gefasst werden. Vorteil: Es kommt in der Regel zu einer schnellen und rechtssicheren Lösung des Konfliktes zwischen den Gesellschaftern. Dazu muss entweder eine Schiedsklausel im Gesellschaftsvertrag vereinbart sein oder beide Gesellschafter schließen eine Schiedsvereinbarung ab. Soll eine Schiedsklausel nachträglich in den Gesellschaftsvertrag aufgenommen werden, müssen beide Gesellschafter zustimmen.
  • Sie können vertraglich auch eine Verpflichtung für die Gesellschafter zur aktiven Mitarbeit in der GmbH vereinbaren. Setzt einer der zwei Gesellschafter-Geschäftsführer für sich neue geschäftliche Schwerpunkte, besteht die Möglichkeit, sich von diesem Gesellschafter zu trennen, ohne dass die GmbH aufgelöst werden muss.

Tipp: Gestaltung der Geschäftsordnung
Zusätzliche Vorkehrungen können Sie  im Rahmen einer Geschäftsordnung festlegen, die im Gesellschaftsvertrag verbindlich verankert wird. Der Vorteil: Eine solche Geschäftsordnung ist einfacher zu ändern. Änderungen müssen nicht extra dem Registergericht gemeldet und als offizielle Änderung des Gesellschaftsvertrages eingetragen werden. In dieser Geschäftsordnung können Sie die Einzelheiten der Ressortaufteilung ausführlich festlegen und zusätzliche Pflichten auferlegen (z. B. Informationspflichten, Vorschriften für Inhalt, Ablauf und Anzahl der Geschäftsführungssitzungen, Protokollpflichten). Weiteres Hintergrundwissen zur Führung einer GmbH finden Sie in unserer Online-Datenbank Lexware gmbh wissen

Handeln, solange die Chemie zwischen den zwei Geschäftsführern (noch) stimmt!

Sind die zwei Gesellschafter-Geschäftsführer erst einmal zerstritten, ist eine Anpassung des Gesellschaftsvertrages meist nicht mehr möglich. Setzen Sie sich also am besten sofort zusammen, um Ihren Gesellschaftsvertrag fit für Konflikte zu machen, solange Sie noch als Team funktionieren.

Achtung: Gemeinsame Verantwortlichkeiten
Für einige Aufgaben bleiben die zwei Geschäftsführer immer gemeinsam verantwortlich. Selbst wenn Sie im Gesellschaftsvertrag, in der Geschäftsordnung oder im jeweiligen Anstellungsvertrag des Geschäftsführers eine Aufteilung der Ressortzuständigkeit vereinbart haben, besteht für die Erfüllung öffentlicher Pflichten Gesamthaftung.

Alle Geschäftsführer haften danach gemeinsam für die ordnungsgemäße Buchführung und Bilanzierung der GmbH und für die Erfüllung der steuerlichen Pflichten der GmbH.

Für den nicht kaufmännischen Gesellschafter bedeutet das: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der kaufmännisch verantwortliche Gesellschafter-Geschäftsführer diese Aufgaben selbständig erledigt und Sie bei entsprechenden Fehlentwicklungen informiert. Vielmehr müssen Sie von sich aus kontrollieren. Verweigert der kaufmännisch verantwortliche Gesellschafter Ihnen die Einsicht in Bücher und Buchhaltung, müssen Sie handeln. Weisen Sie darauf hin, dass es zu Ihren gesetzmäßigen Pflichten gehört, diese Angelegenheiten persönlich zu überwachen. Notfalls müssen Sie Ihr Amt niederlegen (dies ist jederzeit möglich und hat keine Haftungsfolgen für Sie).

Versäumen Sie es als Geschäftsführer, rechtzeitig den Insolvenzantrag zu stellen (Dreiwochenfrist), weil Sie keinen Einblick in die Zahlen der GmbH nehmen konnten, haften Sie gegenüber Gläubigern oder auch stillen Gesellschaftern an der GmbH.

Der nicht-kaufmännisch verantwortliche Gesellschafter-Geschäftsführer kann einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn er eine persönliche Haftung ganz sicher ausschließen will:

  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Mit-Gesellschafter-Geschäftsführer, dass dieser regelmäßig im Rahmen der Gesellschafterversammlungen über sämtliche Steuerangelegenheiten und über die Lohnabrechnung berichtet. Findet nur eine Gesellschafterversammlung im Jahr statt, dehnen Sie diese Berichtspflicht auf die regelmäßig stattfindenden Geschäftsführungssitzungen aus.
  • Protokollieren Sie den Inhalt der Berichterstattung und lassen Sie das Protokoll von Ihrem Geschäftsführer-Kollegen gegenzeichnen.

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Maßnahme bei einer Krise der GmbH mit zwei Geschäftsführern

Zusätzliche Maßnahmen müssen Sie prüfen, wenn sich die GmbH in einer wirtschaftlichen Krise befindet – also Zahlungsunfähigkeit droht oder Überschuldung besteht. Als nicht kaufmännisch-verantwortlicher Geschäftsführer gehen Sie bei Krisenanzeichen so vor:

  • Nehmen Sie eigenständig mit dem Steuerberater Kontakt auf. Lassen Sie sich dessen wirtschaftliche Stellungnahme geben. Ergibt sich daraus für Sie kein klares Bild, dann beauftragen Sie den Steuerberater mit der Aufstellung einer Zwischenbilanz.
  • Liegen danach Insolvenzgründe (Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung) vor, müssen Sie als Geschäftsführer einen Sanierungsplan aufstellen.
  • Handelt der kaufmännische Geschäftsführer nicht, müssen Sie spätestens nach drei Wochen den Insolvenzantrag stellen.

Haben Sie den Eindruck, dass man Ihnen den Einblick in das Zahlenwerk der GmbH vorenthalten will, sollten Sie sofort Ihr Amt niederlegen, wenn Sie keine persönliche Haftung riskieren wollen.

Achtung: Bei Pflichtverletzungen sofort handeln!
Stellt Ihr Geschäftsführer-Kollege die Pflichtverletzungen nach einem ersten Gespräch nicht ab, müssen Sie handeln. Bei einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung können Sie Ihren Mit-Geschäftsführer im Rahmen einer Gesellschafterversammlung abberufen. Diesen Beschluss können Sie dann jederzeit durchsetzen, weil der betroffene Partner kein Stimmrecht hat. Die Abberufung wird aber erst mit Zustimmung des Landgerichts zum Abberufungsbeschluss wirksam. Bis zu diesem Urteil bleibt Ihr Geschäftsführer-Kollege im Amt. Nur im Ausnahmefall hat hier ein Antrag auf einstweilige Verfügung Aussicht auf Erfolg.

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