So hat die Corona-Pandemie den Blick von KMU auf die Digitalisierung gewandelt

KMU DigiCheck 2020 und heute

„It’s now or never: Träumen Sie groß, aber starten Sie gleich“ – längst ist klar: Wer langfristig erfolgreich sein will, kommt an der digitalen Transformation nicht vorbei. Wo sehen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Selbstständige die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung? Welche Maßnahmen werden als besonders wichtig erachtet? Im Februar 2020 ist Lexware in einer Umfrage unter 8.880 Unternehmen und Selbstständigen diesen Fragen nachgegangen – kurz bevor Corona auch Deutschland erreichte und die Welt auf den Kopf stellte. Im März 2021 hat Lexware erneut 5.651 Unternehmen befragt, um herauszufinden, wie sich der Blick auf das Thema innerhalb des letzten Jahres verändert hat. Es zeigt sich deutlich: Viele sehen die Digitalisierung inzwischen als Chance und Notwendigkeit.

Unternehmen fühlen sich besser auf die Digitalisierung vorbereitet

Stellt man die Ergebnisse der beiden Umfragen einander gegenüber, erscheint zunächst positiv, dass sich Unternehmen gegenüber 2020 heute besser auf die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet fühlen: 53 Prozent fühlen sich sehr gut oder gut vorbereitet, 2020 lag der Wert mit 44 Prozent deutlich darunter. Zugleich hat sich aber auch der Anteil derer, die sich mangelhaft oder ungenügend vorbereitet fühlen, von 5 Prozent 2020 auf 9 Prozent 2021 erhöht.

Hier ist offenbar eine Schere entstanden: Zwischen Unternehmen auf der einen Seite, die die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannt haben und das Thema anpacken – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie, die eine schnelle und flexible Anpassung von Geschäftsmodellen auf neue Gegebenheiten erfordert hat. Und Unternehmen auf der anderen Seite, die weiterhin nicht wissen, wie sie das Thema angehen und welche Maßnahmen sie in Angriff nehmen sollen.

Digitalisierungsmaßnahmen: Digitales Büro und Dokumentenmanagement liegen vorne

Im Jahr 2020, vor der Krise, waren die drei wichtigsten Maßnahmen für eine erfolgreiche Digitalisierung:

  1. Digitales Büro und Dokumentenmanagement (53%)
  2. IT-Sicherheit und Datenschutz (45%)
  3. Entwicklung und Umsetzung einer konkreten Digitalisierungsstrategie (23%)

Hier hat sich im letzten Jahr etwas geändert: Während das digitale Büro und Dokumentenmanagement nahezu unverändert die wichtigsten Maßnahmen bleiben (52%), geben 2021 mit rund 40 Prozent fast doppelt so viele Unternehmen wie 2020 an, dass die Nutzung des Internets für Kommunikation und Marketing nun die zweitwichtigste Maßnahme darstellt. IT-Sicherheit und Datenschutz rutschen auf Platz 3 (36%).

Corona: Digitalisierungsbeschleuniger?

Mögliche Erklärungen für diesen Wandel sind, dass viele Unternehmen aufgrund des gestiegenen Digitalisierungsdrucks schneller Tatsachen geschaffen haben – getreu dem Motto „einfach machen“. Ängste gegenüber Themen wie dem Datenschutz mussten offensichtlich schneller überwunden werden und sind daher gegenüber dem Vorjahr weniger entscheidend. Dass digitale Kommunikation und Marketing an Wichtigkeit gewonnen haben, ist naheliegend: Die vielen von Lockdowns betroffenen Branchen wie der stationäre Handel, Kulturschaffende, Sportstudiobetreiber und viele mehr mussten schnell neue Wege finden, um mit ihren Kunden in Kontakt zu treten.

Es überrascht in diesem Zusammenhang nicht, dass heute andere Aspekte als unternehmerische Herausforderungen wahrgenommen werden als noch im Vorjahr: Sahen Anfang 2020 die Meisten Datensicherheit (37%),Fachkräftemangel (33%) und die Digitalisierung (28%) als die drei größten Aufgaben, so gibt 2021 die Mehrzahl die Corona-Krise und deren Auswirkungen (51%), politische Beschränkungen und Auflagen (46%) und Neukundengewinnung (27%) als größte Herausforderungen an.

Die Digitalisierung hingegen nennen nur noch 16 Prozent der Befragten unter den drei größten Herausforderungen. Auch Datensicherheit wurde mit 18 Prozent nur noch von halb so vielen wie 2020 genannt, der Fachkräftemangel von nur noch jeder:m Fünften (19%).

Wandel durch die Krise: Neue, digitale Geschäftsmodelle

Die Krise ist noch nicht überwunden und wie der neue Alltag künftig aussehen wird, kann noch keiner sagen. Trotz anspruchsvoller Zeiten steht ein positiver Aspekt fest: Die dringend notwendige digitale Transformation und Flexibilisierung von KMU hat an Fahrt aufgenommen. Ängste wurden abgebaut und Neues einfach angepackt: 17 Prozent der 2021 befragten Betriebe haben die Krise zum Anlass genommen, ihr Angebot, ihr Geschäftsmodell oder ihre Zielgruppe anzupassen. 23 Prozent und somit mehr als jeder Fünfte möchte die Änderungen voraussichtlich dauerhaft beibehalten. 46 Prozent geben außerdem an, dass sich der Digitalisierungsgrad in mindestens einem der Bereiche Produkte/Dienstleistungen, interne Geschäftsprozesse und Kundenberatung/Vertrieb erhöht habe.

Fazit: „Einfach machen“ ist das Gebot der Stunde

Langfristig ist kaum ein Geschäftsmodell erfolgreich – Unternehmen hingegen schon, wenn sie rechtzeitig neue Wege gehen. Gerade jetzt, nicht trotz, sondern wegen der Krise, ist es an der Zeit, die digitale Transformation anzugehen. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass einige Unternehmen das bereits erkannt haben und im letzten Jahr verstärkt die Chancen digitaler Technologien ergriffen haben. Interne Prozesse und Abläufe zu digitalisieren ist ein guter erster Schritt, um den Weg ins digitale Zeitalter zu beschreiten: „It‘s now or never“.