Von der EÜR zur Bilanz: So ermitteln Sie den Übergangsgewinn

Bilanz

Waren Sie bislang von der Buchführung befreit, durften Sie Ihren Gewinn nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln und müssen plötzlich eine Bilanz erstellen? Oder haben Sie sich selbst für die Bilanzierung entschieden? Entscheidend ist: Ein Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) zur Bilanzierung bringt Verpflichtungen, aber auch einige steuergünstige Wahlrechte, die Sie unbedingt ausnutzen sollten. Hier erfahren Sie, wie Sie den Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur doppelten Buchführung problemlos meistern. 

Zur doppelten Buchführung wechseln müssen Sie nur, wenn das Finanzamt Sie offiziell per Verwaltungsakt (= offizielles Schreiben mit Rechtsbehelfsbelehrung) dazu aufgefordert hat. Die Aufforderung erfolgt immer dann, wenn das Finanzamt erfährt, dass entweder Ihr Gewinn über 50.000 EUR geklettert ist oder wenn Ihr Umsatz in den Vorjahren die Höchstgrenze von 500.000 EUR überschritten hat.

Aufgrund der unterschiedlichen Systematik von EÜR und Bilanz müssen Sie beim Wechsel einen Übergangsgewinn ermitteln. Dadurch soll erreicht werden, dass bestimmte Geschäftsvorfälle steuerlich nicht doppelt erfasst werden oder aber steuerlich unter dem Strich unberücksichtigt bleiben. Das kann passieren, wenn Sie beispielsweise im Rahmen der Einnahmen-Überschussrechnung im Dezember eine Rechnung gestellt haben, die aber erst im Januar – nun im Rahmen der doppelten Buchführung – bezahlt wird. Die Folge: Bei Zahlungseingang erhöht sich der Gewinn bei Bilanzierung nicht, weil es in der doppelten Buchführung keine Rechnung gibt. Aus diesem Grund müssen Sie wegen des Wechsels eine Gewinn erhöhende Forderung einbuchen.

Der ermittelte Übergangsgewinn bzw. Übergangsverlust muss in dem Jahr erfasst werden, in dem erstmals die doppelte Buchführung angewandt wird. Beispiel: Wechsel von der EÜR zur Bilanzierung zum 1.1.2014 = Versteuerung des Übergangsgewinns im Jahr 2014. 

Tipp: Verteilen Sie den Übergangsgewinn.
Ermitteln Sie durch den Wechsel zur Bilanzierung einen Übergangsgewinn, können Sie bei Abgabe der Steuererklärung beantragen, dass dieser Übergangsgewinn auf 3 Jahre verteilt besteuert wird. Das hat zum einen meist den Effekt, dass die Steuerbelastung im Gegensatz zur Sofortbesteuerung sinkt. Zum anderen bringt Ihnen diese Verteilung der Besteuerung mehr Liquidität, weil Sie ja die Steuern für zwei Drittel des Übergangsgewinns erst später aufbringen müssen.

Welche Steuervorteile bei der Verteilung des Übergangsgewinns auf 3 Jahre winken, zeigt diese Beispielsrechnung.
Leider ist die Verteilung des Übergangsergebnisses nicht immer zulässig. Beispielsweise müssen Sie auch bei einer Betriebsaufgabe oder bei der Betriebsveräußerung von der EÜR zur Bilanzierung übergehen und eine Schlussbilanz aufstellen. Der Gewinn hieraus wird begünstigt besteuert, eine Verteilung auf 3 Jahre ist hier aber nicht erlaubt. Entsteht durch den Wechsel von der EÜR zur Bilanzierung ausnahmsweise ein Verlust (z. B. bei Bildung hoher Rückstellung in der Eröffnungsbilanz), darf dieser Verlust ebenfalls nicht auf 3 Jahre verteilt werden.

Tipp: Ein Jahr vor Betriebsaufgabe oder -veräußerung wechseln.
Wenn Sie schon heute wissen, dass Sie Ihren Betrieb in naher Zukunft aufgeben oder verkaufen möchten, können Sie bereits ein Jahr zuvor freiwillig von der EÜR zur doppelten Buchführung wechseln. Ein Steuerberater kann hier Vergleichsrechnungen anstellen, ob sich diese Strategie lohnt.

Beispiel aus der Praxis:

Frau Huber ist Inhaberin einer Schreinerei und musste zum 1.1.2014 von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung wechseln. Frau Huber hat folgende Geschäftsvorfälle identifiziert:

Festgestellte Geschäftsvorfälle zum 31.12.2013

1 Es liegen Waren auf Lager, die Frau Huber bereits in den Jahren 2013 und früher bezahlt hat 10.000 EUR
2 Die Überprüfung der Rechnungen zeigt, dass Frau Huber im Jahr 2013 Rechnungen gestellt hat, für die bis Ende 2013 noch kein Zahlungseingang erfolgte 5.000 EUR
3 Frau Huber hat einem Geschäftspartner ein Darlehen gewährt, das zum 31.12.2013 noch nicht beglichen war 6.000 EUR
4  Für das Anlagevermögen (Pkw, Maschinen etc.) wurden die Buchwerte festgestellt 20.000 EUR
5 Aus gestellten Handwerkerrechnungen konnten wegen Sicherheitseinbehalten der Auftraggeber noch keine Zahlungseingänge verbucht werden 4.000 EUR
6 Für 2012 steht noch eine Umsatzsteuererstattung vom Finanzamt aus 1.500 EUR
7 Frau Huber hat die Mieten für Ihre Werkstatt für die Jahre 2014 und 2015 bereits im Jahr 2013 bezahlt 16.000 EUR
8 Es bestehen aus verschiedenen Aufträgen noch Garantierisiken 2.000 EUR

Zur Ermittlung des Übergangsgewinns von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung muss Frau Huber prüfen, ob sich die Geschäftsvorfälle durch die unterschiedliche Systematik der Gewinnermittlungsmethoden auf den Gewinn auswirken. Falls ja, sind Zu- und Abrechnung notwendig. Die Überprüfung, ob Korrekturen notwendig sind,  geschieht durch eine 3-Schritt-Prüfung nach folgendem Schema:

3-Schritt-Prüfung zeigt Korrekturbedarf auf

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
     

Die von Frau Huber festgestellten Geschäftsvorfälle wirken sich beim Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur doppelten Buchführung folgendermaßen aus:

1. Waren

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 wird ein Warenbestand von 10.000 EUR ausgewiesen. Beim Verkauf der Waren in 2014 werden Betriebsausgaben in Höhe des Einkaufspreises verbucht.

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Beim Kauf Betriebsausgaben gebucht Betriebsausgaben werden erst bei Verkauf gebucht Da Betriebsausgaben doppelt erfasst würden = Hinzurechnung

2. Forderungen

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 hat Frau Huber Forderungen in Höhe von 5.000 EUR auszuweisen. Gehen die Forderungen ein, wird erfolgsneutral „Bank an Forderungen“ gebucht.

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Noch keine Betriebseinnahmen verbucht, weil noch kein Geldeingang Erfolgsneutrale Auflösung der Forderungen Betriebseinnahmen würden Gewinn nicht erhöhen = Hinzurechnung

3. Darlehen

Bilanz: In der Eröffnung zum 1.1.2014 wird das Darlehen auf der Aktivseite ausgewiesen. Die Rückzahlung ist erfolgsneutral (= bloße Vermögensumschichtung).

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Keine Erfassung, da Vermögensumschichtung Keine Buchung, da nur Vermögensumschichtung Nichts anzupassen

4. Abnutzbares Anlagevermögen

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 werden die Anlagegegenstände mit ihren Buchwerten aktiviert und danach abgeschrieben.

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
 
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Betriebsausgaben im Rahmen der Abschreibung Betriebsausgaben im Rahmen der Abschreibung Nichts anzupassen

5. Sicherheitseinbehalte von Auftraggebern

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 sind die Sicherheitseinbehalte als Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zu aktivieren. Das bedeutet bei Ermittlung des Übergangsgewinns eine Hinzurechnung von 4.000 EUR (siehe Prüfung zu 2. Forderungen).

6. Umsatzsteuerforderungen gegenüber Finanzamt

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 sind hier sonstige Vermögensgegenstände auf der Aktivseite auszuweisen. Für sonstige Vermögensgegenstände gelten beim Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur doppelten Buchführung die Feststellungen wie bei Forderungen (siehe Überprüfung zu 2.). Folge: Hinzurechnung von 1.500 EUR.

7. Mietvorauszahlung für Werkstatt

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 ist ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 8.000 EUR auszuweisen. Dieser Posten auf der Aktivseite der Bilanz wird in den Jahren 2014 und 2015 jeweils zu 8.000 EUR aufgelöst, was jeweils Betriebsausgaben von 8.000 EUR pro Jahr ausmacht.

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Betriebsausgaben bei Zahlung der Miete Betriebsausgaben der Miete im Jahr der wirtschaftlichen Entstehung Hinzurechnung, da die Betriebsausgaben ansonsten doppelt erfasst werden

8. Rückstellung für Garantierückstellungen

Bilanz: In der Eröffnungsbilanz zum 1.1.2014 wird die Rückstellung in Höhe von 2.000 EUR auf der Passivseite abgebildet. Bei Zahlung der Garantien ist die Auflösung erfolgsneutral. Buchungssatz: „Rückstellung an Bank/Kasse“.

Auswirkung bei der Einnahmen-Überschussrechnung Auswirkung bei Bilanzierung (= doppelte Buchführung) Bei doppelter Auswirkung Hinzurechnung/Kürzung
Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3
Keine Betriebsausgaben, da noch keine Garantiezahlung Erfolgsneutrale Auflösung der Rückstellung bei Garantieausgaben Abrechnung, da ansonsten keine Betriebsausgaben abgezogen werden

Ermittlung des Übergangsgewinns:

1 Waren + 10.000 EUR
2 Forderungen + 5.000 EUR
3 Darlehen /
4 Anlagevermögen (Pkw, Maschinen etc.)  /
5 Forderungen (Sicherheitseinbehalte von Auftraggebern) + 4.000 EUR
6 Sonstige Vermögensgegenstände (Umsatzsteuererstattung 2011) + 1.500 EUR
7 Mietvorauszahlungen + 16.000 EUR
8 Rückstellungen für Garantien - 2.000 EUR
= Übergangsgewinn 34.500 EUR

 

Tools und Vorlagen

Wechsel der Gewinnermittlungsmethode

Checkliste Übergangsgewinn

Kommentare (2)

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12.3.2014, 12:55 Uhr
von Chocolina
Die Berechnung des ARAP der Mietvorauszahlung ist doch falsch oder ? Sie schreiben BA in EÜR und noch mal bei Bilanzierung im Entstehungsjahr und dann wird es beim Übergangsgewinn zum dritten Mal abgezogen. Hier müsste es doch zugerechnet werden.
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von Lexware Online-Redaktion
Hallo Chocolina, vielen Dank für den Hinweis, das ist natürlich richtig! Wir haben den Fehler in unserer Berechnung korrigiert und bitten um Entschuldigung.
von Dunja
Da bin ich der gleichen Meinung
von Dunja
Da bin ich der gleichen Meinung
13.8.2013, 8:25 Uhr
von Thiesmeier
Interessantes Beispiel: Es sollte jedoch noch daruf hingewiesen werden, dass diese "Eröffnungsbilanz per 01-01-2013" als E-Bilanz zu übermitteln ist. Wann der Übergangsgewinn per E-Bilanz zu übermitteln ist (Zusammen mit der Eröffnungsbilanz oder im folgenden Jahresabschluss) scheint in der Verwaltung noch nicht letztschlüssig entschieden zu sein.
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