Kennzahlen: So erleichtern sie die Unternehmensführung

Sie gehören zum Business-Einmaleins und bilden einen zentralen Grundpfeiler der Unternehmenssteuerung: Kennzahlen. Ohne sie verlässt man sich als Unternehmer bei Entscheidungen nur auf das Bauchgefühl. Mit Hilfe von Kennzahlen können Sie die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens schnell beurteilen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Erfahren Sie auf dieser Seite, welches die wichtigsten Kennzahlen für die Unternehmensführung sind und wie Sie diese gewinnbringend für Ihre Firma nutzen.

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Definition

Was sind Kennzahlen?

Vereinfacht ausgedrückt, ist eine Kennzahl die Zusammenfassung mehrerer Zahlen und Informationen in (zumeist) einer einzigen Zahl. So lässt sich mit Hilfe einer Kennzahl ein bestimmter Sachverhalt einfach und übersichtlich darstellen. Beispielsweise sehen Sie anhand Ihrer Unternehmenskennzahlen auf einen Blick, wie viel operativer Gewinn von Ihrem Umsatz am Ende tatsächlich übrigbleibt oder wie das Verhältnis von Personalkosten zu Umsatz aussieht – also ob Ihre Mitarbeiter das in sie gesteckte Geld auch wieder „reinholen“.

Betriebliche Kennzahlen sollen vor allem Unternehmer bei der Führung des Betriebes unterstützen. Auf ihrer Grundlage können sie Entscheidungen fundierter treffen und Verbesserungen frühzeitig anstoßen.

Banken, Investoren und anderen Geschäftspartnern dienen Kennzahlen zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Außerdem spielen sie beim Branchen- und Wettbewerbsvergleich eine wichtige Rolle.

Kennzahlen gibt es für alle Unternehmensbereiche. Dabei sind für jeden Bereich andere Aspekte wichtig. Hier fünf Beispiele:

  • Finanzwesen: Im Rechnungswesen sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen von Bedeutung, die einen Überblick über die finanzielle Situation des Unternehmens und dessen Liquidität geben.
  • Personalbereich: Bei Personalkennzahlen geht es u. a. darum, wie zufrieden oder wie leistungsfähig die Mitarbeiter sind.
  • Vertrieb: Hier ist z. B. entscheidend, welchen Erfolg die Angebote haben und wie hoch die Reklamationsquote ist.
  • Herstellung: Prozesskennzahlen berechnen Sie anhand Ihrer gesetzten Prozessziele. Gleichzeitig dienen Produktionskennzahlen der Überwachung einzelner Prozesse und helfen Ihnen dabei, die Produktivität zu berechnen.
  • Erfolg: Sogenannte Erfolgskennzahlen kennzeichnen, wie positiv (oder negativ) Ihre bisherigen Unternehmungen ausfallen. Sie dienen als Grundlage für weitere Entscheidungen.

Info

Exkurs: Kennzahlensysteme

Bei Kennzahlensystemen werden Sachverhalte mit mehreren Kenngrößen ausgedrückt. So lässt sich noch besser erkennen, wie ein Ergebnis zustande kommt. Weit verbreitet ist das DuPont-Kennzahlensystem, welches 1919 entwickelt wurde und damit das älteste Kennzahlensystem ist. Beim DuPont-Kennzahlensystem steht der Return on Investment (ROI) im Mittelpunkt – und damit die Gesamtrentabilität des Unternehmens. Das Ziel ist es, diese Gesamtrentabilität so hoch wie möglich zu halten. Weitere Kennzahlensysteme sind das ZVEI-, das RL-Kennzahlensystem oder die Balanced Scorecard. Sie werden in kleinen Betrieben in der Regel allerdings nur sehr selten genutzt.

Diese Vorteile bieten Ihnen Kennzahlen

Unternehmer, die regelmäßig mit Kennzahlen arbeiten, sind in der Praxis meist erfolgreicher als Unternehmer, die darauf verzichten. Dies hat verschiedene Gründe. 

Durch einen Blick auf die jeweilige Kennzahl und ihre Entwicklung sind Sie als Unternehmer immer bestens darüber informiert, wie es in den einzelnen Bereichen läuft und können sinnvolle strategische Entscheidungen daraus ableiten.

Nutzen Sie Kennzahlen für das Controlling, können Sie kritische Entwicklungen schnell erkennen und haben die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern. Wenn beispielsweise die Reklamationsquote rapide ansteigt, sollten Sie untersuchen, was der Grund dafür ist: 

  • Hat sich die Qualität Ihrer Produkte in kurzer Zeit so stark verschlechtert?
  • Ist evtl. ein neuer Mitarbeiter zu den Kunden sehr unfreundlich?
  • Oder liegt der Grund woanders?

Auch für Wettbewerbs- und Branchenvergleiche sind Kennzahlen Gold wert. Denn sie zeigen, wie gut (oder schlecht) man im Vergleich mit anderen Unternehmen dasteht. Wenn man beispielsweise im selben Zeitraum deutlich weniger Vertragsabschlüsse verzeichnen kann als vergleichbare Unternehmen, sollte man sich möglicherweise seine Vertriebsprozesse einmal genauer anschauen.

Konkret zusammengefasst bedeutet das:

  • Sie erhalten einen kompakten und übersichtlichen Überblick über komplexe Sachverhalte.
  • Sie sind in der Lage, die Entwicklung der Unternehmensbereiche nachzuvollziehen.
  • Sie erkennen kritische Entwicklungen frühzeitig und können so schnell reagieren.
  • Sie haben die Möglichkeit, sich mit Ihren Wettbewerbern zu vergleichen und ggf. Maßnahmen zu ergreifen.

So sparen Sie mit Kennzahlen wertvolle Zeit

Fakt ist: Die Auswertung von Kennzahlen rentiert sich für jedes Unternehmen. Vereinzelt hört man von Unternehmern, dass sie keine Zeit dafür haben. Bei einem genaueren Blick zeigt sich aber, dass dieses Argument nicht haltbar ist. Denn das Gegenteil ist richtig: Kennzahlen sparen Unternehmern viel Zeit!

Dadurch, dass komplexe Sachverhalte schnell sichtbar werden, müssen Sie sich als Unternehmer deutlich weniger in Details einarbeiten und können sich im Tagesgeschäft anderen wichtigen Aufgaben widmen. Verzichten Sie dagegen auf die Arbeit mit Kennzahlen, müssen Sie sich die Informationen für strategische Entscheidungen jedes Mal erneut mühsam und zeitaufwendig zusammenstellen.

Die meisten wichtigen Kennzahlen stehen Ihnen auch bereits zur Verfügung – ohne dass Sie viel dafür tun müssen. So finden Sie viele von ihnen bereits direkt in Ihrem Lexware Programm.

Einen entsprechenden Leitfaden für Kennzahlen bei Lexware haben wir für Sie bereitgestellt. Weitere lassen sich aus der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWAoder der Bilanz ableiten.

Tipp

Kennzahlen regelmäßig prüfen

In der Praxis hat es sich als sinnvoll herausgestellt, sich einmal im Monat 1-2 Stunden mit den wichtigsten Kennzahlen zu befassen, am besten, nachdem der Monatsabschluss vorliegt.

Die wichtigsten Kennzahlen für Kleinunternehmer und Selbstständige

Unternehmenskennzahlen gibt es in Hülle und Fülle. Daher ist es wichtig, sich für Kennziffern zu entscheiden, die für die Führung des Betriebes wichtig sind. Zwar gibt es unterschiedliche Anforderungen je nach Branche und Unternehmen. Im Kern sollten sich aber alle Unternehmer und Selbstständige mit drei Kennzahlen-Gruppen befassen:

  1. Kennzahlen zur Messung des betriebswirtschaftlichen Erfolgs
  2. Kennzahlen zur Messung der Liquidität
  3. Kennzahlen, die als Frühwarnindikatoren für eine drohende Schieflage dienen

Im Folgenden stellen wir Ihnen die drei wichtigsten Unternehmenskennzahlen jeder Gruppe vor.

Kennzahlen zur Messung des betriebswirtschaftlichen Erfolgs

Unternehmen wollen Gewinne erzielen und sie müssen zahlungsfähig sein. Daher ist es für die Unternehmensführung wichtig, finanzielle Kennzahlen im Blick zu haben, die sich mit der Rendite des Betriebes befassen.

Banken und Auskunfteien wie Creditreform oder CRIF Bürgel arbeiten in der Regel ebenfalls mit diesen Kenngrößen, wenn sie z. B. die Bonität von Firmen bewerten. Die Ergebnisse fließen in das „Rating“ ein – die Note, die Auskunft über die Leistungs- und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gibt und die über die Kreditwürdigkeit Ihres Unternehmens entscheidet. 

Auch Geschäftspartner, etwa große Kunden, unterziehen Betriebe solchen Analysen und arbeiten mit diesen Kennzahlen. Hintergrund hierfür ist, dass die Partner wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass z. B. Kredite oder Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Wie Sie Ihre Bonitätsauskunft gegenüber Geschäftspartnern positiv beeinflussen, erfahren Sie auf unserer Schlagwortseite zum Thema Bonität.

Umsatzrendite bzw. Umsatzrentabilität

Die Umsatzrendite (auch Umsatzrentabilität genannt) zeigt Ihnen, wie viel Prozent Ihres Umsatzes nach Abzug der Kosten als Gewinn übrigbleibt. Diese Kennzahl ist ein Maßstab für die Effizienz Ihres Unternehmens. Je höher die Zahl ist, desto effizienter arbeitet Ihr Unternehmen. Die durchschnittliche Umsatzrendite variiert stark von Branche zu Branche.

  • Formel:
    Umsatzrendite = Gewinn (Jahresüberschuss nach Steuern) * 100 / Umsatz
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Um die Umsatzrendite zu erhöhen, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: So können Sie beispielsweise Maßnahmen treffen, um die Kosten zu senken (z. B. im Material- oder Energiebereich) oder Prozesse zu verbessern (z. B. durch Automatisierung).
  • Tipp:
    Wenn Sie einen Anhaltspunkt dafür haben möchten, wie Ihre Umsatzrendite im Branchenvergleich liegt, können Sie den durchschnittlichen Wert Ihrer Branche bei der IHK oder bei Ihrem Branchenverband erfragen.

Tipp

Ertragskraft beurteilen

Um die Ertragskraft aus dem Kerngeschäft besser beurteilen zu können, können Sie anstelle des Jahresüberschusses auch das Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT - Earnings before Interests and Taxes) ins Verhältnis zum Umsatz setzen.

Formel: EBIT-Rendite = EBIT * 100 / Umsatz

Gesamtkapitalrentabilität bzw. ROI

Die Gesamtkapitalrentabilität (auch Return on Investment (ROI) oder Gesamtkapitalrendite genannt) gibt an, wie gut sich das gesamte im Unternehmen eingesetzte Kapital „verzinst“. Damit zeigt die Kennzahl, ob Ihr Betrieb die Anforderungen der Kapitalgeber (z. B. Eigentürmer, Banken) erfüllen kann. Je höher diese Zahl, desto mehr freut es die Kapitalgeber.

Die meisten Investoren erwarten eine „Verzinsung“ ihres eingesetzten Kapitals von mindestens 8 %, Banken werten Ausprägungen ab 10 % als gut.

  • Formel:
    ROI = (Gewinn + Bankzinsen) * 100 / Gesamtkapital
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Die Gesamtkapitalrendite lässt sich durch dieselben Maßnahmen erhöhen wie die Umsatzrendite. Außerdem hat eine Reduzierung der Kapitalbindung positive Auswirkungen – z. B. durch Reduktion von Forderungen oder Lagerbeständen.

Cashflow

Der Cashflow gibt an, wie viel Geld Ihr Unternehmen erwirtschaftet. Dabei werden den Einzahlungen die Auszahlungen einer Periode gegenübergestellt. Somit ist der Cashflow ein Maßstab zur Beurteilung der Selbstfinanzierungskraft Ihres Unternehmens. Denn je mehr Geld das Unternehmen selbst erwirtschaftet, desto weniger ist es auf externe Geldgeber angewiesen.

Der Cashflow ist – wie die Umsatzrendite – ebenfalls sehr stark branchenabhängig. Die durchschnittlichen Branchenwerte können auch hier beim Branchenverband oder der IHK nachgefragt werden.

  • Formel:
    Cashflow = Gewinn + Abschreibungen + Zuführung zu langfristigen Rückstellungen
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Den Cashflow können Sie durch ähnliche Maßnahmen verbessern wie die Umsatzrendite, z. B. durch Kostensenkungen oder Prozessverbesserungen (wie z. B. die Senkung von Durchlaufzeiten).

Tipp

Cashflow-Rendite berechnen

Setzt man den Cashflow ins Verhältnis zum Umsatz, erhält man die Cashflow-Rendite, mit der sich die Rentabilität auf Basis der tatsächlichen Zahlungsströme messen lässt: Wie viel Prozent vom Umsatz kommt tatsächlich auf dem Konto an?

Formel: Cashflow - Rendite = Cashflow * 100 / Umsatzerlöse

Unser Cashflow-Rechner bietet Ihnen drei Möglichkeiten, den Cashflow zu berechnen. Nutzen Sie ab sofort diese kostenlose Berechnungshilfe.

Kennzahlen zur Messung der Liquidität

Neben der Leistungsfähigkeit spielt die Zahlungsfähigkeit (Liquidität) eines Betriebes eine große Rolle bei der Unternehmensführung. Wie bereits erwähnt schauen auch Banken und Geschäftspartner ganz genau auf diese Zahlen.

Die drei wichtigsten Kennzahlen im Bereich Liquidität werden im Folgenden beschrieben:

Liquiditätsgrad II

Es gibt insgesamt 3 Liquiditätsgrade, die aufzeigen, in welchem Maße ein Unternehmen zahlungsfähig ist bzw. ob Zahlungsschwierigkeiten drohen. Der Liquiditätsgrad II zeigt, inwieweit relativ schnell in Geld umwandelbare Forderungen und vorhandene flüssige Mittel ausreichen, um kurzfristig fällige Verbindlichkeiten zu decken.

Als Richtwert sollte hier mindestens 100 % erreicht werden. Dann decken die kurzfristig verfügbaren Mittel die kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten ab. Idealerweise beträgt das Verhältnis 130 % bis 140 %.

  • Formel:
    Liquiditätsgrad II = (Forderungen + liquide Mittel) * 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Der Liquiditätsgrad II kann u. a. dadurch verbessert werden, dass Sie Forderungsbestände senken (z. B. durch Bonitätsprüfungen, ein optimiertes Mahnwesen o. Ä.) und darauf achten, dass Ihre Kreditorenbestände nicht zu hoch werden. 

Info

Liquiditätsgrad I, II und III im Vergleich

Liquiditätsgrad I und III unterscheiden sich leicht von Grad II:

Liquiditätsgrad I = flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten
Liquiditätsgrad III = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Working-Capital-Ratio

Die Working-Capital-Ratio zeigt Ihnen, ob Ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten durch in ähnlicher Frist vorhandenes Vermögen gedeckt sind. Sie entspricht im Kern dem Liquiditätsgrad III. Ein Wert zwischen 130 % und 200 % sollte hier im Idealfall angestrebt werden.

  • Formel:
    Umlaufvermögen * 100 / kurzfristige Verbindlichkeiten
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Die Working-Capital-Ratio kann beispielsweise erhöht werden, indem Forderungs- und Lagerbestände gesenkt werden oder eine Sortimentsbereinigung stattfindet.

Lagerumschlagshäufigkeit

Anhand der Lagerumschlagshäufigkeit erkennen Sie, wie oft Ihr Lager bzw. der darin gelagerte Waren- oder Materialbestand innerhalb einer bestimmten Zeitspanne gefüllt und wieder geleert wird. Je höher die Lagerumschlagshäufigkeit, desto niedriger ist die Kapitalbindung. Eine möglichst hohe Umschlagshäufigkeit ist daher günstig.

Die Umschlagshäufigkeit ist aber ebenfalls sehr branchenabhängig: Während beispielweise ein Unternehmen der Lebensmittelbranche einen sehr hohen Wert aufweisen wird, wird der eines Händlers von Luxusautos eher niedrig sein.

  • Formel:
    Lagerumschlagshäufigkeit = Umsatzerlöse / Materialbestand (Bilanzpositionen Material, Waren etc.)
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Um die Lagerumschlagshäufigkeit zu verbessern, können Sie u. a. Ladenhüter aus dem Sortiment nehmen oder den Lagerbestand senken.

Tipp

Formel zur Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit

Wenn Sie wissen möchten, wie viele Tage es dauert, bis Ihr Lager einmal "umgeschlagen" ist, setzen Sie die Lagerumschlagshäufigkeit einfach ins Verhältnis zu einem Jahr:

Lagerumschlagshäufigkeit (Tage) = 365 / (Umsatzerlöse / Materialbestand)

Kennzahlen als Frühwarnindikatoren

Einige Kennzahlen können auch als Frühwarnindikatoren genutzt werden. Sie liefern Hinweise darauf, ob und wo es in Zukunft zu Problemen kommen kann. Da die meisten Finanzkennzahlen v. a. Informationen darüber enthalten, wie sich die Leistungsfähigkeit in der Vergangenheit entwickelt hat, müssen Unternehmer hier andere Kenngrößen nutzen.

Angebotserfolgsquote

Die Angebotserfolgsquote verdeutlicht, wie viele Kunden aufgrund abgegebener Angebote bei Ihnen gekauft haben. Sie ist damit ein Indikator für die Produkt- und Sortimentsqualität sowie die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens. Sinkt die Angebotserfolgsquote, sollten Sie der Sache schnellstmöglich nachgehen, denn dies ist ein deutliches Warnzeichen. Es kann auf nachlassende Produktqualität, ein in die Jahre kommendes Portfolio oder auf Qualitätsmängel im Vertrieb hindeuten. Auch diese Kennzahl ist stark branchenabhängig.

  • Formel:
    Angebotserfolgsquote = Anzahl Vertragsabschlüsse * 100 / Anzahl abgegebener Angebote
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Um die Angebotserfolgsquote zu verbessern, stehen Ihnen verschiedene Ansätze zur Verfügung. Einerseits können Sie Ihr Sortiment auf Aktualität, Wettbewerbsfähigkeit und Qualitätsmängel prüfen. Andererseits können Sie proaktiv auf Ihre Kunden zugehen und Sie zu den Gründen befragen, weshalb sie am Ende doch nicht bei Ihnen gekauft haben. Möglicherweise hilft auch eine Schulung der Vertriebsmitarbeiter.

Kundenindex

Der Kundenindex zeigt Ihnen, wie sich die Kundenzahl Ihres Unternehmens über einen Zeitraum von mehreren Jahren entwickelt. Verschlechtert sich der Index mehrmals hintereinander, verliert das Unternehmen meist dauerhaft Kunden, Umsätze und Gewinne. Außerdem verschlechtert sich die Liquidität. Ein positives Zeichen ist es dagegen, wenn der Kundenindex sich über mehrere Jahre hinweg positiv entwickelt. Grundsätzlich sollte er größer als 1 sein.

  • Formel:
    Kundenindex = Kundenzahl lfd. Jahr / Kundenzahl Vorjahr
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Den Kundenindex verbessern jegliche Maßnahmen, die Ihnen helfen, Kunden langfristig an Ihr Unternehmen zu binden bzw. neue Kunden zu gewinnen. Beispiele hierfür sind:
    • verbesserte Kundenansprache
    • großangelegte Neukundengewinnungsaktionen

Reklamationsquote

Die Reklamationsquote gibt Ihnen Hinweise zur Kundenzufriedenheit, also darüber wie zufrieden Ihre Kunden mit Ihren Produkten und Ihrem Service sind. Die Reklamationsquote sollte maximal bei 3 % liegen. Eine hohe Quote weist auf Qualitätsprobleme bei Ihrem Service und/oder Ihren Produkten hin. Ihr sollte deshalb schnellstmöglich nachgegangen werden. Vor allem auch aufgrund der Tatsache, dass sich nur wenige Kunden aktiv beschweren. Die meisten wechseln direkt zur Konkurrenz.

  • Formel:
    Reklamationsquote = Anzahl Reklamationen * 100 / Anzahl Aufträge
  • Optimierungsmöglichkeiten:
    Im Falle einer hohen Reklamationsquote sollten Sie zunächst den Hauptgrund für die Reklamationen herausfinden. Liegt er in Ihrem Kundenservice begründet, sollten Sie Ihre Mitarbeiter evtl. im Umgang mit den Kunden schulen lassen. Liegt er an der mangelnden Qualität Ihrer Produkte, sollten Sie prüfen, was Sie im Produktionsprozess verbessern müssen, um die Qualität zu verbessern.

Mit Kennzahlen erfolgreich Ihr Unternehmen bewerten

Egal, ob Sie eine Finanzierung benötigen oder Ihre Firma verkaufen bzw. erweitern wollen: Es erfolgt eine qualitative und quantitative Bewertung seitens der Bank. Bei der Bonitätsprüfung (auch Rating genannt), vergibt die Bank eine Note. Enthalten in dieser ist eine Analyse und Beurteilung sowohl Ihrer Finanzergebnisse als auch Ihrer Unternehmenskennzahlen. Letztere fließen mit etwa 60 % in das Rating ein.

Bereiten Sie Ihr Kleinunternehmen auf ein Rating vor

Wenn Sie einen Kredit benötigen, sollten Sie sich frühzeitig auf das Rating vorbereiten. Dazu gehört, dass Sie genau wissen, ob „Ihre“ betriebswirtschaftlichen Kennzahlen gut oder weniger gut ausfallen. Wichtige Kennzahlen für die Bilanzanalyse im Unternehmen sind vor allem:

  • Eigenkapitalquote
  • Gesamtkapital-Rentabilität
  • Umsatzrentabilität
  • Cashflow oder Deckungsgrad II

Banken haben zur Kennzahlenanalyse eigene komplexe Programme und Berechnungsalgorithmen. Wenn Sie die Kennzahlen Ihres Unternehmens im Vorfeld eines Ratings selber bilden möchten, können Sie dazu aber auch eine Excel-Arbeitshilfe nutzen. Bereits mit wenigen Eingaben aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) können Sie alle benötigten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen selbst erstellen.

Es genügt fast immer, wenn sowohl Ihnen als auch der Bank folgende Daten aus der Bilanz vorliegen, die Sie eingeben können:

  • Vorräte
  • Forderungen
  • liquide Mittel
  • Summe des Anlagevermögens
  • Angaben zu Eigenkapital und Fremdkapital (gegebenenfalls unterteilt nach Fristigkeiten)

Außerdem benötigen Sie aus der GuV Umsätze und Kosten und evtl. müssen Sie Angaben zum geplanten Investitionsvorhaben machen. Diese Zahlen und Daten sollten Sie grundsätzlich binnen kurzer Zeit erheben können. Aus diesen Angaben lassen sich alle benötigten Unternehmenskennzahlen automatisch ermitteln.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen für die Unternehmensbewertung

Auch bei Unternehmensbewertungen wird die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Firma oder eines Betriebs im Wesentlichen anhand der gleichen Unternehmenskennzahlen beurteilt wie beim Rating.

Warum ist es wichtig, sich im Vorfeld eines Ratings oder einer Unternehmensbewertung mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu befassen?

Sie stellen sich jetzt vielleicht die Frage, warum Sie sich die Mühe machen sollen, im Vorfeld zum Beispiel einer Kreditverhandlung selbst Daten zu erheben und die Unternehmenskennzahlen für Ihren Betrieb zu erstellen, wenn das die Bank oder Investoren ohnehin tun.
Die Antwort ist einfach: Das Kreditinstitut bildet die Unternehmenskennzahlen für Ihren Betrieb in jedem Fall, ist also über die Güte der Leistungsfähigkeit Ihrer Firma bestens informiert. Haben Sie sich selbst im Vorfeld darüber nicht informiert, fehlt Ihnen die Möglichkeit, z.B. bei einer eher schlechten Ausprägung frühzeitig zu überlegen, wie Sie der Bank die Entwicklung erklären und gleichzeitig aufzeigen können, wie Sie es künftig besser machen wollen. 

Info

Beispiel: Kommen Sie nicht in Erklärungsnot

Sind Umsatz und Gewinn im letzten Jahr um 10 % zurückgegangen, weil ein großer Kunde abgesprungen ist, können Sie das im Gespräch von sich aus aktiv ansprechen und erklären. Haben Sie gleichzeitig die Akquise verstärkt und bereits neue Kunden hinzugewonnen, verfügen Sie über beste Argumente, um die Bank im Ratinggespräch davon zu überzeugen, dass sich Ihre betriebswirtschaftlichen Kennzahlen künftig wieder deutlich verbessern werden.

Und natürlich ist es aus den gleichen Gründen bei einer Unternehmensbewertung wichtig, sich über die Leistungsfähigkeit eines Betriebes zu informieren. Als Käufer wollen Sie vor dem Gespräch zumindest grob abschätzen können, auf was Sie sich einlassen. Als Verkäufer müssen Sie einschätzen können, ob der Betrieb für Sie attraktiv genug ist, um künftig höhere Gewinne erwirtschaften zu können.

Unterschiedliche Ergebnisse bei der Berechnung von Kennzahlen

Ein grundsätzliches Problem bei der Bildung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist, dass es kaum echte Standards für die Formelbildung gibt. Das bedeutet für Sie in letzter Konsequenz, dass sich die Ausprägung (Werte) der selbst erhobenen Kennzahlen Ihres Unternehmens von denen der Bank oder eines Investors oft zumindest leicht unterscheiden können. Um mögliche Irritationen zu vermeiden, sollten Sie sich im Vorfeld mit Ihrem Gegenüber abstimmen und sich nach der genauen Zusammensetzung „seiner“ Formel erkundigen. Sollten die Unterschiede bei der Formelbildung größer sein, ist es Ihnen leicht möglich, diese in unserem Excel-Tool „Kennzahlen-Rechner“  anzupassen.

Auch wenn es gegebenenfalls durch Unterschiede bei der Bildung der Kennzahlen Ihres Unternehmens dazu kommen kann, dass die Ausprägung der selbst ermittelten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nicht vollständig mit den der Bank übereinstimmen, genügen die Ergebnisse dennoch immer, um eine grundlegende Standortbestimmung vornehmen zu können.

 

Kennzahlen effizient und gewinnbringend nutzen

So wählen Sie die richtigen Kennzahlen für Ihr Unternehmen aus

Die Auswahl der richtigen Kennzahlen für Ihr Unternehmen ist der erste Schritt – und ein sehr individueller. Denn welche und wie viele Zahlen für Ihr Unternehmen wichtig sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. von:

  • der Branche
  • der Unternehmensgröße
  • der Finanzierungsform
  • von Ihnen selbst und Ihren Wünschen

Einen Anhaltspunkt dafür, welche Zahlen Sie künftig betrachten wollen, bieten Ihnen die Ziele, die Ihnen für Ihren Betrieb wichtig sind. Wenn Sie beispielsweise ein junges aufstrebendes Unternehmen leiten, liegt es wahrscheinlich in Ihrem Interesse, möglichst schnell eine breite Kundenbasis aufzubauen. In dem Fall sollten Sie unbedingt den Kundenindex in Ihr Kennzahlensystem mit aufnehmen. Wenn für Sie außerdem eine hohe Qualität Ihrer Produkte sehr wichtig ist, sollten Sie darüber hinaus die Reklamationsquote im Auge behalten. Und wenn Sie Eigentümer des Unternehmens sind, oder viele Fremdkapitalgeber haben, die Sie zufrieden stellen möchten, sollten Sie Wert legen auf eine möglichst hohe Gesamtkapitalrendite.

Tipp

Mit Lexware alle Kennzahlen im Blick

Den einfachsten Weg, wie Sie an Ihre Kennzahlen kommen, bieten Ihnen Lexware Programme wie Lexware buchhaltung oder Lexware financial office. Denn hier haben Sie Zugriff auf zahlreiche unterschiedliche Kennzahlen. Diese werden direkt aus den vorhanden Geschäftszahlen berechnet, ohne dass Sie viel dafür tun müssen. So sparen Sie eine Menge Zeit.

In unseren Programmen stehen Ihnen über 25 Kennzahlen per Klick zur Verfügung. Hier einige Beispiele:

  • Umsatzrendite
  • Cashflow
  • Gesamtkapitalrentabilität
  • Return on Invest (ROI)
  • Liquiditätsgrad I, II und III
  • Eigenkapitalrentabilität / Eigenkapitalrendite
  • Deckungsgrad I und II
  • Verschuldungsgrad

Darüber hinaus haben Sie in den Lexware Programmen Zugriff auf wichtige Auswertungen wie die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)Bilanz und GuV. Daraus lassen sich weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen entnehmen bzw. ableiten. Sollten Sie kein Lexware Programm im Einsatz haben, erhalten Sie diese Auswertungen von Ihrer Buchhaltung oder Ihrem Steuerberater.

Praxis-Tipps zur Arbeit mit Kennzahlen

  1. Kennzahlen haben bestimmte Besonderheiten, die Sie kennen sollten. Beispielsweise beziehen sie sich oft auf einen bestimmten Stichtag und betrachten damit eine vergangene Periode. Das sollten Sie immer im Hinterkopf haben, wenn Sie sich die Zahlen ansehen.
  2. Zudem empfiehlt es sich, mit Planwerten zu arbeiten, also z. B. zu formulieren, dass man eine Umsatzrendite von 5 % erreichen möchte. Mit diesem Wert können Sie dann alle unterjährigen Ergebnisse vergleichen. Weichen diese vom Planwert ab, können Sie Maßnahmen einleiten, um das Ziel doch noch zu erreichen.
  3. Außerdem sollten Sie nicht nur eine Kennzahl betrachten, sondern immer mehrere. Nur so erhalten Sie ein aussagekräftiges Gesamtbild. Beispielsweise sieht es zwar auf den ersten Blick sehr positiv aus, wenn Ihre Rücklaufquote um 5 % gesunken ist. Wenn im gleichen Zeitraum dafür aber auch die Anzahl der verkauften Produkte um 10 % gesunken ist, hebt sich der positive Effekt wieder auf.
  4. Die meisten Kennzahlen konzentrieren sich außerdem auf die Darstellung kurzfristiger Sachverhalte. Um langfristige Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren, sollten Unternehmer:innen daher immer auch eine Strategie entwickeln und sich fragen, mit welchen Produkten und Kunden sie in 3-4 Jahren noch Geld verdienen können.