BFH-Urteil: Keine Werbungskosten für gemischt genutztes Arbeitszimmer

BFH-Urteil bestätigt strenges Abzusverbot für die Arbeitsecke
Aktualisiert am: 01.03.2016

Handelt es sich bei dem häuslichen Arbeitszimmer eines GmbH-Geschäftsführers um einen gemischt genutzten Raum oder nur um eine Arbeitsecke, schließt der Bundesfinanzhof einen Werbungskostenabzug kategorisch aus.

Hat eine GmbH keine eigenen Geschäftsräume und der GmbH-Geschäftsführer wird nur bei Kunden und zu Hause tätig, kann er für die Ausgaben seines häuslichen Arbeitszimmers unter bestimmten Voraussetzungen bis 1.250 Euro pro Jahr als Werbungskosten aus nichtselbstständiger Arbeit geltend machen.

Der Große Senat des Bundesfinanzhofs musste entscheiden, ob für ein teils privat, teils beruflich genutztes Arbeitszimmer zu Hause, ein anteiliger Werbungskostenabzug berücksichtigt werden darf. Die Antwort lautet leider „nein“. Damit bestätigten die Richter das strenge Abzugsverbot für gemischt genutzte Arbeitszimmer sowie für die klassische Arbeitsecke im Wohnzimmer oder Arbeitszimmer (BFH, Urteil v. 27.7.2015, GrS 1/14).

Unter welchen Voraussetzungen besteht ein Werbungskostenabzug?

Der GmbH-Geschäftsführer kann für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann einen Werbungskosten von bis zu 1.250 Euro geltend machen, wenn

  • das häusliche Arbeitszimmer büromäßig ausgestattet ist und
  • ausschließlich beruflich genutzt wird,
  • der GmbH-Geschäftsführer keinen anderen Arbeitsplatz hat und nur im häuslichen Arbeitszimmer und bei Kunden tätig wird.

Nutzt ein GmbH-Geschäftsführer einen Raum zur Hälfte als Schlafzimmer und zur Hälfte als Büro, darf er nach der BFH-Rechtsprechung keine Werbungskosten geltend machen. Das Urteil des Großen Senats zur Aufteilung von Reisekosten in private und berufliche Ausgaben (BFH, GrS 1/06) gilt beim Arbeitszimmer ausdrücklich nicht.

Büromäßige Ausstattung und ausschließlich berufliche Nutzung

Damit für ein häusliches Arbeitszimmer wenigstens ein Werbungskostenabzug von bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend gemacht werden kann, muss das Arbeitszimmer wie ein Büro eingerichtet sein. Private Möbel oder Gegenstände haben in diesem Raum nichts verloren. Das bedeutet im Klartext: Steht im Arbeitszimmer ein großer Kleiderschrank für die Familie, kann das bereits das Aus für den Werbungskostenabzug bedeuten.

Praxis-Tipp:

Um steuerlich beim Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Sie also alle privaten Möbel und Gegenstände aus dem Arbeitszimmer verbannen. Machen Sie Fotos von Ihrem Arbeitszimmer aus verschiedenen Positionen und legen Sie diese dem Finanzamt im Zweifel vor.

Auch ohne Arbeitszimmer ist ein Werbungskostenabzug denkbar

Kommt das Finanzamt in Ihrem Fall zu der Erkenntnis, dass ein Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer wegen der gemischten Nutzung ausscheidet, bedeutet das nur, dass Sie die anteiligen Raumkosten nicht als Werbungskosten abziehen dürfen. Die Ausgaben für die beruflich genutzten Möbel wie Schrank, Regal, Schreibtisch und für den Bürostuhl dürfen Sie jedoch als Arbeitsmittel steuerlich absetzen. Hierbei gelten folgende Steuerregeln:

  • Sofortabzug: Kostet ein Möbelstück netto nicht mehr als 410 Euro, dürfen Sie den Kaufpreis sofort im Jahr der Zahlung als Werbungskosten geltend machen.
  • Abschreibung: Überschreitet der Kaufpreis für ein Möbelstück den Nettopreis von 410 Euro, ist der Kaufpreis auf 13 (!) Jahre verteilt abzuschreiben.

Überprüfung vor Ort anregen

Nutzen Sie einen Raum zu Hause ausschließlich als Arbeitszimmer und das Finanzamt bezweifelt das und lässt Ihr Fotos nicht als Nachweis zu, können Sie eine Überprüfung vor Ort bei sich zu Hause anregen. Dann kommt ein Finanzbeamter zu Ihnen nach Hause, nimmt den beruflich genutzten Raum in Augenschein und entscheidet dann, ob der Werbungskostenabzug möglich ist oder nicht.

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