Nebeneinkünfte zu Rente: Häusliches Arbeitszimmer unbegrenzt abziehbar /fileadmin/_processed_/9/8/csm_GmbH-Geschaeftsfuehrer-Ausfall_5047e50bb3.jpg 2015-08-11 Lexware

Nebeneinkünfte zu Rente: Häusliches Arbeitszimmer unbegrenzt abziehbar

Betriebsausgaben für Arbeitszimmer absetzbar, wenn Arbeitszimmer Mittelpunkt der Betätigung trotz Renteneinkünften
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 11.08.2015

Punktsieg vor Gericht für einen Steuerzahler, der neben einer Rente noch Nebeneinkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit erzielte. Die Richter des Bundesfinanzhofs bestätigten dem Rentner, dass er die Kosten für sein häusliches Arbeitszimmer nicht nur auf 1.250 Euro begrenzt als Betriebsausgaben abziehen darf, sondern in unbegrenzter Höhe.

Erreicht ein GmbH-Gesellschafter das Rentenalter und zieht sich aus dem aktiven Geschäft der GmbH zurück, indem er seinen Geschäftsführerposten räumt, kommt es nicht selten vor, dass er seiner GmbH weiterhin sein Know-how zur Verfügung stellt. Nur eben nicht mehr als Geschäftsführer, sondern als selbstständiger Berater. Wird der GmbH-Gesellschafter im Rahmen seiner Beratungstätigkeit in einem häuslichen Arbeitszimmer tätig, waren Streitigkeiten mit dem Finanzamt meist programmiert.

Die Finanzämter ließen bei Rentnern mit Nebenjob die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer nur bis zu 1.250 Euro pro Jahr als Betriebsausgaben zum Abzug zu. Ihre Begründung: Das Arbeitszimmer ist nicht der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung des Rentners mit Nebeneinkünften. Denn der Rentner erzielt seine gesetzliche Rente oder seine Betriebsrente und nutzt das Arbeitszimmer dafür gar nicht.

So ist zu ermitteln, ob Arbeitszimmer Mittelpunkt der Betätigungen ist

Die Richter des Bundesfinanzhofs kippten diese Argumentation der Finanzämter allerdings (BFH, Urteil v. 11.11.2014, Az. VIII R 3/12). Renten und Pensionen, also Einkünfte aus früheren Dienstverhältnissen, bleiben bei der Beurteilung der Frage, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung darstellt, außer Betracht.

Beispiel:

Der GmbH-Gesellschafter Hans Huber, 68 Jahre alt, bezieht eine Betriebsrente von 80.000 Euro. Seit Huber zu seinem 65.Geburtags aus der Geschäftsführung  ausgeschieden ist, ist er als selbständiger Berater für die GmbH tätig und verdient hier 70.000 Euro pro Jahr. Die Gewinnausschüttungen betragen rund 5.000 Euro pro Jahr. Für die Beratung nutzt GmbH-Gesellschafter Huber ein häusliches Arbeitszimmer. Die Kosten für dieses Arbeitszimmer betragen 3.195 Euro.

Folge: Nach der neuesten BFH-Rechtsprechung ist das häusliche Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung von GmbH-Gesellschafter Huber. Die Arbeitszimmerkosten dürfen also in Höhe von 3.195 Euro als Betriebsausgaben von den Einnahmen aus der Beratungstätigkeit abgezogen werden. Die Einkünfte aus Kapitalvermögen im Rahmen der Gewinnausschüttung sind von untergeordneter Bedeutung und wirken sich auf den Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Betätigung im Arbeitszimmer nicht aus.

Häusliches Arbeitszimmer
Häusliches Arbeitszimmer So rechnet Huber So rechnen häufig die Finanzämter
Arbeitszimmer ist Mittelpunkt Ja, die Beratungsleistungen werden im Arbeitszimmer erbracht Nein, da das Arbeitszimmer für Betriebsrente nicht verwendet wird.
Betriebsausgabenabzug In unbegrenzter Höhe Beschränkt auf 1.250 Euro pro Jahr

Sollte ein Finanzamt tatsächlich noch die Betriebsrente einbeziehen und deshalb zu der Erkenntnis kommen, dass die Arbeitszimmerkosten in Punkto Betriebsausgabenabzug auf 1.250 Euro pro Jahr begrenzt sind, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Legen Sie Einspruch gegen den nachteiligen Einkommensteuerbescheid ein.
  • Weisen Sie dezent auf die neue BFH-Rechtsprechung hin.

Praxis-Tipp: Zum Streitpunkt könnte es kommen, wenn ein GmbH-Gesellschafter, der eine Betriebsrente bezieht, sehr hohe Gewinnausschüttungen erzielt. Diese sind als aktive Einkünfte zur Klärung der Frage zum Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung zum Arbeitszimmer einzubeziehenwerden.  Bereitet ein GmbH-Gesellschafter die Gesellschafter-Versammlung jedoch in seinem Arbeitszimmer vor und nimmt dort auch Ausarbeitungen und Berechnung zu Höhe der Gewinnausschüttung vor, dürfte es allerdings keine Probleme geben, die gegen den 100%igen Betriebsausgabenabzug für die Arbeitszimmerkosten sprechen würden.


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