Mobiles Bezahlen: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Aktualisiert am: 08.11.2017

Wer die Zahlungssysteme EC Cash oder Kreditkarte einführt, kann hinsichtlich der Transaktionskosten, aber auch laufender Kosten mitunter sein rot-blaues Wunder erleben. Dabei kann der richtige Einsatz von mobiler Kartenzahlung gerade bei Handwerkern, Gastronomen oder mobilen Händlern dazu beitragen, schnellere Zahlungseingänge zu verbuchen und Kunden zu gewinnen. Ein Überblick über die unternehmerischen Kosten.

Mobile Kartenzahlung: EC-Karte mobil


Gerade Handwerker, die Wartungs- und Reparaturarbeiten bei Privatkunden durchführen, wünschen sich häufig Möglichkeiten, direkt beim Kunden abkassieren zu können. Hier bietet sich mobile Kartenzahlung über ein EC-Kartenterminal mit GPRS-Funk an. Dieses kann überall betrieben werden, wo ein Mobilfunknetz verfügbar ist und im Falle der Zahlung mit Geldkarte sogar ohne permanente Verbindung.

Ein Knackpunkt sind die Kosten: Derartige Terminals für mobile Kartenzahlung kosten in der Anschaffung 500 bis 700 EUR oder als dauerhaftes Mietgerät 12 bis 25 EUR monatlich. Hinzu kommen die Gebühren für die SIM-Karte und den (Abrechnungs-)Netzbetreiber, die aber bei günstiger Auswahl bei etwa 5 EUR pro Monat liegen dürften. Dafür sind die Kosten für Transaktionen bei mobiler Kartenzahlung niedrig: Pro Transaktion sind bei Verwendung von EC- oder Maestro-Karten typischerweise zwischen 0,30 % und 0,95 % der Summe plus 5 Cent für die Authorisierungsabfrage zu veranschlagen. Bei den Basistarifen der Netzbetreiber fallen pro Buchung oft zusätzlich 8 bis 10 Cent an, die sich aber gegebenenfalls durch eine Flatrate abdecken lassen. Bei einem Umsatz von 1.000 EUR monatlich über das mobile Terminal summieren sich die Kosten für Terminal und Transaktionen auf rund 3 % des Umsatzes.

GPRS für mobile Kartenzahlung

Autarkes GPRS-Terminal: Tolle Sache, allerdings hohe Anschaffungs- oder Mietkosten (Pressefoto: easycash)

Wer als Sanitärmeister wie Robert S. zwei oder drei mobile Mitarbeiter mit Montagefahrzeug hat, die mal auf Baustellen arbeiten und mal Reparaturen bei Privatleuten durchführen, dürfte mit mehreren Terminals kaum auf genügend Umsatz pro Terminal kommen und andererseits mit nur einem Terminal vor die logistische Herausforderung gestellt sein, wer denn das Terminal nun mitnimmt. Anders sieht es bei Michael E., einem Fahrradhändler in einer süddeutschen Großstadt aus: Er hat sich ganz bewusst schon vor Jahren für das teurere GPRS-Terminal auch für den Einsatz im Laden entschieden. Denn häufig liefert er nach Feierabend reparierte oder auf Kundenwunsch zusammengestellte Fahrräder aus. In vielen Fällen kann er mit dem mobilen Terminal gleich kassieren und spart sich so viel Aufwand bei der Buchhaltung. Gerade die mehreren hundert Euro Kosten für die Nachrüstung einer hochwertigen Federgabel sofort auf dem Konto zu wissen (dank mobiler Kartenzahlung), sind in einer Branche, in der viel Kapital im Lager gebunden ist, ein enormer Vorteil.

Mobile Kartenzahlung: Kartenterminal abgespeckt

Marion B. wohnt in Leipzig, einer sehr kinderreichen Stadt. Bereits in der Elternzeit mit ihrem ersten Kind hat sie mit liebevoll ausgesuchten Stoffen viel fürs Baby selbst genäht: Deckchen, Hosen, Kleider, Taschen. Schnell war klar, dass sich daraus ein Geschäft machen lässt und bereits während ihrer zweiten Schwangerschaft stellte sie ihre Kreationen auf Dawanda ein und hat sich dort mittlerweile so etabliert, dass sie mit ihrer Selbständigkeit dasselbe Einkommen erzielt wie in ihrer Zeit als Zahnarzthelferin bevor die Kinder kamen. Wochenends ist sie gerne auf Straßenfesten oder Kreativmärkten unterwegs. Leider hat sie gerade bei Straßenfesten oft das Problem, dass potentielle Kunden nicht genügend Bargeld dabei haben. So bleibt oft das Vertrösten auf ihren Dawanda-Shop (was immerhin mit etwa 1,5 % Transaktionskosten recht günstig ist) und häufige Mails der Art „Wo finde ich noch einmal die Hose, welche im am Straßenfest gesehen habe?“ – ärgerlich, schließlich hat ein halbes Dutzend Eltern an diesem Straßenfest Hosen begutachtet.

Da es bei Marion B. maximal um ein paar Hundert Euro Umsatz monatlich geht und diese auch nur in den Sommermonaten als Kartenzahlung anfallen würden, sucht sie ein System für mobile Kartenzahlung, das ohne Grundgebühren funktioniert und mit Anschaffungskosten unter der 100-EUR-Schwelle die meisten gängigen Karten akzeptiert. Schließlich möchte sie die Option, an Touristen zu verkaufen, nicht missen. Im Gegenzug ist sie bereit, Transaktionskosten der mobilen Kartenzahlung zu akzeptieren, die auf dem Niveau ihrer Dawanda-Angebote liegen. 

Anbieter der mobilen Kartenzahlung bieten Kartenleser zwischen 0 EUR und 80 EUR – hier ist der Regelfall, dass die kostenlose oder für 20 EUR angebotene günstige Variante über die Kopfhörerbuchse mit dem Smartphone verbunden wird und daher nicht alle Smartphone-Modelle funktionieren. Intensive Tests haben die meisten Hersteller oft nur mit Apples iPhone durchgeführt. Da Marion B ein iPhone 5 nutzt, zunächst nicht schlimm, was aber wenn sie auf Android umsteigt? Die meist ca. 80 EUR teuren hochwertigeren Geräte verfügen über eine Bluetooth-Schnittstelle, ein eigenes Display und eine eigene Tastatur. Das schafft nicht nur Flexibilität hinsichtlich der Anbindung an Tablet oder Smartphone, sondern erlaubt bei der mobilen Kartenzahlung auch die Benutzung von Kreditkarten und die Authentifizierung per PIN – die einfachen Geräte unterstützen dagegen oft nur das elektronische Lastschriftverfahren. Da bei den Smartphone-Lösungen ein größerer Aufwand auf Seiten des Zahlungsanbieters größer ist, sind die Kosten geringfügig höher als beim Standalone Terminal, typisch ist etwa 1 Prozent bei EC- oder Maestro-Karten und ca. 3 Prozent bei Kreditkarten – teils ohne, teils mit Sockelbetrag von bis zu 15 Cent pro Transaktion.

Eine eindeutige Empfehlung für ein System der mobilen Kartenzahlung kann bei der gegenwärtigen Dynamik des Marktes nicht ausgesprochen werden.

Das erste K.o.-Kriterium bei der Suche nach einem günstigen System für mobile Kartenzahlung dürfte daher die Geräteunterstützung sein: Wird das eigene Smartphone nicht unterstützt, fällt der betreffende Anbieter heraus. Der nächste Punkt dürfte der bereitgestellte Kartenleser sein: Reicht mir die Zahlung per Lastschriftverfahren (Unterschrift auf dem Display) oder benötige ich das sichere PIN-Verfahren? Unterstützt der Kartenleser die sicherere Authentifizierung der PIN gegen den Chip? Ist es mir wichtig, auch Kreditkarten annehmen zu können? Und schließlich: Wie gut ist die Software? Kann ich beispielsweise Rechnungsnummern und Kundennummern hinterlegen? In welchen Formaten kann ich Umsatzstatistiken herunterladen oder besteht gar die Möglichkeit, einer direkten Integration in meine Buchhaltungssoftware, beispielsweise indem am Tablet erstellte Rechnungen direkt als Warenausgang und Rechnungsstellung gebucht werden können?

Mobile Kartenzahlung kreativ: iZettle
Kreativ: iZettle integriert eine kleine Warenwirtschaft mit Produktbildern – so lassen sich schnell Rechnungen zusammenklicken.

Übrigens fehlen auf dem deutschen Markt noch zwei amerikanische Schwergewichte: In den USA bieten sowohl PayPal als auch Amazon eigene Lösungen aus Hardware, Software und Services an. Wenigstens PayPal unterwirft sich seit einigen Jahren der luxemburgischen Bankenaufsicht, bei Amazon steht dieser Schritt noch aus. PayPal ist bereits im Vereinigten Königreich präsent, dürfte aber von dort eher in Märkte wie Skandinavien vordringen, die traditionell stärker auf Kredit- als EC-Karten setzen.

Offline-Alternativen zur mobilen Kartenzahlung

Vielen Händlern und Handwerkern ist nicht bewußt, dass das gute alte Lastschriftverfahren auch in modernen Zeiten noch funktioniert. Gerade Unternehmen mit großem Stammkundenanteil können sich mit diesem Verfahren die Kosten für Terminalmiete und -betrieb ersparen. Der Kunde füllt dafür ein Lastschriftformular aus, kreuzt dort einmalige oder wiederholende Zahlung an und unterschreibt dieses. Das mag anachronistisch wirken, aber kleine Einzelhändler mit vielen Stammkunden können von dieser Methode durchaus profitieren: Kunden, die häufig kleinere Einkäufe tätigen, werden abgerechnet, wenn eine bestimmte Zeit (z. B. 2 Wochen) oder ein bestimmter Betrag überschritten ist.

Das klassische Lastschriftverfahren hält lediglich 2 Stolpersteine bereit. Da ist zunächst die Gebühr für die Einrichtung des Mandats: Einige Banken berechnen auch bei der erstmaligen Einrichtung einer SEPA-Basislastschrift mehrere Euro Gebühren. Und schließlich besteht wie bei der elektronischen Lastschrift mit Unterschrift ein gewisses Risiko einer Nichteinlösung, welches mit Kosten von bis zu 10 EUR verbunden sein kann. Für Heiko H., Betreiber des kleinen Bioladens „an der Ecke“ mit einem fast 100%igen Stammkundenanteil sind alle Kriterien erfüllt, für ihn ist daher die klassische SEPA-Lastschrift die günstigste Lösung.

Online-Alternativen zur mobilen Kartenzahlung

Möchte man ganz auf Kartenleser verzichten, ist PayPal derzeit der einzige weit verbreitete Dienst, der die Zahlung von App zu App zulässt. Für Marion B. ist es nicht praktikabel, einen Spontankunden dazu zu nötigen, schnell mal die PayPal App zu installieren und zu konfigurieren. Für die Mitarbeiter von Robert S. wäre es dagegen durchaus denkbar, die Frage zu stellen, ob der Kunde, dessen undichter Wasserhahn getauscht wird, bar oder sofort per PayPal zahlen möchte. Die hier anfallenden Kosten sind mit 1,9 % plus 0,35 EUR übrigens nicht gerade billig, aber bei Einzelbeträgen unter einhundert Euro noch zu verschmerzen. Auch Mobilfunkanbieter bieten die Möglichkeit, Kleinbeträge per Mpass zu bezahlen – eine interessante Nischenlösung zu geringfügig besseren Konditionen als PayPal (1,9 % plus 0,22 EUR).

Fazit: Gewerbetreibende und Freiberufler in Ländern, in denen das EC-System bargeldlose Zahlungen dominiert, befinden sich in einer recht günstigen Situation hinsichtlich der Transaktionskosten. Selbst kleine Beträge lassen sich bei der mobilen Kartenzahlung mit deutlich geringeren Kosten als bei Kreditkartenzahlungen entgegennehmen. Entsprechend preissensibel reagieren wir Deutschen und Österreicher auf Kostenniveaus im Bereich von ca. 2 Prozent – selbst wenn diese noch deutlich unter dem Niveau von Kreditkartenzahlungen liegen. Vor diesem Hintergrund ist die breiter werdende Auswahl der bis vor kurzem nur in den USA erhältlichen mobilen Kartenleser gerade für kleine Unternehmer, die im direkten Kontakt zum Endkunden stehen, eine echte Innovation für mehr Liquidität. Bislang kaum eine Rolle spielt das mobile Bezahlen per Nahfeldfunk – sei es mit der EC-Karte oder dem Handy. Dabei hält diese Zahlungsmethode interessante Aspekte bereit.

Mobile Kartenzahlung vs. geliebtes Bargeld der Deutschen

Anscheinend trennen sich die Deutschen nicht gerne von ihren Münzen und Scheinen. Viele sind der Überzeugung, dass Bargeld sicherer als Karten ist. Nach einer Studie von Yougov im Mai 2015 würden 3 von 4 Befragten (74 Prozent) es ablehnen, wenn in Deutschland der Annahmezwang für Bargeld wegfallen würde. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) würde ein solches Gesetz befürworten.

Mobile Kartenzahlung: harter Kampf gegen Bargeld
Die Deutschen lieben ihr Bargeld: Studie zu Zahlungsgewohnheiten von Lexware und GIM.

Die Zahlungsmittel werden vielfältiger, nicht weniger

„Die Lösung für Schwarzarbeit, Drogenmärkte und die Verpuffung von Notenbankmaßnahmen“ liegt in der Abschaffung des Bargeldes. Eine These von Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser der Bundesregierung, die eine breite Diskussion über die Zahlungsmittel der Zukunft ausgelöst hat. Unterstützt wird Bofinger von renommierten Wirtschaftswissenschaftlern wie Kenneth Rogoff, Harvard- Professor und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

Die Diskussion scheint bisweilen etwas weltfremd – sind es doch die Händler und Endverbraucher, die am Ende über das Fortbestehen von Zahlungsmethoden entscheiden. Damit hat sich die Heidelberger Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) im Auftrag von Lexware beschäftigt. In Interviews wurde deutlich, dass Händler Bargeld immer noch präferieren: Es bietet vor allem sofortige Liquidität ohne Fremdkosten. Da die Verbraucher jedoch immer weniger Bargeld mit sich führen, findet ein branchenübergreifendes Umdenken statt (bei dem mobile Kartenzahlung nur ein Aspekt ist).

Um den Kundenservice zu verbessern, kommen Alternativen wie EC-Karten oder NFC-fähige Smartphones immer öfter in Ergänzung zur Barzahlung zum Einsatz. „Das eine Zahlungsmittel der Zukunft gibt es nicht. Die Angebote werden vielfältiger vom Bargeld, über Kartenzahlung und mobile Wallet-Angebote bis hin zu digitalen Währungen“, so Patrick Nassall, Experte für Mobile Payment bei der Haufe-Lexware GmbH & Co KG. So zeigt die GIM Studie, dass gerade Kleinunternehmen und Selbstständige aufgrund der günstigen Kostenstruktur verstärkt auf mobile Kartenzahlungssysteme zurückgreifen. Dabei nimmt der Händler mit Hilfe seines Smartphone Kartenzahlungen entgegen. Vielleicht ist sind es somit eher die mobilen Innovationen, die alternative Zahlungsmittel für die breite Mehrheit erst attraktiv machen, als radikale Abschaffungsforderungen an Regierungen.

Berührungloses, mobiles, bargeldloses Bezahlen (NFC)

NFC – die Abkürzung steht für „Near Field Communication“ – macht ein Bezahlen per Smartphones mit NFC an allen Terminals mit NFC-Lesefunktion möglich. Doch unterstützen derzeit nur rund 8 % aller deutschen Kassenterminals NFC, wie der Branchenverband Bitkom in einer Studie zum mobilen Bezahlen herausfand. Aber: rund 29 % der deutschen Smartphone-Besitzer sind solchen Zahlungsmethoden gegenüber aufgeschlossen.

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