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Corona und Steuern: Diese 8 teuren Stolperfallen sollten Sie vermeiden

Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 23.10.2020

Wegen der Corona-Krise gibt es neben staatlichen Hilfen auch verschiedene Steuererleichterungen. Allerdings wird von den Finanzämtern an den Grundsätzen der Besteuerung nicht gerüttelt. Damit Sie in der Corona-Krise nicht auch noch zu viel Steuern zahlen müssen, beleuchten wir acht typische Steuerfallen, die Sie als Unternehmer unbedingt vermeiden sollten.

1. Investieren beim Investitionsabzugsbetrag

Haben Sie im Jahr 2017 einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Einkommensteuergesetz für geplante Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen vom Gewinn abgezogen? Dann müssen Sie diese Investition auf jeden Fall bis spätestens 31.12.2020 realisieren. Das gilt selbst dann, wenn Sie wegen der Corona-Krise gerade knapp bei Kasse sind. Denn investieren Sie nicht innerhalb des Drei-Jahres-Zeitraums, kippt der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG rückwirkend.

Ausweg: Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde der Investitionszeitraum wegen der Corona-Krise von drei auf vier Jahre ausgedehnt.

Das bedeutet im Klartext: Investieren Sie bei Abzug des Investitionsabzugsbetrags im Jahr 2017 bis Ende 2021 nicht, ändert das Finanzamt den Steuerbescheid 2017 und erhöht den Gewinn 2017 um den bisher abgezogenen Investitionsabzugsbetrag. Die Folgen: Steuernachzahlungen und Zahlung von Nachzahlungszinsen.

2. Höhere Steuererstattung durch neuen Verlustrücktrag

Wegen der Corona-Krise hat das Bundesfinanzministerium eine neue Steuererleichterung geschaffen: Erwarten Sie wegen der Corona-Krise bei der Steuer einen Verlust, können Sie einen pauschalierten Verlustrücktrag auf 2019 beantragen.

In diesem Fall schaut das Finanzamt, welcher Gewinn für die Ermittlung der Vorauszahlungen 2019 berücksichtigt wurde. Der Verlustrücktrag beträgt pauschaliert 30 Prozent dieses Gewinns. Durch den Antrag auf den pauschalierten Verlustrücktrag bekommen Sie also einen Teil der Vorauszahlungen 2019 erstattet (§ 110 EStG in der Fassung des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes).

Praxis-Tipp: Tatsächliche Verluste angeben

Bei dieser Steuererleichterung handelt es sich natürlich nicht um eine Stolperfalle. Allerdings bietet sie eine Möglichkeit, noch mehr Steuern zu sparen, die man sich nicht entgehen lassen sollte: Liest man den neuen § 110 EStG genau durch, fällt auf, dass auch ein höherer Verlustrücktrag möglich ist. Dazu müssen Sie dem Finanzamt einfach eine detaillierte voraussichtliche Gewinnermittlung für 2020 einreichen, aus der sich die Verluste 2020 bereits ergeben. Sind Ihre Angaben plausibel, darf dieser tatsächliche Verlust zurückgetragen werden.

3. Steuer-Stundung beim pauschalierten Verlustrücktrag nicht vergessen

Haben Sie den neuen pauschalierten 30-prozentigen Verlustrücktrag beantragt und reichen zeitnah Ihre Steuererklärungen 2019 beim Finanzamt ein, kommt es im Steuerbescheid 2019 zu einer bösen Überraschung. Denn im Steuerbescheid 2019 wird eine Steuernachforderung ausgewiesen.

In diesem Steuerbescheid ist der pauschalierte Verlustrücktrag nämlich nicht enthalten. Das führt dazu, dass die geleisteten Vorauszahlungen zu niedrig waren und damit eine Steuernachforderung entsteht. Erst durch Abgabe der Steuererklärung 2020 und durch Beantragung eines Verlustrücktrags von 2020 auf 2019 wird die richtige Steuer 2019 festgesetzt.

Beispiel: Sie haben einen pauschalierten Verlustrücktrag wegen der Corona-Krise beantragt. Von den Steuervorauszahlungen 2019 von 24.000 Euro wurden Ihnen deshalb 6.000 Euro erstattet. Reichen Sie nun Ihre Steuererklärung 2019 ein, setzt das Finanzamt die Steuer in Höhe von 24.000 Euro fest und zieht die geleisteten Vorauszahlungen in Höhe von 18.000 Euro ab. Übrig bleibt eine Steuernachforderung von 6.000 Euro.

 

Praxis-Tipp: Wegen Corona ist eine Steuer-Stundung möglich

Es gibt zwei Auswege, um der Steuernachzahlung für 2019 zu entgehen:

Möglichkeit 1: Sie können zum einen eine Stundung der nachgeforderten Steuern beantragen. Die Stundung ist bis zum endgültigen Verlustrücktrag nach Einreichung der Steuererklärungen 2020 möglich. Und das Beste daran: Diese Stundung ist zinslos.

Möglichkeit 2: Sie beauftragen einen Steuerberater mit der Abgabe der Steuererklärung 2019. In diesem Fall haben Sie eine automatische Fristverlängerung zur Abgabe der Steuererklärungen 2019 bis Ende Februar 2021. Dann können Sie die Erklärungen 2019 und 2020 gemeinsam ans Finanzamt übermitteln. Wegen des Verlustrücktrags von 2020 auf 2019 kommt es dann zu keiner Steuernachforderung.

Die Alternative zum Stundungsantrag ist die Beantragung eines „vorläufigen“ Verlustrücktrag von 2020 auf 2019 in Höhe von 30 Prozent (§ 111 EStG in der Fassung des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes.

4. Steuernachteile bei Betriebsprüfungen vermeiden

Neigt sich eine Prüfung Ihres Unternehmens durch das Finanzamt dem Ende zu und es kommt aufgrund von Buchhaltungsmängeln zu Steuernachzahlungen, wird der Prüfer Sie fragen, ob er den Bericht wegen der Corona-Krise vorerst liegen lassen oder ihn auswerten lassen soll.

Hintergrund: Lässt der Beamte den Bericht auswerten, werden vom Finanzamt zeitnah Änderungsbescheide mit Steuernachforderungen verschickt. Hat der Unternehmer wegen der Corona-Krise nicht die finanziellen Mittel zur Begleich der Steuernachzahlungen, klingt das Liegenlassen des Berichts zunächst verlockend.

Praxis-Tipp: Liegenlassen des Berichts stoppt Zinslauf nicht

Doch bei näherer Betrachtung dieses Angebots, lohnt sich das Liegenlassen des Berichts auf keinen Fall. Denn je länger der Bericht liegt und je länger es dauert, bis das Finanzamt die Änderungsbescheide verschickt, desto höher fallen die Nachzahlungszinsen aus, die Sie zusätzlich ans Finanzamt zahlen müssen.

Für jeden Monat Verzögerung fallen 0,5 Prozent Zinsen an. Wird der Bericht dagegen sofort ausgewertet und die neuen Steuerbescheide mit der Steuernachzahlung werden an Sie verschickt, fallen keine Zinsen mehr an. Für die Steuerzahlung können Sie dann eine zinslose Stundung bis Ende 2020 beantragen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie durch die Corona-Krise negativ betroffen sind.

5. Corona-Prämie: Steuerfreiheit hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab

Möchten Sie einem Mitarbeiter für seine Arbeit während der Corona-Krise „Danke“ sagen, können Sie ihm bis zu 1.500 Euro steuer- und abgabenfrei ausbezahlen. Diese Corona-Prämie muss allerdings zwischen dem 1. März und dem 31. Dezember 2020 ausbezahlt werden. Wichtige Voraussetzung: Die Corona-Prämie muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn – also „on top“ – geleistet werden. Interessante Zusatzinfo zur Corona-Prämie: Hat ein Arbeitnehmer mehrere Dienstverhältnisse, kann er von jedem einzelnen Arbeitgeber die steuerfreie Corona-Prämie bis zu 1.500 Euro bekommen.

Praxis-Tipp: Corona-Prämie nicht immer steuerfrei

Die Prämie ist allerdings nicht immer steuerfrei. So darf sie unter folgenden Voraussetzungen nicht steuerfrei ausbezahlt werden:

  • Der Arbeitnehmer verzichtet für die Corona-Prämie auf 1.500 Euro zugesagtes Gehalt.
  • Es wurde vor dem 1. März 2020 eine freiwillige Sonderzahlung vereinbart, die zum damaligen Zeitpunkt allerdings nichts mit der Corona-Krise zu tun hatte.
  • Die Corona-Prämie wird nicht nach § 4 Abs. 2 Nr. 4 LStDV im Lohnkonto aufgezeichnet.

Diese Punkte sollten Sie unbedingt beachten, um nicht nachträglich eine böse Überraschung zu erleben.

6. Umsatzsteuerrisiko bei Teilleistungen in der Bauwirtschaft

Erbringen Sie an Privatkunden Bauleistungen, werden diese wegen der Mehrwertsteuersenkung versuchen, die Vereinbarung von Teilleistungen im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 durchzusetzen. Das Ziel der Privatkunden ist klar: Wird eine Teilleistung in diesem Zeitfenster erbracht, müssen nur 16 % Umsatzsteuer bezahlt werden. Doch die Finanzämter sind hier sehr streng und werden Jahre später bei Umsatzsteuer- oder Betriebsprüfungen nachhaken, ob tatsächlich Teilleistungen vorlagen oder doch nur Gefälligkeitsrechnungen an Privatkunden.

Kommt das Finanzamt zu der Erkenntnis, dass keine Teilleistungen vorlagen, werden statt 16 % die 19 % Umsatzsteuer festgesetzt. Den Differenzbetrag fordert das Finanzamt dann von Ihnen.

Praxis-Tipp: BMF-Schreiben aus dem Jahr 2009 gibt Aufschluss

Wann das Finanzamt Teilleistungen anerkennt, kann sehr allgemein den Grundsätzen des BMF-Schreibens zur Mehrwertsteuersenkung vom 30. Juni 2020 entnommen werden.

Hilfreicher ist hier ein Merkblatt des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 2009, das noch gültig ist und im dem klar definiert wird, wann Bauleistungen steuerlich in Teilleistungen aufgeteilt werden dürfen

7. Crowdfunding-Einnahmen müssen versteuert werden

Viele findige Unternehmer versuchen über Crowdfunding Geld für das Weiterbestehen ihres Unternehmens nach der Corona-Krise zu sammeln.

Wichtig zu wissen: Zwar handelt es sich bei den Zahlungen der Gönner um freiwillige Zahlungen. Diese Zahlungen sind deshalb aber nicht steuerfrei. Im Gegenteil: Es handelt sich um Betriebseinnahmen, die vom Unternehmer zu versteuern sind.

Steuererleichterungen in der Corona-Krise

Ausführliche Informationen zu den aktuellen Steuererleichterungen aufgrund der Corona-Krise und wie Sie diese nutzen, erhalten Sie im Fachartikel "Steuererleichterungen in der Corona-Krise nutzen: So gehen Sie vor".

8. Antrag auf Stundung von Steuerschätzungen

Haben Sie trotz mehrmaliger Mahnungen keine Steuererklärungen für 2018 eingereicht und wurden Ihre Unternehmenszahlen deshalb geschätzt, müssen Sie die geschätzten Steuern erst einmal bezahlen, solange Sie noch keine Steuererklärung 2018 eingereicht haben. Soviel zum Grundsatz. Doch in der Corona-Krise profitieren Sie von einer Ausnahme: Können Sie dem Finanzamt nämlich nachweisen, dass Sie wegen Corona die Erklärung derzeit nicht einreichen und auch nicht zahlen können, stundet das Finanzamt die geschätzten Steuern zunächst.

Themenseite Corona-Krise: Hilfestellungen für Unternehmer und Selbstständige

Weitere Fachartikel, Online-Schulungen und Arbeitshilfen mit wichtigen Informationen und Hilfestellungen für Unternehmer rund um die Corona-Krise finden Sie auf unserer Themenseite.

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