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Gesellschafterdarlehen: Voraussetzungen für die Abziehbarkeit beachten

Gesellschafterdarlehen Voraussetzungen für die Abziehbarkeit beachten
Von Robert Kracht, Lothar Volkelt, Ulrike Fuldner
Aktualisiert am: 14.08.2015

Benötigt die GmbH in Liquiditätsschwierigkeiten frische Geldmittel, kommt der Gang zur Bank meist nicht mehr infrage. Dann ist die Kreditvergabe durch einen Gesellschafter oft die letzte Möglichkeit, die GmbH wirtschaftlich am Laufen zu halten. Gibt ein Gesellschafter seiner GmbH in einer solchen Krisensituation ein Darlehen und wird dies anschließend wertlos, kann dieser Verlust unter bestimmten Umständen zu den nachträglichen Anschaffungskosten der Beteiligung zählen.

Gesellschafterdarlehen als nachträgliche Anschaffungskosten

Zu den Anschaffungskosten einer wesentlichen Beteiligung gem. § 17 EStG gehören auch nachträgliche Aufwendungen, wenn sie durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst und weder Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen noch Veräußerungskosten sind.

Achtung: Ein Darlehen wird, wenn es nicht im Zusammenhang mit der Gesellschafterstellung gesehen wird, wie ein ganz normales Privatdarlehen behandelt. Wenn der Schuldner das Darlehen nicht zurückzahlt, wird der Ausfall dann auch nicht steuerlich berücksichtigt.

Gesellschafter wollen den Darlehensverlust aber zumindest steuermindernd geltend machen. Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben vom 21.10.2010 zur Frage Stellung genommen, welches Darlehen als Gesellschafterdarlehen zu den Anschaffungskosten zählt und in welchem Umfang die Darlehensbeträge dann zu berücksichtigen sind.

4 Fallgruppen bei Darlehensverlusten  

  • Hingabe in der Krise: Im Falle der Hingabe des Darlehens in der Krise ist dessen Nennwert maßgeblich. Er stellt die Anschaffungskosten dar.
  • Stehen lassen eines bestehenden Darlehens in der Krise: Hier ist der Wert des Darlehensanspruchs in dem Zeitpunkt maßgeblich, in dem der Gesellschafter das Darlehen nicht abgezogen hat, obwohl er hierzu berechtigt gewesen wäre. Wäre die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in der Lage, das Darlehen voll zurückzuzahlen, ist hier ein Wert anzusetzen, der unter dem Nennwert und im Zweifel sogar bei 0 EUR liegt.
  • Finanzplandarlehen: Dies sind solche Darlehen, die von vornherein in die Finanzplanung der GmbH in der Weise einbezogen werden, dass die zur Aufnahme der Geschäfte erforderliche Kapitalausstattung der Gesellschaft krisenunabhängig durch eine Kombination von Eigen- und Fremdfinanzierung erreicht werden soll. Solche von den Gesellschaftern gewährten finanzplanmäßigen Kredite zur Finanzierung des Unternehmenszwecks sind nach Gesellschaftsrecht den Einlagen gleichgestellt. Bei diesem krisenunabhängigen Finanzplandarlehen ist mit seiner Hingabe für die steuerrechtliche Beurteilung davon auszugehen, dass es mit Rücksicht auf das Gesellschaftsverhältnis gewährt wurde. Im Falle seines Verlustes erhöhen sich die Anschaffungskosten der Beteiligung in Höhe des Nennwertes.
  • Krisenbestimmte Darlehen: Bei krisenbestimmten Darlehen erklärt der Gesellschafter schon vor dem Eintritt der Krise mit bindender Wirkung gegenüber der GmbH oder den Gläubigern, dass er den Kredit auch im Falle einer Krise stehen lassen wird. Zu einer solchen Erklärung wäre ein Darlehensgeber, der nicht auch Gesellschafter ist, mit Rücksicht auf das ihm bei Gefährdung des Rückzahlungsanspruchs regelmäßig zustehende außerordentliche Kündigungsrecht im Allgemeinen nicht bereit. Hier führt der Ausfall in voller Höhe zu nachträglichen Anschaffungskosten in Höhe des Nennwerts des Darlehens.

Praxis-Tipp: Dokumentieren Sie bei einer Darlehenshingabe durch einen Gesellschafter, warum das Darlehen gegeben wurde, damit später die Einordnung zu den nachträglichen Anschaffungskosten erleichtert wird.

Gesellschafterdarlehen: Das sollten Sie wissen

Lesen Sie dazu den Beitrag: So vereinbaren Sie das Gesellschafterdarlehen richtig


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