Kredit aufnehmen: So finden Sie als Unternehmer eine günstige Finanzierung

Wer ein Unternehmen gründen will, braucht in der Regel Geld. Auch wenn laut KfW Gründungsmonitor der Kapitalbedarf eher selten bei mehr als 25.000 Euro liegt –Gründungsfinanzierungen von 15.000 Euro oder 20.000 Euro sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Und läuft der Geschäftsbetrieb erfolgreich an, sind Sie als wachsendes Unternehmen schnell auf frisches Kapital angewiesen, um das Kerngeschäft weiter ausbauen zu können. Wie aber kommt man zu passenden und vor allem günstigen Krediten? Und wo trennen sich Spreu und Weizen voneinander? Unsere 10 Tipps für die Kreditaufnahme geben Aufschluss.

Exkurs: Was ist ein Kredit, was ist ein Darlehen?

In der Praxis werden diese beiden Begriffe oft synonym verwendet. Und tatsächlich gibt es keine gesetzliche Unterscheidung zwischen den beiden. Im Allgemeinen sind jedoch folgende Unterscheidungen üblich:

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DarlehenKredit
Betrag Hoch Eher gering
Laufzeit Langfristig ( Laufzeit größer 4 Jahre) Kurz-, mittelfristig (Laufzeit unter 4 Jahren)

Tipp 1: Vergleichen Sie die Kreditangebote von Haus- und Direktbanken

Lange hat Ihre Hausbank bei der Kreditvergabe den Ton angegeben. Direktbanken, die nur via Internet oder Telefon erreichbar sind und ohne teures Filialnetz auskommen, sind aber auf dem Vormarsch. Der Kostenvorteil schlägt sich auch in den Konditionen für Ihren Firmenkredit nieder. Ein Umstand, den Sie als Unternehmen nutzen sollten. Gerade bei höheren Investitionssummen mit längerfristigen Laufzeiten wirken sich selbst kleine Zinsunterschiede aus. Über eine Laufzeit von 5 Jahren können sich bei entsprechenden Kreditsummen Differenzen in Höhe von 0,5 Prozent schnell auf einen vierstelligen Betrag summieren. Kredite von Direktbanken können Sie häufig online beantragen.

Tipp

Unterstützung bei der Finanzierungsentscheidung nutzen

Aber: Als Unternehmen sind Sie in Finanzierungsfragen auf Beratung und Service angewiesen. Es ist sinnvoll, beide Aspekte in Erwägung zu ziehen, wenn es um eine Finanzierungsentscheidung geht. Achten Sie in jedem Fall darauf, wie der Zinssatz für die gewünschte Investitionssumme ausgestaltet wird. Bankkredite mit festem Zins sind langfristig planbar, werden aber auch über Jahre zu einer fortwährenden Belastung. Finanzierungen mit variablem Zinssatz lassen sich im Gegenzug meist flexibel tilgen, bringen aber einen gewissen Unsicherheitsfaktor in Bezug auf zukünftige Zinsanpassungen mit.

Tipp 2: Lassen Sie sich nicht von allgemeinen Berechnungsbeispielen blenden

Als Unternehmer sollten Sie sich nicht von repräsentativen Berechnungsbeispielen blenden lassen, auf die Sie bei der Suche nach einem Kredit stoßen. Sie sind Bestandteil der Angebote für den Privatkundenbereich und über § 6a der Preisangabenverordnung ein Pflichtbestandteil der zu machenden Angaben seitens der Kreditgeber. Und obwohl das repräsentative Berechnungsbeispiel mindestens zwei Drittel der Kreditnehmer erfasst, die zum angegebenen bzw. einem niedrigeren Zins ein Darlehen erhalten, bleiben Sie als Unternehmer in den meisten Fällen außen vor. Denn das repräsentative Berechnungsbeispiel gilt nur für Kredite an Endverbraucher – nicht aber für Sie als Geschäftskunde.

Tipp 3: Stärken Sie Ihre Verhandlungsposition mithilfe von Umsatzzahlen und Sicherheiten

Umsatzzahlen und Sicherheiten stärken Ihre Verhandlungsposition. Fürs Kreditgespräch sind Umsatzdaten, Bilanzen und die Einnahmen-Überschuss-Rechnung unerlässlich. Was genau für Ihre Situation in Frage kommt, hängt vom Investitionsvorhaben ab. Als Gründer sind Rentabilitäts- und Umsatzvorschau neben dem eigentlichen Businessplan bzw. der Geschäftsidee wichtig. Als gestandenes Unternehmen gehören die Geschäftsabschlüsse der letzten Jahre auf den Tisch. Ziehen Sie zusätzlich Vermögenswerte und Nebeneinkünfte als Trumpf aus dem Ärmel – und stärken mit diesen zusätzlichen Sicherheiten Ihre Verhandlungsposition.

Tipp 4: Verbessern Sie als Unternehmen Ihre Kreditwürdigkeit

Banken verschenken kein Geld – sie erwarten für den Kredit eine Gegenleistung und knüpfen nicht nur die Entscheidung zur Unternehmensfinanzierung an Ihre Kreditwürdigkeit. Je höher das Ausfallrisiko für ein Darlehen, umso tiefer werden Sie als Unternehmer in die Tasche greifen müssen, wenn es um den Zins – und damit die Kosten für den Kredit geht. Es gibt aber Mittel und Wege, wie sich die Kreditwürdigkeit verbessern lässt. Gern gesehen sind Sicherheiten, die zum Beispiel durch Grundpfandrechte gestellt werden können. Aber auch Forderungen gegen Dritte, andere Sachwerte, Barreserven und Wertpapiere lassen sich als Sicherheit verwerten.

Haben Sie Ihre Mittel bereits ausgeschöpft, lässt sich noch auf andere Weise Abhilfe schaffen – in Form von Bürgschaften. Dabei treten zum Beispiel Familienangehörige oder Geschäftspartner im Ernstfall für Ihre Verbindlichkeiten ein.

Achtung

Achten Sie auf die Vorausklage

Bei einem Verzicht auf die Vorausklage kann die Bank umgehend Nutzen aus der Bürgschaft ziehen – ohne vorher alle Mittel gegen Sie ausgeschöpft zu haben.

Tipp 5: Entscheiden Sie sich für den richtigen Verwendungszweck

Machen Sie sich vorher klar, wofür Ihr Unternehmen zusätzliches Kapital braucht – und ziehen daraus entsprechende Schlüsse. Denn spätestens die Bank wird eine Entscheidung von Ihnen verlangen. Gängige Praxis ist in diesem Zusammenhang eine Unterscheidung zwischen Unternehmenskrediten mit und ohne Zweckbindung.

Unternehmenskredite ohne Zweckbindung

Diese Kredite werden häufig unter den Begriffen Kontokorrentkredit oder Betriebsmittelfinanzierung offeriert. Sie sind mit dem Dispositionskredit für Privatkunden vergleichbar und helfen Ihrem Unternehmen durch die Kreditlinie beim Auffangen vorübergehender Liquiditätsengpässe – oder wenn Sie schnell Skontovorteile nutzen wollen. Unternehmenskredite dieser Art ohne Laufzeitbegrenzung können Sie bei Bedarf nutzen, ohne jedes Mal die Bank fragen zu müssen. Dieses hohe Maß an Flexibilität hat seinen Preis: Die Zinsen sind im Vergleich zur zweckgebundenen Finanzierung oft deutlich höher.

Unternehmenskredite mit Zweckbindung

Über Geschäftskredite mit Zweckbindung können Sie nicht frei verfügen. Mit der Unterschrift geht Ihr Unternehmen die Verpflichtung ein, das Kapital für den genannten Zweck zu verwenden. Allerdings ist die Art der Finanzierung nicht nur planbarer, sondern im Gegensatz zur Betriebsmittelfinanzierung auch deutlich günstiger.

Achtung

Verwenden Sie zweckgebundene Kredite nur für den angegebenen Zweck

Haben Sie als Unternehmer seitens Ihrer Bank einen zweckgebundenen Kredit erhalten und verwenden diesen anderweitig, ist mit Problemen zu rechnen. Erfährt das Kreditinstitut von der Zweckentfremdung, kann es den Kreditvertrag auflösen und die gesamte ausgereichte Kreditsumme zurückfordern.

Tipp 6: Gehen Sie nie unvorbereitet in das Beratungsgespräch

Sichern Sie sich einen Informationsvorsprung: Gehen Sie als Unternehmer nie unvorbereitet in Kreditgespräche. Denn mitunter ist es fehlendes Wissen zu den harten Zahlen und Fakten Ihrer Geschäftsidee oder den letzten Bilanzen, die bei Banken und anderen Kapitalgebern einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Zeigen Sie durch Ihr Wissen, dass Ihr Geschäft Ihnen am Herzen liegt, Sie sich dafür begeistern können, und wissen, worum es geht.

Tipp 7: Wählen Sie eine möglichst kurze Kreditlaufzeit, um die Finanzierungskosten zu senken

Banken verlangen im Gegenzug für einen Kredit Zinsen. Deren Höhe richtet sich nach verschiedenen Faktoren, zum Beispiel:

  • Sicherheiten, die Sie stellen können
  • Laufzeit
  • Kreditwürdigkeit

Damit entscheiden die Zinsen maßgeblich über die Kosten der Finanzierung. Wer hier möglichst gut abschneiden will, sollte kurze Laufzeiten anvisieren. So erreichen Sie außerdem ein zweites Ziel: Eine kurze Rückzahlungsphase nimmt die Last der Verbindlichkeiten schneller von den Schultern Ihres Unternehmens. Achten Sie aber darauf, Ihr Unternehmen finanziell nicht zu überfordern. Eine kurze Laufzeit zieht hohe Raten nach sich. Beziehen Sie in die Kapitaldienstberechnung mit ein, dass Verschlechterungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Ihr Unternehmen treffen können.

Tipp 8: Suchen Sie nach einem Kredit, der Ihnen ein Sondertilgungsrecht einräumt

Durch Sondertilgungen ist Ihr Unternehmen schneller schuldenfrei – eine spürbare Entlastung in Krisenzeiten, wenn der Kapitaldienst zum Hindernis zu werden droht. Können Sie eine Kreditfinanzierung in wirtschaftlich soliden Phasen zurückführen, schaffen Sie für Ihr Unternehmen Sicherheit. Es ist sinnvoll, nach Krediten zu suchen, die ein Sondertilgungsrecht enthalten. Letzteres ermöglicht eine Rückzahlung auch außerhalb der vereinbarten Raten.

Achtung

Achten Sie als Unternehmer darauf, wie dieses Sondertilgungsrecht ausgestaltet ist

Einige Banken erlauben eine Sondertilgung nur in Höhe eines definierten Anteils der Gesamtkreditsumme. In anderen Fällen kann es passieren, dass Unternehmen nicht belohnt werden – sondern eine Vorfälligkeitsentschädigung in Kauf nehmen müssen.

Tipp 9: Prüfen Sie genau, ob sich eine Restschuldversicherung für Sie rechnet

Seit einigen Jahren werden auch gewerblichen Kreditnehmern Restschuldversicherungen angeboten.

Was ist eine Restschuldversicherung?

Eine Restschuldversicherung sichert Folgendes ab: Wenn der Kreditnehmer während der Kreditlaufzeit die fälligen Raten wegen Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Tod nicht zahlen kann, werden diese durch die Versicherung gezahlt bzw. im Todesfall die noch ausstehende Restschuld des Kredits getilgt.  
Ob sich diese Form der Absicherung unterm Strich rechnet, sollten Sie als Unternehmer sehr genau prüfen. Und dabei im Auge behalten, was eigentlich genau versichert wird. Denn im Regelfall kommt die Gewerbe-Restschuldversicherung nur für Personalgesellschaften, Einzelunternehmen sowie Freiberufler in Frage. Und geleistet wird auch nur dann, wenn Sie als Unternehmer wegen schwerer Krankheit ausfallen – aber nicht wegen fehlender Umsätze oder Kunden. Zudem steigt durch eine Restschuldversicherung die finanzielle Belastung, welche Ihr Unternehmen im Zusammenhang mit der Kreditaufnahme zu tragen hat.

Tipp 10: Kommen Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen immer fristgerecht nach

Wirtschaftsauskunfteien sind zu einem ständigen Begleiter geworden. Auch Unternehmen müssen sich klar darüber sein, dass zu deren Zahlungsmoral Daten gesammelt werden. Kommen Sie Zahlungsverpflichtungen nicht oder unzureichend nach, hat dies Auswirkungen auf Ihre Kreditwürdigkeit. Mitunter sind es aber falsche Informationen, die Ihre Bonität beeinflussen – und Folgen für die Unternehmensfinanzierung haben. Als Gründer eines Einzelunternehmens ist es vor Kreditgesprächen sinnvoll, die gespeicherten Informationen bei Auskunfteien wie der SCHUFA zu prüfen. Tauchen hier Fehler auf, sollten Sie diese unbedingt korrigieren lassen. Parallel können Sie als Unternehmen bei Auskunfteien wie der CS Connect GmbH eine Eigenauskunft anfordern und so gespeicherte Daten Ihrer Firma überprüfen.

Kredite schnell und einfach vergleichen mit dem Excel-Kreditrechner

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen möchten, stellt sich vor allem eine Frage: Wo erhalten Sie die besten Kreditkonditionen? Um diese Frage zu beantworten, ist ein ausführlicher Vergleich unerlässlich. Doch nicht immer sollten Sie nur nach Laufzeit, Zinshöhe oder Kreditsumme gehen. Einige Kreditinstitute berechnen teilweise hohe Bearbeitungsgebühren für die Vergabe eines Kredits. Solche unübersichtlichen Kosten sollten Sie unbedingt prüfen, bevor Sie sich für eine Finanzierung entscheiden.

Tipp

Kreditvergleich mit Excel-Tool

Mit unserem Excel-Kreditrechner geben wir Ihnen ein zuverlässiges Werkzeug für den Kreditvergleich an die Hand, mit dem Sie garantiert das richtige Angebot für Ihre Zwecke finden.

Einen Kreditantrag stellen: Was Sie als Unternehmer beachten müssen

Umfragen haben ergeben, dass es besonders für kleine Unternehmen immer schwieriger wird, einen Kredit zu bekommen. Aus diesem Grund gibt es einiges, was Sie als Unternehmer beachten sollten, wenn Sie einen Kreditantrag stellen.

Richtige Vorbereitung eines Kreditantrags

Die Zeiten, in denen die Vorlage einer guten Bilanz bei der Hausbank ausreichte, um den gewünschten Kredit als Selbstständiger zu erhalten, sind längst vorbei. Viele Unternehmer haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ihre Kreditgesuche abgelehnt wurden. Mal missfällt das Rating, mal missfallen die Unterlagen, die in Sachen Transparenz zu wünschen übriglassen.

Eine gute Vorbereitung ist für einen Kreditantrag daher obligatorisch. Fragen Sie am besten vor einem Kreditgespräch bei Ihrer Bank oder Sparkasse nach, welche Unterlagen sie vorlegen sollen. Folgende Dokumente sind bei einem Kreditantrag für ein Investitionsvorhaben grundsätzlich wichtig:

  • Beschreibung des Investitionsprojekts
    Die Beschreibung sollte alle wichtigen Daten zum Projekt enthalten. Dazu zählen Angaben zu den wirtschaftlichen Vorteilen, die Investitionsberechnung und der Realisierungszeitraum, die erforderliche Kreditsumme und die Rückzahlungsmodalitäten.
  • Jahresabschlüsse mit Bilanz bzw. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
    Informationen über die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage sind die Quelle zur Ermittlung von betriebs- und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen (z. B. Umsatz- und Eigenkapitalrendite, Cashflow etc.). Diese interessieren Ihre Bank. Sie sollten die Angaben mit einem Bestätigungsvermerk des Steuerberaters vorlegen.
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
    Eine BWA zeigt die Zusammensetzung und die Entwicklung der Erträge und der einzelnen Aufwendungen. Die Zahlen informieren über den Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres. Die Summen-Saldenliste lässt besondere Kontovorgänge erkennen. Zusätzlich wichtig sind Informationen über Abschreibungen, Bestandsveränderungen und saisonale Schwankungen bei einzelnen Konten (Sonderverkäufe, Urlaubs- und Weihnachtsgeld etc.).
  • Umsatz- und Ergebnisplan mit Erläuterungen
    Unternehmen werden neben den Vergangenheitswerten vor allem nach der zukünftigen Entwicklung beurteilt. Dafür ist die Absatzplanung für die einzelnen Produkte und Leistungen mit Mengen- und Wertangaben erforderlich. Hinzu kommt die Planung der erforderlichen Aufwendungen für Lohn, Material etc.
  • Liquiditätsplan mit Erläuterungen
    Der Liquiditätsplan enthält die Gegenüberstellung der monatlich zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben mit Zahlungs- bzw. Fälligkeitsterminen für das laufende und kommende Geschäftsjahr. Die Differenz ergibt den monatlichen Überschuss (Überdeckung) oder einen Fehlbetrag (Unterdeckung), für den die Finanzierung geklärt werden muss.
  • Liste der Verbindlichkeiten und Forderungen (Kreditoren- und Debitorenliste)
    Die offenen Posten bei den Verbindlichkeiten und Forderungen spielen bei der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eine zentrale Rolle. Bei den Debitoren ist die Zahlungsfähigkeit (Bonität) der Schuldner zu bewerten.
  • Kreditübersicht
    Listen Sie hierbei alle laufenden Kreditverträge mit Angaben zur Höhe, Tilgung, Restlaufzeit und den Sicherheiten auf.
  • Sicherheiten
    Hierzu gehören zum Beispiel Immobilien, Beteiligungen, Wertpapiere, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert und Bürgschaften.
  • Weitere Dokumente
    Aktueller Handelsregisterauszug, Gesellschaftsvertrag, betriebliche und persönliche Steuererklärungen und -bescheide.

Bewertung der Kreditwürdigkeit

Wer Geld von der Bank will, muss Überzeugungsarbeit leisten. Die Banken bewerten Ihre Bonität: Für hohe Risiken berechnen sie hohe Zinsen. „Kein Kredit ohne Rating“ heißt das entsprechende Finanzierungsprinzip, mit dem die Bonität eines Unternehmens bewertet und seine Kreditwürdigkeit beurteilt wird. Dabei bewertet die Bank quantitative und qualitative Merkmale. Das gilt sowohl für den klassischen Kredit einer GmbH als auch bei Krediten für Selbstständige.

Zur quantitativen Beurteilung der Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage werden Kennzahlen aus den Daten der Bilanz, GuV oder der BWA berechnet, ergänzt um Planwerte. Typische Kennzahlen für das Rating sind der Zinsaufwand, die Kreditorenlaufzeit, die Schuldentilgungsdauer, die Rentabilität, der Cashflow und die Eigenkapitalquote.

Zu den qualitativen Kriterien gehören beispielsweise:

  • Angaben über das Alter des Führungsteams
  • Nachfolgeregelungen
  • der Einsatz von Planungs- und Controlling-Instrumenten
  • die Qualität der Produkte und der Kunden
  • die fachliche und unternehmerische Kompetenz der Führung

Zusätzlich bewerten die Banken auch das Kontoführungsverhalten (Überziehungen), die Dauer der Kundenbeziehung, Scheck- und Lastschriftrückgaben oder Kontopfändungen.

Achtung

Gefahr durch Schnell-Ratings

Kreditinstitute bewerten kleine Unternehmen immer häufiger durch automatische Schnell-Ratings. Sparkassen und Genossenschaftsbanken bewerten mit dem Schnell-Rating Betriebe bis 250.000 Euro Kreditsumme. Erfahrungen zeigen, dass die Ergebnisse dieser Ratings schlechterausfallen als bei einem Voll-Rating. Unternehmer sollten klären, nach welchem Verfahren ein Rating erfolgt und wie die Bewertung verbessert werden kann.

Praxisbeispiel

Der Inhaber eines kunststoffverarbeitenden Betriebs hält regelmäßig Kontakt zu seiner Hausbank. Er schickt unaufgefordert den aktuellen Jahresabschluss an den Kreditsachbearbeiter seiner Bank. Das beschleunigt die Kreditzusage bei der Anschaffung einer Spritzgussmaschine im Wert von 200.000 Euro. Seine alte Maschine kann er für 20.000 Euro verkaufen, er braucht damit 180.000 Euro Kredit. Darüber hinaus möchte er die Hard- und Software im Unternehmen modernisieren und dazu ein neues Buchhaltungsprogramm mit Mahnwesen auf einem neuen PC für 10.000 Euro einrichten.

Die Finanzierung der Spritzgussmaschine erfolgt mit einem Investitionsdarlehen. Die Laufzeit wird mit 96 Monaten an die voraussichtliche Nutzungsdauer der Maschine angepasst. Damit steht in der Bilanz den langfristigen Verbindlichkeiten der entsprechende Vermögenswert gegenüber. Bei der Finanzierung der Hard- und Software empfiehlt die Bank eine Leasing-Finanzierung mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Bei schnelllebigen Wirtschaftsgütern wie der EDV ist ein kündbarer Leasingvertrag von Vorteil, mit dem flexibel auf neue technische Entwicklungen reagiert werden kann. Mit dem herstellerunabhängigen Leasing kann der Unternehmer beim EDV-Händler als Barzahler auftreten und entsprechende Rabatte vereinbaren.

Praxistipps für GmbHs: So erhalten Sie Kredite zu guten Konditionen

Als Geschäftsführer einer GmbH haben wir noch folgende Tipps für Sie:

  • Halten Sie die von den Kreditinstituten benötigten Unterlagen möglichst immer auf dem aktuellen Stand. Achten Sie darauf, dass die Unterlagen nicht nur aktuell sind, sondern der Bank auch vollständig vorliegen, da sonst über einen Kreditantrag in der Regel nicht entschieden werden kann und Sie unnötig lange auf Ihr Geld warten müssen!

  • Besprechen Sie mit Ihrem Steuerberater vorab folgenden Punkte
    • Welche Informationen wollen Sie der Bank zukünftig zur Verfügung stellen?
    • Welche Kennzahlen benötigen Sie für Ihr Bankgespräch? Achten Sie darauf, dass Ihr Steuerberater die Kennzahlen genauso berechnet wie Ihre Bank.
    • Lohnt es sich, eine Handelsbilanz zu erstellen?
    • Auf welche kritischen Fragen der Bank hinsichtlich Management, Markt, Produkte, Einkauf, Finanzierung etc. müssen Sie sich vorbereiten?
    • Welche Planungsunterlagen benötigen Sie vom Steuerberater für die Bank?

  • Die Banken berücksichtigen verstärkt auch die Qualität des Managements/des Geschäftsführers für die Kreditvergabe. Dabei sind Aus- und Weiterbildung, Berufs- und Branchenerfahrung und beruflicher Werdegang die entscheidenden Kriterien.
  • Engagiert sich der Geschäftsführer zusätzlich mit eigenem Geld (z. B. Gesellschafterdarlehenfür die GmbH, ist das für die Bank ein deutliches Indiz dafür, dass der Geschäftsführer von der erfolgreichen Umsetzung der wirtschaftlichen Pläne überzeugt ist. Begrenzt der Gesellschafter-Geschäftsführer sein persönliches Risiko auf die in die GmbH eingezahlte Stammeinlage, spricht das aus der Sicht der Bank in der Regel gegen eine Kreditvergabe.

Beispiel: Der Gesellschafter-Geschäftsführer A. ist nicht bereit, eine persönliche Bürgschaft für einen Kredit an die GmbH zu übernehmen. Die Bank bewertet dieses Verhalten als mangelndes Vertrauen des Gesellschafter-Geschäftsführers in die Zukunftsfähigkeit seiner GmbH. Es wird möglicherweise zu keiner Kreditvergabe an die GmbH kommen. Der Geschäftsführer erhält kein Geld und bekommt Probleme bei der Finanzierung.

  • Vorteilhaft für die Kreditvergabe ist es, wenn Sie als Geschäftsführer den Kontakt mit der Bank und Ihrem persönlichen Geschäftskundenberater kontinuierlich pflegen. Beziehen Sie die Bank in ihre mittel- und langfristigen Planungen mit ein. Melden Sie Ihren Finanzierungsbedarf frühzeitig an und nutzen Sie die Möglichkeiten der Bank, zusätzliche Förder-Finanzierungen (KfW) und/oder Privat-Equity-Finanzierungen einzubinden.

Achtung

Besonderheiten bei Internet-Kreditangeboten

Viele Banken vergeben laut Angaben in ihren Internet-Kreditangeboten ausdrücklich keine Kredite an Personen, die Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH sind.