Finanzierung: Diese Optionen haben Sie als Unternehmer

Jedes Unternehmen benötigt Kapital, um seine Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Beispielsweise müssen Anlagegüter angeschafft oder Vorräte bezahlt werden. Und dieses Geld kann oft nicht vollständig aus dem betrieblichen Prozess erwirtschaftet werden, sondern kommt teilweise von Dritten. Was Sie über das Thema Finanzierung bei oder für Unternehmen wissen müssen, haben wir für Sie zusammengestellt.

Definition: Finanzierung

Unter Finanzierung oder Unternehmensfinanzierung versteht man die Bereitstellung von Kapital, um die Geschäftstätigkeit einer Firma bezahlen zu können. Es erfolgt nach der Rechtstellung der Kapitalgeber grundsätzlich eine Unterscheidung zwischen der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital.

Fremdkapital kommt klassisch z.B. von Banken und Sparkassen oder von anderen Finanzierungspartnern. Im Gegensatz zur Liquiditätsplanung ist die Finanzierung bzw. Finanzplanung grundsätzlich langfristig ausgerichtet. Es stellt sich also die Frage, woher ein Unternehmen auf Sicht von etwa 3-5 Jahren Kapital bekommen kann. Bei der Liquiditätsplanung beträgt der Zeithorizont 12 bis 24 Monate.

Finanzierungsanlässe

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, eine Finanzierung für eine Firma oder im privaten Sektor zu benötigen. Zu den gängigsten Anlässen gehören

  • Gründungs- bzw. Start-Up-Finanzierung, bei dem ein neues Unternehmen Kapital für die Gründung benötigt
  • Wachstumsfinanzierung, bei dem ein bereits bestehendes Unternehmen Geld benötigt, um weiter expandieren zu können, etwa um Maschinen zu kaufen oder eine Entwicklung zu finanzieren.
  • Umfinanzierung, wenn z.B. ein Kredit durch eine andere Finanzierungsform, z.B. Eigenkapital ersetzt werden soll.
  • Akquisitionsfinanzierung, wenn z.B. Kapital benötigt wird, um ein Unternehmen zu kaufen oder zu übernehmen.
  • Sanierungsfinanzierung, um Kapital zu haben, um ein angeschlagenes Unternehmen noch retten zu können.
  • Projektfinanzierung, wenn es z.B. darum geht, in einem Unternehmen langlaufende und teure Projekte mit Kapital zu versorgen.

Im privaten Bereich spielt beispielsweise die Finanzierung einer Immobilie durch entsprechende Kredite (Immobilienkredit, Bausparvertrag etc.) eine große Rolle.

Finanzierungsarten oder -formen

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Finanzierungsmöglichkeiten zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung. Die Grafik zeigt wesentliche Finanzierungsformen im Überblick:

Info

Ergänzend kurzfristige Finanzierungsmöglichkeiten nutzen

Unternehmen können sich auch kurzfristig mit Geld versorgen, etwa, indem sie Kontokorrent-, Lieferanten- oder Kundenkredite nutzen. Als kurzfristig werden meist Zeiträume von bis zu einem Jahr angesehen. Die genannten Finanzierungsmöglichkeiten gehören zur Fremdfinanzierung. 

Innenfinanzierung

Als Innenfinanzierung werden alle Finanzierungen bezeichnet, die aus dem Unternehmen selbst stammen. Diese erfolgt auf verschiedene Arten – gemeinsam haben jedoch alle Varianten, dass die Firma die benötigten Mittel selbst aufbringt. Eine Zufuhr von außen durch externe Geldgeber erfolgt nicht.

Selbstfinanzierung

Dieses Finanzierungsinstrument wird unterteilt in:

  • Offene Selbstfinanzierung: Hierfür verwenden Unternehmen in der Regel Bilanzgewinne, welche nicht ausgeschüttet wurden. Es steht daher als Eigenkapital zur Verfügung und wird zur Finanzierung verschiedener Projekte verwendet.
  • Stille Selbstfinanzierung: Von dieser sprechen wir, wenn stille Rücklagen gebildet werden. Dies erfolgt beispielsweise bei einer Nichtaktivierung von Wirtschaftsgütern oder unterlassenen Zuschreibungen.

Rückstellungsfinanzierung

Durch Rückstellungen werden finanzielle Mittel im Unternehmen gebunden. Diese können Sie im Betrieb zwischen Bildung und Auflösung der Rückstellung für Finanzierungszwecke nutzen. Wirksam ist diese Form der Finanzierung nur bei langfristigen Rückstellungen, etwa für Pensionen, weniger bei kurzfristigen Rückstellungen, die schon nach wenigen Monaten aufgelöst werden, etwa Steuerrückstellungen.

Abschreibungsfinanzierung

Fließen Abschreibungswerte über den Umsatzprozess dem Unternehmen wieder zu, entsteht ein Finanzierungseffekt und die Mittel können zur Kapitalbedarfsdeckung genutzt werden.

Achtung

Beachten Sie bei Finanzierungen aus Rückstellungen und Abschreibungen

Nutzen Sie diese Möglichkeiten nur ergänzend und stützen Sie sich stattdessen möglichst auf andere Finanzierungsformen. Eigenmittel, Kredite oder auch Factoring und Leasing wären besser geeignet, weil sich diese Positionen u.a. besser planen und steuern lassen.

Finanzierung aus Vermögensumschichtung

Hierbei handelt es sich um eine Umfinanzierung. Verwendet werden Rücklagen des Unternehmens, welche zu diesem Zeitpunkt nicht mehr benötigt werden. Möglich ist diese Art der Finanzierung jedoch nur, wenn der Betrieb über ausreichend Mittel verfügt und durch eine Weiterverwendung kein Nachteil bei der Produktion entsteht. Dank der Vermögensumschichtung erhöhen Sie das Potential für weitere Investitionen.

Außenfinanzierung

In diesem Fall erfolgt die Finanzierung nicht aus eigenen Mitteln, sondern dank Fremdkapitals externer Geldgeber. Unterteilt wird sie unter anderem in Fremdfinanzierung, Beteiligungs- und Eigenfinanzierung.

Eigenfinanzierung und Beteiligungsfinanzierung

Der Kapitalgeber erwirbt Anteile an Ihrem Unternehmen, indem er Ihnen bei der Finanzierung diverser Projekte Ihrer Firma hilft. Bei der Beteiligungsfinanzierung erhält der Geldgeber jedoch nicht nur Anteil am Gewinn, sondern ebenfalls an potentiellen Verlusten.

Möglichkeiten der Finanzierung sind unter anderem:

  • Stille Teilhaber
  • Neue Partner
  • Börsengang
  • Kapitalerhöhung
  • Ausgabe der Aktien
  • Minderheitsbeteiligung
  • etc.

Abhängig sind die Möglichkeiten von der Wahl der Rechtsform.

Fremdfinanzierung

Im Gegensatz zur Eigenfinanzierung unterliegt die Fremdfinanzierung der unabhängigen Verzinsung. Der Kapitalgeber ist nicht am Gewinn beteiligt, kann allerdings die nach der Abzugsfähigkeit vom Ertrag erhaltenen Zinsen als Betriebsausgaben geltend machen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Sie den Geldgebern Ihre vereinbarten Zinsen auch dann auszahlen müssen, wenn Sie ein verlustreiches Jahr haben.

Formen der Finanzierung sind:

  • Darlehen
  • Bankkredite
  • Schuldverschreibungen
  • Etc.

Tipp

Passenden Kredit finden: Noch nie war es so einfach!

Wer eine Finanzierung will, stößt gerade bei der großen Auswahl an Kreditgebern schnell an seine Grenzen. Oftmals sind die Konditionen sehr unübersichtlich. Mit unserem Excel-Tool "Kredite richtig vergleichen" verschaffen Sie sich im Handumdrehen einen Überblick.

Das müssen Sie bei einem Bankkredit beachten

Für kleine Unternehmen ist es häufig schwierig, einen Kredit bei der Bank zu bekommen. Das zeigen diverse Umfragen der staatlichen KfW Bankengruppe. Deshalb ist es heute sowohl für Selbstständige als auch für kleine GmbH wichtiger denn je, bei der Beantragung von Krediten professionell vorzugehen - angefangen bei der Vorbereitung eines Kreditgesprächs, bis hin zu den Unterlagen, die man dem Banker an die Hand gibt.

Die Zeiten, in denen die Vorlage einer guten Bilanz bei der Hausbank ausreichte, um die gewünschte Finanzierung als Selbstständiger zu erhalten, sind längst vorbei. Viele Unternehmer haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ihre Kreditgesuche abgelehnt wurden. Mal missfällt das Rating, mal missfallen die Unterlagen, die in Sachen Transparenz zu wünschen übriglassen. Die Vorbereitung ist besonders wichtig! Unternehmer sollten vor einem Kreditgespräch bei ihrer Bank oder Sparkasse fragen, welche Unterlagen Sie vorlegen sollen. Folgende Dokumente sind bei einem Kreditantrag für eine Finanzierung grundsätzlich wichtig:

  • Beschreibung des Investitionsprojekts
    Die Beschreibung sollte alle wichtigen Daten zum Projekt enthalten. Dazu zählen Angaben zu den wirtschaftlichen Vorteilen, die Investitionsberechnung und der Realisierungszeitraum, die erforderliche Kreditsumme und die Rückzahlungsmodalitäten.
  • Jahresabschlüsse mit Bilanz bzw. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
    Informationen über die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage sind die Quelle zur Ermittlung von betriebs- und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen (z. B. Umsatz- und Eigenkapitalrendite, Cash-Flow, etc.). Diese interessieren Ihre Bank, bevor Sie einer Finanzierung zustimmen. Sie sollten die Angaben zu Ihrer Bilanz oder Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) mit einem Bestätigungsvermerk des Steuerberaters vorlegen.
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
    Eine BWA zeigt die Zusammensetzung und die Entwicklung der Erträge und der einzelnen Aufwendungen. Die Zahlen informieren über den Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres. Die Summen-Saldenliste lässt besondere Kontovorgänge erkennen. Zusätzlich wichtig sind Informationen über Abschreibungen, Bestandsveränderungen und saisonale Schwankungen bei einzelnen Konten (Sonderverkäufe, Urlaubs- und Weihnachtsgeld etc.).
  • Umsatz- und Ergebnisplan mit Erläuterungen
    Unternehmen werden bei einer Finanzierung neben den Vergangenheitswerten vor allem nach der zukünftigen Entwicklung beurteilt. Dafür ist die Absatzplanung für die einzelne Produkte und Leistungen mit Mengen- und Wertangaben erforderlich. Hinzu kommt die Planung der erforderlichen Aufwendungen für Lohn, Material etc.
  • Liquiditätsplan mit Erläuterungen
    Der Liquiditätsplan enthält die Gegenüberstellung der monatlich zu er-wartenden Einnahmen und Ausgaben mit Zahlungs- bzw. Fälligkeits-terminen für das laufende und kommende Geschäftsjahr. Die Differenz ergibt den monatlichen Überschuss (Überdeckung) oder einen Fehlbetrag (Unterdeckung), für den die Finanzierung geklärt werden muss.
  • Liste der Verbindlichkeiten und Forderungen (Kreditoren- und Debitorenliste)
    Die offenen Posten bei den Verbindlichkeiten und Forderungen spielen bei der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eine zentrale Rolle. Bei den Debitoren ist die Zahlungsfähigkeit (Bonität) der Schuldner zu bewerten.
  • Kreditübersicht
    Listen Sie hierbei alle laufenden Kreditverträge mit Angaben zur Höhe, Tilgung, Restlaufzeit und den Sicherheiten auf.
  • Sicherheiten
    Hierzu gehören zum Beispiel Immobilien, Beteiligungen, Wertpapiere, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert und Bürgschaften.

Voll- oder Teilfinanzierung

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, vor allem im privaten Bereich, eine Vollfinanzierung, d.h., eine Finanzierung ohne Eigenkapital ausschließlich mit Krediten zu nutzen. Auf Grund fehlender eigner Mittel ist diese Form der Finanzierung aber mit hohen Risiken verbunden und es fallen auch höhere Kosten an, da ein Kapitalgeber um die Risiken weiß und sie sich vergüten lässt. Banken lassen sich auf Vollfinanzierungen meist nur ein, wenn der Kunde über eine gute bis sehr gute Bonität verfügt und ein hohes sicheres Einkommen vorweisen kann. Daher sollte man von einer Finanzierung (z. B. Immobilienfinanzierung) vollständig ohne Eigenkapital möglichst absehen. Die Vollfinanzierung wird meist beim Immobilienerwerb genutzt.

Tipp

Fordern Sie zunächst nur eine Konditionenanfrage an!

Unternehmen oder Privatleute, die mehrere Kreditangebote vergleichen wollen, sollten bei der Bank kein Kreditangebot, sondern eine Konditionenanfrage verlangen. Hintergrund: Kreditanfragen melden die Institute an Schufa und Co., was bei mehreren Anfragen dazu führen kann, dass die Bonität sinkt. Die Auskunfteien unterstellen, dass jemand, der mehrere Anfragen wegen einer Finanzierung stellt, dringend Geld benötigt, auch, weil er sich ggf. in einer Notsituation befinden könnte.

Voll- oder Zwischenfinanzierung

Als Zwischenfinanzierung wird eine in der Regel kurzfristige Finanzierungsart bezeichnet, um eine Finanzierungslücke zu überbrücken, die entstehen kann, wenn ein langfristiger Kredit zwar zugesagt, aber die Auszahlung noch nicht erfolgt ist. Zwischenfinanzierungen finden sich z.B. beim Immobilienkauf.

Sonderformen: Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital

Mezzanine-Finanzierung

Eine spezielle Art der Finanzierung ist das Mezzanine-Darlehen, eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital. Zum Mezzanine-Kapital können je nach Vertragsgestaltung z.B. die typische und atypische stille Beteiligung, Wandelanleihen oder Nachrangdarlehen gehören.

Factoring

Factoring ist eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Dabei werden Forderungen an ein spezialisiertes Unternehmen, den Factor, verkauft. Dieser zahlt nach 2-3 Tagen bis 90% des Forderungsbetrags aus. Der Differenzbetrag wird gezahlt, wenn der Kunde seine Forderungen an den Factor bezahlt hat. Ansonsten verwendet der Factor den offenen Betrag dazu, die Kosten für z.B. ein Mahn- oder Inkassoverfahren zu decken. Kosten fallen für das verkaufen-de Unternehmen je nach Vertrag und Leistungsumfang in Höhe von etwa 0,5-3% der Forderungssumme an. Hinzu kommen Zinsen für den Zeitraum, von der Zahlung durch den Factor bis zum Forderungsausgleich für den Kunden.

Vorteile der Finanzierung:

  • Mit Factoring gewinnt ein Unternehmen sehr schnell an Liquidität.
  • Factoring erspart Zeit und Arbeit. Kleine Unternehmen brauchen dann keine kostenintensive Debitorenbuchhaltung. Für Unternehmen, die weitgehend bar oder mit sehr kurzen Zahlungszielen verkaufen, eignet sich Factoring dagegen kaum.

Nachteile der Finanzierung:

  • Es entstehen hohe Kosten durch den Abschlag zum vollen Rechnungsbetrag an den Factor.
  • Unter Umständen wird die Zusammenarbeit mit wichtigen Kunden beeinträchtigt, da Factoring-Unternehmen Standardverfahren beim Eintreiben von Forderungen anwenden.

Leasing

Leasing kann eine gute Alternative zum Bankkredit und Eigenkapitalfinanzierung sein. Heute können nahezu alle Wirtschaftsgüter geleast werden. Ein Vorteil von Leasing gegenüber Krediten ist, dass Leasing-Gesellschaften i.d.R. weniger hohe Anforderungen an die Bonität eines Unternehmens stellen. Hintergrund für die scheinbar einfachere Prüfung ist, dass ein Leasing-Geber bei Problemen wie Zahlungsverzug oder –ausfall eher als Banken in der Lage ist, sich schadlos zu halten, da er das Wirtschaftsgut besser und vor allem auch relativ kurzfristig verwerten kann. Bei dieser Art der Finanzierung muss bedacht werden, dass es zwei grundlegende Varianten gibt, unter denen Sie wählen können. Das Leasing mit Restwert und das Leasing ohne Restwert, bei dem die Raten ausschließlich nach der voraussichtlichen Nutzung berechnet werden (Oft auch als Kilometer-Leasing bezeichnet).

Vorteile der Finanzierung:

  • Bei einem Kauf verschlechtert sich die Liquidität des Unternehmens durch die Ausgaben. Erfolgt die Investition dagegen durch Leasing, bleiben Liquiditätsstatus und Kreditrahmen der Banken unverändert. Leasing stellt damit oftmals eine interessante objektbezogene Finanzierungsalternative dar.

Nachteile der Finanzierung:

  • Leasing geht oft einher mit langfristigen Vertragsbindungen, sodass Sie sich über einen längeren Zeitraum an einen bestimmten Vertragspartner binden müssen.
  • Das geleaste Objekt gehört nicht zu Ihrem Anlagevermögen. Bei eventuellen Streitigkeiten mit dem Leasingunternehmen ziehen Sie somit schnell den Kürzeren, wenn der Leasinggeber mit dem Entzug des für Sie betriebsnotwendigen Leasingobjekts droht.

Kundenanzahlung und Lieferantenkredit

Bei der Finanzierungsart Kundenanzahlung tritt der Abnehmer als Kreditgeber auf: Bereits im Voraus, d. h. vor Lieferung der Ware, zahlt er einen Teil- oder sogar den Gesamtbetrag. Kundenanzahlungen sind vor allem in der Auftragsfertigung üblich, wie sie im Handwerk vorkommt. Die Anzahlungen stellen für das produzierende Unternehmen eine Finanzierungshilfe dar. Mit diesem Geld kann es die für die Produktion benötigten Waren und Dienstleistungen bezahlen.

Vorteile der Finanzierung:

  • Das Risiko der Nichtabnahme der bestellten Ware ist gleich Null.
  • Der Auftraggeber stellt dem Unternehmen das Geld meist zinslos zur Verfügung.

Nachteile der Finanzierung:

  • Eine Kundenanzahlung führt unter Umständen zu einer größeren Unzufriedenheit der Kunden und kann daher nicht immer durchgesetzt werden.

Ein Lieferantenkredit ist eine Finanzierung, in welcher Verkäufer/Lieferant dem Käufer einer Ware im Zusammenhang mit dem Warenabsatz gewährt. Man spricht dabei auch von Buch- oder Wechselkredit. Daneben existieren auch sogenannte Einrichtungs- und Ausstattungskredite, die der Lieferant seinem Abnehmer gewährt. In der Praxis findet man solche Einrichtungs- und Ausstattungskredite beispielsweise in der Gastronomie. Da für Lieferantenkredite meist keine zusätzlichen Sicherheiten benötigt werden, besitzen sie vor allem in kleinen Betrieben große Bedeutung.

Vorteile der Finanzierung:

  • Der Lieferantenkredit hilft, den Zeitraum zwischen der Beschaffung der Ware, bis der Umsatz aus dem Wiederverkauf hereinkommt, zu überbrücken.
  • Der Lieferantenkredit ist eine schnelle Finanzierung, da auf Kreditwürdigkeitsprüfungen meist verzichtet wird.

Nachteil der Finanzierung:

  • Der Lieferantenkredit ist meist sehr teuer.

Finanzplanung

Finanzplan erstellen

Ist die Kapitalbedarfsplanung durchgeführt, müssen Sie für die Planjahre eine Finanzplanung bzw. ein Finanzplan erstellen. In ihm wird dargestellt, aus welchen Quellen bzw. mit welchen Finanzierungsformen für die entsprechenden Jahre das benötigte Kapital kommen soll. Die Abb. zeigt ein Beispiel für einen einfachen Finanzierungsplan.

Die Jahressummen des Finanzierungsplans sollten die Werte des Kapitalplans um 5-10% übersteigen, da man so noch über Reserven verfügt, wenn z.B. die Investitionen oder Entwicklungsleistungen mehr kosten als gedacht.

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Finanzierungsfaktor
Finanzierungsfaktor20xx20xx+120xx+220xx+320xx+4Gesamt
Eigenkapital
Fremdkapital (Bank)
Fördergelder
Mezzanine-Kapital
Factoring
Leasing
Andere, z.B: Rückstellungen
Gesamt

Kapitalbedarfsplanung

Um die Höhe des Finanzierungsbedarfs zu kennen, wird im Vorfeld eine Kapitalbedarfsplanung benötigt, die möglichst über mehrere Jahre aufzeigt, für welche Anlässe wie viel Kapital benötigt wird. Die Abbildung zeigt ein Beispiel für einen einfachen Kapitalbedarfsplan.

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Kapitalbedarf für...
Kapitalbedarf für...20xx20xx+120xx+220xx+320xx+4Gesamt
Gründung
Maschinen
Fuhrpark
Büroausstattung
Warenbeschaffung
Tilgung
Entnahmen
Gesamt

Liquiditätsplanung

Hierbei handelt es sich um einen rollierenden Plan für Ihre Finanzierung. Sie listen alle liquiden Mittel auf, die am Ende einer Periode vorhanden sind. Diese fungieren für die neue Periode als Basis. Sie legen quasi alle Auszahlungen und Einnahmen, die Sie erwarten, gegenüber. Man spricht hier auch von einer kurzfristigen Finanzierung, um Ihre Liquidität zu gewährleisten.

Finanzierungsmöglichkeiten und Bonitätssteigerung

In Deutschland haben Sie verschiedene weitere Möglichkeiten, sich eine Finanzierung zu sichern. Im Folgenden haben wir die Wichtigsten für Sie zusammengefasst:

Fördermittel und -programme

Egal, ob Existenzgründer oder bereits etabliertes Unternehmen: Für Firmen, die auf der Suche nach einer Finanzierung sind, gibt es diverse Fördermittel auf dem Markt:

  • KfW-Förderprogramme
  • Gründerzuschuss der Agentur für Arbeit
  • Gründerstipendien für Studenten
  • Gründercoachings
  • Gründerzuschuss für Handwerker
  • Zuschuss für innovative Projekte

Neben der KfW sind vor allem Hausbanken oder auch die Bundesländer eine gute Anlaufstelle, um sich über Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren.

Info

Staatliche Hilfen

Noch nie waren diese so notwendig, wie es aktuell der Fall ist. Selbstverständlich gibt es zu jeder Zeit staatliche Förderkredite, die Sie beantragen können. Während der Corona-Krise sind hingegen staatliche Hilfen deutlich sinnvoller. Das wären beispielsweise:

  • Überbrückungshilfen
  • Kurzarbeitergeld
  • Novemberhilfen

Sie wollen mehr wissen? In unserem Ratgeber zum Thema staatliche Hilfen gehen wir ins Detail.

Kapitalerhöhung in der GmbH

Als Finanzierung können Sie diese zur Beschaffung von Eigenkapital nutzen. Bei einer Kapitalerhöhung in der GmbH können Gesellschafter der GmbH entweder neue Mittel zur Verfügung stellen (reguläre Kapitalerhöhung) oder eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln vornehmen. 

  • Bei der Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln werden vorhandene Rücklagen der GmbH in Stammkapital umgewandelt. Im Gegensatz zur regulären Kapitalerhöhung fließt der GmbH daher kein frisches Kapital zu. 

Die Erhöhung des Stammkapitals der Gesellschaft erfordert eine Änderung des Gesellschaftsvertrags. Bei einer Kapitalerhöhung einer GmbH müssen zahlreiche gesetzliche und steuerliche Fragestellungen beachtet werden, daher sollte sie zwingend nur zusammen mit einem Fachmann, etwa einem Steuerberater, erfolgen.

Bilanzanalyse

Die Finanzierung findet auch im Rahmen der Bilanzanalyse Beachtung. Beispielsweise wünschen sich Banken einen Eigenkapitalanteil von 20% oder mehr. Entsprechend darf das Fremdkapital nicht über 80% liegen. Ist das der Fall, verschlechtert sich die Bonität des Unternehmens und gewünschte neue Kredite oder Fördergelder werden teurer oder sogar verweigert.

Werden hingegen weitere Finanzierungsmöglichkeiten wie z.B. Factoring, stille Beteiligungen oder Leasing genutzt, hat das positive Auswirkungen auf die Liquidität und die Bonität. Auch wenn es gelingt, den Gewinn zu erhöhen und mehr Gewinne einzubehalten, wird der Eigenkapitalanteil erhöht und die Selbstfinanzierung gestärkt, was sich ebenfalls positiv auf Liquidität, Bonität und Finanzierung auswirkt.

Bonität und Liquidität steigern

Banken und Sparkassen achten besonders auf folgende Finanzkennzahlen:

  • Finanzlage
  • Ertragslage
  • Vermögenslage

Besonders wichtig ist es zu wissen, wie diese Kennzahlen interpretiert werden. Denn in allen Bereichen können Unternehmen auch zu einer besseren Beurteilung kommen und damit eine günstigere Finanzierung sicherstellen.

Kennzahlen zur Finanzlage: Wo Unternehmen ansetzen können

  • Cashflow: Der Cashflow bezeichnet die Summe aus Betriebsergebnis, Abschreibungen und Veränderungen der langfristigen Rückstellungen. Er misst die Fähigkeit des Unternehmens, sein kurzfristiges Fremdkapital, also etwa den Kontokorrentkredit oder Verbindlichkeiten, gegenüber Lieferanten oder dem Finanzamt aus dem Zahlungsmittelüberschuss abzudecken. Banken und Sparkassen raten ihren Firmenkunden, den Cashflow aktiv zu managen. Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen, fristgerechte Finanzierungen oder Cash Management können den Cashflow verbessern und das Rating positiv beeinflussen.
  • Kreditorenlaufzeit: Diese Kennzahl gibt an, nach wie vielen Tagen im Durchschnitt ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen begleicht. Unternehmen mit einem besonders hohen Wert haben statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko. Um diesen Wert zu minimieren, nutzen Sie Skonti, optimieren Sie die Warenwirtschaft und Lagerhaltung und verbessern Sie die Finanzierungsstruktur.

Kennzahlen zur Ertragslage

  • Kapitalrentabilität: Sie zeigt, welche Rendite nach Abzug der Fremdkapitalzinsen im Verhältnis zur Bilanzsumme übrigbleibt. Je höher der Wert, desto besser ist die Bonität – und damit das Rating. Eine Steigerung der Erträge und eine Verringerung der Kosten erhöhen die Kapitalrentabilität. Diese Ziele lassen sich nicht immer einfach erreichen. Ein pragmatischer Weg besteht darin, die Bilanzsumme zu kürzen, etwa durch den Verkauf nicht benötigter Aktiva. Auch lassen sich Forderungen verkaufen (Factoring).
  • Zindsaufwandquote: Sie gibt das Verhältnis der Zinsaufwendungen zur Gesamtleistung des Unternehmens an. Eine niedrige Quote wirkt sich positiv auf das Rating aus. Erhöhung des Eigenkapitalanteils, Verringerung der Außenstände und bessere Fremdkapitalstruktur durch fristgerechte Finanzierung tragen dazu bei.
  • Mietaufwandsquote: Sie zeigt Miet- und Leasingaufwendungen im Verhältnis zur erwirtschafteten Gesamtleistung. Unternehmer sollten nach Möglichkeit den Mietaufwand reduzieren. Kann sich das Unternehmen von nicht ausgelasteten Miet-Immobilien trennen oder kann es die Mietfläche verringern, ohne die Unternehmensentwicklung zu behindern?

Kennzahlen zur Vermögenslage

  • Eigenkapital: Die Ausstattung mit Eigenkapital beeinflusst stark das Rating für die Finanzierung eines Unternehmens. Auf das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital richten Kreditinstitute auch bei Kleinunternehmen besonderes Augenmerk, um die Kreditwürdigkeit und die Kreditkonditionen zu bestimmen. So gestalten Sie das Verhältnis von Eigen- zu Gesamtkapital positiv: Gewinne einbehalten, Forderungsausfall reduzieren (durch gezieltes Forderungsmanagement, verbessertes Mahnwesen oder Verkauf von Forderungen).

Achtung: Bei Einzelunternehmen werden auch Bewegungen auf den Privatkonten betrachtet, wenn es um die Bewertung des vorhandenen Eigenkapitals einer Firma geht.

Liquidität richtig planen

Liquidität bezeichnet die Ausstattung mit Zahlungsmitteln, die für Investitionen, Konsum und zur Befriedigung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung steht. Beim Liquiditätsmanagement sehen viele Banken für ihre Firmenkunden noch erheblich Luft nach oben. Immer wieder drängende Themen sind der Zahlungsverzug und der Zahlungsausfall von Kunden.

Mit optimiertem Forderungsmanagement erreichen Unternehmen eine bessere Bonität und dadurch mehr Möglichkeiten für eine Finanzierung. Betriebsinhaber sollten deshalb:

  • einen Verantwortlichen für das Forderungsmanagement ernennen,
  • Rechnungen zeitnah und korrekt stellen,
  • Zahlungseingänge regelmäßig prüfen,
  • Buchungen zeitnah registrieren und Debitorenlisten aktualisieren,
  • ein Mahnwesen und feste Mahntermine einrichten.

Kapitalreduzierung verringert Finanzierungsbedarf

Die Reduzierung des Vermögens, etwa im Anlagenbereich oder die Reduzierung von Forderungen und Vorräten, hat zur Folge, dass ein Unternehmen weniger Finanzierungsbedarf hat. Lässt sich so z.B. der Fremdkapitalbedarf senken, steigen Bonität, Liquidität und Rentabilität (weil weniger Kosten und Zinsen entstehen).

Unternehmenskennzahlen im Blick behalten

Eine gute und ausgewogene Finanzierung ist wichtig, damit ein Unternehmen langfristig erfolgreich am Markt agieren kann. Daher sollte die Finanzierung ständig im Blick behalten werden, etwa mit diesen Kennzahlen.

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Kennzahl
KennzahlFormelvorschlagRichtwerte
Eigenkapitalanlage Eigenkapital * 100 / Gesamtkapital > 20 %
Fremdkapitalanlage Fredmkapital * 100 / Gesamtkapital > 80 %
Verschuldungsgrad Fremdkapital * 100 / Eigenkapital 200 bis max. 400 %
Forderungsquote Forderungen * 100 / Bilanzsumme Möglichst niedrig, das sonst hoher Kapitalbedarf und Risiken
Vorratsquote Vorräte * 100 / Bilanzsumme Möglichst niedrig, das sonst hoher Kapitalbedarf und Risiken
Kapitalkostenquote Kapitalkosten* 100 / Gesamtkosten Möglichst
Deckungsgrad I Eigenkapital * 100 / Anlagevermögen Möglichst > 100 %
Deckungsgrad II (Eigenkapital + langfristige Kredite) * 100 / Anlagevermögen Möglichst > 150-200 %

Hinweis: Für die Kennzahlen gibt es Formelvarianten. Bei den Richtwerten handelt es sich um in der Praxis häufig akzeptierte Ausprägungen bzw. gestellte Forderungen. Bei größeren Abweichungen muss nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden, z.B. beim Deckungsgrad, den Eigenkapitalanteil zu steigern und/oder das Anlagevermögen zu senken.

Tipp

Bessere Chancen auf eine Finanzierung mit Kennzahlen

Unternehmenskennzahlen zu berechnen, kann ausschlaggebend sein, wenn Sie eine Finanzierung wollen. Denn Geldgeber (egal, ob intern oder extern) sind immer daran interessiert, genaue Zahlen zu Ihrem Unternehmen zu erhalten. Mit unserem Excel-Tool machen Sie sich diese Aufgabe leicht.