Finanzplan: Ein wichtiges Instrument für Unternehmer

Der Finanzplan oder Wirtschaftsplan ist ein wichtiges betriebswirtschaftliches Instrument, mit dem die Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens und deren Verwendung geplant sowie dargestellt werden. Wir zeigen Ihnen, wofür finanzielle Mittel benötigt werden, wo sie herkommen und wie Sie herausfinden, wie erfolgreich Ihr Unternehmen wirtschaftet.

Definition: Was ist ein Finanzplan?

Mit einem Finanzplan wird ein detaillierter Plan erstellt, der alle zentralen finanziellen Sachverhalte eines Unternehmens erfasst, darstellt und bewertet. Er wird nicht nur von Unternehmen, sondern auch von öffentlichen oder Privathaushalten erstellt. Der Finanzplan bzw. die Finanzplanung ist bei Unternehmen und Gründern meist ein zentraler Bestandteil des Businessplans. Ein Businessplan geht in der Regel aber über eine reine Finanzplanung hinaus und umfasst fast immer auch weitere Elemente, wie z.B.

  • Produktbeschreibungen
  • Marketing
  • Wettbewerb
  • Kunden
  • spezifische Risiken

Ein Finanzplan sollte nicht nur für ein Jahr, sondern für einen längeren Planungszeitraum von etwa 3 bis 5 Jahren erstellt werden. Nur so lässt sich verlässlich abschätzen, ob ein Gründungsvorhaben dauerhaft tragfähig ist bzw. ob ein Unternehmen langfristig weiter am Markt existieren kann.

Warum ist Finanzplanung so wichtig?

Über einen Finanzplan bzw. eine Finanzplanung zu verfügen, ist für Sie als Unternehmer oder Gründer aus zwei Gründen elementar. Zum einen, weil Sie mit einer Finanzplanung selbst einen guten Überblick über alle finanziellen Größen Ihres Unternehmens haben, wie zum Beispiel:

  • Umsätze
  • Kosten
  • Gewinn
  • Rentabilität
  • Liquidität

So lässt sich der Finanzplan auch als Controlling-Instrument nutzen, etwa indem Sie den Planwerten regelmäßig die tatsächlich erreichten Istwerte gegenüberstellen. Anschließend prüfen Sie, ob und wo es Abweichungen gegeben hat und mit welchen Maßnahmen diese sich reduzieren oder künftig ganz vermeiden lassen.

Zum anderen, weil Banken und andere Investoren wie Förderbanken einen fundierten Einblick in die finanzielle Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens bekommen. Das ist u.a. dann wichtig, wenn Sie einen Kredit benötigen, beispielsweise für Investitionen oder die Finanzierung von Produktentwicklungen. Oder auch, wenn Sie expandieren oder ein Unternehmen erst gründen möchten und hierfür Kapital benötigen. Ein Finanzplan ist daher für die Existenzgründung ebenso wichtig wie für bestehende Unternehmen.

Finanzplanung nach der Gründung

Nach der Gründung sollte ein Finanzplan jährlich erstellt bzw. aktualisiert werden. Hier wird dann sowohl mit Plan- als auch Istzahlen gearbeitet. Das heißt, dass Sie für einen Zeitraum von meist einem Jahr einen Finanzplan auf Monatsbasis erstellen und den Planwerten regelmäßig die tatsächlich erreichten Zahlen gegenüberstellen.

Tipp

Wann sind Maßnahmen erforderlich?

Bei größeren Abweichungen (Faustregel: ab ca. 5 bis 10 % oder Beträgen ab etwa 200 bis 400 Euro) zwischen Plan und Ist sollten Maßnahmen eingeleitet werden, um negative Abweichungen (z. B. höhere Kosten als geplant) zu begrenzen und positive Abweichungen (z. B. höhere Umsätze als geplant) zu verstärken.

Auch bei Bestandsunternehmen dient der Finanzplan dazu, Investoren von der Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu überzeugen.

Aufbau: Welche Bestandteile beinhaltet ein Finanzplan?

Wie bei einem Businessplan gibt es kein standardisiertes „Rezept“ für den Finanzplan-Aufbau. Allerdings gibt es Bestandteile und Inhalte, die in jedem vollständigen und professionellen Finanzplan enthalten sein sollten. Zu nennen sind insbesondere:

  • Umsatzplanung: Möglichst unterteilt nach Produkten und Kunden sowie Mengen, Preisen und Konditionen. In einen Finanzplan können auch die Produktkalkulationen aufgenommen werden.
  • Kostenplan: Möglichst für alle wichtigen Kostenarten, z. B. Material- und Personalkosten, Abschreibungen, Raumkosten, Versicherungen.

Tipp

Orientieren Sie sich an der BWA

Eine gute Orientierung stellt die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) dar, bei der unter „Materialaufwand“ und „Kostenarten“ die wichtigsten Kostenpositionen zusammengefasst werden. Außerdem sollten noch die Zinsen in die Planung einbezogen werden. Nutzen Sie unsere kostenlose BWA-Analyse, um Ihre Zahlen zu bewerten.

  • Investitionsplan: Untergliedert nach Investitionsgütern mit Volumen und Zeitpunkten, um die Einflüsse auf die Liquiditätslage besser beurteilen zu können.
  • Rentabilitätsrechnung bzw. Rentabilitätsvorschau: Hier geht es vor allem darum, den Gewinn darzustellen, der sich im Wesentlichen aus der Differenz von Umsätzen und Kosten ergibt. Die Rentabilität wird oft auch mit Kennziffern dargestellt, z. B. Umsatz- oder EBIT-Rendite (EBIT = Earings before Interest and Taxes, Gewinn vor Zinsen und Steuern).
  • Liquiditätsplanung: Sie ergibt sich, wenn die Rentabilitätsrechnung, die im Wesentlichen auf Umsätzen und Kosten aufbaut, um alle Positionen ergänzt wird, die Einfluss auf die Zahlungsfähigkeit haben. Zu nennen sind auf der Auszahlungsseite neben den Investitionen insbesondere Tilgungsleistungen, Gesellschafterentnahmen, Steuernach- und Vorauszahlungen, Umsatzsteuer-Zahllast, Lizenzen, Pachten, Spenden usw. Auf der Einzahlungsseite kommen u.a. Kreditaufnahmen, Gesellschaftereinlagen oder Steuererstattungen in Betracht. Wie Sie eine Liquiditätsplanung erstellen, lesen Sie in unserem weiterführenden Artikel.
  • Finanzierungsplan und Kapitalbedarfsplan: Bei diesen Teilplänen geht es v.a. darum, zu planen, welchen Kapitalbedarf ein Unternehmen in den kommenden etwa 3 bis 5 Jahren hat. Kapitalbedarf entsteht z. B., wenn Sie in Anlagevermögen investieren oder Vorräte finanzieren müssen. Bei Gründern kommen in der Regel noch Gründungskosten hinzu. Auch für mögliche Verluste kann es im ersten und ggf. zweiten Jahr Kapitalbedarf geben. Der Finanzbedarf wiederum zeigt, woher ein Unternehmen die notwendigen Mittel bekommt, um den Kapitalbedarf zu finanzieren. Quellen für den Finanzbedarf sind u.a. Eigenkapital, Fremdkapital (z. B. Kredite oder Fördergelder), Leasing oder Factoring.
  • Deckungsbeitragsrechnung: Falls möglich, sollte die Finanzplanung auch eine Deckungsbeitragsrechnung enthalten. Der Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn Sie vom Produktpreis die variablen Kosten, wie z. B. Material und Fertigungslöhne, abziehen. Je höher der Deckungsbeitrag, desto wichtiger ist ein Produkt für das Unternehmen.

Tipp

Gehen Sie in der Praxis am besten so vor

Ein Finanzplan sollte einen Zeithorizont von etwa 3 bis 5 Jahren haben. Erstellen Sie im ersten Jahr eine detaillierte Planung mit einem möglichst genauen Preis-Mengengerüst und planen Sie alle Zahlen monatlich. So lässt sich besser erkennen, wo es in welchem Umfang Schwankungen (z. B. bei den Umsätzen) und möglicherweise Liquiditätsengpässe gibt. Und: Es bleibt meist ausreichend Zeit, sich darum zu kümmern, eine Liquiditätslücke zu schließen bzw. sie erst gar nicht entstehen zu lassen. Ab dem zweiten Jahr genügt es in der Regel, eine Planung quartalsweise durchzuführen. Und ab dem dritten Jahr ist eine jährliche Planung ausreichend.

Finanzplan erstellen: So gehen Sie vor

Jeder Finanzplan besteht aus mindestens den genannten Teilplanungen, die erstellt werden müssen. In der Praxis hat es sich folgende Reihenfolge bewährt:

1. Umsatzplanung

Am sinnvollsten ist es, bei der Erstellung des Finanzplans mit der Umsatzplanung zu beginnen. Es ist notwendig, sich genau zu überlegen, welche Umsätze sich mit welchen Produkten und welchen Kunden zu welchen Preisen ergeben werden. Um fundierte Planungen vornehmen zu können, sollten Sie sich immer auch ansehen, wie sich die Umsatzzahlen in der Vergangenheit entwickelt haben. Außerdem ist es hilfreich, sich mit wichtigen Kunden über deren Kaufabsichten zu unterhalten und zu prüfen, ob und in welchem Umfang es bereits bestehende Verträge oder feste Zusagen gibt.

2. Kostenplanung und Deckungsbeitragsrechnung

Parallel zur Umsatzplanung sollten Sie die Kostenplanung erstellen. Viele Kostenarten sind fix und lassen sich gut planen, wie beispielsweise:

  • Gehälter
  • Mieten
  • Versicherungen
  • Energiekosten

Hier muss geprüft werden, ob es ausreicht, zum Beispiel einen Zuschlag für Tariflohnsteigerungen einzuplanen oder ob Sie auch die Mitarbeiteranzahl verändern möchten. Bei anderen Kostenarten wie dem Material müssen Sie einen Abgleich mit den Umsatzzahlen vornehmen. Planen Sie zum Beispiel eine Umsatzsteigerung von 10 %, erhöhen sich die Materialkosten oft in ähnlichem Umfang. Bei der Kostenart Werbung sollten Sie eine gesonderte Planung vornehmen: Planen Sie zunächst konkrete Maßnahmen wie Messen oder Internetwerbung und versehen Sie diese dann mit Preisen, das heißt Kosten für den eigenen Betrieb. Bei anderen Kostenarten ergeben sich die genauen Beträge erst, wenn andere Teilplanungen erstellt sind. Zur Höhe der Abschreibungen beispielsweis lassen sich erst nach Abschluss der Investitionsplanung präzise Werte erstellen. Nehmen Sie daher auch Kalkulationen und die Deckungsbeitragsrechnungen in den Finanzplan auf.

3. Investitionsplanung

Einerseits sind Investitionen wichtig für die weitere Existenz des Betriebes. Andererseits fließt bei jeder Investition viel Geld aus dem Betrieb ab. Daher müssen im nächsten Schritt die Investitionen mit dem voraussichtlichen Finanzierungsbedarf geplant werden. Und zwar möglichst einzeln nach Kategorien, zum Beispiel Maschinen, Fahrzeuge, IT. Außerdem muss geplant werden, in welchen Monaten investiert werden soll, damit das benötigte Geld bereitgestellt werden kann.

4. Liquiditätsplanung

Die bisherigen Planungen müssen durch eine Liquiditätsplanung ergänzt werden. In die Liquiditätsplanung gehören – aufgeteilt nach Monaten – alle Sachverhalte, die bisher nicht berücksichtigt wurden und die Einfluss auf die Höhe des Kontostands haben, wie zum Beispiel:

  • Tilgungsleistungen
  • Steuernach- und Vorauszahlungen
  • Umsatzsteuer-Zahllast
  • Lizenzauszahlungen
  • Gesellschafterentnahmen
  • Kreditaufnahme
  • Gesellschaftereinlagen
  • Lizenzeinzahlungen

Tipp

Nutzen Sie unsere Excel-Vorlage für die Liquiditätsplanung

Mit unserem Liquiditätsplaner erfassen Sie einfach und übersichtlich alle Zahlungsflüsse. So behalten Sie den perfekten Überblick über Ihre Liquidität und können bei Bedarf rechtzeitig handeln.

5. Kapitalbedarfsplanung

Parallel zu den genannten Arbeitsschritten, gilt es, den Kapitalbedarf zu planen und ständig weiter zu konkretisieren. Gleichzeitig muss entschieden werden, zu welchen Teilen z. B. Eigen- und Fremdkapital eingesetzt werden soll.

Achtung

Alle Teilplanungen gehören zusammen!

Denn Veränderungen bei einem Teilplan führen fast immer dazu, dass sich auch die Werte in anderen Teilplänen ändern. Werden zum Beispiel die Investitionen erhöht, verändern sich Abschreibungen, Gewinn und Rentabilität sowie ggf. der Finanzierungbedarf. Wer hier nicht mit einer integrierten Excel- oder anderen IT-Lösung arbeitet, muss stets prüfen, ob bei Änderungen in einem Teilplan Anpassungen bei anderen Modulen notwendig sind und dies entsprechend manuell umsetzen. Ohne diese Plausibilitätsprüfungen kann es zu Abweichungen zwischen den Plänen und zu Fehlentscheidungen im Betrieb bzw. zu einer Nichtbewilligung von notwendigen Krediten durch die Bank kommen.
Werden alle Planungsschritte durchlaufen und alle Annahmen kritisch hinterfragt sowie dokumentiert, entsteht ein bankfähiger Finanzplan, mit dem Sie neue Kredite oder auch Fördergelder beantragen können.

Tipp

Binden Sie alle Führungskräfte in die Finanzplanung ein!

Der Grund: Wenn der Finanzplan nur von der Geschäftsleitung in Zusammenarbeit mit dem Controlling erstellt wird, besteht zum einen das Risiko, wichtige Sachverhalte zu vergessen. Zum anderen ist die Gefahr gegeben, dass alle nicht eingebundenen Betroffenen sich nicht mit der Planung identifizieren und eine entsprechend geringe Motivation aufweisen, die Zahlen zu akzeptieren.

Einen Finanzplan mit Excel erstellen: Gibt es gute Vorlagen?

Wenn Sie ein kleines Unternehmen führen, können Sie relativ gut mit selbst konzipierten Excel-Anwendungen einen Finanzplan erstellen. Im Internet existieren zahlreiche Finanzplan-Vorlagen für Excel. Außerdem gibt es professionelle IT-Lösungen, die Sie sofort nutzen können, etwa als Modul eines ERP-Programms.