Fördermittel: So erhalten Sie Starthilfe für Ihre Existenzgründung

Die meisten Existenzgründer haben Schwierigkeiten, eine solide Finanzierung auf die Beine zu stellen. Fördermittel sind für Selbstständige neben dem eingebrachten Eigenkapital und Fremdkapital von Banken ein wichtiges Standbein. Aber der Weg zu den staatlichen Fördertöpfen ist lang und aufwändig. Als Gründer müssen Sie sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Möglichkeiten und Wege es gibt, um Fördermittel zu erhalten.

Welche Arten der Förderung gibt es?

Ähnlich wie bei Fördermitteln für vorhandene Unternehmen gibt es grundsätzlich 3 Möglichkeiten der Förderung:

  • Zinsgünstige Kredite für Investitionen und die Finanzierung von Betriebsmitteln
  • Zusätzliches Eigenkapital: Um die Eigenkapitalbasis junger Unternehmen zu verbessern, kann die Förderung auch in zusätzlichem Eigenkapital bestehen. Dabei beteiligt sich die fördernde Stelle am Unternehmen.
  • Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen: Mit dieser Art der Förderung für Selbstständige beteiligt sich der Staat an bestimmten Kosten. Für Gründer trifft das vor allem bei der Beratung vor und nach der Gründung zu.

Wer kann einen Antrag auf Fördermittel stellen?

Grundsätzlich kann jeder Existenzgründer einen Antrag auf Fördermittel stellen. Der Weg zu der Förderung gestaltet sich aber je nach Programm unterschiedlich. Die meisten Fördermittel werden nur in Zusammenarbeit mit der Hausbank vergeben. Das betrifft alle Kredite mit subventioniertem Zins und fast alle Beteiligungsprogramme. Die Bank übernimmt gegenüber der Förderstelle die Abwicklung der Kredite und sorgt auch für ausreichende Sicherheiten. Da meist eine Beteiligung der Bank am Risiko verlangt wird, muss der Gründer also neben der Förderstelle auch die eigene Bankvon dem Vorhaben überzeugen.

Einige Zuschüsse (z. B. für Gründungsberatung) können auch ohne die Beteiligung der Banken direkt bei der Förderstelle beantragt werden. Dabei verzichtet der Gründer jedoch auf die Kompetenz der Bank. Diese kann ihm Informationen liefern und Arbeit abnehmen.

Die Bedingungen und Voraussetzungen für die verschiedenen Förderprogramme sind unterschiedlich, die einzuhaltenden Wege auch. Es gibt jedoch eine Folge logischer Schritte, die bei jedem Förderprogramm gleich ist:

  • Vorhaben intern prüfen (z. B. Investition, Beratung etc.)
  • Geeignete Fördermittel suchen
  • Förderorganisation einschalten, in der Regel über die Bank
  • Unterlagen erstellen
  • Antrag stellen
  • Fördermittel abrufen

Tipp

Verlassen Sie sich nicht nur auf die Banken!

Auch wenn Banken als Mittler eine wichtige Rolle für die Gründungsförderung spielen und entsprechende Informationen liefern, sollten Sie sich nicht auf diese Stellen verlassen. Die Banken haben eigene Interessen und wollen ihre eigenen Mittel verkaufen. Oder sie scheuen den Aufwand für die Beantragung der Mittel, da sie nur eine kleine Marge für ihre Arbeit erhalten. Darum müssen Sie sich als Existenzgründer unbedingt auch selbst informieren.

Bis zu welcher Höhe können Unternehmer und Gründer Fördergelder beantragen?

Die Beträge, mit denen Startups gefördert werden, variieren stark. Während Mikrokredite ab ca. 2.000 Euro beantragt werden können, gibt es KfW-Förderungen, die dem Gründer 100.000 bis 10 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Muss man Fördermittel immer zurückzahlen?

Es gibt verschiedene Zuschüsse vom Bund und der EU, die Sie nicht zurückzahlen müssen. Dazu gehören unter anderem:

  • Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit für Personen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen
  • Gründerstipendien für Studenten, die während des Studiums den Schritt in die Selbstständigkeit wagen
  • Zuschüsse für Gründercoachings
  • Gründungszuschuss für Handwerker
  • Zuschuss für besonders innovative Projekte

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen und von den einzelnen Ländern bereitgestellt werden.

Wer vergibt Fördermittel?

Fördermittelangebote gibt es auf allen staatlichen Ebenen. Die Kommunen und Kreise beschränken sich bei der Vergabe von Fördermitteln für Existenzgründungen vor allem auf die Vermittlung von Räumen und Grundstücken. Diese werden Gründern in vielen Fällen unter Marktpreis zur Verfügung gestellt. Die Bundesländer vergeben Fördermittel über landeseigene Förderstellen. Für die Förderung der Existenzgründung liegt ein Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Beteiligungskapital oder der Übernahme von Bürgschaften. Dadurch können Jungunternehmer ihre Eigenkapitaldecke stärken.

Die Bundesrepublik Deutschland hat einige spezielle Förderprogramme aufgelegt, die sich direkt an Existenzgründer wenden. Kosten werden bezuschusst und Kreditzinsen subventioniert. Die Europäische Union beteiligt sich an vielen Bundesprogrammen oder an den Länderförderungen. Es gibt einige Förderprogramme der EU, die sich direkt an spezielle Branchen wenden. Eine wichtige Förderstelle in Deutschland ist zudem die Agentur für Arbeit. Auch wenn die Mittel beschnitten wurden, können Existenzgründer mit Anspruch auf Arbeitslosengeld Unterstützung beantragen.

Die wichtigsten Förderinstitutionen und -programme im Überblick

Die KfW ist die größte Förderinstitution in Deutschland. Sie vergibt nicht nur günstige Kredite für Gründer, sondern auch für Studenten oder Hausbauer. Darüber hinaus sind vor allem die folgenden Institutionen wichtige Anlaufstellen für Gründer:

  • Hausbanken: Erste Anlaufstelle für Gründer ist in der Regel die eigene Hausbank. Viele von ihnen besitzen eigene Förderprogramme.
  • Kommunale Wirtschaftsförderung: Gemeinden und Kommunen unterstützen Jungunternehmer meist weniger durch Fördergelder, sondern durch günstige Rahmenbedingungen, z. B. niedrigere Mieten.
  • Unterstützung auf Landesebene: Die einzelnen Bundesländer greifen aufstrebenden Unternehmern auf viele verschiedene Arten unter die Arme. Während einige zinsgünstige Kredite zur Verfügung stellen, liefern andere Länder vermehrt Zuschüsse.

Tipp

Welches Förderprogramm passt am besten zu Ihrem Vorhaben?

Mit unserem kostenlosen Fördermittel-Finder finden Sie schnell und einfach das beste Förderprogramm für Ihr Vorhaben.

Fördermittel beantragen: Diese Möglichkeiten haben Sie

Kein Existenzgründer ist in der Lage, wirklich alle Facetten einer Unternehmensgründung selbst zu beurteilen. Externe Beratung ist daher wichtig. Vor allem für Menschen, die kleine Unternehmen gründen wollen. Sie ist aber auch sehr teuer. Um dennoch die Informationen für Gründer verfügbar zu machen, fördert der Staat die Existenzgründungsberatung sowohl vor der Gründung als auch danach.

Für Unternehmen, die älter als 1 Jahr sind, bietet der Bund die Möglichkeit zur Beratungsförderung. Maximal werden hier 6.000 Euro ausgezahlt.

Unternehmen, die noch keine 5 Jahre existieren, können für bestimmte Beratungsinhalte einen Zuschuss bekommen. Vorgesehen ist hierbei Folgendes: Über einen maximalen Zeitraum von 6 Monaten begleitet ein Berater das Unternehmen, der somit als Coach agiert. Er kann Sie z. B. bei folgenden Aufgaben unterstützen:

  • Finanzierungsgespräche vorbereiten
  • Marketingstrategien entwickeln
  • Marktstudien durchführen

Die genauen Bedingungen der Förderung kennen die Berater, da sie diese Fördermöglichkeit als Verkaufsargument nutzen.

Eigenkapital durch Land und Bund

Das Eigenkapital eines Unternehmens dient den Banken als Sicherheit für die Firmenkredite. Damit ist das Eigenkapital ein Multiplikator für die Beschaffung von Fremdkapital. Fördert der Staat die Bildung von Kapital für neue Unternehmen, fördert er gleich doppelt. Denn das Unternehmen wird dadurch in die Lage versetzt, über das zusätzliche Eigenkapital hinaus weitere Fremdmittel aufzunehmen.

Tipp

Neues Förderprogramm für KMU

Die Bundesrepublik Deutschland hat zur Eigenkapitalstärkung von Gründungen ein Förderprogramm aufgelegt. Mit dem “ERP-Kapital für Gründung” können neue kleine und mittelständische Unternehmen subventionierte Nachrangdarlehen erhalten. Die Darlehen haften unbeschränkt und haben damit die Funktion von Eigenkapital. Mehr Infos dazu hier.

Der Mikrokredit

Der Bedarf an finanziellen Mitteln für kleine Existenzgründungen ist oft sehr gering. Dennoch scheitern viele Kleingründungen genau daran: an fehlendem Kapital. Solche Gründungen sind die Zielgruppe der Mikrokredite. Gefördert werden:

  • kleine und junge Unternehmen, die von der Hausbank keinen Kredit erhalten
  • Gründungen von Frauen
  • Gründer mit Migrationshintergrund

Trotz dieser bevorzugten Gruppen können und sollen sich alle anderen infrage kommenden Unternehmen ebenfalls bewerben. Die Chance ist groß, dass eine Zusage erteilt wird.

Mikrokredite starten mit kleinen Beträgen zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Bei positiver Erfahrung mit dem Kreditnehmer können die Beträge auf bis zu 20.000 Euro steigen. Die Rückzahlung erfolgt in monatlichen Raten oder am Ende der Laufzeit, die von wenigen Monaten bis zu 3 Jahren reicht. Für viele Gründer ist der Mikrokredit interessant, weil als Sicherheiten vor allem Bürgschaften von Personen aus dem Umfeld des Gründers gern gesehen sind. Auch der Gründer selbst muss persönlich in die Haftung einsteigen.

Kredite der KfW-Bankengruppe

Über die KfW-Bankengruppe werden Fördermittel der Bundesrepublik als zinssubventionierte Kredite vergeben. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW kann die Kreditvergabe erleichtern.

Info

Folgende KfW-Programme sind für Gründer interessant:

  • “KfW-Gründerkredit – StartGeld”: unterstützt natürliche Personen bei der Gründung eines kleinen Unternehmens oder einer freiberuflichen Existenz. Es werden höchstens 100.000 Euro auf maximal 10 Jahre verliehen. Die ersten 2 Jahre sind tilgungsfrei.
  • "KfW-Gründerkredit – Universell”: unterstützt natürliche Personen sowie kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 10 Mio. Euro. Die Laufzeit beträgt bis zu 20 Jahre mit maximal 3 tilgungsfreien Jahren.

Grundsätzlich können Existenzgründer alle Zuschüsse und Kreditprogramme der KfW in Anspruch nehmen. Bei einigen, z. B. dem “KfW-Unternehmerkredit”, gibt es jedoch Voraussetzungen über das Mindestalter des Unternehmens.

Gründungsförderung aus der Arbeitslosigkeit

Dass arbeitslose Existenzgründer besonders gefördert werden müssen, hat auch die Arbeitsagentur erkannt. Daher besteht die Möglichkeit, in der ersten Zeit der Selbstständigkeit von der Arbeitsagentur weiterhin gefördert zu werden. Für Personen mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld I (mindestens noch 150 Tage) zahlt die Arbeitsagentur einen Gründungszuschuss.

Der Gründungszuschuss besteht in den ersten 6 Monaten aus der Zahlung des monatlichen Arbeitslosengeldes und einem Zuschuss von 300 Euro pro Monat für die Sozialversicherungen. Danach können noch maximal 9 Monate lang jeweils 300 Euro Zuschuss gezahlt werden. Für Personen, die Arbeitslosengeld II beziehen, bietet die Arbeitsagentur eine Förderung in Form des Einstiegsgeldes an. Der Zuschuss wird maximal für 24 Monate gezahlt. Die Höhe des Zuschusses wird anhand der Dauer der vorhergehenden Arbeitslosigkeit und der Anzahl der Personen in der Bedarfsgemeinschaft vom Sachbearbeiter der Agentur festgelegt.

Öffentliche Bürgschaften

Wenn Sie für Ihre Geschäftsidee einen Kredit bei einer Bank beantragen, wird diese wahrscheinlich eine Sicherheit verlangen. Das können zum Beispiel Unternehmensgebäude sein, die im Fall Ihrer Zahlungsunfähigkeit zu Geld gemacht werden. Besitzen Sie keine entsprechenden Sicherheiten kann eine Bürgschaft eine Lösung für Sie sein. Eine öffentliche Institution, zum Beispiel eine Bürgschaftsbank, verpflichtet sich dabei, Ihre Schulden zu begleichen, wenn Sie das nicht selbst tun können. Üblicherweise übernehmen Bürgschaftsbanken nicht mehr als 80 % der Kreditsumme. Außerdem werden sie Ihr Unternehmen gründlich durchleuchten, bevor sie sich für eine Bürgschaft entscheiden.

Öffentliche Beteiligung

Eine weitere Möglichkeit, an Fördermittel zu kommen, ist eine Beteiligung. Eine öffentliche Institution stellt Ihnen dabei Kapital zur Verfügung. Dadurch erhöht sich Ihre Eigenkapitalquote, wodurch es für Sie wiederum leichter wird, einen Kredit zu erhalten. Im Gegenzug erhält die Institution, die sich an Ihrem Unternehmen beteiligt, einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung. Außerdem kann sie jederzeit Einsicht in Ihre Bücher verlangen.

Praxisbeispiel: Einen Fördermittelantrag bei der KfW-Bank stellen – so gehen Sie vor

Sie haben sich bei der Wahl der Finanzierung für einen KfW-Kredit entschieden? Wir zeigen Ihnen in unserem Praxisbeispiel, wie Sie dabei vorgehen.

Schritt 1: Investitionsvorhaben beschreiben und Dokumente erstellen

Den Antrag auf Fördermittel sollten Sie immer stellen, bevor Sie Investitionen tätigen. Im schlimmsten Fall wird Ihr Antrag abgelehnt und Sie müssen die Kosten anderweitig stemmen. Planen Sie bis zur Bewilligung etwa 6 bis 12 Wochen ein. In Ihrem Antrag für die Förderung stellen Sie in der Regel Ihr Investitionsvorhaben vor. Darin geben Sie unter anderem an, wie rentabel Ihr Projekt ist und wann es sich refinanziert haben soll.

Achtung

Einen Förderantrag stellen Sie nie bei einer Förderbank!

Wenn Sie Fördermittel beantragen möchten, läuft das in der Regel über Ihre Hausbank, denn einen entsprechenden Antrag dürfen Sie nicht an eine Förderbank stellen. Ihre Hausbank wird Ihr Vorhaben bewerten und den Antrag dann an die Förderbank weiterleiten.

Schritt 2: Förderprogramm auswählen und Hausbank unterstützen

In diesem Artikel haben wir Ihnen verschiedene Fördermöglichkeiten der KfW-Bank vorgestellt. Suchen Sie sich aus diesen eine passende für Ihre Zwecke aus. Da der Aufwand für Ihre Hausbank relativ hoch ist, die entsprechende Förderung zu beantragen, können Sie sie dabei unterstützen, indem Sie unter anderem die folgenden Dokumente bereitstellen:

  • Antragsvordruck des Programms
  • Planungsunterlagen
  • Lebenslauf inklusive beruflichen Werdegang

Schritt 3: Hausbank kontrollieren und Fördermittelantrag stellen

Während Ihre Bank Ihren geplanten Antrag prüft, sollten Sie sich stets über den aktuellen Stand informieren, damit Sie genau Bescheid wissen, was abläuft. Sie müssen Ihren Ansprechpartner bei der Bank unbedingt von Ihrem Vorhaben überzeugen. Nur dann wird er Ihren Antrag an die KfW weiterleiten.

Tipp

Arbeiten Sie mit mehreren Banken zusammen

Wenn Sie von mehreren Banken Fremdkapital beschaffen, ist das in der Regel wirtschaftlicher. Warum das so ist und was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie in unserem Artikel zum Thema „Fremdkapital für Kleinunternehmer“.