KfW-Förderprogramme für kleine Unternehmen

Unternehmen stehen immer wieder vor der Frage, woher sie frisches Kapital bekommen, um Wachstum und Investitionen zu finanzieren. Doch die Fördermittellandschaft ist extrem heterogen, die Programme und Vorgehensweisen sind oft nicht bekannt. Im Folgenden stellen wir Ihnen deshalb 4 häufig genutzte Förderprogramme der KfW-Mittelstandsbank in Kurzform vor, die sich besonders für kleinere Unternehmen eignen. Darunter auch ein Programm, dass zur Senkung des Energiebedarfs beiträgt und somit gerade in der aktuellen Energiekrise sehr interessant ist.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Mann im Hemd übergibt einer Person eine Bank-Karte
Georgerudy/stock.adobe.com

Wesentliche Voraussetzungen zum Erhalt von Förderkrediten

Förderbanken wollen – genauso wie die Hausbank – genau über die wirtschaftliche Situation des Antragstellers Bescheid wissen. Es ist also erforderlich, für Förderkredite die gleichen Unterlagen bereitzustellen, die auch für die Beantragung eines Bankkredits nötig sind. Dazu gehören beispielsweise die Jahresabschlüsse der letzten 2-3 Jahre, eine aktuelle BWA sowie ggfs. auch Planungsunterlagen oder Dokumente, mit denen sich die Qualität des Managements belegen lässt.

Wichtig: Unternehmen können sich mit ihrem Antrag nicht direkt an die KfW (oder auch andere Anbieter) richten, sondern müssen i.d.R. vor Beginn eines Vorhabens die Hausbank einbinden (Hausbankprinzip).

Der Nachteil dabei: Die Hausbank hat oft wenig Interesse daran, einen Förderkredit zu nutzen, da sie selbst mit diesen Krediten wenig verdient. Die Praxis zeigt, dass interessierte Unternehmer daher hartnäckig bleiben und auf der Nutzung von Fördermitteln bestehen müssen. Denn deren Vorteile sind beachtlich: Zinsen von aktuell ab 1,27 % effektiv, lange Laufzeiten von 5-20 Jahren, 1-3 tilgungsfreie Jahre, was die Liquidität schont und vollständige Auszahlung. Außerdem müssen meist weniger Sicherheiten als bei Bankkrediten bereitgestellt werden.

Übersicht: Diese Förderprogramme bietet die KfW

Die Ausführungen zu den Förderkrediten dienen zur Orientierung und beschränken sich auf wesentliche Inhalte. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen getätigt. In jedem Fall ist vorab eine ausführliche Besprechung mit der Bank ratsam, um alle Unterlagen richtig und vollständig erstellen und evtl. Ausschlüsse vermeiden zu können.

Zusätzlich sollte man sich vor dem Gespräch die Detailbeschreibungen bei der KfW herunterladen und sie genau ansehen, um sich gut vorzubereiten (www.kfw.de, dann Programmnummer ins Suchfenster eingeben und auf das gesuchte Programm klicken).

Achtung

Anträge müssen in der Regel vor Beginn des Vorhabens bei der Hausbank gestellt werden.

Der ERP-Gründerkredit StartGeld

Zielgruppe des ERP-Gründerkredits StartGeld sind Gründer, Freiberufler und kleine Unternehmen, die nicht länger als 3 Jahre am Markt sind. Es werden Investitionen und Betriebsmittel finanziert, der maximale Förderbetrag pro Unternehmen beläuft sich auf 125.000 EUR (Betriebsmittel 50.000 EUR). Bei Gründungen im Team kann jeder Gründer bis zu 125.000 Euro beantragen.

Ausgeschlossen sind reine Finanzinvestitionen, Sanierungsfälle, Umschuldungen, Anschlussfinanzierungen und Anlagen zur Nutzung neuer Energien. Die Laufzeiten betragen 5 und 10 Jahre.

Getilgt wird monatlich, bei 1 bzw. 2 tilgungsfreien Jahren. Die KfW zahlt 100 % des Förderkredits aus und verlangt ab 3,40 % Zinsen (effektiv) für die gesamte Laufzeit. Es besteht die Möglichkeit, außerplanmäßig zu tilgen, wobei eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird.

Der Kredit ist für die Hausbank zu 80 % haftungsbefreit. Es ist kein Eigenkapital erforderlich. Eine Kombination mit anderen KfW-Krediten ist nicht möglich. Programmnummer: 067.

ERP-Förderkredite KMU und großer Mittelstand

Sowohl der KfW-Unternehmerkredit als auch der ERP-Gründerkredit - Universell können nicht mehr neu beantragt werden. Für bestehende Kredite ist es aber noch möglich, an Formulare und Informationen zu gelangen.

An Stelle der beiden Kredite ist der ERP-Förderkredit KMU getreten. Er richtet sich an Gründer, Nachfolger, Freiberufler und mittelständische Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten und höchstens 50 Mio. Euro Jahresumsatz oder 43 Mio. Euro Bilanzsumme (Unternehmen nach KMU Definition). Die Programmnummern sind 365 und 366.

Die Kredite werden im Kern für Investitionen und Betriebsmittel gewährt, außerdem für Gründungen, Unternehmensnachfolgen und Beteiligungen. Von der Förderung ausgeschlossen sind u. a. Unternehmen, die sich in Geschäftsfeldern bewegen, die unter Verbotsbestimmungen fallen oder Waffen produzieren (Ausschlussliste).

Der Förderbetrag für den Fremdkapitalanteil beläuft sich auf maximal 25 Mio. € pro Vorhaben. Kreditinstitute sind zu 50 % von der Haftung befreit. Für den nicht freigestellten Teil des Kredits sind bankübliche Sicherheiten zu stellen.

Bei der Laufzeit gibt es Varianten von 2 bis 20 Jahren. Die ersten 2 bis 3 Jahre sind tilgungsfrei. Die Tilgung erfolgt nach Ablauf der tilgungsfreien Jahre in gleich hohen Raten pro Quartal, bei zweijährigen Laufzeiten endfällig.

Vorzeitige Rückzahlungen sind gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich.

Der Zinssatz (effektiv) richtet sich nach der Bonität des Unternehmens, den Sicherheiten und der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt. Welche Sicherheiten gestellt werden sollen, muss mit der Hausbank vereinbart werden. Die Zinssätze beginnen derzeit bei 1,09 % (Konditionen-Anzeiger) effektiv für besonders geförderte Unternehmen mit bis 5 Jahre und Vorhaben in Regionalfördergebieten (Infoblatt Regionalfördergebiete).

Die Auszahlungen erfolgen zu 100 %.

Für größere Unternehmen kommt der Förderkredit großer Mittelstand in Betracht. Er hat die Programmnummern 375 / 376. Förderinhalte und Ausschlüsse sind mit dem KMU-Kredit vergleichbar. Die Konditionen liegen meist etwas über denen des ERP-Förderkredit KMU (Konditionen-Anzeiger).

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit haben KMU die Möglichkeit, die Digitalisierung von Produkten oder Prozessen zu realisieren. Auch Investitionsvorhaben, bei denen Produkte oder Leistungen neu entwickelt oder substanziell verbessert werden, werden gefördert.

Die Förderung kommt für etablierte Unternehmen mit einem Gruppenumsatz von nicht mehr als 500 Mio. EUR und Selbständige, die mindestens zwei Jahre am Markt aktiv sind, in Betracht. Kriterien für die Förderung sind u. a. die Entwicklung neuer oder substanziell verbesserter Produkte oder Verfahren sowie beim Innovationskredit z. B. ein Wachstum von mehr als 20 % in den letzten drei Jahren. Unternehmen in Schwierigkeiten sind von einer Förderung ausgeschlossen.

Die Förderung erfolgt in Form eines zinsgünstigen Darlehens für Vorhaben bis maximal 25 Mio. EUR. Die Zinssätze beginnen bei 1,37 %. Es werden 100 % des Kredites ausgezahlt; die Mindestlaufzeit beträgt 2 Jahre. Es ist eine vorzeitige Tilgung gegen Zahlung einer Entschädigung möglich. Programmnummern: 380, 390, 391.

Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft

Mit dem Programm werden Maßnahmen finanziert, die die Strom- und Wärmeeffizienz verbessern und so mittelfristig zur Senkung des Energieverbrauchs beitragen. Es gibt vier unterschiedliche Fördermodule:

  • Querschnittstechnologien (u. a. Elektromotoren, Antriebe, Pumpen),
  • Prozesswärme aus erneuerbaren Energien (u. a. Solarkollektoren, Wärmepumpen),
  • Mess- und Regelungstechnik (u. a. Energiemanagementsysteme) und
  • Energie- und Ressourcenbezogene Optimierung von Anlagen (u. a. Maßnahmen zur Abwärmenutzung, Bereitstellung von Prozesswärme).

Außerdem werden Konzepte zur Transformation zur Klimaneutralität unterstützt (Infoblatt Transformationskonzepte).

Es werden Vorhaben bis zu 25 Mio. Euro Kreditvolumen gefördert und es gibt je nach Modul einen Tilgungszuschuss von bis zu 55 %, sodass weniger zurückgezahlt werden muss (Infoblatt Prozesswärme). Anspruchsberechtigt sind sowohl private als auch kommunale Unternehmen, Freiberufler, Landwirte und gemeinnützige Antragsteller, wenn diese wirtschaftlich tätig sind. Voraussetzung ist, dass die Antragsteller einen Standort in Deutschland haben.

Es gibt Laufzeiten von 5 bis 20 Jahren und bis zu 3 tilgungsfreie Anlaufjahre. Die Zinsen beginnen derzeit bei 1,69 % (Konditionen-Anzeiger) und der Zinssatz ist für maximal 10 Jahre festgeschrieben. Eine Auszahlung erfolgt zu 100 Prozent und es sind außerplanmäßige Tilgungen gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich.

Wie bei den meisten anderen Programmen sind bestimmte Vorhaben von der Förderung ausgeschlossen, etwa die Finanzierung von Vorhaben zum Kohleabbau oder Atomenergie. Die vollständige Ausschlussliste findet sich hier: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Nachhaltigkeit/Ausschlussliste.pdf

Die Förderung steht unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht. Die Förderung in diesem Produkt schließt die Inanspruchnahme weiterer staatlicher Beihilfen für ein- und dieselbe Maßnahme aus. Programmnummer ist die 295.

Fazit

Fazit: Welches Programm eignet sich für wen?

Es gibt fast grenzenlose Möglichkeiten, an Fördermittel zu gelangen. Für kleine Betriebe ist es allerdings oft schwierig, sie ohne Hilfe von z. B. Beratern zu erhalten. Bei den vorgestellten KfW-Darlehen ist das anders. Diese können mit relativ geringem Aufwand und nur mithilfe der Hausbank selbst beantragt werden.

Der Kredit StartGeld ist vor allem für Existenzgründer und junge Unternehmen geeignet, die noch nicht lange am Markt aktiv sind. Für etablierte Firmen, die schon mehrere Jahre am Markt sind, sind die Förderkredite KMU und großer Mittelstand die richtige Wahl. Der ERP-Digitalisierungs- und Innnovationskredit ist für größere, ebenfalls innovative Firmen geeignet.

Mit diesem Spektrum sind die meisten typischen Situationen abgedeckt, in denen Fördergelder eingesetzt werden können. Nachteilig ist (je nach Kooperationsbereitschaft der Hausbank) zum einen das Hausbank-Prinzip, zum anderen, dass mit dem Vorhaben in der Regel erst begonnen werden darf, wenn die Mittel bewilligt wurden.

Wer Fördergelder für andere Zwecke als die genannten benötigt, sollte einen Blick auf den Fördermittelkompass des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werfen. Er informiert u. a. über Programme, Voraussetzungen, Konditionen und Teilnahmeberechtigte. Beispielsweise gibt es Programme, mit denen gezielt bestimmte Themen (z. B. Messen, Unternehmensberatungen, Klimaschutzinvestitionen) gefördert werden.

Unternehmen mit wenig Erfahrung sollten die KfW- oder BAFA-Kredite bevorzugen. Wer andere Programme sucht, sollte sich mittels eines auf Fördergelder spezialisierten Beraters informieren.