Diese KfW-Förderprogramme eignen sich für kleine Unternehmen

Unternehmen stehen immer wieder vor der Frage, woher sie frisches Kapital bekommen, um Wachstum und Investitionen zu finanzieren. Doch die Fördermittellandschaft ist extrem heterogen, die Programme und Vorgehensweisen sind oft nicht bekannt. Im Folgenden stellen wir Ihnen deshalb 4 häufig genutzte Förderprogramme der KfW-Mittelstandsbank in Kurzform vor, die sich besonders für kleinere Unternehmen eignen.

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Mann im Hemd übergibt einer Person eine Bank-Karte
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Wesentliche Voraussetzungen zum Erhalt von Förderkrediten

Förderbanken wollen – genauso wie die Hausbank – genau über die wirtschaftliche Situation des Antragstellers Bescheid wissen. Es ist also erforderlich, für Förderkredite die gleichen Unterlagen bereitzustellen, die auch für die Beantragung eines Bankkredits nötig sind. Dazu gehören beispielsweise die Jahresabschlüsse der letzten 2-3 Jahre, eine aktuelle BWA sowie ggfs. auch Planungsunterlagen oder Dokumente, mit denen sich die Qualität des Managements belegen lässt.

Wichtig: Unternehmen können sich mit ihrem Antrag nicht direkt an die KfW (oder auch andere Anbieter) richten, sondern müssen i.d.R. vor Beginn eines Vorhabens die Hausbank einbinden (Hausbankprinzip).

Der Nachteil dabei: Die Hausbank hat oft wenig Interesse daran, einen Förderkredit zu nutzen, da sie selbst mit diesen Krediten wenig verdient. Die Praxis zeigt, dass interessierte Unternehmer daher hartnäckig bleiben und auf der Nutzung von Fördermitteln bestehen müssen. Denn deren Vorteile sind beachtlich: Zinsen von aktuell ab 1,00 % effektiv, lange Laufzeiten von 5-20 Jahren, 1-3 tilgungsfreie Jahre, was die Liquidität schont und vollständige Auszahlung. Außerdem müssen meist weniger Sicherheiten als bei Bankkrediten bereitgestellt werden.

Übersicht: Diese Förderprogramme bietet die KfW

Die Ausführungen zu den Förderkrediten dienen zur Orientierung und beschränken sich auf wesentliche Inhalte. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen getätigt. In jedem Fall ist vorab eine ausführliche Besprechung mit der Bank ratsam, um alle Unterlagen richtig und vollständig erstellen und evtl. Ausschlüsse vermeiden zu können.

Zusätzlich sollte man sich vor dem Gespräch die Detailbeschreibungen bei der KfW herunterladen und sie genau ansehen, um sich gut vorzubereiten (www.kfw.de, dann Programmnummer ins Suchfenster eingeben und auf das gesuchte Programm klicken).

Achtung

Anträge müssen in der Regel VOR Beginn des Vorhabens bei der Hausbank gestellt werden.

Der ERP-Gründerkredit StartGeld

Zielgruppe des ERP-Gründerkredits StartGeld sind Gründer, Freiberufler und kleine Unternehmen, die nicht länger als 3 Jahre am Markt sind. Es werden Investitionen und Betriebsmittel finanziert, der maximale Förderbetrag pro Unternehmen beläuft sich auf 125.000 EUR (Betriebsmittel 50.000 EUR). Bei Gründungen im Team kann jeder Gründer bis zu 125.000 Euro beantragen.

Ausgeschlossen sind reine Finanzinvestitionen, Sanierungsfälle, Umschuldungen, Anschlussfinanzierungen und Anlagen zur Nutzung neuer Energien. Die Laufzeiten betragen 5 und 10 Jahre.

Getilgt wird monatlich, bei 1 bzw. 2 tilgungsfreien Jahren. Die KfW zahlt 100 % des Förderkredits aus und verlangt ab 2,35 % Zinsen (effektiv) für die gesamte Laufzeit. Es besteht die Möglichkeit, außerplanmäßig zu tilgen, wobei eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird.

Der Kredit ist für die Hausbank zu 80 % haftungsbefreit. Es ist kein Eigenkapital erforderlich. Eine Kombination mit anderen KfW-Krediten ist nicht möglich. Programmnummer: 067.

ERP-Gründerkredit Universell

Zielgruppe sind Freiberufler, kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht länger als 5 Jahre am Markt aktiv sind. Wie beim StartGeld werden Investitionen und Betriebsmittelkäufe gefördert; es gelten die gleichen Ausschlusskriterien. Pro Vorhaben werden bis zu 100 Mio. EUR gefördert. Der Kredithöchstbetrag ist begrenzt auf

  • 25 % des Jahresumsatzes 2019 oder
  • das Doppelte der Lohnkosten 2019 oder
  • den Liquiditätsbedarf für 18 Monate bei kleinen und mittleren Unternehmen bzw. 12 Monate bei großen Unternehmen oder
  • bei Krediten über 25 Mio. Euro: 50 % der Gesamtverschuldung oder 30 % der Bilanzsumme

Die Laufzeiten betragen 5, 10 und 20 Jahre. Es sind 1, 2 bzw. 3 Jahre tilgungsfrei, danach wird monatlich getilgt. Die Zinssätze beginnen derzeit bei 1,98 %; der Zinssatz ist für die ersten 10 Jahre festgeschrieben, danach gelten die dann üblichen Zinsen.

Die Auszahlung erfolgt zu 100 %, es sind außerplanmäßige Tilgungen gegen Entschädigung möglich. Zudem sind in Rücksprache mit der Bank übliche Sicherheiten zu stellen.

Eine Haftungsfreistellung für die Bank ist bei Investitionsfinanzierungen bis 50 % möglich. Eine Kombination mit anderen KfW-Krediten ist möglich (Ausnahme: StartGeld). Programmnummern: 073-076.

KfW-Unternehmerkredit

Zielgruppe des KfW-Unternehmerkredits sind Unternehmen, die mehr als 5 Jahre am Markt aktiv sind. Der Gruppenumsatz darf 500 Mio. EUR nicht überschreiten. Natürliche Personen werden nur gefördert, wenn sie Gewerbeimmobilien vermieten oder verpachten. Kredite werden u. a. für Investitionen, Betriebsmittel, Beteiligungserwerb, Messen, Beratungsleistungen und Warenlagerfinanzierung gewährt. Auch Auslandsvorhaben werden gefördert.

Im Kern gelten die gleichen Ausschlusskriterien wie bei den ERP-Gründerkrediten. Darüber hinaus werden Antragsteller ausgeschlossen, in deren Gesellschafterkreis mehrere Firmen vertreten sind, deren jeweiliger Umsatz die Höchstgrenze übersteigt und die zusammen mehr als 50 % am Antragsteller beteiligt sind.

Der Förderbetrag beträgt maximal 100 Mio. EUR je Vorhaben. Es gelten die gleichen Kriterien für die Höchstgrenzen wie bim Gründerkredit Universell. Es kann bis zu 100 % der beantragten Summe gefördert werden.

Es gibt Laufzeitenvarianten von 2-20 Jahren, bei denen bis zu 3 tilgungsfreie Jahre möglich sind. Die Tilgungen erfolgen pro Quartal. Die Zinsen richten sich nach der Bonität des Antragstellers und der Qualität der bereitgestellten Sicherheiten. Sie beginnen bei aktuell 1,00 % bzw. 2,02 % effektiv (Nr. 047, 037). Die Auszahlung erfolgt zu 100 %. Vorzeitige Rückzahlungen sind gegen Entschädigungszahlung möglich.

Eine Haftungsfreistellung der Hausbank kann bis zu 50 % erfolgen. Eine Kombination mit anderen KfW-Förderprogrammen ist bedingt möglich. Programmnummern: 037, 047.

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit haben KMU die Möglichkeit, die Digitalisierung von Produkten oder Prozessen zu realisieren. Auch Investitionsvorhaben, bei denen Produkte oder Leistungen neu entwickelt oder substanziell verbessert werden, werden gefördert.

Die Förderung kommt für etablierte Unternehmen mit einem Gruppenumsatz von nicht mehr als 500 Mio. EUR und Selbständige, die mindestens zwei Jahre am Markt aktiv sind, in Betracht. Kriterien für die Förderung sind u. a. die Entwicklung neuer oder substanziell verbesserter Produkte oder Verfahren sowie beim Innovationskredit z. B. ein Wachstum von mehr als 20 % in den letzten drei Jahren. Unternehmen in Schwierigkeiten sind von einer Förderung ausgeschlossen.

Die Förderung erfolgt in Form eines zinsgünstigen Darlehens für Vorhaben bis maximal 25 Mio. EUR. Die Zinssätze beginnen bei 1,62 %. Es werden 100 % des Kredites ausgezahlt; die Mindestlaufzeit beträgt 2 Jahre. Es ist eine vorzeitige Tilgung gegen Zahlung einer Entschädigung möglich. Programmnummern: 380, 390, 391.

Tipp: Die jeweils aktuellen Zinssätze der KfW für die einzelnen Programme finden Sie unter: https://www.kfw-formularsammlung.de/KonditionenanzeigerINet/KonditionenAnzeige

Fazit

Fazit: Welches Programm eignet sich für wen?

Es gibt fast grenzenlose Möglichkeiten, an Fördermittel zu gelangen. Für kleine Betriebe ist es allerdings oft schwierig, sie ohne Hilfe von z. B. Beratern zu erhalten. Bei den vorgestellten KfW-Darlehen ist das anders. Diese können mit relativ geringem Aufwand und nur mithilfe der Hausbank selbst beantragt werden.

Die Kredite StartGeld und Universell sind vor allem für Existenzgründer und junge Unternehmen geeignet, die noch nicht lange am Markt aktiv sind. Für etablierte Firmen, die schon mehrere Jahre am Markt sind, ist der Unternehmerkredit die richtige Wahl. Der ERP-Digitalisierungs- und Innnovationskredit ist für größere, ebenfalls innovative Firmen geeignet.

Mit diesem Spektrum sind die meisten typischen Situationen abgedeckt, in denen Fördergelder eingesetzt werden können. Nachteilig ist (je nach Kooperationsbereitschaft der Hausbank) zum einen das Hausbank-Prinzip, zum anderen, dass mit dem Vorhaben in der Regel erst begonnen werden darf, wenn die Mittel bewilligt wurden.

Wer Fördergelder für andere Zwecke als die genannten benötigt, sollte einen Blick auf den Fördermittelkompass des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werfen. Er informiert u. a. über Programme, Voraussetzungen, Konditionen und Teilnahmeberechtigte. Beispielsweise gibt es Programme, mit denen gezielt bestimmte Themen (z. B. Messen, Unternehmensberatungen, Klimaschutzinvestitionen) gefördert werden.

Unternehmen mit wenig Erfahrung sollten die KfW- oder BAFA-Kredite bevorzugen. Wer andere Programme sucht, sollte sich mittels eines auf Fördergelder spezialisierten Beraters informieren.