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Inkongruente Gewinnausschüttung: Mehr Gestaltungsspielraum für Gesellschafter

Neue Vorgaben für inkongruente Gewinnausschüttungen
Von Lothar Volkelt
Aktualisiert am: 19.07.2017

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass sich Gesellschafter einer GmbH auf Gewinnausschüttungen verständigen, die von ihren Beteiligungsverhältnissen abweichen. Bisher wurden diese sog. inkongruenten Gewinnausschüttungen allerdings nur ausnahmsweise vom Finanzamt steuerlich anerkannt. Jetzt haben die Finanzbehörden diese strenge Haltung aufgegeben. Es eröffnen sich dadurch neue steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Inkongruente Gewinnausschüttung: Grundlagen


Eine inkongruente Gewinnausschüttung liegt vor, wenn sich die Gesellschafter einer GmbH auf eine von den Beteiligungsverhältnissen abweichende Gewinnausschüttung einigen.

Beispiel aus der Praxis: Der zu 70 % an der GmbH beteiligte Gesellschafter erhält nur 50 % des Gewinns. Die übrigen 50 % werden an den Minderheitsgesellschafter ausgeschüttet.

Nach bisheriger Finanzamtspraxis wurde eine solche inkongruente Gewinnausschüttung nur dann steuerlich nachvollzogen, wenn es gewichtige wirtschaftliche Erklärungen für diese Ungleichverteilung gab (BMF-Schreiben vom 7.12.2000,IV A 2 – S 2810 – 4/00). Als Gründe für die von der Beteiligungsquote abweichende (=inkongruente) Gewinnausschüttung wurden danach akzeptiert:

  • die entgeltfreie Nutzungsüberlassung eines Grundstücks oder
  • die unentgeltlicheTätigkeit als Geschäftsführer.

Neue Vorgaben für inkongruente Gewinnausschüttungen

Jetzt haben die Finanzbehörden diese strenge Haltung zur inkongruenten Gewinnausschüttung aufgegeben und geben damit Spielraum für mehr Gestaltungen (BMF-Schreiben vom 17.12.2013, IC C 2 – S 2750 –a/11/10001). Danach wird eine von den Beteiligungsverhältnissen abweichende (=inkongruente) Gewinnausschüttung akzeptiert, wenn

  • im Gesellschaftsvertrag der GmbH die abweichende Gewinnverteilung vereinbart ist
  • die Gesellschafter auf der Grundlage einer Vereinbarung im Gesellschaftsvertrag jährlich über die abweichende Gewinnverteilung beschließen können (Mehrheitsvotum).

Das wird auch der Maßstab für alle in der Sache offenen Veranlagungen sein. Wenn eine Regelung im Gesellschaftsvertrag existiert oder wenn es schlüssige Gründe (siehe oben) für die Abweichung gibt, werden die Finanzämter die verdeckte Gewinnausschüttung verdeckte Einlage nicht durchsetzen.

Wichtig ist, dass die Gewinne nicht systematisch dorthin verlagert werden, wo die niedrigste Besteuerung stattfindet. Denn dann werden die Finanzbehörden weiterhin auf Gestaltungsmissbrauch (§ 42 AO) erkennen. Im BMF-Schreiben heißt es:  "Ein Indiz für eine unangemessene Gestaltung kann sein, wenn die Gewinnverteilungsabrede nur kurzzeitig gilt oder wiederholt geändert wird."

Praxis-Tipp: Mit diesen neuen Vorgaben zur inkongruenten Gewinnausschüttung haben Sie bessere Möglichkeiten, z. B. im Rahmen einer Nachfolgeregelung dem Junior zunächst eine höhere Beteiligung einzuräumen, sich selbst aber noch einen größeren Gewinnanteil zu sichern, ohne dass die Finanzbehörden die Gewinnumverteilung als verdeckte Gewinnausschüttung monieren.


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