Steuerliche Aspekte der Altersvorsorge

Versorgungslücken im Alter verhindern
Aktualisiert am: 10.06.2016

Wer sich selbstständig macht, sollte neben vielen anderen Entscheidungen auch bedenken, wie er sich und seine Familie für den Fall einer Erwerbsminderung, für die Zeit nach dem Berufsleben oder für den Todesfall finanziell absichert. Wer seinen Lebensstandard im Alter halten und Versorgungslücken verhindern will, muss rechtzeitig aktiv werden. Die Versorgungslücke wird oft unterschätzt, zumal die Inflation hier eine wichtige Rolle spielt.

Die Säulen der Altersvorsorge

Das Alterseinkünftegesetz von 2005 hat die gesetzliche und private Altersvorsorge völlig neu geregelt. Seither ist eine detaillierte Planung der Altersvorsorge auch unter steuerlichen Gesichtspunkten ein strategisches Muss. Mit einem großzügigen Alterssalär aus der gesetzlichen Rentenkasse können Selbstständige, wenn sie denn überhaupt gesetzlich versichert sind, schon lange nicht mehr rechnen.

Als Unternehmer oder Freiberufler, der seine Alterssicherung eigenverantwortlich langfristig plant, sollten Sie folgende Bereiche analysieren:

  • Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse und persönliche Lebensplanung
  • Betriebliche und private Vermögensbilanz
  • Erbplanung
  • Rechtliche Verhältnisse beim vermögensaufbau im Unternehmen und Privatbereich
  • Betriebliche Steuerlast
  • Private Gestaltung der Steuerlast und Risikovorsorge.

Ihre sich aus dieser Analyse ergebende Altersvorsorge ruht auf den Säulen:

  • Gesetzliche Rente
  • Private Vorsorge
  • Staatlich geförderte Vorsorge

Die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) als Basis der Altersvorsorge

Ihre gesetzliche Rente wird von den nachfolgenden Generationen finanziert. Infolge rückläufiger Geburtenrate, steigender Lebenserwartung und besserer medizinischer Versorgung führt sie bei ständig steigenden Ausgaben zu immer geringeren Einnahmen. Sind Sie gesetzlich pflichtversichert oder freiwillig versichert? In bestimmten Berufen sind Gewerbetreibende und Freiberufler gesetzlich pflichtversichert. Dazu zählen neben Handwerkern vor allem Künstler und Publizisten, Hebammen und freiberufliche Lehrer. Alle anderen Selbstständigen können der Rentenversicherung auf Antrag beitreten. Existenzgründer müssen ihre Anmeldung spätestens 3 Monate nach Beginn der selbstständigen Tätigkeit vollziehen.

Wer nur in geringem Umfang selbständig ist, gilt in der GRV als versicherungsfrei, kann aber freiwillig in der Rentenversicherung bleiben. Auch wenn Sie als Selbstständiger nicht der GRV angehören, können Sie innerhalb von 5 Jahren nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit die Versicherungspflicht beantragen.

Achtung: Haben Sie sich für die Antragspflichtversicherung entschieden, können Sie diese nicht wieder kündigen. Sie bleibt solange bestehen, wie Sie selbstständig sind. Auch wenn Sie freiwilliges Mitglied der GRV sind, richtet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen. Es gibt einen Mindestbeitrag und einen maximal zu zahlenden Beitrag. Einsteiger in die Selbstständigkeit müssen in den ersten 3 Jahren nur den halben Regelbeitrag bezahlen.

Staatlich geförderte Zusatzversicherung

Hier sind vor allem die Riester- und die Rürup-Rente zu nennen.

Riester-Rente

Sie stellt eine private Altersvorsorge auf freiwilliger Basis dar, die vom Staat mit Zuschüssen gefördert wird. Das Anlageprodukt kann eine private Rentenversicherung, ein Fonds- oder ein Banksparplan sein. Außer staatlichen Zulagen erhalten Sie Steuerfreibeträge (zusätzlicher Sonderausgabenabzug). Anspruch haben Sie als Selbstständiger allerdings nur dann, wenn Sie in der GRV pflichtversichert sind. Nutznießer der Riester-Förderung sind vor allem Familien mit mehreren Kindern und nicht versicherungspflichtige Lebenspartner. Häufig wird kritisiert, dass der Abschluss einer Riester-Rente zum Teil mit hohen Kosten verbunden ist, die für die Kunden nicht immer transparent sind und unter Umständen einen Teil der Erträge wieder auffressen.

Rürup-Rente

Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende in der Regel die staatliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge nicht und die Vorteile der Riester-Rente nur bei GRV-Pflichtversicherung nutzen können. Die Rürup-Rente ist für diese Gruppe gerade auch unter steuerlichen Aspekten interessant, da die Beiträge abzugsfähig sind. Im Unterschied zur klassischen privaten Rentenversicherung bietet die Rürup-Rente kein Kapitalwahlrecht. Die Altersrente ist steuerpflichtig wie die GRV und darf nicht vor dem 60. Lebensjahr beginnen. Die Rürup-Rente ist eine Leibrente und wird wie die gesetzliche Rente monatlich lebenslang ausgezahlt. Interessant ist sie insbesondere dann, wenn noch steuerliche Abzugsmöglichkeiten offenstehen. Als Vorsorge für die Familie ist sie nur bedingt geeignet.

Zusätzliche private Altersvorsorge

Wer privat fürs Alter vorsorgen will, hat es schwer: Die Zinsen sind niedrig, und die Inflation frisst die Renditen. In Betracht kommen hier u. a. Kapitallebensversicherung, Immobilienkauf oder sonstige langfristige Kapitalanlagen. Bei der privaten Rentenversicherung wird eine Leibrente vereinbart, die dem Versicherten monatlich, oder viertel-, halb- oder ganzjährig bis zu seinem Tod ausgezahlt wird. Sie kann ein idealer Baustein in der persönlichen Altersvorsorge sein, weil sie ein weitgehend steuerfreies Zusatzeinkommen sichert. Im Bereich der Altersvorsorge gewinnt sie immer mehr an Bedeutung, da sich mit ihrer Hilfe die Versorgungslücke der gesetzlichen Rente vermindern oder schließen lässt.

Um Hinterbliebene zum Teil abzusichern, sehen die Rententarife wahlweise die Vereinbarung einer Rentengarantiezeit oder einer Beitragsrückgewähr in der Rentenbezugsphase vor. Die kapitalbildende Lebensversicherung ist eine Versicherung auf den Todes- und Erlebensfall. Ihr Ziel ist neben der Hinterbliebenenversorgung die Kapitalbildung zu einem bestimmten Zeitpunkt (z. B. Aufgabe der Selbstständigkeit). Bei Rentenbeginn mit 65 Jahren bleiben über 80 % der Rente steuerfrei. Kapitalauszahlung ist zu 100 % möglich, gegen Mehrbeitrag auch die Hinterbliebenenrente.

Fazit:  Angesichts der Euro-Krise und den aktuell niedrigen Zinsen ist es zweifelhaft, ob Riester-Rente, Immobilie, Lebensversicherung oder Aktienfonds tatsächlich genug übrig lassen, um die Versorgungslücke zu schließen. Nichts desto weniger ist eine private Vorsorge bzw. Zusatzvorsorge unumgänglich. Generell ist es ratsam, sich bei allen Vorsorgemaßnahmen individuell beraten zu lassen. Jedes Vorsorgeprodukt hat nämlich Vor- und Nachteile, besonders auf dem steuerlichen Gebiet. Welche Anlageform für Sie die beste ist, besprechen Sie am besten mit einem versierten Vorsorgeberater. Kundenbewertungen von Finanzberatern finden Sie z. B. bei Whofinance.

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