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Der Lagebericht: So nutzen Sie ihn als Marketinginstrument

Lagebericht: Erstellung und Nutzung
Von Reinhard Bleiber
Aktualisiert am: 12.08.2015

Das Vertrauen in das Potenzial des Unternehmens wird aus vielen Informationen gespeist, die sich die Geschäftspartner aus verschiedensten Quellen beschaffen. Eine Informationsquelle ist der Lagebericht der GmbH, der Teil des Jahresabschlusses ist.

Was ist der Lagerbericht?

Mittelgroße und große GmbHs müssen neben dem Jahresabschluss binnen 3 Monaten nach dem Geschäftsjahresende einen Lagebericht erstellen. Auch dieser ist prüfungspflichtig. Kleinst- und kleine GmbHs bzw. GmbH & Co. KGs sind von der Pflicht zur Aufstellung eines Lageberichts befreit. Im Lagebericht sind der Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis und die Lage der GmbH so darzustellen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der GmbH vermittelt wird.

Das HGB schreibt nicht vor, wie der Lagebericht formell zu gestalten ist. Richtig eingesetzt, ist der Lagebericht ein erfolgreiches Marketinginstrument. Er muss jedoch neben den verschiedenen Interessen der unterschiedlichen Lesergruppen auch rechtlichen Vorgaben genügen.

Die 5 häufigsten Fallen beim Lagerbericht

1. Falle: Der Lagebericht ist zu kurz
Der Inhalt des Lageberichts ist durch Gesetze und Gerichtsurteile thematisch festgelegt. Viele GmbH-Geschäftsführer entledigen sich der Pflicht zur Erstellung des Berichts, indem sie nur kurz zum Notwendigsten Stellung nehmen. Der Leser des Lageberichts muss viele Zahlen und Aussagen selbst interpretieren und kommt deshalb oft zu falschen Schlüssen.

2. Falle: Der Lagebericht ist zu ausführlich
Zu kurz ist nicht gut, zu lang aber auch nicht. Nicht jede Zahl aus der Gewinn- und Verlustrechnung oder aus der Bilanz muss wiederholt werden. Nicht jede kleine Entwicklung ist zu kommentieren. Zu detaillierte Ausführungen langweilen den Leser schnell. Auch können sie ungewollt Tipps und Erklärungen für die Konkurrenz liefern. Der Autor sollte sich auf die Inhalte beschränken, welche die Adressaten des Lageberichts für ihre Entscheidungen benötigen.

3. Falle: Der Lagebericht weist keine Konstanz zum Vorjahr auf
Wichtige Entwicklungen verändern sich von Jahr zu Jahr nur selten und wenn, dann langsam. Darum sollte in aufeinander folgenden Jahresberichten auch die gleichen Schwerpunkte gesetzt werden. Zumindest widerspricht sich der GmbH-Geschäftsführer in der Beurteilung von Parametern, die die Situation der GmbH bestimmen, dann nicht. Neue Entwicklungen bei bekannten Parametern müssen aber aufgegriffen werden.

4. Falle: "Niemand liest den Lagebericht"
Nur weil der Geschäftsführer in der Praxis selten einen Lagebericht liest, bedeutet das nicht, dass auch der eigene Bericht keine Leser findet. Zumindest 2 Personen werden den Bericht lesen: Der Wirtschaftsprüfer und den Banker. Darüber hinaus wird die Zielgruppe der Leser immer größer. Gerade in kritischen Zeiten wollen auch Lieferanten, Kreditversicherer oder Mitarbeiter weitergehende Informationen über den Kunden, das Kreditrisiko oder den Arbeitgeber. Die Leser beurteilen nicht nur die dargestellte Situation der Gesellschaft, sondern auch die Fähigkeit des Geschäftsführers, den Lagebericht bestmöglich zu gestalten.

5. Falle: Der Lagebericht ist eine Laudatio auf den Geschäftsführer
Der Lagebericht hat die Aufgabe, die Situation der Gesellschaft möglichst realistisch darzustellen, indem er die vergangenen Entwicklungen erklärt, die Zahlen erläutert und einen Ausblick auf die Zukunft gibt. In der Praxis wird der Lagebericht oft missbraucht, um nur die Leistung des Geschäftsführers herauszustellen. Für die Leser ist der Höchsteinsatz des Unternehmensleiters selbstverständlich, dessen Leistung kann er in der Regel selbst beurteilen. Solche Lageberichte haben negative Auswirkungen auf den Leser.

Formulierungs-Beispiele für den Lagebericht

Die richtige Formulierung einzelner Passagen aus dem Lagebericht ist individuell auf die Gesellschaft, auf den Geschäftsführer und auf die hauptsächlichen Adressaten abzustimmen.

Praxis-Tipp: Holen Sie sich Anregungen! Besorgen Sie sich die Lageberichte anderer Gesellschaften aus Ihrer Branche, entweder aus den Geschäftsberichten von Aktiengesellschaften oder aus dem elektronischen Bundesanzeiger (www.ebundesanzeiger.de). Nehmen Sie dort vorhandene gute Formulierungen und versuchen Sie, diese auf Ihre Gesellschaft anzupassen, wenn die gleiche Situation vorliegt.

An dieser Stelle nur einige Beispiel aus der Praxis, die trotz des Konfliktes zumindest in leisen Tönen auch Werbung machen für die Gesellschaft und den Geschäftsführer:

Beispiel 1: Es gibt keine Gewinnausschüttung:

"Der Jahresüberschuss wurde laut Beschluss der Gesellschafterversammlung nicht ausgeschüttet, sondern in die Rücklagen übernommen. Dadurch verbessert sich die Eigenkapitalsituation weiter. Das hat bei den Banken zu einer Verbesserung des Ratings geführt, woraus auf eine sichere Versorgung mit Krediten geschlossen wird."

Beispiel 2: Der Gesellschafter gewährt ein Gesellschafterdarlehen: 

"Um in der Krise die Finanzsituation der Gesellschaft zu verbessern, wurden Gesellschafterdarlehen in Höhe von 1 Mio. Euro gewährt. Dies hat die Versorgung mit Fremdkapital deutlich entspannt."

Beispiel 3: Es mussten Preissteigerungen im Markt durchgesetzt werden

"Die gestiegenen Rohstoffkosten machten im abgelaufenen Jahr eine moderate Preiserhöhung notwendig. Trotz der Krise konnte diese bei den Kunden durchgesetzt werden, da die gesamte Branche von der Kostenerhöhung betroffen ist."

Beispiel 4: Es wurden Lagerbestandserhöhung für Rohstoffe vorgenommen

"Die Bestände für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe haben sich um 500 T EUR erhöht. Dafür gibt es 2 Gründe. Zum einen haben sich die Preise der wichtigsten Rohstoffe für die gesamte Branche erhöht. Bei gleicher Menge ergibt sich ein höherer Wert. Zum anderen wurde aufgrund der erwarteten Preissteigerungen ein Vorrat angelegt, der größer ist als für das laufende Geschäft notwendig. Dadurch konnte ein erheblicher Preisvorteil erzielt werden."

Beispiel 5: Es erfolgte ein Lagerbestandsabbau für Fertigwaren 

"Durch die neuen flexiblen Bearbeitungszentren sind die Fertigungszeiten für den Produktbereich Werkzeuge erheblich gesunken. Es war möglich, den Bestand an Fertigwaren erheblich zu reduzieren, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden."


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