Im Visier des Fiskus: Risikodarlehen an nahestehende Personen

Keine automatische VGA  von abgeschriebener Darlehensforderung bei Risikodarlehen an eine dem Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehende Person
Aktualisiert am: 14.08.2015

Gewährt die GmbH einer dem Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehenden Person ein Darlehen und das Darlehen wird nicht zu 100% besichert, steht für das Finanzamt bei Ausfall des Darlehens fest, dass die Abschreibung der Darlehensforderung eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellt. Doch dieser Automatismus wurde nun durch ein Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg nun ausgehebelt.

Interessanter Urteilsfall als Argumentationshilfe

Dass das Finanzamt beim Ausfall eines Darlehens bei Darlehensvergabe an eine dem Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehende Person nicht automatisch von einer verdeckten Gewinnausschüttung ausgehen kann, wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt wurden, hat das Finanzgericht Baden-Württemberg bestätigt (Urteil v. 9.9.2014, Az. 6 K 3313/12).

In dem Urteilsfall lieh eine GmbH dem Schwager des Gesellschafter-Geschäftsführers für eine Firmengründung 40.000 Euro. Es wurde ein Darlehensvertrag unterzeichnet, Sicherheiten (Sicherungsübereignung Pkw, Lebensversicherung) vereinbart und zudem wurde der Zinssatz erhöht, weil der Schwager nicht für das gesamte Darlehen Sicherheiten zu bieten hatte. Der Schwager zahlte, wie im Darlehensvertrag vereinbart, zunächst für knapp zwei Jahre Zins und Tilgung. Dann wurde sein Unternehmen jedoch insolvent und die Ratenzahlungen blieben aus. Folge: Die GmbH verwertete die Sicherheiten. Übrig blieb ein Restdarlehensbetrag von rund 18.000 Euro, den die GmbH gewinnmindernd abgeschrieben hat.

Das Finanzamt setzte in Höhe dieser 18.000 Euro eine verdeckte Gewinnausschüttung an, was bei der GmbH zu einer Einkommenserhöhung von 18.000 Euro führte und beim GmbH-Gesellschafter zu versteuernden Kapitalerträgen in Höhe  von 18.000 Euro. Doch die Richter des Finanzgerichts Baden-Württemberg pfiffen das Finanzamt zurück. Da die GmbH alles erdenklich dafür getan hat, dass die Darlehensgewährung fremdüblichen Kriterien entsprach, kann nicht unterstellt werden, dass die Darlehenshingabe und damit auch der Darlehensausfall rein aus gesellschaftsrechtlichen Gründen erfolgte. Mit anderen Worten: Für eine verdeckte Gewinnausschüttung ist kein Raum.

Praxis-Tipp: Sollte der Sachbearbeiter oder der Prüfer des Finanzamts in einem vergleichbaren Fall den Darlehensausfall als verdeckte Gewinnausschüttung behandeln, sollten Sie Einspruch einlegen und dezent auf das kürzlich erst veröffentlichte Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg hinweisen.

Das sollten Sie bei Darlehen beachten

Leiht die GmbH einer dem GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehenden Person Geld, sollten einige Steuerspielregeln eingehalten werden, damit das Finanzamt bei Ausfall des Darlehens nicht automatisch eine verdeckte Gewinnausschüttung unterstellen kann. Folgende Voraussetzungen sollten eingehalten werden:

  • Es sollte ein Standard-Darlehensvertrag mit der nahestehenden Person abgeschlossen werden.
  • Standard bedeutet: klare Vereinbarungen zu Zins- und Tilgung sowie eine angemessene Verzinsung.
  • Bei Darlehensvergabe sollten Sicherheiten verlangt werden, so wie es auch bei Darlehensvergabe an einen Fremden verlangt worden wäre.
  • Hat der dem Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehende Darlehensnehmer nicht ausreichend Sicherheiten, muss ein höherer Zinssatz vereinbart werden.

Praxis-Tipp: Um das Finanzamt davon zu überzeugen, dass ein Darlehen mit einer dem Gesellschafter-Geschäftsführer nahestehenden Person fremdüblich war, empfiehlt es sich, dass der Darlehensnehmer sich vor der Darlehensvergabe durch die GmbH Angebote von der Bank einholt. Werden dieselben Konditionen zwischen GmbH und Darlehensnehmer vereinbart, kann das Finanzamt bei Darlehensausfall nicht mehr ohne weiteres davon ausgehen, dass eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt.

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