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Wann kommt es zur Außenhaftung eines GmbH-Gesellschafters?

So begegnen Sie dem persönlichen Haftungsrisiko als GmbH-Geschäftsführer
Von Dr. Rocco Jula
Aktualisiert am: 11.08.2015

Für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet lediglich das Gesellschaftsvermögen. Bei diesem Grundsatz muss es bleiben, da sich der Gesetzgeber ausdrücklich dafür entschieden hat, eine Rechtsform zur Verfügung zu stellen, bei der gerade keine persönliche Haftung der Anteilseigner besteht. Die Fälle der Durchgriffshaftung sind daher auf Ausnahmesituationen beschränkt.

Durchgriffshaftung ist für Ausnahmefälle beschränkt

Die Durchgriffshaftung kommt in diesen Ausnahmesituationen in Betracht:

  • Rechtsform- und Institutsmissbrauch: Eine Fallgruppe, bei der eine Durchgriffshaftung auf die Gesellschafter besteht, ist die des Rechtsform- und Institutsmissbrauchs. Hier können die Gläubiger sich direkt an die Gesellschafter wenden. Bei dieser Fallgruppe geht es um Situationen, bei denen die GmbH missbräuchlich vorgeschoben wird, um die Gläubiger zu schädigen. Es handelt sich i.d.R. um eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung der Gläubiger durch das Dazwischenschalten einer nicht ausreichend mit.
  • Fallgruppe der Vermögensvermischung: Eine zweite Fallgruppe, bei der eine Durchgriffshaftung diskutiert wird, ist jene der Vermögensvermischung. Der Gesellschafter hat die Vermögenssphäre der Gesellschaft zu respektieren und muss dafür sorgen, dass Privat- und Gesellschaftsvermögen nicht miteinander vermischt werden. Lässt sich also nicht mehr feststellen, welche Gegenstände dem Gesellschafter selbst und welche der GmbH gehören, kann dies dazu führen, dass die Gläubiger der GmbH direkt beim Gesellschafter Durchgriff nehmen können. Vorausgesetzt wird, dass eine Vermögensabgrenzung zwischen dem Gesellschafts- und Privatvermögen durch eine nicht vorhandene oder undurchsichtige Buchführung oder auf andere Weise allgemein verschleiert wird. Dadurch können insbesondere die Kapitalerhaltungsvorschriften nicht eingreifen, weshalb ein Gläubigerschutz nicht mehr gewährleistet ist.Achtung: Der BGH nimmt im Grundsatz an, dass lediglich Mehrheits- und Alleingesellschafter, nicht jedoch Minderheitsgesellschafter eine solche Haftung treffen kann, da nur Erstere es in der Hand haben, die Vermögenssphären sorgfältig voneinander abzugrenzen.
  • Unterkapitalisierung: Als weitere Fallgruppe der Durchgriffshaftung wird die Unterkapitalisierung diskutiert. Eine Anerkennung durch die Rechtsprechung steht allerdings noch aus. Im Kern geht es darum, dass das Stammkapital im Verhältnis zum beabsichtigten Gesellschaftszweck zu niedrig dotiert ist. Wer z.B. eine Fluggesellschaft betreiben muss, dürfte mit einem Stammkapital von 25.000 EUR nicht auskommen. Nimmt er dieses Vorhaben dennoch mit einem derart geringen Stammkapital in Angriff, könnte man ihm vorwerfen, er habe eine unterkapitalisierte Gesellschaft gegründet, was für sich genommen bereits eine Durchgriffshaftung rechtfertigen würde. Die Rechtsprechung ist jedoch diesen Vorschlägen bisher nicht gefolgt. Vielmehr nimmt sie an, dass die Gesellschafter im Rahmen ihrer Finanzierungsfreiheit selbst entscheiden dürfen, ob sie die Gesellschaft mit Stammkapital, sonstigem Eigenkapital oder auch mit Fremdkapital, etwa durch die Bereitstellung von Gesellschafterdarlehen, finanzieren.

Lesen Sie zur Haftung des Geschäftsführers folgenden Beitrag:

>> Geschäftsführer-Haftung: 10 goldene Regeln

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