Änderungen bei Sozialversicherung und Lohnsteuer: Das kommt 2022 auf Sie zu

Sachbezugswerte, Beitragsbemessungsgrenzen, Mindestlohn: Zum Jahreswechsel 2022 ändert sich im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbereich wieder einiges. Mit den Neuregelungen sollten Sie sich rechtzeitig vertraut machen, um in Sachen Personalkosten keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Wir haben die wichtigsten Änderungen im Bereich Lohnsteuer und Sozialversicherung 2022 für Sie zusammengefasst.

Lohnsteuer und Sozialversicherung 2022
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Eine Beitragsbemessungsgrenze steigt zum 1.1.2022, eine sinkt

Die Beitragsbemessungsgrenzen sind Einkommensobergrenzen. Bis zu diesen Grenzen müssen Arbeitgebende das Bruttoarbeitsentgelt ihrer Mitarbeiter:innen in den einzelnen Versicherungszweigen zur Berechnung der Beiträge heranziehen. Auch für ihre eigenen Bezüge gelten die Beitragsbemessungsgrenzen. Der Teil des Entgelts, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, ist nicht mehr beitragspflichtig.

Krankenversicherung und Pflegeversicherung haben im gesamten Bundesgebiet eine einheitliche Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Sie entspricht der besonderen Jahresarbeitsentgeltgrenze. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung unterscheidet sich in den alten und den neuen Bundesländern.

Zum 1.1.2022 ändern sich folgende Beitragsbemessungsgrenzen:

  • die Beitragsbemessungsgrenze West in der Renten- und Arbeitslosenversicherung sinkt
  • die Beitragsbemessungsgrenze Ost in der Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt

Die einheitliche Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung steigt nicht. Die Grenze für 2022 entspricht damit der für 2021.

Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung 2022

Rechengrößen für 2022 (Werte für 2021 in Klammer)

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Versicherungszweig und Zeitraum
Versicherungszweig und Zeitraum West Ost
Kranken- und Pflegeversicherung, jährl. 58.050 € (58.050 €) 58.050 € (58.050 €)
Kranken- und Pflegeversicherung, monatl. 4.837,50 € (4.837,50 €) 4.837,50 € (4.837,50 €)
Renten- und Arbeitslosenversicherung, jährl. 84.600 € (85.200 €) 81.000 € (80.400 €)
Renten- und Arbeitslosenversicherung, monatl. 7.050 € (7.100 €) 6.750 € (6.700 €)

Beispiel: Hier steigen die Sozialversicherungsbeiträge 2022

Einer Ihrer Mitarbeiter (neue Bundesländer) hat im Jahr 2021 monatlich 7.000 € brutto verdient, im Jahr 2022 wird er dasselbe erhalten. Die Beitragsbelastung für Sie und den Beschäftigten steigt 2022 etwas an, denn:

  • Die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung haben Sie im Jahr 2021 aus einem Entgelt von maximal 4.837,50 € (BBG 2021) berechnet. Dabei bleibt es auch im Jahr 2022.
  • Die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge in der Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung haben Sie im Jahr 2021 aus monatlich 6.700 € (BBG 2021) berechnet. Im Jahr 2022 berechnen Sie die Beiträge aus einem Entgelt von 6.750 €.

Achtung

Die Nichtbeachtung der ansteigenden Beitragsbemessungsgrenzen kann teuer werden

Übersehen Arbeitgebende das Ansteigen der Beitragsbemessungsgrenzen bzw. wird das entsprechende Update nicht rechtzeitig eingespielt, werden für Besserverdienende zu geringe oder zu hohe Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge abgeführt. Spätestens nach der nächsten Betriebsprüfung kann es deshalb zu Nachzahlungen kommen.

Nur eine Bezugsgröße wird angehoben

Die Bezugsgrößen sind beispielsweise für bestimmte Auszubildende (Praktikant:innen) notwendig, die kein Arbeitsentgelt erhalten. Diese Beschäftigten sind auch ohne Bezug von Arbeitsentgelt in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungspflichtig.

Die Beiträge zur Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung errechnen sich aus einer Mindestbeitragsbemessungsgrundlage, die ein Prozent der aktuellen Bezugsgröße beträgt. Kommendes Jahr steigt nur die Bezugsgröße Ost in der Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung.

Bezugsgrößen für 2022 (Werte für 2021 in Klammer)

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Versicherung
Versicherung Zeitraum Ost West
Krankenversicherung/Pflegeversicherung jährlich 39.480 € (39.480€) 39.480 € (39.480€)
monatlich 3.290 € (3.290 €) 3.290 € (3.290 €)
Rentenversicherung/ Arbeitslosenversicherung jährlich 37.800 € (37.380€) 39.480 € (39.480€)
monatlich 3.150 € (3.115 €) 3.290 € (3.290 €)

Der Zusatzbeitrag in der Pflegeversicherung wird angehoben

Nach dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz – GVWG) steigt der Beitragszuschlag für Kinderlose ab dem 1.1.2022 von 0,25 % auf 0,35 %. Der § 55 III Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI) wird entsprechend geändert. Auf Arbeitgebende kommen damit keine höheren Ausgaben zu – aber auf die Beschäftigten.

Der Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung beträgt im Jahr 2021 insgesamt 3,05 %. Davon zahlen Arbeitgebende und Arbeitnehmer:innen je 1,525 %. Daran wird sich voraussichtlich auch im Jahr 2022 nichts ändern.

Für Beschäftigte, die

  • über 23 Jahre alt und Geburtsjahrgang 1940 oder jünger sind und
  • keine Kinder haben,

kommt außerdem ein Zuschlag zur Pflegeversicherung in Höhe von 0,25 % (noch bis 31.12.2021) hinzu, der zum 1.1.2022 auf 0,35 % steigt. Der Beitragsanteil inklusive Zuschlag steigt für kinderlose Beschäftigte damit auf 1,875 %.

Achtung

In Sachsen zahlen Arbeitnehmer:innen einen höheren Anteil

Arbeitnehmer:innen zahlen in Sachsen einen höheren Anteil zur Pflegeversicherung als Arbeitgebende. Der Grund: Alle Bundesländer sollten seinerzeit zur Kompensation der Belastung der Arbeitgebenden auf einen Feiertag (nach Wahl) verzichten, der immer auf einen Wochentag fällt. Dies haben alle Bundesländer außer Sachsen getan. Der höhere Beitrag für Beschäftigte gleicht also den Feiertag aus.

Beitragssätze zur Pflegeversicherung 2022

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Zuschlag bei Kinderlosigkeit Arbeitnehmer:innen Arbeitgebende Gesamt
Gesamtes Bundesgebiet außer Sachsen 0,35% 1,525% (bei Kinderlosigkeit 1,875%) 1,525% 3,05% (bei Kinderlosigkeit 3,4%
Sachsen 0,35% 2,025% (bei Kinderlosigkeit 2,125%) 1,025% 3,05% (bei Kinderlosigkeit 3,4%)

Neue Abläufe im Sozialversicherungs-Meldeverfahren für Minijobber:innen

Zur Vereinfachung der Abläufe bei den Meldungen rund um Minijobber:innen werden zum 1.1.2022 einige Neuerungen eingeführt. Die Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger haben die Einzelheiten der geplanten Neuerungen in den Gemeinsamen Grundsätzen für die Datenerfassung und Datenübermittlung festgelegt.

Rückmeldungen über weitere Tätigkeiten von kurzfristig beschäftigten Aushilfen

Für kurzfristig beschäftigte Aushilfen zahlen Arbeitgebende keine Sozialversicherungsbeiträge ein. Das gilt allerdings nur, wenn die Aushilfstätigkeiten im Kalenderjahr die Zeitgrenze von insgesamt 70 Arbeitstagen bzw. 3 Monaten nicht überschreiten. Ob das der Fall ist, muss der Arbeitgebende nach den Angaben der Beschäftigten ermitteln. Ab dem 1.1.2022 erhalten Unternehmen eine Rückmeldung der Minijob-Zentrale über weitere kurzfristige Beschäftigungen, wenn sie dort eine Aushilfe anmelden.

Arbeitgebende melden ab 1.1.2022 zusätzliche Steuerdaten für geringfügig entlohnte Beschäftigte

Für geringfügig entlohnte Mitarbeiter:innen können Arbeitgebende die Lohnsteuerpauschal in Höhe von zwei Prozent des Entgelts monatlich abführen. Diese Pauschalsteuer führen die Unternehmen nicht an das Finanzamt, sondern zusammen mit den Pauschalen zur Kranken- und Rentenversicherung an die Minijob-Zentrale ab. Damit diese bei Unstimmigkeiten zielgerichtete Prüfhinweise an die Finanzverwaltung übermitteln kann, wird die Meldung für 450 €-Kräfte ab 1.1.2022 ergänzt um folgende Angaben:  

  1. die Steuernummer des Unternehmens
  2. die Steuer-ID des oder der Beschäftigten
  3. die Art der Besteuerung

Diese Neuregelung gilt seit 1.1.2021. Umgesetzt wird sie aber erst zum 1.1.2022, und zwar für alle Entgeltmeldungen. Bei der Anmeldung eines Minijobbers oder einer Minijobberin sind die Daten allerdings nicht erforderlich.

Angaben zur Krankenversicherung bei kurzfristig beschäftigten Aushilfen werden eingeführt

Arbeitgebende sind ab 1.1.2022 dazu verpflichtet, in Meldungen ein Kennzeichen zur Krankenversicherung zu setzen. Damit soll sichergestellt werden, dass auch kurzfristig beschäftigte Aushilfen über eine Krankenversicherung verfügen. Folgendes wird ab dem 1.1.2022 in jeder Anmeldung und Abmeldung von kurzfristig beschäftigten Aushilfen abgefragt:

  1. Wenn die Aushilfe gesetzlich krankenversichert ist: Kennzeichen 1
  2. Die Aushilfe ist privat krankenversichert beziehungsweise anderweitig im Krankheitsfall abgesichert: Kennzeichen 2

Eine Anhebung des Mindestlohns erfolgt im Jahr 2022 gleich zweimal

Der gesetzliche Mindestlohn steigt von derzeit 9,60 € pro Arbeitsstunde auf 9,82 € ab dem 1.1.2022. Zum 1.7.2022 steigt der Mindestlohn dann nochmals, und zwar auf 10,45 € pro Arbeitsstunde.

Bereits im Jahr 2021 wurde der Mindestlohn ebenfalls zweimal angehoben: auf 9,50 zum 1.1.2021 und auf 9,60 € zum 1.7.2021. Achten Sie als Arbeitgebende:r darauf, dass Sie die Sozialversicherungsbeiträge stets aus dem Mindestlohn in der richtigen Höhe berechnen.

Achtung

Bei Nichteinhaltung des Mindestlohns drohen empfindliche Strafen

Stellen der FKS, die Deutsche Rentenversicherung oder eine Lohnsteueraußenprüfung fest, dass ein Arbeitgebender die Vorschriften des Mindestlohngesetzes nicht eingehalten hat, wird es von mehreren Seiten zu Nachzahlungen kommen:

  • De oder die Beschäftigte hat Anspruch auf Nachzahlungen des Entgelts, sofern noch keine Verjährung eingetreten ist. Aus dem nachgezahlten Entgelt müssen Sozialversicherungsbeiträge sowie Lohnsteuer nachberechnet und -gezahlt werden.
  • Zusätzlich kann es zu Strafzahlungen kommen. Nach § 21 MiLoG ist die Nichtzahlung oder nicht rechtzeitige Zahlung des Mindestlohnes mit einem Bußgeld von bis zu 500.000 € sanktioniert.
  • Mitwirkungspflichtverletzungen (beispielsweise bei Prüfungen), Verstöße gegen die Pflicht zur Aufzeichnung von Arbeitszeiten oder Meldeverstöße können mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 € geahndet werden. Unternehmen, die nach dem MiLoG mit einer Geldbuße von mindestens 2.500 € belegt worden sind, laufen Gefahr, von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen zu werden (§ 19 MiLoG).

Die Sachbezugswerte für Verpflegung und Unterkünfte steigen

Die amtlichen Sachbezugswerte für Unterkünfte und Verpflegung steigen 2022 an. Sie müssen die neuen Sachbezugswerte ab 1.1.2022 zwingend anwenden. Rechnet Ihr Unternehmen mit alten oder falschen Werten, ist das ermittelte steuer- und beitragspflichtige Entgelt der betreffenden Beschäftigten nicht korrekt. Das kann weitreichende Folgen haben, z. B.:

  • Gesamtsozialversicherungsbeiträge werden falsch berechnet und abgeführt.
  • Die Lohnsteuer wird nicht korrekt ermittelt.
  • Teilzeitkräfte werden fälschlicherweise als versicherungsfreie, geringfügig entlohnte Minijobber:innen geführt.
  • Eigentlich versicherungsfreie, geringfügig entlohnte Minijobber:innen werden als versicherungspflichtige Beschäftigte abgerechnet.

Sorgen Sie also dafür, dass die Stellen Ihres Unternehmens, die mit der Abrechnung betraut sind, rechtzeitig die neuen Sachbezugswerte 2022 erhalten.

Vor allem die kostengünstige oder -freie Verpflegung von Beschäftigten ist eine in Unternehmen weitverbreitete Praxis. Aufgrund der aktuellen Wohnraumknappheit stellen immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten auch Unterkünfte zur Verfügung. Arbeitgebende, die entsprechende Zusatzleistungen für Beschäftigte planen, müssen die Sachbezugswerte sowohl für die Ermittlung der Lohnsteuer als auch für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ansetzen.

Selbst wenn im Arbeitsvertrag eines:r Beschäftigten oder in einer Betriebsvereinbarung andere Werte festgelegt wurden oder ein Tarifvertrag abweichende Größen vorsieht, ist mit den amtlichen Sachbezugswerten zu rechnen.

Achtung

Barvergütung statt Sachbezug

Erhält der oder die Beschäftigte für die Verpflegung/Unterkunft nicht den jeweiligen Sachbezug, sondern eine Barvergütung, setzen Sie diesen Betrag als Arbeitsentgelt an. Das gilt allerdings nur, wenn der entsprechende Betrag höher als der jeweilige Sachbezugswert ausfällt. Ist die Barvergütung dagegen geringer oder tritt sie nur vorübergehend an die Stelle des Sachbezugs, müssen Sie weiter mit den amtlichen Werten rechnen.

Die amtlichen Werte für Verpflegung für 2022 (in Klammer für 2021)

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Frühstück Mittagessen Abendessen Gesamt
Arbeitnehmer:innen einschließlich Jugendlichen und Azubis monatl. 56 € (55€) 107 € ( 104€) 107 € (104€) 270 € (263€)
kalendertägl. 1,87 € (1,83 €) 3,57 € (3,47 €) 3,57 € (3,47 €) 9 € (8,77€)

Der Sachbezugswert für Unterkünfte ändert sich im Jahr 2022 und steigt auf 241 € monatlich (von 237 € im Jahr 2021).

Die Bagatellgrenze für Sachbezüge steigt auf 50 Euro

Sachbezüge, deren Wert innerhalb einer monatlichen Freigrenze liegt, bleiben lohnsteuer- und beitragsfrei. Diese Freigrenze beträgt derzeit noch 44 € und wird ab 1.1.2022 auf 50 € angehoben.

Achtung

Das müssen Sie beachten

Liegt der Wert eines Sachbezugs auch nur einen Cent über der Grenze, ist die gesamte Leistung lohnsteuer- und beitragspflichtiges Arbeitsentgelt. Dabei ist die Anwendung der Freigrenze einmal pro Mitarbeiter:in und Monat möglich.

„Restbeträge“, die nicht in Anspruch genommen werden, sind nicht auf andere Monate übertragbar. Bei der Wertermittlung eines Sachbezugs müssen Sie sowohl die Umsatzsteuer als auch eventuelle Nebenkosten, beispielsweise für Verpackung und Versand, einkalkulieren.

Auch Gutscheine können ein Sachbezug sein – ab dem 1.1.2022 nach neuen Regeln

Arbeitgebende haben auch die Möglichkeit, die Bagatellgrenze auf Gutscheine anzuwenden – vorausgesetzt diese können als Sachbezug anerkannt werden. Hierfür müssen Sie ab 1.1.2022 eines der folgenden Kriterien des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen:

  1. Die Gutscheine können bei begrenzten Akzeptanzstellen eingelöst werden. Beispiel: Gutscheine für Waren oder Dienstleistungen nur aus der Produktpalette des Gutscheinausstellenden oder einer Kette, der der Gutscheinausstellende angehört. Darunter fallen Tankgutscheine einer Tankstellenkette oder Geldkarten einer Gemeinde.
  2. Mit den Gutscheinen kann ein limitiertes Waren- oder Dienstleistungsangebot eingelöst werden. Beispiel: Gutscheine für Streamingdienste, mit denen der Gutscheininhaber bzw. die Gutscheininhaberin nur Filme und/oder Musik streamen kann.