Diese KfW-Förderprogramme eignen sich für kleine Unternehmen

Förderung durch die KfW
Aktualisiert am: 11.08.2015

Unternehmen stehen immer wieder vor der Frage, woher sie frisches Kapital bekommen, um Wachstum und Investitionen zu finanzieren. Vor allem Kleinunternehmen wenden sich dann häufig an ihre Hausbank, obwohl auch Fördermittel zu Finanzierungszwecken gut geeignet sind. Doch die Fördermittellandschaft ist extrem heterogen und viele Unternehmer kennen weder Programme noch Vorgehensweisen. Im Folgenden werden 4 häufig genutzte Förderprogramme der KfW-Mittelstandsbank vorgestellt.

Wesentliche Voraussetzungen zum Erhalt von Förderkrediten

Förderbanken wollen – genauso wie die Hausbank – genau über die wirtschaftliche Situation des Antragstellers Bescheid wissen. Es ist also erforderlich, für Förderkredite die gleichen Unterlagen bereitzustellen, die auch für die Beantragung eines Bankkredits erforderlich sind. Dazu gehören beispielsweise die Jahresabschlüsse der letzten 2-3 Jahre, eine aktuelle BWA und ggfs. auch Planungsunterlagen oder Dokumente, mit denen sich die Qualität des Managements belegen lässt. Unternehmen können sich mit ihrem Antrag nicht direkt an die KfW (oder auch andere Anbieter) richten, sondern müssen i.d.R. vor Beginn eines Vorhabens die Hausbank einbinden (Hausbankprinzip). Der Nachteil dabei: Die Hausbank hat oft wenig Interesse, einen Förderkredit zu nutzen, da sie selbst mit diesen Krediten wenig verdienen. Die Praxis zeigt, dass interessierte Unternehmer daher hartnäckig bleiben und auf der Nutzung von Fördermitteln bestehen müssen. Denn deren Vorteile sind beachtlich: Zinsen von aktuell ab 1,00 % effektiv, lange Laufzeiten von 5-20 Jahren, 1-3 tilgungsfreie Jahre, was die Liquidität schont und vollständige Auszahlung. Außerdem müssen meist weniger Sicherheiten als bei Bankkrediten bereitgestellt werden.

Übersicht: Diese Förderprogramme bietet die KfW

Die Ausführungen zu den Förderkrediten dienen zur Orientierung und beschränken sich auf wesentliche Inhalte. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen getätigt. Eine Haftung für mögliche Fehler kann nicht übernommen werden. In jedem Fall ist vorab eine ausführliche Besprechung mit der Bank ratsam, um alle Unterlagen richtig und vollständig erstellen und evtl. Ausschlüsse vermeiden zu können. Zusätzlich sollte man sich vor dem Gespräch die Detailbeschreibungen bei der KfW herunterladen und sie genau ansehen, um sich gut vorzubereiten (www.kfw.de, dann Programmnummer ins Suchfenster eingeben und auf das gesuchte Programm klicken).

Der ERP-Gründerkredit StartGeld

Zielgruppe des ERP-Gründerkredits StartGeld sind (wie der Name schon sagt) Gründer, Freiberufler und kleine Unternehmen, die nicht länger als 3 Jahre am Markt sind. Es werden Investitionen und Betriebsmittel finanziert, der maximale Förderbetrag pro Unternehmen beläuft sich auf 100.000 EUR (Betriebsmittel 30.000 EUR). Ausgeschlossen sind reine Finanzinvestitionen, Sanierungsfälle, Umschuldungen, Anschlussfinanzierungen und Anlagen zur Nutzung neuer Energien. Die Laufzeiten betragen 5 und 10 Jahre. Getilgt wird monatlich, bei 1 bzw. 2 tilgungsfreien Jahren. Die KfW zahlt 100 % des Förderkredits aus und verlangt ab 2,07 % Zinsen (effektiv) für die gesamte Laufzeit. Es besteht die Möglichkeit, außerplanmäßig zu tilgen, wobei eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird. Der Kredit ist für die Hausbank zu 80 % haftungsbefreit. Eine Kombination mit anderen KfW-Krediten ist nicht möglich. Programmnummer: 067.

ERP-Gründerkredit Universell

Zielgruppe sind Freiberufler, kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht länger als 5 Jahre am Markt aktiv sind. Wie beim StartGeld werden Investitionen und Betriebsmittelkäufe gefördert; es gelten die gleichen Ausschlusskriterien. Pro Vorhaben werden bis zu 25 Mio. EUR gefördert. Die Laufzeiten betragen 5, 10 und 20 Jahre. Es sind 1, 2 bzw. 3 Jahre tilgungsfrei, danach wird monatlich getilgt. Die Zinssätze beginnen derzeit bei 1,26 %; der Zinssatz ist für die ersten 10 Jahre festgeschrieben, danach gelten die dann üblichen Zinsen. Die Auszahlung erfolgt zu 100 %, es sind außerplanmäßige Tilgungen gegen Entschädigung möglich. Zudem sind in Rücksprache mit der Bank übliche Sicherheiten zu stellen. Eine Haftungsfreistellung für die Bank ist bei Investitionsfinanzierungen bis 50 % möglich. Eine Kombination mit anderen KfW-Krediten ist möglich (Ausnahme: StartGeld). Programmnummern: 073-076.

KfW-Unternehmerkredit und KfW-Unternehmerkredit plus

Zielgruppe des KfW-Unternehmerkredits sind Unternehmen, die mehr als 5 Jahre am Markt aktiv sind. Der Gruppenumsatz darf 500 Mio. EUR nicht überschreiten. Natürliche Personen werden nur gefördert, wenn sie Gewerbeimmobilien vermieten oder verpachten. Kredite werden u.a. für Investitionen, Betriebsmittel, Beteiligungserwerb, Messen, Beratungsleistungen und Warenlagerfinanzierung gewährt. Auch Auslandsvorhaben werden gefördert. Im Kern gelten die gleichen Ausschlusskriterien wie bei den ERP-Gründerkrediten. Darüber hinaus werden Antragsteller ausgeschlossen, in deren Gesellschafterkreis mehrere Firmen vertreten sind, deren jeweiliger Umsatz die Höchstgrenze übersteigt und die zusammen mehr als 50 % am Antragsteller beteiligt sind. Der Förderbetrag beträgt maximal 25 Mio. EUR je Vorhaben. Es kann bis zu 100 % der beantragten Summe gefördert werden. Es gibt Laufzeitenvarianten von 2-20 Jahren, bei denen bis zu 3 tilgungsfreie Jahre möglich sind. Die Tilgungen erfolgen pro Quartal. Die Zinsen richten sich nach der Bonität des Antragstellers und der Qualität der bereitgestellten Sicherheiten. Sie beginnen bei aktuell 1,36 % effektiv. Die Auszahlung erfolgt zu 100 %. Vorzeitige Rückzahlungen sind gegen Entschädigungszahlung möglich. Eine Haftungsfreistellung der Hausbank kann bis zu 50 % erfolgen. Eine Kombination mit anderen KfW-Förderprogrammen ist bedingt möglich. Programmnummern: 037, 047.

Der neue KfW-Unternehmerkredit plus ist für innovative Mittelständler und Freiberufler gedacht, die mindestens 3 Jahre am Markt aktiv sind. Finanziert werden Investitionen und Betriebsmittel. Wesentliche Voraussetzungen für eine Förderung sind: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung machen mindestens 20 % des beantragten Kreditvolumens aus. Der Betrieb muss in den letzten 2 Jahren einen Innovationspreis gewonnen und ein Patent erhalten haben. Das Kreditvolumen beläuft sich auf höchstens 3 Mio. EUR für KMU und 7,5 Mio. EUR für größere Unternehmen. Die Zinsen beginnen bei 1,00 % effektiv. Die Laufzeiten sind 5 und 7 Jahre. Tilgungsfrei sind 1 bzw. 2 Jahre. Banken können bis 50 % von der Haftung befreit werden. Programmnummern: 044, 046.

ERP-Startfonds

Zielgruppe sind kleine Technologieunternehmen, die noch nicht länger als 10 Jahre am Markt sind und die die Bedingungen der EU-Kommission für kleine Unternehmen erfüllen (weniger als 50 Mitarbeiter, Jahresumsatz oder Bilanzsumme maximal 10 Mio. EUR). Gefördert werden z.B. die Entwicklung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte und Verfahren, wobei die Entwicklung selbst erfolgen muss. Von einer Förderung ausgeschlossen sind Auftragsentwicklungen und Sanierungen. Die Inhaber müssen über mehr als 25% der Geschäftsanteile verfügen. Der Förderhöchstbetrag beläuft sich auf 5 Mio. EUR, wobei es in der ersten Runde eine Beschränkung auf 2,5 Mio. EUR gibt.

Wichtigste Voraussetzung für die Förderung ist, dass es einen Leadinvestor gibt, der sich mit mindestens der gleichen Summe wie die KfW am Unternehmen beteiligt. Der Investor muss in der Lage sein, bei Bedarf weitere Finanzmittel bereitzustellen. Die Konditionen richten sich nach den Bedingungen des Leadinvestors und werden individuell zusammengestellt. Programmnummer: 136.

Tipp: Die jeweils aktuellen Zinssätze der KfW für die einzelnen Programme finden Sie unter: https://www.kfw-formularsammlung.de/KonditionenanzeigerINet/KonditionenAnzeiger

Fazit: Welches Programm eignet sich für wen?

Es gibt viele Möglichkeiten, an Fördermittel zu gelangen. Für kleine Betriebe ist es allerdings oft schwierig, sie ohne Hilfe Dritter (z.B. Berater) zu erhalten. Bei den vorgestellten KfW-Darlehen ist das anders. Diese können mit relativ geringem Aufwand und nur mithilfe der Hausbank selbst beantragt werden. Die Kredite StartGeld und Universell sind vor allem von Existenzgründer und junge Unternehmen geeignet, die noch nicht lange am Markt aktiv sind. Für etablierte Firmen, die schon mehrere Jahre am Markt sind, ist der Unternehmerkredit die richtige Wahl. Der Unternehmerkredit Plus kommt für Betriebe in Betracht, die in einem innovativen Marktumfeld aktiv sind und bewiesen haben, dass sie hier „mithalten“ können (z. B. weil sie schon Preise erhalten haben). Der ERP-Startfonds ist eher für größere, ebenfalls innovative Firmen geeignet, die zusammen mit einem Dritten, dem Leadinvestor, agieren wollen. Mit diesem Spektrum sind die meisten typischen Situationen abgedeckt, in denen Fördergelder eingesetzt werden können. Nachteilig ist (je nach Kooperationsbereitschaft der Hausbank) zum einen das Hausbank-Prinzip, zum anderen, dass mit dem Vorhaben in der Regel erst begonnen werden darf, wenn die Mittel bewilligt wurden.

Wer Fördergelder für andere Zwecke als die genannten benötigt, sollte einen Blick auf den Fördermittelkompass des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle werfen. Er informiert u.a. über Programme, Voraussetzungen und Teilnahmeberechtigte. Beispielsweise gibt es Programme, mit denen gezielt bestimmte Themen (z. B. Messen, Unternehmensberatungen oder Klimaschutzinvestitionen) gefördert werden. Unternehmen mit wenig Erfahrung sollten die KfW- oder BAFA-Kredite bevorzugen. Wer noch andere Programme sucht, sollte sich mithilfe eines auf Fördergelder spezialisierten Beraters informieren.

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