Fremdgeschäftsführer: Fachkenntnisse und Sozialkompetenz sind entscheidend

Gute Fachkenntnisse und ausgeprägte Sozialkompetenz sind Einstellungskriterien
Aktualisiert am: 24.11.2015

Wenn die Gesellschafter einer GmbH im Rahmen des Generationenwechsels oder im Zuge eines Change-Managements einen Fremdgeschäftsführer suchen, legen Sie vor allem Wert auf gute Fachkenntnisse und ausgeprägte Sozialkompetenz.

Kleinere und mittelgroße Familien-GmbHs werden überwiegend von den Familien-Mitgliedern selbst geführt. Auch in der zweiten und dritten Generation. Wächst das Unternehmen stetig, wird das anders. Schon beim Übergang zur zweiten Generation werden dann bereits oft Fremd-Geschäftsführer einbezogen (Change-Management). Vorteil: Der Senior kann in Ruhe „loslassen“. Auch dann, wenn der Junior die Geschäfte noch nicht selbst vollständig übernehmen kann – sei es, weil er die notwendige Ausbildung nicht abgeschlossen hat oder weil ihm noch notwendige praktische Erfahrungen fehlen.

Rund 60% der Unternehmen, die einen Fremd-Geschäftsführer (auf Zeit) eingestellt haben, haben damit gute Erfahrungen gemacht. Nur 4% geben an, mit dem Fremd-Geschäftsführer schlechte oder nicht so gute Erfahrungen gemacht zu haben (Quelle: INTES-Studie „Fremd-Management in Familien-Unternehmen“). Auf die Frage nach dem Anforderungsprofil, die der Fremd-Geschäftsführer mitbringen sollte, ergibt sich eine klare Prioritätenliste:

  • am häufigsten genannt werden Fachkenntnisse und Fachkompetenz,
  • erst an zweiter Stelle stehen die Branchenkenntnisse,
  • als persönliche Eigenschaft ist Sozialkompetenz ausschlaggebend,
  • aber auch ein hoher Grad an Loyalität und Integrität.

Sensibelster Punkt in der Zusammenarbeit zwischen Familien-Gesellschaftern und dem Fremd-Geschäftsführer ist und bleibt aber die „Chemie“. Für den Fremd-Geschäftsführer kommt es ganz besonders darauf an, sich gut auf die spezifische Ausprägung und Interessenlage der Familien-Mitglieder einstellen zu können (z.B. kulturelle Interessen, Sponsoring, gesellschaft­liches Engagement). Passt dieses Umfeld zur Persönlichkeit des Fremd-Geschäftsführers, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gut. 

Praxis-Tipp: So verbessern Sie Ihre Einstellungs-Chancen

Wenn Sie sich für den Job des (Fremd-) Geschäftsführers in einem Familien-Unter­nehmen interessieren, kommt es in erster Linie auf Referenzen und aussagekräftige Zeugnisse an. Wer bisher lediglich als Gesellschafter-Geschäftsführer im eigenen Unternehmen tätig war und deswegen solche Empfehlungen nicht nachweisen kann, ist gut beraten, den Einstieg in die Fremd-Geschäftsführer-Position über eine renommierte Personal-Beratung zu wählen. U.U. können Sie dort auch noch gezielte Persönlichkeitsentwicklungs-Bausteine trainieren und sich so weiter zu qualifizieren.

Ist auf dem Markt kein passender (Fremd-)Geschäftsführer zu finden, ist es möglich über eine Agentur (Provider) einen Manager auf Zeit (Interims-Manager) einzustellen und so Zeit für eine optimale Neu-Besetzung zu gewinnen. Bei der Anstellung eines solchen Interims-Managers müssen Sie beachten:

1.  Wer ist der Vertragspartner? Wird er Interims-Manager über einen Vermittler (Provider) angestellt, können Sie sich bei Schlecht-Leistung oder Nicht-Erfüllung der  vertraglichen Pflichten nicht direkt an den Interims-Manager wenden. In der Praxis kann das zu komplizierten und langwierigen juristischen Auseinandersetzungen führen, z.B. bereits dann, wenn es um eine außerordentliche Kündigung des Vertrages geht.

2.  Achten Sie darauf, dass die von Ihnen eingeforderten Leistungen (Erfüllung der gesetzlichen Pflichten des Geschäftsführers, Sicherung, Fortführung und Weiterentwicklung des Geschäftsbetriebes, Zielvereinbarungen bezüglich Umsatz, Ertrag usw.) im Vertrag vollständig aufgelistet sind, dass die Kompetenzen (Weisungsrechte, zustimmungspflichtige Geschäfte) klar abgegrenzt sind und dass Konditionen für die Beendigung der Zusammenarbeit (Vertragsende, Kündigungsmöglichkeit) klar definiert sind.

3.  Probleme kann es auch um die arbeits- und sozialrechtliche Einstufung des Interims-Managers geben. Ist der Interims-Manager als Geschäftsführer berufen und eingetragen und mit einem Anstellungsvertrag (Dienstvertrag) eingebunden, müssen Sie für ihn Sozialabgaben abführen – er ist in der Regel sozialversicherungspflichtig. Soll der Interims-Manager seine Tätigkeit als „Selbstständiger“ ausüben, müssen Sie aufpassen. Hier kann es schnell passieren, dass die Rentenversicherung auf Scheinselbständigkeit erkennt. Und zwar dann, wenn der Interims-Manager in den Geschäftsbetrieb eingegliedert ist und er nach außen als Mitarbeiter/Vertreter des Unternehmens auftritt. Das ist bei einer Bestellung des Interims-Managers zum Geschäftsführer kaum hinzukriegen. Eine Beschränkung seiner Vollmachten ist aber möglich, ohne dass er seine selbstständige Tätigkeit aufgibt.

4.  Möglich ist z.B., den Interims-Manager nicht mit den vollen Rechten und Pflichten eines bestellten Geschäftsführers einzustellen. Zu prüfen ist, ob für die zu übernehmende Aufgabe eine Handlungsvollmacht oder eine Prokura ausreichend ist. Auch ein Vertrags-Konstrukt, wonach der Interims-Manager über seine eigene GmbH angestellt wird und für das beauftragende Unternehmen tätig wird, ist möglich.

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