Nachfolge: So planen GmbH-Geschäftsführer den Verkauf ihrer GmbH

Nachfolgeplanung ist ein unbeliebtes Thema bei GmbH-Geschäftsführern. Doch wer jahrelang die Geschäfte seiner Firma geführt hat, kommt irgendwann zu dem Punkt: „Wie lange will ich das noch machen?". Fakt ist: Eine GmbH zu verkaufen, braucht eine gute Vorbereitung und dauert in der Regel mehrere Jahre. Viele (Gesellschafter-) Geschäftsführer packen die Firmenübergabe zu spät an und machen dabei Fehler, die sich im weiteren Prozess negativ auswirken können.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Mann im Anzug hat einen Stift in der Hand und einen Ordner vor sich
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Wie ist der Ablauf bei einem GmbH-Verkauf?

Möchten Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer eine GmbH verkaufen, ist das meist ein längerer Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Beim Verkauf einer GmbH gibt es für Sie im Vorfeld einiges zu klären und zu erledigen:

  • Geeignete Nachfolgegesellschaft bzw. potenziellen Käufer finden
  • Unternehmenswert ermitteln
  • Sämtliche Verträge sichten (z. B. Miet- und Leasing-Verträge, Mitarbeiterverträge etc.)
  • Verkaufsverhandlungen ansetzen
  • Außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen, die den Unternehmensverkauf rechtsgültig beschließen muss
  • Neuen Kaufvertrag notariell beglaubigen lassen, damit der Verkauf rechtskräftig ist

Für den Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung, der in einigen Jahren verkaufen will, gilt es also, frühzeitig die Weichen für einen erfolgreichen „Merger“ zu stellen, wenn Sie eine GmbH oder Gesellschaftsanteile verkaufen möchten.

Welche rechtlichen Formen des GmbH-Verkaufs gibt es?

Soll eine GmbH verkauft bzw. sollen Firmenanteile verkauft werden, unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Formen

Darstellung von Tabellen auf Desktop besser lesbar

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Die GmbH als Ganzes oder Geschäftsanteile an der GmbH werden verkauft. Einzelne Wirtschaftsgüter der GmbH werden verkauft.
Die Inhaberschaft ändert sich. Die Inhaberschaft bleibt gleich.

So finden Sie den richtigen Käufer für die GmbH

Wenn Sie die Geschäfte einer GmbH als Gesellschafter-Geschäftsführer über einige Jahre erfolgreich geführt haben, sind Sie gut beraten, rechtzeitig die Nachfolge zu organisieren. Erfreulich ist, wenn der/die Nachfolger/in aus Ihrer eigenen Familie stammt. Dann entfällt eine aufwendige und unter Umständen risikobehaftete Suche nach einem Käufer. Das gilt auch für den Fall, wenn ein geeigneter Mitarbeiter die Firma übernehmen will und auch finanziell dazu in der Lage ist, die GmbH zu kaufen. Schwieriger und langwieriger ist es, wenn Sie einen externen Käufer finden müssen.

Das sollten Sie bei der Suche nach einem externen Käufer beachten

Soll die Gesellschaft an einen externen Käufer gehen, ist es wichtig, dass Sie sich für dessen Suche und Auswahl ausreichend Zeit nehmen und frühzeitig mit der Planung der Nachfolge-Regelung beginnen. Um die Risiken möglichst gut einzugrenzen, sollten Sie sich so wie bald wie möglich über folgende Punkte Gedanken machen:

  • Letter of Intent
  • Vertragsgestaltung
  • Verschwiegenheitsvereinbarung
  • Sicherung des Kaufpreises
  • usw.

Rechnen Sie mit zwei oder mehr Jahren, bis Sie die rechtsverbindliche Abtretung der GmbH bzw. den Verkauf Ihrer GmbH-Anteile unter Dach und Fach gebracht haben.

Achtung

Werden Sie beim GmbH-Verkauf aus Ungeduld nicht nachlässig

Häufige Fehler in dieser Phase: Oft werden aus Ungeduld Zugeständnisse gemacht oder es kommen gelegentlich Blitz-Verkäufe zustande, die nicht sein müssen. Andere Verkäufer haben die Erfahrung, dass es mehrere Anläufe braucht, bis der GmbH-Verkauf tatsächlich unter Dach und Fach gebracht ist.

Kooperations- und Nachfolgebörsen können bei der Suche helfen

Regional tätige Unternehmen sind gut beraten, die Kooperations- und Nachfolge­Börse der IHK „nexxt-change zu nutzen. Die einzelnen Datenbanken sind gut vernetzt und es hat sich bundesweit herumgesprochen, dass expansionswillige Firmen auf diese Art in der Vergangenheit gut eingeführte Unternehmen erwerben konnten, u. a. um:

  • Ein Filialnetz zu erweitern
  • Regionale Präsenzen aufzubauen

In den Regionalmarkt einzusteigen

Achtung

Setzen Sie ausschließlich auf seriöse Vermittler

Seien Sie vorsichtig: Unter ähnlichen Bezeichnungen wie nexxt-change tummeln sich im Internet einige Anbieter, die nichts mit der offiziellen IHK-Börse zu tun haben und nicht wirklich zu empfehlen sind.

Seriöse Begleitung und Beratung auf dem Weg zum Nachfolger bieten Ihnen ebenfalls die Rationalisierungs- und Innovationszentren (RKW) der Deutschen Wirtschaft. Diese unterstützen ebenfalls dabei, wenn Sie eine GmbH verkaufen möchten.

Potenzielle Käufer bei der Konkurrenz ausfindig machen

Gut überlegen sollten Sie sich dagegen die Kontaktaufnahme zur Konkurrenz. Um hier einen potenziellen Käufer aufzutun, sollten Sie auf jeden Fall einen Anwalt einschalten. Zum einen, um die Ernsthaftigkeit der Kaufabsicht zu belegen, aber auch, um eine professionelle Verkaufsanbahnung zu gewährleisten.

Achtung

Vorsicht vor schwarze Schafen

Viele Unternehmensverkäufer haben bei der Suche nach potenziellen Nachfolgern schlechte Erfahrungen mit diversen Internet-Portalen gemacht. Abgesehen davon, dass die Verkaufsabsicht schnell und unkontrolliert öffentlich werden kann, tummeln sich hier auch schwarze Schafe, denen es mehr um einen Umsatz bringenden Auftrag geht und, die potenzielle Käufer gar nicht aufbieten können.

Einige dieser Anbieter wurden in der Vergangenheit wegen irreführender Werbung („Jemand interessiert sich für Ihre GmbH“) bzw. Schlechtleistung verklagt oder sie sind wieder vom Markt verschwunden.

Auch hier gilt: Ohne anwaltliche Beratung bleiben beim GmbH-Verkauf unkalkulierbare Risiken – ebenso wie bei der gerichtsfesten Formulierung des Vorvertrages inkl. einer pragmatischen Verschwiegenheitsklausel mit einer durchsetzbaren Vertragsstrafe und der rechtssicheren Formulierung des Schadensersatzanspruchs bei missbräuchlicher Verwendung des beim Verkauf erlangten Firmenwissens.

GmbH verkaufen – Was müssen Sie bei den Vertragsverhandlungen beachten?

Haben Sie einen geeigneten GmbH-Nachfolger gefunden, geht es im nächsten Schritt in die Vertragsverhandlungen. Im Folgenden haben wir verschiedene Fälle für Sie zusammengestellt:

Vorgehen bei einer starken Verhandlungssituation

Bei einer starken Verhandlungssituation ist es im Vorfeld des Verkaufs sinnvoll, wenn das Vertragswerk des Unternehmens (Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführer-Anstellungsvertrag, Pensionszusage) viele, für die Verkäuferseite vorteilhafte Regelungen enthält. Der potenzielle Erwerber wird damit dazu verpflichtet, neben dem betriebswirtschaftlich ermittelten Kaufpreis sämtliche zusätzliche Rechte des ausscheidenden Gesellschafters zu erfüllen, sobald die GmbH verkauft ist.

Beispiel: Laut Anstellungsvertrag gilt für den Gesellschafter-Geschäftsführer ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, von dem die GmbH nicht einseitig zurücktreten kann. Es wurde eine ungewöhnlich lange Karenzzeit vereinbart. Laut Vertrag darf der ausgeschiedene Geschäftsführer 3 Jahre lang nicht konkurrierend tätig werden. Im Gegenzug hat er dafür Anspruch auf eine Karenzzahlung in Höhe seines zuletzt bezogenen Gehaltes. Rechnet sich der Invest für den potenziellen Käufer, wird selbst eine solche Vereinbarung den betriebswirtschaftlichen Kaufpreis nicht mindern. Der ausscheidende Gesellschafter-Geschäftsführer hat zumindest bei den Kaufverhandlungen gute Karten.

Vorgehen bei einer schwachen Verhandlungssituation

Bei einer schwachen wirtschaftlichen Verhandlungssituation ist es im Vorfeld der Übertragung sinnvoll, wenn es möglichst wenig Kosten treibende Sondervereinbarungen im Vertragswerk des Unternehmens gibt. Der Erwerber muss dann beim GmbH-Ankauf keine zusätzlichen Kosten für vertragliche Sonderbestimmungen kalkulieren

Beispiel: Bei schlechter Ertragslage und schwacher Verhandlungsposition wirkt die oben beschriebene Vertragsvereinbarung zum nachvertraglichen Wettbewerbsverbot umgekehrt. Der potenzielle Käufer kann damit den betriebswirtschaftlichen Kaufpreis noch weiter drücken. Unter Umständen wirkt dieses Verkaufshindernis so gravierend, dass der potenzielle Erwerber des Unternehmens bereits im Vorfeld aus seinen Überlegungen ausscheidet oder dieses gar nicht erst als interessanten Übernahmekandidaten einstuft.

Wichtiger Bestandteil der Verkaufsvorbereitung ist die Planung der vertraglichen Vereinbarungen – insbesondere des GmbH-Gesellschaftsvertrages und des Geschäftsführer-Anstellungsvertrages. Beim Käufer darf dabei auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass die Verträge im Hinblick auf einen bevorstehenden Verkauf zugunsten des Verkäufers abgeändert wurden. Der Käufer kann alle Vertragsänderungen anhand des Registerauszuges bzw. der Beschlussprotokolle der Gesellschafterversammlungen zeitlich nachvollziehen.

Tipp

Praxis-Tipp

Sie sollten Vertragsanpassungen schon weit im Vorfeldbeschließen und umsetzen, wenn Sie eine GmbH verkaufen wollen. Vertragsänderungen im zeitlichen Zusammenhang von 2 Jahren und weniger vor der Veräußerung wirken nicht gut. Der Verkäufer sollte für diesen Fall gut begründen können, warum eine solche Vertragsänderung noch kurz vor dem GmbH-Verkauf notwendig wurde. Eine Änderung der Verträge, die 3 Jahre und mehr vor der Veräußerung liegen, haben in der Regel keine nachteiligen Folgen.

Was passiert beim GmbH-Verkauf mit dem Stammkapital?

Möchten Sie lediglich GmbH-Anteile verkaufen, verändert sich am Stammkapital der GmbH in aller Regel nichts, da sie als rechtliches Konstrukt immer über eine gewisse vorab vereinbarte Mindesthöhe verfügen muss. Wollen Sie hingegen statt Unternehmensanteilen eine GmbH als Ganzes verkaufen, besteht die Möglichkeit, das Stammkapital im Zuge der Veräußerung zu ändern.

Wie wird der GmbH-Verkauf versteuert?

Möchten Sie eine GmbH verkaufen, müssen Sie den Veräußerungsgewinn grundsätzlich nach § 17 EStG versteuern. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen wird das sogenannte Teileinkünfteverfahren zur Versteuerung von Gewinnen angewendet. Demnach sind 40 % des Veräußerungsgewinns steuerfrei.