Künstlersozialabgabe: Das müssen Sie wissen

Überblick gewinnen: Die Pflicht zur Künstlersozialabgabe
Aktualisiert am: 07.04.2017

Viele Unternehmer wissen nicht, dass sie Künstlersozialabgabe zahlen müssen. Schließlich haben sie rein gar nichts mit Künstlern zu - meinen sie. Dabei kann schon beim Auftrag an eine Werbeagentur oder einen Webdesigner eine Künstlersozialabgabe fällig werden. Spätestens der Betriebsprüfer der Sozialversicherung fördert hier Fehler zutage.

Was ist die Künstlersozialabgabe?

Die Künstlersozialversicherung ist die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung für selbstständige Künstler und Publizisten. Ähnlich wie ein Arbeitnehmer zahlen die Versicherten etwa die Hälfte der Beiträge selbst. Die andere Hälfte besteht aus der sogenannten Künstlersozialabgabe der Unternehmen, die Aufträge an diese Berufsgruppen vergeben und einem Zuschuss des Bundes.

Für die Künstlersozialkasse gehören zu den Künstlern und Publizisten nicht nur Sänger oder Journalisten, sondern z.B. auch Webdesigner und alle, die ihre Werbung oder die Verpackung ihrer Produkte gestalten.

Wer muss Künstlersozialabgabe zahlen?

1. Sogenannte typische Verwerter

Das sind Betriebe, die typischerweise künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen verwerten, also zum Beispiel Werbeagenturen, Verlage und Kunsthändler.

2. Betriebe, die Werbung für sich selbst machen
Künstlersozialabgabe müssen auch Betriebe zahlen, die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für das eigene Unternehmen oder die eigenen Produkte betreiben. Voraussetzung ist nur, dass sie „nicht nur gelegentlich“ selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragen. 

Zu diesen Betrieben gehören z.B.:

  • alle verkaufsorientierten Unternehmen, die regelmäßig Werbebroschüren gestalten lassen,
  • Versandunternehmen, die Werbefotografen für die Erstellung von Katalogen beauftragen

Achtung: Der Begriff „nicht nur gelegentlich“ ist missverständlich. Seit 2015 gilt: Gelegentlich und abgabefrei ist die Beauftragung nur, wenn die Gesamtsumme aller solcher Ausgaben für Eigenwerbung höchstens 450 EUR im Kalenderjahr beträgt. Damit genügt schon ein einziger Auftrag, um abgabepflichtig zu werden.

3. Betriebe, die solche Leistungen für ihre Unternehmenszwecke nutzen
Abgabepflichtig sind auch Unternehmen, die nicht nur gelegentlich Aufträge an selbstständige Künstler vergeben, um die Leistungen für ihre Unternehmenszwecke zu nutzen und damit Einnahmen zu erzielen.

Das betrifft z.B.:

  • Betriebe, die sich Produkte oder Verpackungen für ihre Waren gestalten lassen.
  • Betriebe, in denen Veranstaltungen mit Künstlern oder publizistischen Darbietungen stattfinden.

„Nicht nur gelegentlich“ heißt auch hier, dass das Unternehmen mehr als 450 EUR im Kalenderjahr für diese Dienstleistungen ausgibt.

Achtung: Bei Veranstaltungen gibt es 2 Voraussetzungen für die Künstlersozialabgabe. Sie fällt nur an, wenn Sie

  • mehr als 3 Veranstaltungen im Kalenderjahr durchführen und
  • das Auftragsvolumen insgesamt mehr als 450 EUR beträgt.

Detailliertes Wissen zur Künstlersozialabgabe inklusive aktueller Berechnung und Anmelde- und Erhebungsbogen zur Prüfung der Abgabepflicht finden Sie auch im Lexware gmbh wissen.

Die Künstlersozialabgabe fällt nur für Aufträge an Selbstständige an

Der Auftragnehmer selbst muss nicht bei der Künstlersozialkasse versichert sein. Er kann die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausführen oder im Ausland wohnen. Er kann freischaffend sein oder Gewerbetreibender sein, als Einzelfirma, oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert sein.

Achtung: Die Künstlersozialabgabe entfällt nur, wenn Sie eine Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt), KG, OHG, GmbH, Ltd. oder AG beauftragen.

Ist ein Künstler, z. B. ein Designer, in Ihrem Betrieb angestellt, müssen Sie wie bei jedem anderen Mitarbeiter ganz normale Sozialversicherungsbeiträge abführen.

Unsicher beim Thema Künstlersozialabgabe?

Lexware gmbh wissen beantwortet alle Ihre Fragen rund um das Thema, inklusive:

  • Checkliste, ob Sie ein Unternehmen im Sinne der Künstlersozialversicherung führen
  • aktuelle Berechnung der Künstlersozialabgabe
  • Anmelde- und Erhebungsbogen zur Prüfung der Abgabepflicht
Wie hoch ist die Künstlersozialabgabe?

Der Abgabesatz wird jährlich neu festgelegt. 2017 beträgt er 4,8%. Die Abgabe errechnet sich aus allen Entgelten, die Sie an selbstständige Künstler und Publizisten zahlen. Dazu gehören auch Auslagen und Nebenkosten wie Telefon- oder Materialkosten, die vergütet werden.

In die Berechnungsgrundlage nicht einbezogen werden die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer und steuerfreie Aufwandsentschädigungen wie die Reisekosten. Auch für Vervielfältigungskosten müssen Sie keine Abgabe leisten.

Beispiel: Gestaltung und Druck einer Werbebroschüre
Abgabe fällt nur für die künstlerische Leistung an. Diese ist mit einer Vorlage erledigt, die vervielfältigt werden kann. Die Weitergabe des Auftrages an eine Druckerei und die Druckkosten gehören nicht zum abgabepflichtigen Entgelt des Künstlers

Die Künstlersozialabgabe dürfen Sie dem Künstler nicht in Rechnung stellen. Auch sein Entgelt dürfen Sie nicht entsprechend gekürzt vereinbaren.

Anmeldung bei der Künstlersozialkasse

Betriebe, die Künstlersozialabgabe zahlen müssen oder regelmäßig künstlerische Aufträge vergeben, müssen sich unaufgefordert bei der Künstlersozialkasse anmelden. Das Formular zur Anmeldung finden Sie unter www.künstlersozialkasse.de. Haben Sie den Betrieb angemeldet, stellt die Kasse fest, ob Sie grundsätzlich zahlen müssen. Sind Sie zur Abgabe verpflichtet, müssen Sie jeweils bis spätestens 31. März des Folgejahres eine Jahresmeldung über die gezahlten Entgelte abgeben.

Anhand des Meldebogens errechnet die Künstlersozialkasse, wie viel Sie für das vergangene Jahr zahlen müssen. Eventuell werden auch monatliche Vorauszahlungen festgelegt. Kommen Sie Ihrer Meldepflicht nicht nach, wird die Höhe der Abgabe geschätzt und es droht ein Bußgeld.

Achtung: Der Betriebsprüfer der Rentenversicherung prüft auch die Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe kann dann für bis zu 5 Jahre nachträglich erhoben werden. Auch die Künstlersozialkasse kann anlassbezogen Betriebsprüfungen durchführen.

Die Unterlagen und Aufzeichnungen über die Künstlersozialabgabe müssen Sie mindestens 5 Jahre aufbewahren und der Künstlersozialkasse auf Verlangen vorlegen.

Künstlersozialabgabe: Beispiele aus der Praxis

Ein Auftrag für mehr als 450 EUR ist schon zu viel
Wenn Sie sich für 700 EUR ein neues Logo oder Ihren Webauftritt entwerfen lassen, fällt Künstlersozialabgabe an. Kostet es nur 450 EUR, zahlen Sie keine Abgabe, es sei denn, Sie erteilen im gleichen Jahr noch andere künstlerische Aufträge.

Bei Veranstaltungen kommt es auf die Anzahl und die Kosten an
Veranstalten Sie in Ihrem Lokal 2 Livekonzerte im Kalenderjahr für insgesamt 600 EUR fällt keine Künstlersozialabgabe an. Auch 4 Konzerte zu insgesamt 450 EUR sind abgabefrei. Künstlersozialabgabe fällt nur an, wenn mehr als 3 Veranstaltungen im Kalenderjahr durchgeführt werden und insgesamt mehr als 450 EUR dafür gezahlt werden.

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