Die gesetzliche Debatte über Pflicht oder Freiwilligkeit
Im Gegensatz zu Beschäftigten in einem Angestelltenverhältnis ist die gesetzliche Altersvorsorge für Selbstständige keine Pflicht. Du kannst freiwillig entscheiden, inwiefern du dich im Alter absichern willst. Du bist also nicht nur dafür verantwortlich, dass dein Unternehmen all die Jahre läuft. Du musst dich auch selbst um deine Rentenabsicherung kümmern. Gerade Selbstständige, die unregelmäßig Aufträge erhalten und wenige Stammkunden haben, sollten sich frühzeitig um eine Rentenvorsorge für Selbstständige kümmern. In Deutschland sind aktuell etwa 210.000 Menschen freiwillig gesetzlich versichert, um Rentenansprüche zu erhalten oder zu sichern, obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind.
Gesetzliche Überlegungen zur allgemeinen Rentenversicherungspflicht
Innerhalb der Politik finden immer wieder Debatten statt, ob die Regierung auch für Selbstständige eine Rentenversicherungspflicht einführt. Mit der gesetzlichen Altersvorsorge würde es sich dann ähnlich wie im Gesundheitssystem verhalten: Alle Menschen in Deutschland hätten per Gesetz die Pflicht, eine Rentenversicherung abzuschließen. Einen finalen Beschluss hierzu gibt es allerdings noch nicht.
Es gibt einige Berufsgruppen, die rentenversicherungspflichtig sind, obwohl sie selbstständig sind bzw. zu den freien Berufen zählen:
Lehrer und Erzieher, wenn diese nicht bei einem versicherungspflichtigen Arbeitnehmer angestellt sind
Pfleger, die nicht in einem versicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis stehen
Hebammen und Entbindungshelfer
Seelotsen, Küstenschiffer, Küstenfischer
Künstler und Publizisten (laufen über die Künstlersozialkasse)
Selbstständige, die dauerhaft für einen Auftraggeber arbeiten
Bestimmte Handwerker und Hausgewerbetreibende
Achtung
Meister sind rentenversicherungspflichtig
Meister im Handwerk, die einen eigenständigen Betrieb führen, sind zwar selbstständig. Da sie jedoch zum unmittelbar zulagenberechtigten Personenkreis gehören, sind sie wie Angestellte rentenversicherungspflichtig.
Wie hoch sollte die Altersvorsorge für Selbstständige ausfallen?
Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Wie viel du beiseitelegen kannst, ist abhängig von den laufenden Einnahmen und Ausgaben. Führe dafür regelmäßig eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) durch, um zu ermitteln, welchen Teil deines Einkommens du in deine Altersvorsorge einzahlen kannst. Deshalb ist es sehrschwierig zu sagen, welche die beste Altersvorsorge für Selbstständige ist.
Tipp
Beratung in Anspruch nehmen
Lass dich ausführlich von einem Steuerberater oder Finanzexperten beraten, damit du für dich die meisten Vorteile nutzen kannst und vor möglichen Risiken gewarnt wirst. Achte darauf, einen unabhängigen Berater zu wählen, der dich objektiv berät!
Was ist die beste Altersvorsorge für Selbstständige und welche Optionen gibt es?
Für dich als Selbstständigen gelten in Bezug auf die Altersvorsorge nicht die gleichen Regelungen wie für Arbeitnehmer. Wie bei der Krankenversicherung für Selbstständige musst du die Entscheidungen für deine Rente selbst treffen. Wir zeigen dir, welche du als Selbstständiger bei der Rentenversicherung hast.
Berufsbezogene Versorgung
Die Altersvorsorge für Freiberufler ist über die Berufskammern geregelt. Bist du in einem freien Beruf tätig, besteht für dich die Kammerpflicht. Das heißt: Ärzte sind Mitglieder in der Ärztekammer, Anwälte gehören der Anwaltskammer an usw. Bist du Mitglied einer Kammer, profitierst du automatisch von dem branchenrelevanten Versorgungswerk. Je höher die Beiträge sind, die du einzahlst, desto besser fallen deine Versorgungsleistungen aus.
Diese Berufe profitieren von einem Versorgungswerk:
- Ärzte
- Apotheker
- Notare
- Rechtsanwälte
- Steuerberater
- Wirtschaftsprüfer
- Ingenieure
- Architekten
- Psychotherapeuten
Vorteile
- Altersvorsorge übernimmt das Versorgungswerk, der eigene Aufwand hält sich also in Grenzen
- Automatische und regelmäßige Einzahlung eines monatlichen Betrags
Nachteile
- Die Mitgliedsbeiträge sind in der Regel festgelegt und ziemlich hoch
- Vor dem Rentenantritt hast du keinen Zugriff auf dieses Geld
Tipp
Zuschuss zur privaten Altersversorgung für Selbstständige
Wenn du hauptberuflich als freiberuflicher Autor tätig bist, kannst du vom Autorenversorgungswerk (AVW) einen einmaligen Zuschuss zur privaten Altersversorgung erhalten. Hier erfährst du mehr über den Zuschuss der AVW.
Basisrente für Selbstständige
Die Basisrente findet sich häufig auch unter dem Begriff Rürup-Rente für Selbstständige. Sie ist das Gegenstück zur Riester-Rente und ist speziell für Selbstständige gedacht. Bei dieser Variante besteht die Förderung darin, dass der Staat die Beiträge subventioniert. Die Unterstützung ergibt sich rein aus steuerlichen Vorteilen.
Beachte unbedingt: Die Beträge aus der Rürup-Rente, die du in der Zukunft erhältst, musst du später versteuern.
Vorteile
- Während der Einzahlphase kannst du die Beiträge in deiner Steuererklärung absetzen
- Mit der nachträglichen Besteuerung der Rürup-Rente sparst du Steuern und kümmerst dich um deine Altersvorsorge
- Diese Version ist besonders gut für Selbstständige mit hohen Einkommen geeignet
- Du kannst die Einzahlung flexibel gestalten
Nachteile
- Vor dem Renteneintritt: kein Zugriff auf das Geld
- Anbieter zahlen das Geld nur als lebenslange Rente aus
- du kannst deine Ersparnisse aus der Rürup-Rente nicht vererben
Riester-Rente für Selbstständige
Da du als Selbstständiger mittelbar förderberechtigt bist, kannst du die Riester-Förderung nur dann in Anspruch nehmen, wenn dein Ehepartner eine unmittelbare Förderberechtigung hat. Das ist der Fall, wenn er rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer ist. Nur dann ist die Riester-Rente für Selbstständige sinnvoll.
Beachte: Wenn du eine Riester-Rente abschließen willst, musst du Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung sein.
Vorteile
- Durch die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung entsteht automatisch eine weitere Form der Absicherung
- Riester-Beiträge bis zum Förderhöchstsatz absetzbar
Nachteile
- Zusätzliche Mitgliedschaft in gesetzlicher Rentenversicherung verpflichtend, hierdurch entstehen weitere Kosten
Private Rentenversicherung für Selbstständige
Die Möglichkeit der privaten Altersvorsorge für Selbstständige verläuft ähnlich wie eine Lebensversicherung, unterscheidet sich jedoch im Hinblick auf Kosten, Flexibilität und Rendite.
Achtung
Das Risiko fondsgebundener Rentenversicherungen
Verwechsle die fondsgebundenen Rentenversicherungen nicht mit den herkömmlichen Angeboten einer privaten Rentenversicherung. Formal betrachtet, erweckt die fondsgebundene Variante den Anschein einer Versicherung, sie gleicht jedoch eher einem Fondssparplan. In diesem Fall trägst du das gesamte Anlagenrisiko.
Vorteile
- Auszahlung der klassischen Rentenversicherung entweder in Raten oder als einmalige Auszahlung
- Auszahlungsbetrag bewegt sich zwischen der Mindestsumme und dem erwirtschafteten Betrag des bzw. der Versicherungsnehmer
Nachteile
- Hohe Kosten bei geringen Renditen
- Keine steuerlichen Vorteile
- Geringe Flexibilität
Selbstständigkeit und Rentenversicherung der gesetzlichen Rentenkasse
Als Selbstständiger hast du auch die Möglichkeit, wie Festangestellte in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Du kannst dich freiwillig für oder gegen diese Option entscheiden. Da die Kosten für die gesetzliche Absicherung geringer sind als für die private, kommt dir diese Variante bestimmt zugute. Im Vergleich zur privaten Rentenversicherung ist der Ertrag aus der gesetzlichen Rentenversicherung aktuell höher. Du fragst dich nun vielleicht, ist die gesetzliche Rentenversicherung als Altersvorsorge sinnvoll? Ja! Eine freiwillige Versicherung in der deutschen Rentenversicherung kann ein sinnvoller zusätzlicher Baustein in der Altersvorsorge sein - auch um Hinterbliebene abzusichern.
Achtung
Zahlung der Beiträge in voller Höhe
Halte dir jedoch immer vor Augen: Auch wenn die Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung geringer sind, musst du diese trotzdem in voller Höhe allein einzahlen. Als Selbstständiger bleibt dir der Vorteil von Arbeitnehmern verwehrt, dass der Arbeitgeber einen Teil der Rentenbeiträge zahlt.
Vorteile
- Niedrige Beitragskosten
- Nicht von den deutschen Kapitalmärkten abhängig
- Kollektives Prinzip: das, was die einzahlende Generation einbringt, wird an die Rentengeneration ausgezahlt
- Lebenslange Rentenzahlung
Nachteile
- Geringe Flexibilität
- Geld kann nicht einmalig ausgezahlt werden, sondern nur als Rente in monatlichen Zahlungen
- Politische Abhängigkeit: wie gesetzliche Altersvorsorge in der Zukunft geregelt wird ist ungewiss
Welche Fristen gelten bei der Anmeldung zur gesetzlichen Rentenkasse?
Wenn du selbstständig bist und unter die genannten Kriterien für eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenkasse fällst, musst du dich selbst bei der Rentenkasse anmelden. Dies muss innerhalb der ersten drei Monate nach der Gründung geschehen. Das gilt auch, wenn ein Gründungszuschuss gezahlt wird. Wird die Frist versäumt, fordert die Rentenkasse die fehlenden Beträge nachträglich ein. In einigen wenigen Berufen, wie zum Beispiel bei den Seelotsen oder den Küstenfischern, wird die Anmeldung über die Knappschaft durchgeführt.
Wo kann ich mich als Selbständiger bei der gesetzlichen Rente anmelden?
Den Antrag auf eine freiwillige gesetzliche Rentenversicherung kann direkt in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der deutschen Rentenversicherung gestellt werden. Alternativ kann dies auch bei einem Versicherungsberater der deutschen Rentenversicherung geschehen. Der Antrag dazu muss innerhalb der ersten fünf Jahre nach Start der Selbstständigkeit eingereicht werden.
Welche Beiträge müssen bei freiwilliger Versicherung entrichtet werden?
Der derzeitige Mindestbeitrag für freiwillige Beiträge beträgt 112,16 € (Stand 2025: 103,42 €). Der Höchstsatz liegt bei 1.571,70 € (2025: 1.497,30 €) pro Monat. Du kannst die Höhe des Beitrages innerhalb der genannten Grenzen selbst wählen.
Welche steuerlichen Vorteile habe ich durch eine freiwillige gesetzliche Rentenversicherung?
Steuerlich ist eine freiwillige Rentenversicherung für Selbstständige seit Anfang 2023 interessant. Seitdem können die gezahlten Rentenbeiträge in voller Höhe steuerlich geltend gemacht und von der Steuer abgesetzt werden.
Immobilien als Altersvorsorge für Selbstständige
Viele Selbstständige nutzen Immobilien, um sich im Alter abzusichern. Wenn du bereits als junger Unternehmer selbstständig bist, den Immobilienmarkt im Auge behältst und einen guten Zeitpunkt triffst, kannst du eine Immobilie zu einem guten Preis erwerben. Mit der Option Crowdfunding musst du ein Investment nicht gleich alleine stemmen, sondern kannst mit mehreren Anlegern investieren. Als Selbstständiger muss die Altersvorsorge durch Immobilien nicht dein einziges Standbein zur Rentenabsicherung sein. Du kannst die Immobilie auch zusätzlich zu einer anderen Option erwerben.
Vorteile
- Investitionen in Sachanlagen
- Unabhängig von Einzahlgeneration & politischen Entschlüssen
- Durch Vermietung sind laufende Einkünfte gesichert
Nachteile
- Hohe Investitionskosten zu Beginn
- Andauernde Folgekosten durch Sanierungen/Renovierungen
- Organisatorischer Aufwand
- Immobilienpreise sind marktabhängig
Pensionskasse für Selbstständige
Die Pensionskasse ist eine Option der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Es handelt sich hierbei um eine zusätzliche Rentenversicherung, die Beschäftigte über ihre Arbeitgeber abschließen können. Ein Teil des Bruttolohns geht jeden Monat dann direkt in die Pensionskasse. Damit Angestellte über diese Altersvorsorge beraten werden, müssen sie aktiv auf ihre Vorgesetzen zugehen. Seit 2019 besteht die Pflicht, dass Arbeitgeber die bAV mit 15 Prozent unterstützen.
Info
Die bAV für Selbstständige
Eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) für Selbstständige ist unter Umständen dann möglich, wenn du dauerhaft für ein Unternehmen arbeitest und so eine gewisse Art der Anstellung besteht.
In manchen Fällen kannst du einen Vertrag auch weiterlaufen lassen, der bereits vor der Selbstständigkeit bestand. Hierzu gibt es aber strikte Gesetzesauflagen. Lass dich hierzu am besten von einem Steuerexperten beraten.
Info
Welche Ausgaben für die Altersvorsorge sind steuerlich absetzbar?
Es sind nur bestimmte Ausgaben der Altersvorsorge für Selbstständige steuerlich absetzbar. Hierzu gehören zum Beispiel Beiträge aus berufsständischen Versorgungswerken, die Basis-Rente (Rürup-Rente) oder auch die Riester-Rente. Beiträge aus zusätzlichen privaten Rentenversicherungen für Selbstständige sind nicht steuerlich absetzbar.
Zusammenfassung
Altersvorsorge für Selbstständige: Das Wichtigste zusammengefasst
- Die gesetzliche Altersvorsorge ist für Selbstständige keine gesetzliche Pflicht.
- Du kannst dich als Einzelunternehmer jedoch freiwillig für eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung entscheiden.
- Wie hoch dein monatliches Budget für private Rentenversicherungs-Maßnahmen ausfällt, musst du selbst entscheiden.
- Bist du selbstständig und gehörst einer bestimmten Berufsgruppe an, gehörst du dennoch der gesetzlichen Rentenversicherung an.
- Bei Freiberuflern, die Mitglied einer Berufskammer sind, läuft die Altersvorsorge über die jeweiligen Versorgungswerke.
- Trifft beides nicht auf dich zu, kannst du Altersvorsorge als Selbstständiger über die Rürup-Rente regeln.
- Viele Selbstständige sichern ihre Altersvorsorge auch über eine Immobilien-Investition zu sichern.
- Wenn du bestimmte Kriterien erfüllst, kannst du als Selbstständiger eine Riester-Rente abschließen.