Info
Das Wichtigste in Kürze zum Arbeitszeugnis
- Laut der Gewerbeordnung (§ 109 GewO) musst du jedem ehemaligen Mitarbeiter ein Arbeitszeugnis ausstellen.
- Die Formulierungen in den Arbeitszeugnissen liefern künftigen Arbeitgebern ein erstes Bild zu Beschäftigungsdauer, Leistung und Verhalten des Mitarbeiters.
- Ein Arbeitszeugnis muss positiv und wohlwollend formuliert sein sowie einer verständlichen Struktur (Aufgaben, Leistungen, Verhalten etc.) folgen.
- Viele positive Formulierungen in Arbeitszeugnissen enthalten bestimmte „Geheimcodes“, z. B. über fehlende Eigeninitiative, Konflikte und Krankheit, Delegieren.
- Ehemalige Mitarbeiter können ein Arbeitszeugnis anfechten, wenn es bestimmte Geheimcodes oder falsche Aussagen enthält.
Definition: Was ist eigentlich ein Arbeitszeugnis?
Du kannst dir ein Arbeitszeugnis wie eine aussagekräftige, schriftliche Urkunde vorstellen. Mit dieser Urkunde belegt jemand, dass er bei Unternehmen XY beispielsweise als Maschinenbediener gearbeitet hat. Außerdem sagt es folgende Punkte über einen Arbeitnehmer aus:
- Wie lange war er beim Unternehmen beschäftigt?
- Wie hat er sich gegenüber Kollegen und Vorgesetzen verhalten?
- Wie war seine Leistung im Unternehmen?
Mit dem Arbeitszeugnis bewirbt sich die Person dann bei anderen Unternehmen. Die Personaler aus dem Unternehmen können sich anhand der Formulierungen im Arbeitszeugnis ein erstes Bild über den Bewerber machen.
Muss ich für jeden Angestellten ein Arbeitszeugnis formulieren?
Ja, sofern du oder der Angestellte das Arbeitsverhältnis beendest, musst du ihm ein Arbeitszeugnis ausstellen. Grundlage hier bildet § 109 der Gewerbeordnung. Machst du das nicht, verstößt du gegen den besagten Paragrafen. Dadurch kann der Arbeitnehmer unter Umständen sogar Schadensersatz vor dem Arbeitsgericht einklagen.
Ein entsprechendes Gerichtsurteil hat beispielsweise das Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven (AZ. 1 Ca 1309/10) gefällt. Der Kläger erhielt aufgrund eines nicht geänderten Arbeitszeugnisses eine Bewerbungsabsage. Daraufhin reichte er eine Schadensersatzklage beim Arbeitsgericht ein. Der Richter gab dem Kläger recht und setzte einen Schadensersatz in Höhe des Gehaltes von 6 Wochen an.
Wie formuliere ich ein Arbeitszeugnis korrekt?
- du startest mit der Überschrift „Arbeitszeugnis“.
- Nenne als Nächstes die folgenden Punkte: vollständiger Name, Eintritts- und Austrittsdatum, Jobbezeichnung.
- Erkläre, welche Aufgaben der Mitarbeiter im Unternehmen übernommen hat
- Bewerte das Fachwissen, die Arbeitsbereitschaft, die Arbeitsweise und die Arbeitsergebnisse. Entsprechende Formulierungen für das Arbeitszeugnis findest du weiter unten im Artikel.
- Sprich darüber, wie sich der Mitarbeiter gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden verhalten hat.
- Schließe das Arbeitszeugnis mit einer Schlussformel, wie „Danke für die Zusammenarbeit“ ab.
- Unterschreibe du oder ein HR-Verantwortlicher das Arbeitszeugnis.
Vorsicht! Das Arbeitszeugnis darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, in denen sich eine negative Aussage über den Arbeitnehmer versteckt (vgl. § 109 Gewerbeordnung GewO).
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Welche Formulierungen sind im Arbeitszeugnis schlecht?
Eigentlich darfst du ein Arbeitszeugnis nicht negativ formulieren. Du musst es also positiv und wohlwollend für den Arbeitnehmer schreiben. Deshalb haben Personaler im Laufe der Zeit „Geheimcodes“ für Arbeitszeugnisse entwickelt. Was also zunächst positiv klingt, enthält in Wahrheit eine eher negative Botschaft.
So gelten beispielsweise Formulierungen wie „Sie tat ihr Möglichstes.“, „Er arbeitete gemäß seinen Fähigkeiten.“ oder „Er gab sein Bestes.“ als rechtswidrig. Nutzt du solche Standardformulierungen, können ehemalige Mitarbeiter das Arbeitszeugnis vor dem Arbeitsgericht anfechten. Dennoch gibt es Codes, die du im Arbeitszeugnis verwenden kannst, um deine Unzufriedenheit über ein Arbeitsverhältnis auszudrücken.
Achtung
Zwischen den Zeilen lesen
Wählst du im Arbeitszeugnis die Schlussformel „Wir wünschen dir alles Gute und viel Erfolg!“, klingt das doch zunächst positiv. Was du in der Zeugnissprache aber eigentlich ausdrückst, ist, dass ein Arbeitnehmer in deinem Unternehmen keinen Erfolg hatte.
Hier ein paar Standardformulierungen in einem Arbeitszeugnis und deren wahre Bedeutung:
Diese Noten verstecken sich hinter Formulierungen im Arbeitszeugnis
In den Formulierungen des Arbeitszeugnisses verstecken sich tatsächlich die Schulnoten 1 – 6. Durch diese Formulierungen erfahren andere Unternehmen wie zufrieden du mit der Arbeitsleistung, dem Arbeitsstil oder dem Fachwissen des Mitarbeiters warst:
- 1 (sehr gut): stets zur vollsten Zufriedenheit
- 2 (gut): stets zur vollen Zufriedenheit
- 3 (befriedigend): stets zur Zufriedenheit
- 4 (ausreichend): zur Zufriedenheit
- 5 (mangelhaft): im Großen und Ganzen zur Zufriedenheit
- 6 (ungenügend): hat sich bemüht
Bei der Gesamtnote sollte mindestens die Note 3 herauskommen. Zwar darf ein Arbeitszeugnis auch negativ sein. Allerdings musst du als Arbeitgeber in diesem Fall beweisen, dass deine negative Beurteilung tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Können Arbeitnehmer ihr Arbeitszeugnis anfechten?
Der Arbeitnehmer darf das Arbeitszeugnis anfechten, wenn die Formulierungen nicht der Wahrheit entsprechen oder gewisse „Geheimcodes“ enthalten. Beurteile die Arbeitsbefähigung, Arbeitsweise, Fachkenntnisse, die Qualität der Arbeitsergebnisse, den Fleiß sowie die Einsatzbereitschaft also immer fair und korrekt.
Fechtet der ehemalige Arbeitnehmer die Formulierungen bzw. das Arbeitszeugnis an? Dann musst du es – falls er richtig liegt – unverzüglich korrigieren, wie die Rechtsanwaltskanzlei von Rueden & Heyse berichtet. Andernfalls droht dir eine Klage vor dem Arbeitsgericht.
Checkliste: Formulierungen im Arbeitszeugnis
- Jeder Mitarbeiter hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis (einfaches/qualifiziertes Arbeitszeugnis am Ende des Beschäftigungsverhältnisses oder ein Zwischenzeugnis).
- Das Arbeitszeugnis enthält Angaben zur Person, zur Beschäftigungsdauer, zum Aufgabenbereich sowie eine Beurteilung der Leistung und ihres Verhaltens.
- Du musst das Zeugnis wahrheitsgemäß, klar verständlich und wohlwollend formulieren.
- Wörter wie faul, langsam, aufmüpfig, unpünktlich etc. solltest du nicht in einem Arbeitszeugnis verwenden.
- Verwende stattdessen versteckte Formulierungen im Arbeitszeugnis, um auf negative Arbeitsleistungen oder Verhalten hinzuweisen.
- Vermeide einschränkende Aussagen, doppelte Verneinungen und zweideutige Sätze.
- Wörter wie „stets“, „immer“ und „äußerst“ machen sich gut in einem Arbeitszeugnis.
- Das Arbeitszeugnis endet mit der Schlussformel, in der du dein Bedauern über den Weggang und deine Zukunftswünsche formulierst.
- Führe den Grund für die Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses hier ebenfalls auf. Kündigst du einen Mitarbeiter wegen seines Verhaltens, darfst du dies allerdings nicht als Kündigungsgrund nennen.
Fazit: Sieh Formulierungen im Arbeitszeugnis nicht als Abschiedsgruß
Du solltest das Arbeitszeugnis niemals als einen formalen Abschiedsgruß sehen! Vielmehr ist es mit einer schriftlichen Urkunde zu vergleichen, die du wahrlich, eindeutig und wohlwollend formulieren musst.
Doch was auf den ersten Blick nett klingt, kann zwischen den Zeilen eine geheime Botschaft für andere Unternehmen bedeuten: von fehlender Eigeninitiative über Konflikte bis hin zu der Frage, ob jemand wirklich „stets zur vollsten Zufriedenheit“ gearbeitet hat. Andere Unternehmen entschlüsseln solche Codes, wodurch sich vielleicht die Tür für ein neues Arbeitsverhältnis des ehemaligen Angestellten schließt.
Für dich heißt das: Achte darauf, das Arbeitszeugnis sauber zu strukturieren, Leistungen und Verhalten konkret zu beschreiben und Formulierungen (inklusive Schlussformel) bewusst zu wählen. Denn missverständliche oder rechtswidrige Codes können ehemalige Angestellte anfechten und dich sogar auf Schadensersatz verklagen.
FAQ
Wie kann ich mein Arbeitszeugnis richtig lesen?
Um ein Arbeitszeugnis richtig lesen zu können, solltest du die typischen Formulierungen und Codes kennen. Du kannst auf versteckte Hinweise deuten und die tatsächliche Bewertung deiner Leistung und deines Verhaltens aufzeigen.
Worauf muss ich achten, wenn ich eine Beurteilung schreibe?
Beim Verfassen einer solchen Beurteilung helfen standardisierte Formulierungen, um Leistung und Verhalten klar, professionell und rechtssicher darzustellen. Die Wahl der richtigen Formulierung im Arbeitszeugnis beeinflusst die Aussagekraft entscheidend. Die Formulierung sollte wohlwollend und präzise sein.