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Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer auf GmbH-Anteile

Erbschafts- und Schenkungssteuer auf GmbH-Anteile richtig berechnen
Von Lexware Redaktion
Aktualisiert am: 19.10.2017

Nichts im Leben ist umsonst. Auch nicht die Übertragung von Betriebsvermögen oder GmbH-Anteilen durch Erbschaft oder Schenkung. In beiden Fällen müssen Sie als Begünstigter Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer abführen. Wie Sie die Höhe Ihrer individuellen Steuerlast berechnen und von welchen Vergünstigungen Sie profitieren können, erfahren Sie hier.

Wann fällt Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer an?

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer haben ihre gesetzliche Grundlage im Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) und werden weitgehend nach denselben Regeln berechnet. Damit will der Gesetzgeber vermeiden, dass die Steuerpflicht auf einen Vermögensgegenstand - wie z.B. einen GmbH-Anteil - dadurch umgangen wird, dass dieser noch zu Lebzeiten verschenkt wird.

Nach dem Gesetz wird in den folgenden Fällen Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer erhoben:

  • Erwerb von Todes wegen: Hierzu zählt u. a. die „normale“ Erbschaft, d. h. wenn Sie einen GmbH-Anteil erben, weil dies so in einem Testament festgehalten wurde.
  • Schenkung unter Lebenden: Hierzu gehört jeder Fall, in dem Ihnen ein GmbH-Anteil ohne Gegenleistung geschenkt wird, den Sie – zumindest rein theoretisch – verkaufen könnten.
  • Zweckzuwendungen: Hierbei handelt es sich um eine Vermögensübertragung (Erbfall oder Schenkung), die mit der Auflage verbunden ist, die Zuwendung für einen bestimmten Zweck zu verwenden.
  • Stiftungen und Vereine: Sofern sie im Interesse einer bestimmten Familie oder bestimmten Familien errichtet wurden. Das Vermögen dieser Stiftungen und Vereine wird alle 30 Jahre besteuert.

Bei der Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer handelt es sich um eine sogenannte Erbanfallsteuer. Das bedeutet, dass nicht derjenige, der den GmbH-Anteil vererbt bzw. verschenkt (Erblasser / Schenker) sie zahlen muss, sondern derjenige, der den GmbH-Anteil erhält (Erwerber). Voraussetzung für eine unbeschränkte Steuerpflicht im Rahmen der Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer ist, dass entweder der Erblasser / Schenker oder der Erwerber ein Inländer ist. Dazu zählen alle Personen, die ihren Wohnsitz oder Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle.

Das komplette Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz sowie die Erbschaftsteuerverordnung finden Sie im Lexware gmbh wissen. In der Online-Datenbank für GmbH-Geschäftsführer und -Gesellschafter erfahren Sie alles, was Sie über die Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer im Rahmen der Übertragung eines GmbH-Anteils wissen müssen und wie die Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer berechnet wird.

Bemessungsgrundlage der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer

Die Bemessungsgrundlage für die Erbschaftssteuer – also der Wert, auf den die Steuer erhoben wird – ist der sogenannte „steuerpflichtige Erwerb“. Um diesen zu berechnen, werden von dem Wert des erhaltenen GmbH-Anteils Nachlassverbindlichkeiten, Steuerbefreiungen und persönliche Freibeträge abgezogen.

1. Nachlassverbindlichkeiten

Bei den Nachlassverbindlichkeiten unterscheidet man zwischen Erblasserschulden, Erbfallschulden und Erbfallkosten.

  • Zu den Erblasserschulden gehören alle Schulden, die der Erblasser zum Zeitpunkt des Todes hatte. Ausnahme hiervon sind betriebliche Schulden.
  • Erbfallschulden sind Schulden, die dem Erwerber durch den Erblasser oder durch Gesetz auferlegt werden wie z. B. Schulden aus Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachten Pflichtteilen.
  • Die Erbfallkosten umfassen alle Kosten, die mit der Bestattung und der Abwicklung des Nachlasses zusammenhängen. Hierfür wird für den Erbfall ein Pauschbetrag von 10.300 EUR gewährt.

Bei der Schenkungssteuer sind anstelle der Nachlassverbindlichkeiten Gegenleistungen und Auflagen, die dem Beschenkten auferlegt wurden, zu berücksichtigen.

2. Steuerbefreiungen

Zusätzlich zum Abzug der Nachlassverbindlichkeiten vom Vermögenswert werden für die Bemessung der Erbschaftssteuer sachliche Steuerbefreiungen berücksichtigt. Unter bestimmten Voraussetzungen bleiben u. a. folgende Vermögensteile ganz oder teilweise steuerfrei:

  • Betriebsvermögen und Anteile an Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH), an denen der Erblasser oder Schenker zu mehr als 25 % beteiligt ist (das sogenannte Produktivvermögen)
  • ein selbstgenutztes Familienheim
  • zu Wohnzwecken vermietete Grundstücke
  • der Erwerb von Hausrat und anderen beweglichen körperlichen Gegenständen, soweit sie nicht zum Betriebsvermögen gehören

3. Persönliche Freibeträge im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteue

Der persönliche Steuerfreibetrag des Erwerbers, der bei der Berechnung der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer berücksichtigt wird, hängt von seiner Steuerklasse ab. Hierfür ist es maßgebend, in welchem Verwandtschaftsverhältnis der Erwerber zum Erblasser / Schenker steht:

Steuerklasse I

  • der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner
  • Kinder und Stiefkinder
  • Enkel und weitere Abkömmlinge des Erblassers oder Schenkers
  • im Erbfall (nicht bei Schenkungen) auch die Eltern und Großeltern des Erblassers

Steuerklasse II

  • Geschwister
  • Kinder der Geschwister (Nichten und Neffen)
  • Stiefeltern
  • Schwiegerkinder
  • Schwiegereltern der geschiedene Ehegatte oder Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft bei Schenkungen auch Eltern und Großeltern des Schenker


Steuerklasse III

  • alle anderen Erwerber

Je nach Steuerklasse können Sie einen höheren oder niedrigeren Freibetrag von der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer abziehen. Gehören Sie zur Steuerklasse I, richtet sich der Freibetrag nach Ihrem konkreten Verwandtschaftsgrad zum Erblasser bzw. Schenker. Die entsprechenden Freibeträge für die Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer können Sie der folgenden Übersicht entnehmen:

Erbschaftssteuer/ Schenkungssteuer - Freibeträge

Ehegatten, eingetragene Lebenspartner und Kinder bekommen im Erbfall eines GmbH-Anteils zusätzlich einen besonderen Versorgungsfreibetrag. Nach Abzug von Nachlassverbindlichkeiten, Steuerbefreiungen und persönlichen Freibeträgen steht der „steuerpflichtige Erwerb“ fest. Dieser wird abschließend auf volle 100 Euro abgerundet.

Weiterführende Informationen zur Berechnung der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer finden Sie im Lexware gmbh wissen. Mit dem integrierten Erbschaftssteuer-Rechner bzw. Schenkungssteuer-Rechner können Sie eine anfallende Erbschafts- und Schenkungssteuer für einen GmbH-Anteil außerdem sehr schnell und einfach selbst berechnen.

Welcher Steuersatz im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer gilt für Sie?

Wurde der „steuerpflichtige Erwerb“ berechnet, können Sie die konkrete Höhe der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer ermitteln. Ihr individueller Steuersatz hängt dabei von diesem Wert und von Ihrer Steuerklasse ab. Je nachdem, in welcher Steuerklasse Sie sind, bewegen sich die Steuersätze der Erbschaftsteuer / Schenkungssteuer zwischen 7 und 50 Prozent. Welcher Steuersatz konkret für Sie gilt, können Sie der folgenden Übersicht entnehmen:

Vergünstigungen für Betriebsvermögen im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer

Handelt es sich bei der Erbschaft bzw. Schenkung, für die Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer anfällt, um eine GmbH-Nachfolge, wird der Erwerber entlastet. Damit will der Staat dafür sorgen, dass die GmbH weitergeführt werden kann und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Die Entlastung erfolgt dabei durch den sogenannten Verschonungsabschlag. Dieser kann entweder 85 % oder 100 % betragen. Bei einem Verschonungsabschlag von 85 % müssen Sie nur auf 15 % des GmbH-Werts Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer zahlen. Beträgt er 100 %, fällt sogar überhaupt keine Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer an.

Liegt der GmbH-Wert nicht über 26 Millionen EUR, kann bei Anwendung des Abschlags von 85 % zusätzlich ein Freibetrag von maximal 150.000 EUR vom Restwert abgezogen werden.

Um diese Vergünstigungen in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie die folgenden Bedingungen erfüllen:

Weiterführung der GmbH
Für die Anwendung des Verschonungsabschlags von 85 % im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer müssen Sie die GmbH mindestens 5 Jahre lang weiterführen. Möchten Sie einen Abschlag von 100 % in Anspruch nehmen, erhöht sich dieser Zeitraum auf 7 Jahre. Geben Sie die GmbH vor Ende der jeweiligen Frist mit auf, müssen Sie die eingesparten Steuern im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuernachträglich an das Finanzamt abführen.

Einhaltung der Mindestlohnsumme
Um den Verschonungsabschlag im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer in Anspruch nehmen zu können, müssen GmbHs mit mehr als 5 Mitarbeitern eine bestimmte Mindestlohnsumme einhalten. Zur Lohnsumme gehören alle Personalaufwendungen der GmbH einschließlich Sozialbeiträgen. Sie darf eine bestimmte Mindesthöhe nicht unterschreiten. Die Höhe bestimmt sich je nachdem, welchen Abschlag Sie nutzen möchten. Wird die Mindestlohnsumme unterschritten, verringert sich der Verschonungsabschlag entsprechend. Wie sich die Mindestlohnsumme genau berechnet, erfahren Sie im Lexware gmbh wissen.

Verwaltungsvermögen in der GmbH
Damit Sie von dem Verschonungsabschlag bei der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer profitieren können, darf Ihre GmbH maximal zu 90 % aus Verwaltungsvermögen bestehen. Hierzu gehören z. B. Grundstücke, Wertpapiere, Oldtimer, Segelflugzeuge und sonstige Gegenstände, die typischerweise zur privaten Lebensführung gehören.

Wichtig

Die Verschonungsabschläge von 85 % bzw. 100 % im Rahmen der Erbschaftssteuer / Schenkungssteuer können Sie nur bei einem GmbH-Wert von bis zu 26 Millionen EUR in Anspruch nehmen. Liegt der Gmbh-Wert darüber, verringert sich der Abschlag um jeweils einen Prozentpunkt für jede volle 750.000 EUR, die der Wert des begünstigten Vermögens über dem Schwellenwert von 26 Mio. EUR liegt. Der Abschlag kann sich so bis auf 0 % verringern.


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