Finanzierung: Wie vergleiche ich Leasingangebote richtig? /fileadmin/_processed_/3/c/csm_iStock_000005183840XSmall_16e534f7c2.jpg 2015-08-11 Lexware

Finanzierung: Wie vergleiche ich Leasingangebote richtig?

Diese Parameter sollten Sie beim Vergleich von Leasingsangeboten beachten
Von Reinhard Bleiber
Aktualisiert am: 11.08.2015

Für kleine Unternehmen ist die Finanzierung von Investitionen oft mit Schwierigkeiten verbunden. Leasing kann bei dem Kauf von Fahrzeugen und anderen Vermögensteilen eine einfachere Option sein als der typische Kredit. Liegen mehrere Leasingangebote vor, kann die Vielfalt der unterschiedlichen Bedingungen verwirren. Davon sollten Sie sich aber nicht abhalten lassen, Leasing als eine Möglichkeit für Ihre Finanzierung zu prüfen. Dieser Beitrag zeigt, worauf es dabei ankommt.

Wer Leasing als Alternative zur Finanzierung mit Krediten prüft, muss die Unterschiede kennen. Die Besonderheiten von Leasing im Überblick:

  • Beim Leasing erwirbt der Leasingnehmer kein Eigentum am Leasingobjekt. Er nimmt es in Besitz und erhält ein Nutzungsrecht.

  • Dem Leasinggeber reicht in der Regel das Leasingobjekt als Sicherheit. Das gilt vor allem bei Standardobjekten wie z. B. Fahrzeugen.

  • Geleaste Gegenstände erscheinen nicht im Anlagevermögen der Bilanz. Bei einer Finanzierung erhöhen sowohl der Wert des Investitionsobjekts als auch die Verbindlichkeiten gegenüber der Bank die Bilanzsumme.

    Tipp: Es kann sich vorteilhaft auf die Bilanzkennzahlen auswirken, wenn sich die Bilanzsumme nicht erhöht.

  • Die Leasingrate ist steuerlich voll absetzbar und kann auch oberhalb der Summe aus Abschreibungen und Zinsen eines vergleichbaren Kredits liegen.

Vergleich von Leasingangeboten - Kriterien

Um Leasingangebote vergleichen zu können, müssen Sie unterschiedliche Leasingangebote für das gleiche Leasingobjekt einholen. Damit liegt der Preis des Investitionsgutes fest.Variable Parameter, die Sie im Vergleich der Leasingangebote betrachten sollten, sind die Leasingsonderzahlung, die Restzahlung, die Laufzeit und der Zinssatz.

Die Leasingsonderzahlung

Vor allem bei der Finanzierung von Fahrzeugen ist die Leasingsonderzahlung, also eine Anzahlung, ein beliebter Bestandteil des Leasingvertrags. Für gewerbliche Investitionen ist dies eher unüblich.

Das sollten Sie bei der Anzahlung beachten: Eine Anzahlung senkt den Betrag, der durch das Leasing finanziert werden muss. Entsprechend günstiger ist die Finanzierung. Wenn also die Investition durch liquide Mittel teilweise bezahlt werden könnte, so macht die Leasingsonderzahlung durchaus Sinn. Dadurch sinkt in der Regel die monatliche Leasingrate.

Nachteil: Die Anzahlung kann nicht sofort als Kosten verbucht werden (Ausnahme: bei der Einnahme-Überschuss-Rechnung). Sie wird vielmehr über die Laufzeit des Leasingvertrags verteilt und im Rechnungsabgrenzungsposten in der Bilanz berücksichtigt.

Fazit: Wer also über ausreichend Liquidität verfügt, kann eine Anzahlung vereinbaren. Die Leasingsonderzahlung verbessert die Sicherheit des Leasinggebers, da das geleaste Objekt in seinem Eigentum bleibt. Das sollte Einfluss haben auf die Höhe der Zinsen. Eine verbesserte Sicherheit senkt die Höhe der Verzinsung in jeder Art der Finanzierung.

Die Restzahlung im Leasingvertrag

Viele Leasingverträge sehen eine Restzahlung am Ende der Laufzeit der Finanzierung vor. Gewohnt sind wir dies aus dem Fahrzeugleasing. Maschinen, Gebäude oder andere Leasingobjekte werden oft auch vollamortisiert, sodass keine Restzahlung anfällt.

Das Argument für eine Endzahlung ist die Tatsache, dass das Leasingobjekt in der Regel am Vertragsende noch einen Restwert aufweist. Wird die Maschine oder das Fahrzeug verkauft, kann der Erlös für die Endzahlung verwendet werden. Bei einer Vollamortisation würde ein Restwert über die Laufzeit getilgt. Bei Verträgen mit Restzahlung wird dieser Betrag immer bis zum Ende mitfinanziert.

Das sollten Sie bei der Restzahlung beachten:

  • Je höher die Restzahlung im Leasing ist, desto niedriger ist der Tilgungsteil und desto höher ist der Zinsanteil der monatlichen Rate.
  • Je höher die Restzahlung ist, desto höher ist die Belastung der Liquidität am Ende der Laufzeit.
  • Je höher die Restzahlung ist, desto größer ist das Risiko des Geldgebers, den Vertrag nicht voll erfüllt zu bekommen.
  • Wenn ein Verkaufserlös als Restzahlung eingeplant ist, trägt der Leasingnehmer das Risiko, dass der Verkaufserlös nicht ausreicht, die Abschlusszahlung zu leisten.

Fazit: Im Grunde ist die Restzahlung ein Parameter, mit dem die monatliche Leasingrate reduziert wird und damit den Leasingvertrag optisch günstiger erscheinen lässt. Das Risiko liegt beim solventen Leasingnehmer, der eine Differenz zwischen Verkaufserlös und Restzahlung tragen muss. Verfügt das Unternehmen zurzeit über wenig Liquidität und wird sich das über die Laufzeit ändern, ist eine hohe Restzahlung vorteilhaft.

Die Laufzeit des Leasingvertrags

Die Laufzeit des Leasingvertrags bestimmt die Höhe der Leasingrate. Wie bei jeder Finanzierung mit anteiliger Tilgung ist auch beim Leasing der Tilgungsteil der Rate umso niedriger, je länger der Vertrag läuft. Gleichzeitig steigt die Summe der insgesamt zu zahlenden Zinsen. Eine Kündigung des Leasingvertrags ist beiden Seiten meist nur nach einer Grundleasingzeit oder aus wichtigem Grund (Nichtzahlung der Leasingraten) möglich.

Das sollten Sie bei der Laufzeit beachten: Eine Laufzeit des Vertrags über die Nutzungsdauer hinaus macht keinen Sinn, da sonst der Leasinggeber bald keine ausreichende Sicherheit mehr hat und der Leasingnehmer für die Nutzung zunächst zu wenig zahlt. Später zahlt er dann weiter für ein Objekt, das er nicht mehr nutzen kann. Daher sind Laufzeiten über 90 % der Nutzungsdauer problematisch.

Hat das Leasing eine zu kurze Laufzeit und keinen korrespondierenden Restwert, kommt es zu Problemen mit dem Finanzamt. Es wird dann unterstellt, dass durch die so entstehenden hohen Leasingraten Steuervorteile erreicht werden sollen. Je höher die Rate oberhalb einer üblichen Abschreibung liegt, desto skeptischer wird das Finanzamt werden. Bei Leasinglaufzeiten unterhalb von 40 % der Nutzungsdauer wird der Finanzbeamte prüfen und eventuell eine Zuschreibung des Leasinggutes zum Anlagevermögen vornehmen. Dann kann nur wie üblich abgeschrieben werden.

Fazit: Wer innerhalb der sinnvollen und steuerlich zulässigen Grenzen von 40 % bis 90 % der Nutzungsdauer wählen kann, macht das von seiner Liquidität abhängig. Ist ausreichend Liquidität vorhanden, führen kurze Laufzeiten zu geringeren Zinskosten als lange Laufzeiten, die bei angespannter Liquiditätslage gewählt werden.

Der Zinssatz im Leasingvertrag

Die Kosten einer Finanzierung bestimmt der Zinssatz. Das gilt auch bei Leasing. Verzinst werden muss der Wert des Objekts abzüglich einer eventuell geleisteten Leasingsonderzahlung. Der Tilgungsteil der Leasingrate reduziert den zu verzinsenden Betrag, ein vereinbarter Restwert muss über die gesamte Laufzeit verzinst werden.

Der Leasinggeber deckt durch den Zinssatz seine Refinanzierungskosten, seine laufenden Kosten und seinen Gewinn.

Das sollten Sie beim Zinssatz beachten: Für Ihre Verhandlungen mit dem Geldgeber ist der Zinssatz der wichtigste Parameter. Selbstverständlich müssen die anderen Bedingungen wie Laufzeit, Anzahlung und Restzahlung ebenfalls stimmen. Doch für die Höhe der Kosten ist der Zinssatz verantwortlich.

Die Leasingrate

Oft wird die Auswahl des Leasingvertrags von der Höhe der Leasingrate abhängig gemacht. Diese scheint für viele das objektive Kriterium zur Beurteilung zu sein. Dabei ist die regelmäßige Zahlung abhängig von allen anderen Parametern.

Das sollten Sie bei der Leasingrate beachten:

  • Eine hohe Anzahlung senkt die Rate ebenso wie eine hohe Abschlusszahlung.
  • Eine kurze Laufzeit lässt die Rate steigen, eine lange lässt sie sinken.
  • Der Zinssatz hat ebenfalls durch den Zinsanteil der Raten einen wichtigen Einfluss. In den Verhandlungen versucht der Leasinggeber häufig, durch Veränderungen der Parameter die Leasingrate in die vom Unternehmen gewünschte Größenordnung zu bringen. Der Zinssatz bleibt dabei meist außen vor, da darin die Marge für den Anbieter dieser Finanzierung liegt.

Praxisbeispiel

Der Schreinermeister Weber aus Frankfurt plant die Anschaffung eines neuen Transporters für 25.000 EUR. Für die Finanzierung liegen ihm 2 Leasingangebote vor, die sich in der monatlichen Leasingrate erheblich unterscheiden:

Angebot
Angebot A-Bank B-Leasing
Anschaffungwert 25.000 EUR 25.000 EUR
Monatliche Leasingrate 179,03 EUR 137,71 EUR
Anzahlung 7.500 EUR 12.500 EUR
Restzahlung 12.500 EUR 7.500 EUR
Laufzeit 48 Monate 60 Monate
Zinssatz 6,0 % 6,5 %

Obwohl der Zinssatz etwas über dem der A-Bank liegt, ist die monatliche Rate bei der B-Leasing verführerisch niedrig. Allerdings hat der Handwerker zurzeit maximal 5.000 EUR für eine Anzahlung übrig. Gleichzeitig möchte er nicht das Risiko eines hohen Restwerts eingehen, den er unter Umständen nach der Laufzeit nicht erzielt. Bei der Laufzeit geht der Unternehmer einen Kompromiss ein und rechnet mit 4,5 Jahren, also 54 Monaten.

Mit Hilfe eines Leasingrechners rechnet er beide Angebote um:

Angebot
Angebot A-Bank B-Leasing
Anschaffungwert 25.000 EUR 25.000 EUR
Monatliche Leasingrate 300,71 EUR 306,57 EUR
Anzahlung 5.000 EUR 5.000 EUR
Restzahlung 7.500 EUR 7.500 EUR
Laufzeit 54 Monate 54 Monate
Zinssatz 6,0 % 6,5 %

Der große Unterschied zu den Raten der ersten Angebote ergibt sich aus der geringen Anzahlung und der reduzierten Restzahlung. Ersteres ist der mangelnden Liquidität geschuldet, das Zweite ist einfach die realistischere Annahme.

Es zeigt sich, dass die Zinsdifferenz von 0,5 Prozentpunkten nicht besonders ausschlaggebend ist. Die Rate dieser Finanzierung unterscheidet sich um monatlich nur 5,86 EUR. Über die Laufzeit sind das 316,44 EUR. Bei dieser Kostendifferenz darf man es sich sogar erlauben, den Partner zu wählen, der sympathischer erscheint. Leider ist in diesem Fall die B-Leasing nicht bereit, nur 5.000 EUR als Anzahlung zu akzeptieren. Damit gewinnt der Leasingpartner mit dem besseren Zins und der größeren Flexibilität, auf Kundenwünsche einzugehen.

Ihr Lexware Newsletter

  • Topaktuell: Unternehmerwissen zu Buchhaltung & Finanzen, Mitarbeitern & Gehalt etc.
  • Praxisnah: Online-Schulungen, Werkzeuge und eBooks
  • Unterstützend: Tipps & Tricks rund um Ihr Lexware Programm

Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5
Weiterempfehlen

Schlagworte

Inhalte des Artikels


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5