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GmbH im Visier: die neuesten Trends der Betriebsprüfer

Das sind die neuesten Trends der Betriebsprüfer
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 10.05.2016

Bei Betriebsprüfungen kann man immer wieder Trends entdecken, bei denen die Prüfer der Finanzämter Schwerpunkte setzen. Gut, wenn Gesellschafter-Geschäftsführer oder Steuerberater diese Trends kennen und zeitnah darauf reagieren können. Wir stellen die neuesten Schwerpunkte bei Betriebsprüfungen einer GmbH vor.

Trend 1: Darlehensverzicht gegenüber Tochtergesellschaft

Verzichtet eine GmbH auf ein Darlehen, handelt es sich meist um einen Verzicht gegenüber einem verbundenen Unternehmen. Warum sollte die GmbH auch auf ein Darlehen verzichten, dass einem Geschäftspartner gewährt wurde. Solche Darlehensverzichte dürfen das zu versteuernde Einkommen der GmbH nicht mindern, wenn die GmbH an dem Darlehensnehmer zu mehr als 25% beteiligt ist.

Beispiel:

Im Rahmen einer Betriebsprüfung bei einer GmbH stößt der Prüfer auf einen Darlehensverzicht gegenüber einer Tochtergesellschaft, an der die GmbH zu 100% beteiligt ist. Der Darlehensverzicht führte in der Steuerbilanz der GmbH zu einem außerordentlichen Aufwand. Folge: In Höhe des Darlehensverzichts erhöht sich das zu versteuernde Einkommen der GmbH nach § 8b Abs. 3 Satz 4 KStG.

Trend 2: Darlehensverzicht gegenüber nicht mehr verbundenem Unternehmen

Hat eine GmbH auf ein Darlehen verzichtet und war im Zeitpunkt des Darlehensverzichts nicht an dem Darlehensnehmer beteiligt oder nicht mehr zu 25%, ist das leider kein Grund, aufzuatmen. Denn die Vorschrift des § 8b Abs. 3 Satz 4 KStG gilt auch für den Fall, dass einer GmbH irgendwann einmal zu mehr als 25% an dem Darlehensnehmer beteiligt war.

Beispiel:

Eine GmbH war bis zum 31.12.2015 an der Huber-GmbH mit 30% beteiligt. Diesen Anteil hat die GmbH zum 1.1.2016 vollständig verkauft. Im April 2016 verzichtet die GmbH auf ein Darlehen gegenüber der Huber-GmbH in Höhe von 18.000 Euro. Folge: Da die GmbH an der Huber-GmbH zu mehr als 30% beteiligt „war“, ist der Darlehensverzicht dem Einkommen der GmbH in Höhe von 18.000 Euro wieder hinzuzurechnen.

Trend 3: Währungsverluste bei Darlehensrückzahlung

Neu ist auch, dass bei Betriebsprüfungen auch Währungsverluste auf den Prüfstand kommen. Denn nach dem Wortlaut des § 8b Abs. 3 Satz 4 KStG ist von der außerbilanzmäßigen Korrektur nicht nur der klassische Darlehensverzicht betroffen, sondern alle Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Darlehen.

Beispiel:

Eine GmbH gewährte einem verbundenen Unternehmen in Polen ein Darlehen in Zloty in Höhe von 300.000 Euro. Bei Rückzahlung des Darlehens war das Darlehen wegen Währungsschwankungen nur noch 230.000 Euro wert. Die GmbH wies deshalb einen Währungsverlust in Höhe von 70.000 Euro aus. Folge: Im Rahmen der Betriebsprüfung rechnen die Prüfer solche Währungsverluste im Zusammenhang mit einem Darlehen an verbundene Unternehmer dem Einkommen der GmbH wieder hinzu.

Die Argumentation: Schon die Darlehenshingabe ist fremdunüblich, weil einem fremden Unternehmen das Darlehen nicht ohne Sicherheiten gewährt worden wäre und wegen der Währungsunsicherheiten sicherlich auch nicht in Zloty. Folglich ist auch der Währungsverlust aus gesellschaftsrechtlichen Gründen in Kauf genommen worden.

Trend 4: Es muss nicht immer ein Darlehen sein

Um zu vermeiden, dass bei einer Betriebsprüfung Darlehensverzichte durch eine außerbilanzmäßige Einkommenskorrektur wieder neutralisiert werden, vereinbaren viele GmbH mit ihren verbundenen Unternehmen einfach keine Darlehen mehr, sondern richten Verrechnungskonten ein und verzichten dann regelmäßig auf Rückzahlungen. Doch auch hier kann keine Entwarnung gegeben werden. Denn in § 8b Abs. 3 Satz 7 KStG steht schwarz auf weiß, dass eine Korrektur auch für Forderungen angewandt wird, die einer Darlehensvergabe entsprechen.

Beispiel:

Eine GmbH erbringt Dienstleistungen an ein Unternehmen, an dem sie zu 60% beteiligt ist. Das verbundene Unternehmen muss vorerst nichts bezahlen. Die Forderungen fließen auf ein Verrechnungskonto. Nach zwei Jahren verzichtet die GmbH auf einen Teilbetrag dieses Verrechnungskontos. Folge: Entdeckt ein Prüfer im Rahmen einer Betriebsprüfung diesen Sachverhalt, ist eine Einkommenskorrektur nicht zu verhindern. Das Verrechnungskonto entspricht einem Darlehenskonto.

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