Hermes Versicherung: So beschaffen Sie sich eine staatliche Kreditversicherung für den Export /fileadmin/_processed_/a/e/csm_Hermesversicherung-Kredit-Export_fa364ea955.jpg 2015-08-28 Lexware

Hermes Versicherung: So beschaffen Sie sich eine staatliche Kreditversicherung für den Export

Formen und Nutzung von staatlichen Kreditversicherungen für den Export
Von Reinhard Bleiber
Aktualisiert am: 28.08.2015

Erfolgreiche kleine Unternehmen werden häufig aufgrund ihrer guten Leistung in der Branche weiterempfohlen, manchmal auch ins Ausland. Das führt zu Anfragen für Aufträge, deren Empfänger nicht in Deutschland beheimatet sind. Um die Unsicherheit bei der Bonität und dem Zahlungsverhalten der Auslandskunden abzusichern, nutzen viele Unternehmen eine staatliche Kreditversicherung für den Export, auch bekannt als Hermes Versicherung. Welche staatlichen Kreditversicherungen es gibt und wie Sie diese nutzen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Für kleine Unternehmen ist das Risiko eines Zahlungsausfalls im Ausland besonders hoch, weil es meist an ausreichenden Informationen über die Kreditwürdigkeit der Kunden und die im jeweiligen Land geltenden rechtlichen Regeln fehlt. Um der deutschen Wirtschaft das Engagement im Ausland zu erleichtern, bietet der Staat großen und kleinen Unternehmen in solchen Fällen Hilfe an: die staatliche Kreditversicherung, in Anlehnung an den Namen des Marktführers häufig auch Hermes Versicherung genannt.

Diese Kreditversicherung ist ein Instrument, mit dem Sie Exportgeschäfte absichern können. Für kleine und mittlere Unternehmen oder auch für Unternehmen, die erstmals ein Exportgeschäft abwickeln wollen, bieten sich besonders die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung-Light und die Lieferantenkreditdeckung an. Die Pauschalgewährleistung sichert alle Exportgeschäfte eines Unternehmens ab, die Lieferantenkreditdeckung sichert nur eine bestimmte Forderung. Diese beiden Möglichkeiten staatlicher Unterstützung sind aber nur 2 gebräuchliche Wege. Mit diesen können Unternehmen, die zum ersten Mal und im kleinen Umfang auch in exotische Länder exportieren, ihre Position absichern. Das Portfolio an möglichen Hilfen, die alle unter dem Oberbegriff „Hermesdeckung“ benannt werden, ist wesentlich größer. Um das jeweils passende Angebot zu finden, ist eine ausführliche Beratung notwendig. Die wichtigsten Infos rund um das Thema Kredit bzw. HermesVersicherung haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Kreditversicherung für die Masse

Solange das Exportgeschäft in die zu versichernden Märkte geringer ist als 500.000 EUR pro Jahr, kann die speziell für kleine Unternehmen entwickelte, einfache Version der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung genutzt werden. Hier sind die Bedingungen und Abläufe besonders einfach gehalten:

  • Versichert werden alle Warenlieferungen (keine Dienstleistungen) in Länder, die nicht der EU oder der OECD angehören. Chile, Israel, Korea, Mexiko und die Türkei sind als Schuldnerländer auch versicherbar, obwohl sie der OECD angehören.
  • Es besteht eine Versicherungspflicht für alle Umsätze des Unternehmens in die versicherungsfähigen Länder. Der Versicherungsvertrag wird für ein Jahr abgeschlossen und kann verlängert werden.
  • Die Laufzeit der Forderungen darf maximal 4 Monate betragen. Zahlt der Schuldner nicht innerhalb von 6 Monaten nach Fälligkeit der Forderung, tritt der Versicherungsfall ein.
  • Die Selbstbeteiligung im Schadensfall beträgt 10 % des Schadensbetrages.
  • Eine Bearbeitungsgebühr wird nicht erhoben (mit Ausnahme einiger nicht marktfähiger Länder). In den ersten beiden Jahren beträgt die vom Unternehmen zu zahlende Prämie 0,8 % des versicherten Umsatzes. Nach dem zweiten Jahr erhöht sich die Prämie, wenn es Schadensfälle gegeben hat (maximal auf 1,05 %), oder sie sinkt, wenn es keinen Schadensfall gegeben hat (minimal auf 0,6 %).

Die Abwicklung (Antragsstellung und Umsatzmeldung) erfolgt online über das Internet. Die Prämie kann nur im Lastschriftverfahren beglichen werden. Die Kontaktaufnahme geschieht über den vom Bund beauftragten Kreditversicherer Euler Hermes in Hamburg-Bahrenfeld (Tel.: 040/ 8834 9000). Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.agaportal.de.

Steigt der Umsatz mit Kunden in den versicherbaren Ländern über 500.000 EUR pro Jahr, kann die Gesellschaft die Light-Version der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung nicht mehr nutzen. Dann steht die normale Form dieser Kreditversicherung durch den Bund zur Verfügung. Das gilt auch, wenn die Light-Version keinen ausreichenden Schutz bietet, beispielsweise weil es politische Risiken im Land gibt. Wichtige Unterschiede zwischen der normalen Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung und der Light-Version sind:

  • Die „normale“ Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung“ versichert Forderungen mit einer Laufzeit bis zu 12 Monate.
  • Es sind auch Dienstleistungsgeschäfte versicherbar.
  • Die Versicherungspflicht kann auf bestimmte Länder beschränkt werden.
  • Es werden zusätzliche Risiken abgesichert, bspw. Insolvenz des Käufers, kriegerische Ereignisse und sonstige politische Risiken (Enteignung, Beschlagnahme, Nichtkonvertierung der Währung usw.).
  • Die Kosten liegen bei ca. 0,6 % des Umsatzes, werden aber individuell zwischen Unternehmen und Euler Hermes ausgehandelt.

Kreditversicherung individuell: Lieferantenkreditdeckung

Die Lieferantenkreditdeckung bezieht sich immer nur auf einen einzelnen Auftrag und sichert die dadurch entstehende Forderung ab. Sie eignet sich also für relativ hohe Auftragswerte, bei denen eine Regelmäßigkeit der Lieferung in das entsprechende Land nicht erwartet wird, oder der Kunde Anlass zur Absicherung gibt. Der Umfang der abgesicherten Risiken ist sehr groß. Er umfasst neben den wirtschaftlichen auch die politischen Risiken im Land. Insgesamt bietet die Lieferantenkreditdeckung folgende Leistungen bzw. Schutz vor:

  • Insolvenz eines Bestellers
  • Nichtzahlung der Forderung innerhalb von 6 Monaten nach deren Fälligkeit
  • Staatliche Maßnahmen und kriegerische Ereignisse
  • Nichtkonvertierung/-transferierung von Landeswährungsbeträgen
  • Beschlagnahme der Ware aufgrund politischer Umstände
  • Unmöglichkeit der Vertragserfüllung aufgrund politischer Umstände

Tipp: Deutschen Banken reicht die Lieferantenkreditdeckung durch den Bund (über Euler Hermes) zur Absicherung einer eventuell notwendigen Finanzierung des Geschäfts.

Weitere wichtige Parameter der Lieferantenkreditdeckung:

  • Es werden sowohl Lieferungen von Waren als auch Forderungen aus erbrachten Dienstleistungen versichert.
  • Grundsätzlich können Forderungen in jedem Exportland versichert werden. Bei einer Fälligkeit der Forderung von bis zu 2 Jahren in die EU oder in OECD-Kernländer (also EU-Staaten, Island, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Schweiz und USA) kann diese Versicherung nicht gewählt werden.
  • Die exportierten Waren sollten möglichst aus deutscher Fertigung stammen. Ein geringer Anteil aus anderen Ländern wird akzeptiert. Dieser wird untersucht, argumentiert und ist dann individuell für dieses Geschäft zu vereinbaren
  • Die Selbstbeteiligung im Schadensfall liegt bei 15 %, wenn wirtschaftliche Risiken eingetreten sind, und bei 5 %, wenn es sich um politische Gründe für den Forderungsausfall handelt.
  • Es fallen Bearbeitungsgebühren an, die von der Auftragshöhe abhängig sind. Auch die Prämien werden aufgrund der Forderungsbeträge, der Rückzahlungskonditionen usw. berechnet. Außerdem spielt die Risikogruppe des Empfängerlandes eine wichtige Rolle.

Tipp: Die Risikogruppe wichtiger EU-Länder und anderer Industrienationen ist „0“. Das bedeutet, dass für die Versicherungsprämie ein marktüblicher Wert zu verhandeln ist. Hier rechnet sich oft eine normale Kreditversicherung eher als die Hermesdeckung mit staatlicher Unterstützung. Die Ländergruppe 7 (z. B. Weißrussland, Argentinien oder Burundi) kann die Kosten erheblich erhöhen. Wie die einzelnen Länder kategorisiert sind, lässt sich im Internet feststellen: http://www.agaportal.de/pdf/info/laenderliste.pdf.

Die spezifischen Regelungen für einen Lieferantenkredit sind sehr komplex. Um sie richtig zu berücksichtigen und für die richtige Wahl der Gestaltungsmöglichkeiten ist eine Beratung durch Experten notwendig. Dazu unterhält Euler Hermes im gesamten Bundesgebiet einen Außendienst, der die potenziellen Kunden professionell beraten kann. Der Kontakt wird über Euler Hermes in Hamburg-Bahrenfeld (Tel.: 040 / 8834 9000) hergestellt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter  http://www.agaportal.de/pages/aga/beratung/aussendienst.html.

Hermes Kreditversicherung bei Export nach Weißrussland

Die Special-Light GmbH vermarktet ihre Produkte, LED-Leuchten für schwierige Einsatzbereiche, fast ausschließlich in Deutschland. Die kleine Produktionsabteilung montiert dabei Bauteile aus der ganzen Welt zu deutschen Produkten im Wert von 3 bis 4 Mio. EUR pro Jahr. Da es sich überwiegend um Handarbeit handelt, kann die Kapazität flexibel der Nachfrage angepasst werden. Darum wäre auch die Anfrage über zusätzliche Leuchten im Wert von ca. 1 Mio. EUR zumindest kein technisches Problem gewesen. Doch diese Anfrage kam aus Weißrussland.

In der Geschäftsführung der Special-Light GmbH hatte man von Weißrussland bisher nur als Land mit wirtschaftlichen Problemen, Hyperinflation und strikten politischen Regeln gehört. Die Hausbank lehnte die Vorfinanzierung von Materialeinkauf und Produktionskosten eines solchen Auftrags unter den gegebenen Umständen ab. Sie brachte jedoch die Alternative der Hermesabsicherung ins Gespräch und vermittelte den ersten Kontakt zum Vertreter der Euler Hermes Versicherungen.

Im Ergebnis konnte die deutsche Gesellschaft den lukrativen Auftrag aus Weißrussland gewinnen. Die Forderung wurde mit einer Lieferantenkreditdeckung über 1 Mio. EUR aus dem Topf der Exportgarantien der Bundesrepublik Deutschland sowohl gegen wirtschaftliche als auch gegen staatliche Risiken abgesichert. Auf weitergehende Absicherungen z. B. durch den Schutz vor Nichterfüllung während der Produktionsphase wurde verzichtet. Die Leuchten könnten als Standardprodukt auch an andere Kunden verkauft werden, falls die Lieferung nach Weißrussland doch nicht zustandekommt.

Der Ablauf der Entscheidungen und Ereignisse im Zusammenhang mit diesem Auftrag wird vom Geschäftsführer noch immer als äußerst komplex angesehen, lässt sich aber klar gliedern:

  • Beratung durch den Außendienst von Euler Hermes mit dem Ergebnis, dass eine Hermesdeckung möglich sein könnte. Grobe Abschätzung der Kosten.
  • Verhandlungen mit dem potenziellen Käufer aus Weißrussland mit dem Ergebnis, dass ein marktgerechter Preis zuzüglich eines Aufschlags zur teilweisen Abdeckung der Kosten für die Hermesdeckung erzielt werden konnte. Die Auftragsannahme wurde unter dem Vorbehalt der Lieferantenkreditdeckung durch den Bund gestellt.
  • Antrag auf eine Lieferantenkreditdeckung durch Ausfüllen des Antragsformulars und Beschreibung der Situation von Unternehmen und Käufer. Dabei war die Hausbank erheblich beteiligt.
  • Positive Entscheidung für den Antrag im IMA (interministerieller Ausschuss), der alle Deckungsgeschäfte genehmigen muss.
  • Einkauf der Bauteile und Produktion der Waren mit einer Vorfinanzierung durch die Hausbank
  • Lieferung an den weißrussischen Kunden
  • Meldung der Forderung an Euler Hermes und Bezahlung der Kosten für die Lieferantenkreditdeckung in Höhe von ca. 30.000 EUR
  • Der Kunde aus Weißrussland bezahlt die Forderung pünktlich. Damit ist die Hermesdeckung ausgelaufen.

Für das kleine deutsche Unternehmen war dieser Auftrag ein erster Schritt zur Expansion auf ausländische Märkte. Der zusätzliche Deckungsbeitrag war besonders hoch, weil die Fixkosten durch das normale Geschäft bereits vollständig gedeckt waren. Da spielten die Kosten der Hermesdeckung keine große Rolle mehr. Mit der jetzt verfügbaren Liquidität wird der Geschäftsführer aktiv in anderen osteuropäischen Ländern potenzielle Kunden suchen und von seinem Produkt überzeugen. Auch diese Geschäfte werden von den Exportkreditgarantien der Bundesrepublik Deutschland begleitet.


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