Krank im Urlaub: Rechte und Pflichten Ihres Mitarbeiters

Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers im Falle einer Erkrankung im Urlaub
Aktualisiert am: 10.04.2018

Wird ein Mitarbeiter krank im Urlaub, kann er seinen Urlaubsanspruch in bestimmten Fällen retten – etwa wenn er beim Wandern eine komplizierte Beinverletzung erleidet oder dank „Montezumas Rache“ im Krankenhaus liegt. Bei solchen Fällen von "krank im Urlaub" fragt sich, ob der Urlaubsanspruch erhalten bleibt. Wir liefern Ihnen die Infos zu den Regeln für den Erhalt des Urlaubsanspruchs.

Der Mitarbeiter muss sich krank (im Urlaub) melden

Wird ein Arbeitnehmer krank im Urlaub, muss er den Arbeitgeber so schnell wie möglich über seine Arbeitsunfähigkeit informieren. Das gilt auch, wenn der Mitarbeiter den Urlaub im Ausland verbringt. Schließlich hat er ja, auch wenn er krank im Urlaub ist, Anspruch auf Lohnfortzahlung. Wird er im Ausland krank, muss er Folgendes mitteilen:

  • seine Arbeitsunfähigkeit an sich
  • die voraussichtliche Dauer der Krankmeldung
  • seine Urlaubsadresse

Der Mitarbeiter muss sich so schnell wie möglich krank (im Urlaub) melden, also am besten per Telefon, E-Mail oder Fax. Allerdings kann er vom Arbeitgeber die Erstattung der Übermittlungskosten verlangen. Das hat der Gesetzgeber ausdrücklich so festgelegt (§ 5 Entgeltfortzahlungsgesetz).

Mitarbeiter wird krank im Urlaub im Ausland

Auch wenn Ihr Mitarbeiter im Ausland krank (im Urlaub) wird, muss er Ihnen neben der z. B. telefonischen Krankmeldung eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schicken. Dafür bestehen mit den EU-Ländern vereinfachende Abkommen. Das funktioniert so: Der Arbeitnehmer gibt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des ausländischen Arztes bei einer Krankenkasse im Urlaubsort ab. Die ausländische Krankenkasse leitet sie an seine deutsche Krankenkasse weiter und diese wiederum an den Arbeitgeber.

Wenn Ihr Mitarbeiter außerhalb der EU krank im Urlaub wird, kann er Ihnen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung möglicherweise über die Krankenkassen schicken lassen. Mit manchen Nicht-EU-Ländern bestehen entsprechende Sozialversicherungsabkommen.

Aus der ausländischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss hervorgehen, dass der Arzt nicht nur eine einfache Erkrankung, sondern eine Krankheit mit Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat. Ansonsten hat die ausländische Bescheinigung den gleichen Beweiswert wie eine inländische. Glaubt der Arbeitgeber nicht, dass sein Mitarbeiter arbeitsunfähig krank im Urlaub ist, muss er ihm das Gegenteil beweisen, um den Urlaubsanspruch zu entkräften.

Früher durfte der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit anzweifeln, wenn sich ein ausländischer Mitarbeiter wiederholt gegen Ende des Heimatbesuchs krank im Urlaub und darüber hinaus gemeldet hatte. Heute ist es wesentlich schwerer, die Lohnfortzahlung zu verweigern, wenn der Mitarbeiter eine in einem EU-Land ausgestellte Bescheinigung vorlegt. Dazu muss der Arbeitgeber belegen können, dass der Mitarbeiter ihn betrügen wollte. Kommt es zu einem Prozess, muss er beweisen können, dass sich der Mitarbeiter krank im Urlaub gemeldet hat, ohne tatsächlich arbeitsunfähig gewesen zu sein. Ernsthafte Zweifel reichen nicht.

Krank im Urlaub heißt krank: Krankheitstage sind keine Urlaubstage

Wenn ein Mitarbeiter krank im Urlaub wird, muss der Arbeitgeber für diese Tage Lohnfortzahlung leisten. Die durch Attest nachgewiesenen Tage dürfen ihm nicht als Urlaubstage angerechnet werden (§ 9 Bundesurlaubsgesetz). Der Mitarbeiter darf die „entgangenen“ Urlaubstage aber auch nicht an den ursprünglichen Urlaub anhängen. Sein Urlaub endet zum vereinbarten Datum. Den „entgangenen“ Urlaub muss er wie alle anderen Urlaubstage beim Arbeitgeber beantragen und genehmigen lassen.

Sonderfall: Der Mitarbeiter bleibt monatelang krank (im Urlaub und darüber hinaus)

Der Urlaubsanspruch des Mitarbeiters bleibt bestehen, auch wenn der Mitarbeiter länger arbeitsunfähig bleibt. Die frühere Rechtsprechung, nach der der Urlaubsanspruch automatisch verfiel, wenn der Mitarbeiter im April des folgenden Jahres immer noch krank war, gilt nicht mehr. Der Mitarbeiter kann seinen Urlaub auch noch Jahre später beanspruchen. Auch der Zusatzurlaub für Schwerbehinderte bleibt bestehen (BAG, Urteil v. 24.3.2009, AZR 983/07 und BAG, Urteil v. 23.3.2010, 9 AZR 128/09). Wegfallen kann nur der Urlaub, den der Arbeitgeber über den gesetzlichen Urlaub hinaus bietet. Dies ist allerdings auch nur dann möglich, wenn der Wegfall im Arbeitsvertrag vereinbart ist.

Praxis-Beispiele: Mitarbeiter wird vor, mit oder im Urlaub krank

Unternehmer U. möchte wissen, welchen Unterschied es macht, wann sein Mitarbeiter M. krank im Urlaub wurde.

1. Möglichkeit: M. wird vor dem Urlaub krank und bleibt auch krank im Urlaub

M. muss U. ganz normal darüber informieren, dass er krank ist und voraussichtlich krank im Urlaub sein wird. Sein Urlaubsanspruch bleibt unverändert bestehen. Er muss seinen Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt erneut bei U. beantragen und genehmigen lassen. Für die Dauer des Urlaubs leistet U. Lohnfortzahlung.

2. Möglichkeit: M. ist bis zum Urlaubsbeginn krankgeschrieben

M. kann seinen Urlaub wie geplant antreten. Bis zum Urlaubsantritt leistet U. Lohnfortzahlung, für die Dauer des Urlaubs Urlaubsentgelt.

3. Möglichkeit: M. wird krank im Urlaub

M. muss U. so schnell wie möglich von seiner Arbeitsunfähigkeit informieren. Wird er krank im Urlaub im Ausland, kann er für die Übersendung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung das vereinfachte Verfahren über die Krankenkassen wählen. Die Kranktage werden nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Für die Urlaubstage zahlt U. Urlaubsentgelt, für die Krankheitstage Lohnfortzahlung.

4. Möglichkeit: M. wird erst zum Arbeitsbeginn krank

M. muss U. so schnell wie möglich darüber informieren, dass er die Arbeit nach dem Urlaub nicht antreten kann. Auch wenn U. den Verdacht hat, dass M. nur seinen Heimaturlaub „verlängern“ möchte, darf er die Lohnfortzahlung nicht verweigern. Er muss das ärztliche Attest aus dem EU-Ausland akzeptieren, es sei denn, er kann M. einen Betrug nachweisen.

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