Wie kann ich eine drohende Zahlungsunfähigkeit erkennen und die Insolvenz vermeiden? /fileadmin/_processed_/9/e/csm_Wie-kann-ich-eine-drohende-Zahlungsunfaehigkeit-erkennen-und-die-Insolvenz-vermeiden_24dbc132f7.png 2015-08-17 Lexware

Wie kann ich eine drohende Zahlungsunfähigkeit erkennen und die Insolvenz vermeiden?

So erkennen Sie ein drohendes Insolvenzrisiko frühzeitig
Von Ottfried Weiss
Aktualisiert am: 17.08.2015

Jedes Jahr werden Tausende Unternehmer in Deutschland insolvent – obwohl es vermeidbar gewesen wäre. Der häufigste Fehler: Die Firmenchefs reagieren zu spät auf finanzielle Risiken. Wie Sie eine drohende Zahlungsunfähigkeit frühzeitig erkennen und am besten darauf reagieren, lesen Sie hier.

Hinweise für ein drohendes Insolvenzrisiko

Es gibt zahlreiche Hinweise, die Unternehmer vor einem drohenden Insolvenzrisiko warnen. Vor allem folgende Kennzahlen und Indizien sprechen dafür, dass Zahlungsschwierigkeiten drohen:

  • Umsatz: Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr beziehungsweise zum Vorjahresmonat rückläufig.
  • Preisverfall: Die Preise für bestimmte Produkte geraten wegen Konkurrenzprodukten unter Druck und müssen gesenkt werden.
  • Rendite/Eigenkapital: Die Rendite sinkt und das Eigenkapital ist beinahe aufgebraucht.
  • Zahlungsmoral: Sie haben hohe Forderungen an Kunden, die nicht bezahlen – aus welchen Gründen auch immer.
  • Vorkasse: Ihre Geschäftspartner beliefern Sie nur noch gegen Vorkasse, weil Sie bereits häufig in finanziellen Schwierigkeiten waren.
  • Bank: Die Bank lässt wegen ungedeckter Konten Lastschriften zurückgehen.
  • Das Formular EÜR:  Wenn Sie als Einnahmen-Überschuss-Rechner beim Ausfüllen des Formulars für das Finanzamt ein Übergewicht der Ausgaben gegenüber den Einnahmen feststellen, sollten Sie rasch gegensteuern.

Tipp: Wenn Sie einen Steuerberater haben, lassen Sie ihn Ihre Zahlungsfähigkeit beziehungsweise Liquidität analysieren.

Handlungsempfehlungen bei drohender Insolvenz

Sollte sich herausstellen, dass Ihr Unternehmen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, sich ohne Haftungsrisiken aus der Affäre zu ziehen:

  • Sie gehen auf Lieferanten und Gläubiger zu und bitten diese, auf einen Großteil der an Sie gerichteten Forderungen zu verzichten.
  • Sie suchen sich Partner, die gegen Einlagen ins Unternehmen aufgenommen werden.
  • Sie retten Ihr Unternehmen durch einen Insolvenzantrag.

1. An Gläubiger herantreten und auf drohende Insolvenz hinweisen

Die Insolvenz ist für Gläubiger die schlechteste aller Lösungen, weil sie nicht wissen, ob der Insolvenzverwalter das Unternehmen fortführt oder es liquidiert. Gläubiger haben es also bei einer Insolvenz nicht mehr selbst in der Hand, ob sie wenigstens einen Teil ihrer Forderungen eintreiben können.

Tipp: Nutzen Sie die Chance auf Teilerlass der Forderungen. Gehen Sie auf Ihre Gläubiger zu und bieten Sie ihnen an, z. B. 30 % der Forderung zu begleichen – wenn diese gleichzeitig auf die Restzahlung verzichten. Weisen Sie darauf hin, dass Sie andernfalls die Insolvenz beantragen. Die Chancen stehen gut, dass Ihre Gläubiger einverstanden sind, um bei einer Insolvenz nicht mit leeren Händen dazustehen.

2. Suchen Sie sich einen Partner als Geldgeber

Wollen Sie die Geschäftsbeziehungen zu Ihren Lieferanten und Gläubigern nicht aufs Spiel setzen, müssen Sie sich in der schwierigen Situation private Geldgeber suchen, die sich an Ihrer Firma beteiligen. Vorteil: Mit den Einlagen dieser neuen Mitunternehmer oder Gesellschafter wird die Zahlungsunfähigkeit verhindert. Nachteil: Sie können bei betrieblichen Entscheidungen meist nicht mehr eigenständig handeln.

Tipp: Der Steuerberater soll die optimale Beteiligungsform bestimmen. Hier kommt wieder der Steuerberater ins Spiel. Beauftragen Sie ihn damit, die optimale Beteiligungsform zu finden (Beteiligung, Mitunternehmerschaft, atypisch stille oder stille Beteiligung, Beteiligungsdarlehen (partiarisches Darlehen) etc.).

3. Retten Sie Ihr Unternehmen durch einen gezielten Insolvenzantrag

Manchmal ist die gezielte Insolvenz eine gute Lösung, um das Überleben des Unternehmens langfristig zu gewährleisten. Der Grund: Der vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter hat deutlich mehr Freiheiten als der Firmenchef; er kann beispielsweise kostspielige Arbeitsverträge lösen und dringend notwendige Entlassungen schneller durchsetzen.

Möglichkeiten in der Insolvenz

Die Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig die Liquidation der Firma. Das Unternehmen hat in der Insolvenz folgende Möglichkeiten:

  • Stille Insolvenz: Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen.
  • Übertragene Sanierung: Die bisherige Gesellschaft wird liquidiert und eine Auffanggesellschaft gegründet, die die Geschäfte übernimmt.
  • Insolvenzplanverfahren: Die Gesellschaft wird weitergeführt, muss sich jedoch an ein gerichtlich überwachtes Sanierungskonzept halten.

Beispiel aus der Praxis

Die Sacher Elektronik GmbH hat seit Monaten finanzielle Probleme. Der Seniorchef Hans Sacher kann aber nicht einschätzen, worauf die finanziellen Schwierigkeiten zurückzuführen sind. Er beauftragt den Steuerberater, während der Erstellung des Jahresabschlusses auch nach den Gründen für die finanziellen Schwierigkeiten zu suchen.

Der Steuerberater vergleicht Umsätze, Verkaufszahlen, Gewinnaufschläge und Ausgaben mit den Ausgaben in den Vorjahren; dabei stellt er fest, dass die Verkaufspreise für eine Produktlinie wegen eines Konkurrenzprodukts deutlich zurückgegangen sind. Der Steuerberater findet außerdem heraus, dass der GmbH in 6 bis 8 Monaten die Zahlungsunfähigkeit drohen wird, wenn sich nichts ändert. Seniorchef Sacher entscheidet sich daher für eine Änderung der Produktpalette. Das Geld für diese kostspielige Umstrukturierung erhält er von einem privaten Investor, der als stiller Teilhaber in die Gesellschaft aufgenommen wird.

Jetzt Newsletter abonnieren
Jetzt Newsletter abonnieren


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5