Energiekosten senken: Diese Möglichkeiten haben Unternehmen

Die Folgen des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine und die steigende Inflation spüren Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Gerade die extrem steigenden Gaspreise bereiten vielen Unternehmern Sorge. Aber Sie haben oft mehr Möglichkeiten als gedacht, die Energiekosten im Unternehmen zu senken. In diesem Artikel erfahren Sie, wo es die größten Sparpotenziale gibt und wie Sie diese nutzen.

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Windräder während der Morgendämmerung
© Laura Penwell - pexels.com
 |  Zuletzt aktualisiert am:14.07.2023

Das sind die größten Energiefresser in Unternehmen

Der Energieverbrauch von Unternehmen ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Hier gibt es natürlich auch ganz individuelle Energiefresser. Allerdings gibt es bestimmte Bereiche, die in den meisten Unternehmen für einen hohen Energieverbrauch sorgen. So benötigen Betriebe in der Regel besonders viel Energie, wenn Wärme oder Kälte erzeugt wird, etwa durch Heizung oder Klimatechnik. Außerdem bei Geräten, die ständig laufen bzw. benötigt werden, z. B. Pumpensysteme oder Lüftungen.

Natürlich verbrauchen auch Beleuchtung, Rechner, Router und andere elektrische Geräte Strom. Deren Verbrauch macht i. d. R. zwar nur einen geringen Teil der Gesamt-Energiekosten aus. Allerdings ist eine Reduzierung in diesen Bereichen oft sofort umsetzbar und wirkt sich dementsprechend zeitnah aus.

Wie groß die Einsparpotenziale in ausgewählten Bereichen im Schnitt sind, zeigt diese Grafik:

Möglichkeiten, um Energiekosten in Unternehmen zu senken
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)

Nach wie vor ist Gas einer der wichtigsten Energieträger für Gewerbe und Industrie, wie die folgende Grafik des Umweltbundesamtes zeigt. Da Gas auch zur Stromerzeugung verbraucht wird, ist es sinnvoll, immer auch nach Möglichkeiten zu suchen, den Strom- und so indirekt den Gasverbrauch zu senken.

Energieverbrauch nach Energieträger
Quelle: Umweltbundesamt

Aus unternehmerischer Sicht lässt sich die Kostensteigerung im Energiebereich mit gezielten Sparmaßnahmen zumindest begrenzen. Und man trägt langfristig dazu bei, dass durch den sinkenden Energieverbrauch auch Preissenkungen zumindest wieder möglich werden.

Kurzfristige Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu senken

Binden Sie die Mitarbeiter ein

Generell gilt, dass Unternehmer bei der Suche nach Energiesparmöglichkeiten ihre Mitarbeiter einbinden und sie zur Unterstützung aufrufen sollten, die Energiekosten zu senken. Die Beschäftigten wissen häufig noch besser über „Energiefresser“ Bescheid als der Unternehmer und können oft durch zusätzliche Vorschläge gezielt unterstützen. In der Praxis hat es sich auch bewährt, ein oder mehrere Brainstormings zum Thema durchzuführen, was das Erschließen von Potenzialen für Einsparungen noch einmal verbessert.

Darüber hinaus sollte überlegt werden, die Beschäftigten von den Einsparungen profitieren zu lassen. Beispielsweise lässt sich das Einsparpotenzial meist zumindest überschlägig berechnen und man kann einen Teil der Einsparungen an die Beschäftigten weitergeben, etwa 5 – 10 % der Einsparungen mit direkten Entgelten (Prämien) oder Tankgutscheinen oder günstigen Tickets für den öffentlichen Nahverkehr.

Je nach Unternehmensgröße und -struktur kann es sich zudem lohnen, einen „Energiesparbeauftragten“ einzusetzen, der z.B. Ideenfindung, Maßnahmenplanung und -umsetzung koordiniert und ggf. auch mit der Beschaffung von Fördermitteln und energiesparenden Anlagen betraut wird.

Energiekosten senken bei der Beleuchtung

Oft lässt sich bei der Beleuchtung kurzfristig viel Energie sparen. Auch wenn der Anteil an den Gesamt-Energiekosten oft nur 10 - 25 % beträgt, kommen doch schnell einige hundert oder tausend Euro im Jahr zusammen. Die genaue Höhe der Ersparnis ist natürlich abhängig davon, wie die Ausgangslage in einem Unternehmen ist.

Einige Beispiele, die alle Unternehmen prüfen sollten:

  • Austausch von Glühlampen gegen Eco-Halogenlampen oder LED-Leuchten
  • Austausch / Erneuerung von Leuchten durch T5-Leuchtstoffröhren
  • Bewegungsmelder in wenig frequentierten Hallen, Räumen und Fluren installieren
  • Tageslichtsensoren mit Dimmer anbringen
  • Wo möglich / sinnvoll: Zeitschaltuhren installieren
  • Lampenhöhe in hohen Räumen reduzieren, um so weniger „Weg“ überbrücken und Lichtverluste vermeiden zu können. Auch eine Nachrüstung mit Reflektoren sollte geprüft werden.
  • Beleuchtung im Innen- und Außenbereich nachts bzw. nach Geschäftsschluss ausschalten, soweit keine Sicherheitsgründe dagegensprechen. Alternativ kann auch hier mit Bewegungsmeldern gearbeitet werden.
  • Grds. Reduzierung der Anzahl an Lampen oder Leuchten, wenn man mit neueren, energieeffizienten und gleichzeitig helleren Lampen arbeitet

Je nach Ausgangslage sind pro Maßnahme Einsparungen von 10 - 80 % möglich. Wichtig ist natürlich, dass in Arbeitsräumen und an Arbeitsplätzen weiter die gesetzlichen Vorgaben und DIN-Normen eingehalten werden, um Unfall- und Gesundheitsgefahren zu vermeiden.

Tipp

Prüfen Sie, ob sich die Umsetzung einer Maßnahme lohnt

Vor der Umsetzung einer Maßnahme sollte zumindest grob überschlagen werden, ob es sich lohnt: Was lässt sich in den kommenden 3 - 4 Jahren an Energie einsparen? Was kosten z.B. neue Leuchten oder Zeitschaltuhren? Was bleibt danach an Ersparnissen?

Bei mittelfristigen Vorhaben, etwa wenn es um die Investition in eine neue Heizung geht, sollten zwingend Investitions- oder Wirtschaftlichkeitsrechnungen vorgenommen werden, bei denen der Energieverbrauch besonders berücksichtigt wird.

Mögliche Kosteneinsparungen bei der Heizung

Wärmeerzeugung kostet viel Energie und ist daher besonders teuer. Dementsprechend viel Geld kann hier auch gespart werden. Folgende Maßnahmen lassen sich u.a. kurzfristig durchführen, um die Energiekosten zu senken:

  • Überprüfung von Raumtemperatur und Lüftungsverhalten. Eine Absenkung der Raumtemperatur um 1 Grad reduziert den Verbrauch um ca. 6 %. Gerade Büroräume sind oft „gut“ geheizt und haben Temperaturen von 22 - 24 Grad. Hier sollte eine Absenkung auf z.B. 20 - 21 Grad geprüft werden. Außerdem sollte man von „Dauerlüften“ auf regelmäßiges, kurzes Stoßlüften umstellen.
  • Mit programmierbaren Thermostaten lässt sich die Temperatur automatisch reduzieren, wenn Räume nicht genutzt werden, z.B. nachts und an Wochenenden.
  • Kosten lassen sich auch sparen, wenn man die Vorlauftemperatur der Heizung senkt und durch einen Fachbetrieb einen hydraulischen Abgleich vornehmen lässt. Ein solcher Abgleich sorgt dafür, dass durch alle Heizkörper die richtige Wassermenge fließen kann.
  • Die Laufzeiten von Umwälzpumpen als Dauerverbraucher sollten geprüft und angepasst werden. Pumpen, die älter als 7 - 8 Jahre sind, sollten ausgetauscht werden.
  • Regelmäßige Wartung von Heizung und Energieverbrauchern, um beste Energieeffizienz zu erreichen.
  • Mehr auf Homeoffice setzen, da dann ggf. Räume nicht benötigt und beheizt werden müssen. Das lohnt sich auch, wenn man Mitarbeitern einen Zuschuss zu den eigenen Kosten zahlt. Fragen Sie hierzu am besten Ihren Steuerberater. Ggf. können Räume auch untervermietet oder an den Vermieter zurückgegeben werden.
  • Soweit nötig, sollte auch die Dämmung der Fenster und ggf. Türen geprüft und verbessert werden.
  • Nutzung von Abwärme, im Sommer zur Warmwasseraufbereitung, im Winter zur Unterstützung der Heizung. Um hier zu profitieren, können z.B. Wärmetauscher in Lüftungsanlagen eingebaut oder Kühlkreisläufe angezapft werden. Aus Räumen, die stark aufgeheizt werden, kann Luft abgesaugt und zu Heizzwecken verwendet werden.

Bei der Heizung sind durch diese Maßnahmen Einsparungen von etwa 10 – 30 % möglich. Da in diesem Bereich hohe Kosten entstehen, kann so eine Menge Energie und damit auch Energiekosten eingespart werden.

Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten im Bereich Kühlung

Kühlen kostet ebenso wie Heizen viel Energie. Auch hier gibt es verschiedene wirksame Möglichkeiten, kurzfristig zu reagieren, etwa:

  • Standorte von Kühlaggregaten prüfen und ggf. ändern, wenn diese z.B. in der Nähe von Abwärme oder in der Sonne angebracht sind.
  • Verdampfungs- und Kondensationstemperaturen prüfen und optimieren lassen.
  • Kältemittel sollten auf die Gegebenheiten des Kühleinsatzes angepasst bzw. ausgetauscht werden.
  • Falls möglich: Wärmerückgewinnung anbringen.
  • Zu Umwälzpumpen gilt das gleiche wie bei der Heizung. Sie sollten geprüft und ggf. ausgetauscht werden.
  • Auch Kühlaggregate sollten regelmäßig gewartet und optimal eingestellt werden.

Das Einsparpotenzial liegt ähnlich wie beim Heizen bei etwa 10 – 30 Prozent.

Weitere Möglichkeiten, die Energiekosten zu senken

Durch die Optimierung von Produktions- und anderen Prozessen lässt sich ebenfalls erheblich Energie sparen, nicht nur Gas. Die Nutzung von Maschinen lässt sich u.a. verbessern, indem man die Auftragsbearbeitung optimiert, Aufträge bündelt und so Rüstzeiten reduziert und für eine gleichmäßigere Auslastung der Aggregate sorgt.

Damit einher geht, dass man im Unternehmen versuchen sollte, teure Lastspitzen zu vermeiden. Lastspitzen sind deshalb so kostenintensiv, weil bei der Abrechnung neben den Stromkosten die höchste bezogene Leistung berechnet wird. Sie entstehen z.B., wenn zu Arbeitsbeginn oder nach Pausen Maschinen, die viel Strom verbrauchen, zeitgleich hochgefahren werden. Daher sollten Anlagen zeitversetzt gestartet werden, manuell oder automatisch mit einem Lastspitzenmanagement. Hier sind je nach Betriebsgröße und Anzahl der Anlagen Einsparungen von 10.000 Euro und mehr pro Jahr möglich.

Tipp

Hilfestellungen zur Energiekrise für Unternehmer und Selbstständige

Welche Entlastungen und Fördermaßnahmen gibt es in der Energiekrise für Unternehmen? Wie können Betriebe ihre laufenden Kosten senken und ihre Liquidität erhöhen? Antworten auf diese Fragen und hilfreiche Praxis-Tipps erhalten Sie auf unserer Themenseite zur Energiekrise.

Mittel- und langfristige Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu senken

Nachhaltig gesenkt werden können die Energiekosten oft nur mittel- und langfristig, indem Unternehmen in neue Techniken investieren oder auf regenerative Energien umstellen. Allerdings sind fast immer in größerem Umfang Investitionen notwendig. Folgende Möglichkeiten können u.a. geprüft werden:

  • Wärmedämmung an allen Gebäuden verbessern
  • Auf regenerative Energien setzen, z.B. Wärmepumpen, Solar, Biogas
  • Anlagentechnik verbessern, z.B. durch Wärmerückgewinnung oder Vermeidung von Anlagenüberdimensionierung. Werden z.B. dauerhaft maximal 20.000 Stück Kapazität benötigt, sollte auf höhere Kapazitäten verzichtet werden, da dies i.d.R. höhere Energiekosten verursacht).
  • Austausch / Ersatz von energieintensiven Maschinen und Anlagen
  • Energiecontracting prüfen. Hierbei finanziert der Contractor Investitionen und beliefert Kunden mit Energie. Dieser muss keine Investitionen tätigen; der Contractor behält einen Teil der Energieeinsparung, mehr z.B. unter www.energiecontracting.de. Beim Vorgehen sollte unbedingt ein Berater eingebunden werden.
  • Einbau von Absorptionskälteanlagen prüfen. Dabei wird aus Wärme Kälte. Fällt in einem Unternehmen kostenlos Wärme an, lässt sie sich für den Antrieb der Kältetechnik nutzen. Vor allem bei Kälte Wärme Kopplungsanlagen (KWK) und durch die Solarthermie-Technik lässt sich die Absorptionskälte sinnvoll nutzen.

Achtung

Lieferzeiten beachten

Bei diesen Maßnahmen sollten Sie beachten, dass es hier je nach Maßnahme z.T. lange Lieferzeiten gibt. Wer z.B. Wärmepumpen oder andere Anlagen neu installieren möchte, um sich vom Gas unabhängig(er) zu machen, muss sich auf Wartezeiten von aktuell einem Jahr und mehr einstellen, da weder die Hersteller noch die Handwerksbetriebe die Nachfrage bedienen können. Ein kurzfristiges Ersetzen von Gas als Energieträger ist aktuell daher kaum möglich, wie z.B. auch der DIHK meint (Erdgas – für Industrie und Haushalte derzeit noch schwer zu ersetzen (dihk.de)).

Energieberater einbinden

Zwar kann man sich auch selbst durch das Thema Energiesparen „durchkämpfen“. Sinnvoller ist es aber meist, einen Energieberater einzubinden, mit dem man gemeinsam Konzepte erarbeiten und Unterstützung bei der Beantragung möglicher Fördergelder leisten kann.

Da aber immer mehr Unternehmen und Privatpersonen diese Leistungen in Anspruch nehmen wollen, sind die Wartezeiten inzwischen lang und betragen sogar für die Energieberatung oft mehrere Monate. Unabhängige Energieberater und weitere Informationen finden sich z.B. unter BMWK - Energieberatung und -förderung für Unternehmen oder Anfrage Rückruf (energieeffizienz-im-betrieb.net).

Tipp

Die Nutzung von Energieberatern empfiehlt sich

Die Nutzung von Energieberatern empfiehlt sich fast immer, da diese mit ihrer Erfahrung und dem Wissen meist in der Lage sind, noch mehr Sparpotenziale aufzudecken als das selbst möglich ist.

Fördermittel beantragen

Lange Wartezeiten müssen Unternehmen auch einkalkulieren, wenn sie öffentliche Fördermittel nutzen möchten. Alleine die Bearbeitungszeiten betragen oft mehrere Monate. Und mit der eigentlichen Maßnahme darf in der Regel erst begonnen werden, wenn der Antrag genehmigt ist. So kommen für die Umsetzung eines Gesamtvorhabens schnell 18 – 24 Monate zusammen.

Fördergelder und andere finanzielle Hilfen finden kleine Betriebe vor allem bei der KfW-Bank (www.kfw.de –> Startseite à Inlandsförderung à Förderratgeber à Energieeffizienz und Umweltschutz im Unternehmen à Energieeffizienz im Unternehmen.). Außerdem kann sich ein Blick auf die Seiten der Energieförderung lohnen: www.energiefoerderung.info. Durch Eingabe der Postleitzahl können hier Förderprogramme gefunden werden.

Bis dahin hilft nur, sich auf kurzfristig wirkende Möglichkeiten zu konzentrieren und sich um die Planung mittelfristiger Aktivitäten zu kümmern. Hier kann überlegt werden, auf Fördermittel zu verzichten, wenn man z.B. kurzfristig an Wärmepumpen oder andere Geräte kommen kann. Denn mit jedem Monat „Verzug“ steigt das Risiko, dass sich die Preise für Wärmepumpen und Handwerkerleistungen weiter erhöhen. Und dann zahlt man u.U. trotz Fördergeldern mehr und profitiert erst später von laufenden Einsparungen.

Preiserhöhungen als Ausgleich für die hohen Energiekosten?

Auch mit der Umsetzung zahlreicher Maßnahmen wird es in vielen Fällen wahrscheinlich nur schwer möglich sein, die Kosten auch nur stabil zu halten. Daher müssen Unternehmen zusätzlich prüfen, ob und in welchem Umfang sie die Kostensteigerungen über Preisanhebungen an ihre Kunden weitergeben können.

Grundsätzlich ist die Zeit für (moderate) Preisanhebungen „günstig“, weil die meisten Kunden das Thema kennen und ein grundlegendes Verständnis für Anpassungen haben. Allerdings sollten Sie hierbei berücksichtigen, dass auch Ihre Kunden gerade mit höheren Ausgaben aufgrund der Inflation und der gestiegenen Energiepreise zu kämpfen haben. Deshalb sollten eventuelle Preiserhöhungen immer mit Augenmaß erfolgen.

Preisanhebungen sollten außerdem nicht einfach „kommentarlos“ erfolgen, sondern den Kunden rechtzeitig angekündigt und die Hintergründe erläutert werden. Dieser Schritt trägt zu mehr Verständnis und Kundenbindung bei.

Wie Sie bei einer Preiserhöhung richtig vorgehen, erfahren Sie in untenstehendem Artikel.

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