Steigende Energiekosten: Das können Unternehmen jetzt tun

Die Energiekosten steigen seit Monaten drastisch an. Durch den Ukrainekrieg wurde diese Entwicklung noch einmal deutlich verschärft. Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag verschiedene Möglichkeiten, mit denen Unternehmen ihre Energiekosten senken und die Folgen der steigenden Energiepreise abmildern können.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Windräder während der Morgendämmerung
© Laura Penwell - pexels.com

Weshalb steigen die Energiekosten?

Dass die Energiepreise derart steigen, hat verschiedene Gründe. Unter anderem läuft die Weltwirtschaft nach dem Corona-Einbruch in 2020 wieder an, was seit Mitte 2021 zu einer unerwartet hohen Nachfrage an Strom, Gas, Öl und Benzin führt. Hinzu kommt, dass die CO2-Rechte, die Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreiber in der EU benötigen, deutlich teurer geworden sind. Seit dem Beginn des Ukrainekrieges explodieren außerdem die Preise, weil u. a. befürchtet wird, dass Energielieferungen aus Russland gedrosselt oder eingestellt werden könnten.

Für die Unternehmen bedeutet das eine weitere finanzielle Belastungsprobe – nachdem sie durch die Corona-Pandemie und die steigenden Rohstoffpreise wirtschaftlich ohnehin schon unter enormem Druck stehen. Doch was können sie dagegen tun?

Bestandsaufnahme durchführen: Wo entstehen die Energiekosten?

In vielen Betrieben fehlt der Überblick, wo, in welcher Form und wie viel Energie verbraucht wird. Das liegt auch daran, dass die Energiekosten sich in der betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) oft z. B. unter „Raum- und Kfz-Kosten“ verbergen. Daher sollte man zunächst prüfen, wo die Energiekosten tatsächlich anfallen:

  • Unter „Raumkosten“ gibt es i. d. R. ein Konto „Gas, Wasser, Strom“.
  • Bei den „Kfz-Kosten“ werden die Tankkosten u. a. bei den laufenden Kosten erfasst.
  • Ggf. kommen weitere Positionen in Betracht, z. B. Fernwärme.
  • Oder die Erfassung erfolgt an mehreren Stellen, etwa in Büros und Produktion, wenn man energieintensive Maschinen betreibt.

Daher sollte man alle Kosten und ggf. Kostenstellen durchgehen, die Energiekosten der letzten 3 Jahre auflisten und prüfen, wie diese sich entwickelt haben. Auch ein Ausblick auf die voraussichtlichen Kosten im laufenden und folgenden Jahr sollte nicht fehlen – auch wenn man wegen der unsicheren Entwicklung keine ganz genauen Werte bestimmen kann.

Dann sollten die Kosten in Relation zum Umsatz, den Gesamtkosten und der Produktion gesetzt werden. So ist es möglich abzuschätzen, ob sie sich relativ noch eher stabil entwickeln oder ob die Steigerung relativ höher ist.

Info

Ein Praxisbeispiel

Steigt der Umsatz um 10 Prozent, ist eine Steigerung der Energiekosten im gleichen Umfang meist akzeptabel, weil z. B. höhere Maschinenauslastung oder mehr Fahrten höhere Verbräuche nach sich ziehen. Steigen die Energiekosten dagegen um 15 oder mehr Prozent, sollte man aktiv werden.

Noch ein Punkt ist in diesem Zusammenhang wichtig: Steigen die Energiekosten überproportional, muss analysiert werden, woran das liegt: am Verbrauch (z. B. in Kwh) oder am Preis. Bleibt der Verbrauch stabil, ist das zunächst ein gutes Zeichen, weil man in dem Fall grundsätzlich effizient arbeitet.

Im Rahmen der Analyse sollte auch geprüft werden, wo die höchsten Energiekosten anfallen. Dort sollte man mit der Maßnahmenumsetzung beginnen, da sich hier höchstwahrscheinlich auch die meisten Einsparungen erzielen lassen.

Transparenz schafft Vertrauen und motiviert zur Mitarbeit

Auch wenn das Ergebnis meist klar ist und zeigt, dass die Energiekosten absolut und relativ steigen, ist die Analyse wichtig, um alle Beteiligten zu sensibilisieren und den Ernst der Lage zu zeigen. So fällt es i. d. R. leichter, Akzeptanz für die Maßnahmenumsetzung zu schaffen. Nach Möglichkeit sollte die Geschäftsleitung alle Beschäftigten auf die Problematik und Notwendigkeit der Kostenreduzierung oder -begrenzung hinweisen und mit konkreten Anweisungen dafür sorgen, dass die Maßnahmen umgesetzt werden.

Beispiele für kurzfristig umzusetzende Maßnahmen, um die Energiekosten zu senken

Viele Maßnahmen, die kurzfristig helfen, die Kosten zu senken, sind bekannt, wurden aber in vielen Unternehmen bisher auf Grund fehlenden Drucks oftmals nur unsystematisch umgesetzt. Jetzt lohnt es sich, alle einfach und schnell zu realisierenden Maßnahmen erneut anzusehen und konsequent umzusetzen, etwa

1. Ausschalten von Geräten und Beleuchtung

Das klassische Ausschalten von Geräten und Beleuchtung, wenn diese nicht verwendet werden. Geräte sollten vom Netz genommen werden (kein Stand-by-Modus), wenn sie längere Zeit nicht genutzt werden. Jeder Mitarbeiter sollte verpflichtet werden, nach Arbeitsende Geräte „richtig“ auszuschalten. Auch in Pausenräumen sollten Kaffeemaschinen, Radios oder Mikrowellen ausgeschaltet werden. Tipp: Alle Geräte sollten an eine schaltbare Steckdosenleiste angeschlossen werden, mit der man alle Geräte vom Netz entkoppeln kann.

2. Bewegungssensoren oder Zeitschaltuhren

Ergänzend sorgen Bewegungssensoren oder Zeitschaltuhren dafür, dass z. B. Beleuchtung nur dann eingeschaltet wird, wenn sie benötigt wird.

3. Standorte von Geräten überprüfen

Standorte von Geräten überprüfen – beispielsweise sollten Kühlschränkte nicht neben der Heizung oder dem Herd aufgestellt werden.

4. Überprüfung von Raumtemperatur und Lüftungsverhalten.

Eine Absenkung der Raumtemperatur um 1 Grad reduziert den Verbrauch um ca. 6 Prozent. Gerade Büroräume sind oft „gut“ geheizt und haben Temperaturen von deutlich über 20 Grad. Hier sollte eine Absenkung auf z. B. 20 Grad geprüft werden. Außerdem sollte man von „dauerlüften“ auf regelmäßiges, kurzes Stoßlüften umstellen. Mit programmierbaren Thermostaten ist es möglich, die Temperatur automatisch zu reduzieren, wenn Räume nicht genutzt werden, z. B. nachts und an Wochenenden. So lassen sich zusätzlich bis 10 Prozent Einsparungen erzielen.

5. Regelmäßige Wartung von Heizung und Energieverbrauchern

Regelmäßige Wartung von Heizung und Energieverbrauchern, um beste Energieeffizienz zu erreichen.

6. Homeoffice stärker nutzen

Homeoffice stärker nutzen, da dann ggf. Räume nicht benötigt und beheizt werden müssen. Das lohnt sich auch dann, wenn man Mitarbeitern einen Zuschuss zu den eigenen Kosten zahlt. Fragen Sie hierzu am besten Ihren Steuerberater. Ggf. können Räume an den Vermieter zurückgegeben oder untervermietet werden.

7. Spritspartraining für Monteure oder Vertriebsmitarbeiter

Derartige Trainings bieten z. B. Automobilclubs oder Fahrschulen an: Kosten ab ca. 100 Euro / Training. Die Ausgabe lohnt sich, da sich der Verbrauch um 30 Prozent und mehr reduzieren lässt. Beispiel: Ein Mitarbeiter fährt 30.000 Kilometer / Jahr und verbraucht 3.000 Liter Benzin. Bei einem Preis von 2,25 Euro entstehen Kosten von 6.750 Euro. Lässt sich der Verbrauch auf nur noch 2.600 Liter senken, betragen die Kosten 5.850 Euro. Das ist eine Ersparnis von 900 Euro. Bei 5 Fahrzeugen reduzieren sich die Kosten um 4.500 Euro / Jahr, minus Trainingskosten.

8. Neuanschaffungen

Bei Neuanschaffungen, z. B. von IT, Fahrzeugen oder Maschinen, sollte der Energieverbrauch stärker in den Vordergrund rücken. Über die Nutzungsdauer ergeben sich hier schnell Einsparungen von mehreren zehntausend Euro.

9. Produktions- und weitere Prozesse anpassen

Die Nutzung von Maschinen oder Fahrzeugen lässt sich verbessern, indem man z. B. die Auftragsbearbeitung verbessert und Rüstzeiten reduziert oder Fahrrouten besser plant und Leerkilometer vermeidet. Im Handwerk entstehen z. B. oft Fahrten in Baumärkte oder zum Standort, die sich zum Teil vermeiden lassen, wenn vorab geprüft wird, ob sich alle Werkzeuge und Teile für einen Auftrag im Fahrzeug befinden.

10. Lastspitzen vermeiden

Sie entstehen, wenn zu Arbeitsbeginn mehrere Maschinen gleichzeitig hochgefahren werden, die viel Strom verbrauchen. Daher sollten Anlagen zeitversetzt gestartet werden. Das kann manuell oder automatisch mit einem Lastspitzenmanagement geschehen. Lastspitzen sind so teuer, weil bei der Abrechnung neben den Stromkosten die höchste bezogene Leistung berechnet wird. Einsparungen von mehreren 10.000 Euro pro Jahr sind möglich.

Beispiele für mittel- und langfristig umzusetzende Maßnahmen

Nachhaltig gesenkt werden können die Energiekosten oft nur mittelfristig, indem Unternehmen in neue Techniken investieren oder auf regenerative Energien umstellen. Allerdings sind fast immer in größerem Umfang Investitionen notwendig.

Folgende Möglichkeiten können u. a. geprüft werden:

  1. Wärmedämmung an allen Gebäuden verbessern.
  2. Auf regenerative Energien setzen, z. B. Wärmepumpen, Solar.
  3. Anlagentechnik verbessern, z. B. durch Wärmerückgewinnung oder indem Anlagenüberdimensionierung vermieden / zurückgeführt wird. Werden z. B. dauerhaft maximal 10.000 Stück Kapazität benötigt, sollte auf höhere Kapazitäten verzichtet werden, da dies i. d. R. höhere Energiekosten verursacht.
  4. Austausch / Ersatz von energieintensiven Maschinen und Anlagen.
  5. Umstellungen des Fuhrparks auf E-Fahrzeuge und ggf. Fahrräder werden gefördert.
  6. Energiecontracting prüfen: Beim Energiecontracting finanziert der Contractor Investitionen und beliefert Kunden mit Energie. Dieser muss keine Investitionen tätigen; der Contractor behält einen Teil der Energieeinsparung, mehr z. B. unter www.energiecontracting.de. Beim Vorgehen sollten Sie unbedingt einen Berater einbinden.

Info

Nehmen Sie eine Investitions- oder Kosten-Nutzen-Betrachtung vor

Bei Investitionen sollten Investitions- oder Kosten-Nutzen-Betrachtungen vorgenommen werden. Die meisten Berater verfügen über geeignete Tools und können Unternehmen gut dabei unterstützen. Nach der Maßnahmenumsetzung sollte geprüft werden, ob sich die Einsparungen rentiert haben, etwa mit Kennzahlen wie Energieverbrauch / -kosten in Relation zu Gesamtkosten, Umsätzen, Produktionsmengen.

Fördermöglichkeiten nutzen

Bevor Sie aktiv werden und v. a. langfristig wirksame Maßnahmen zur Senkung der steigenden Energiepreise angehen, sollten Sie prüfen, ob es sinnvoll ist, im Vorfeld eine geförderte Energieberatung in Anspruch zu nehmen. Diese geförderte Beratung und weitere Fördermaßnahmen gibt es für KMU beispielsweise über die KfW (https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Energie-und-Umwelt/).

Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Seiten der Energieförderung: www.energiefoerderung.info. Durch Eingabe der Postleitzahl können hier die passenden Förderprogramme gefunden werden.

Achtung

Anträge müssen vor Maßnahmenbeginn gestellt werden!

Anträge müssen i. d. R. vor Maßnahmenbeginn gestellt und genehmigt werden. Wer vorher mit den Arbeiten beginnt, verliert den Anspruch auf Förderung.

Kalkulationen anpassen und Kosten evtl. weitergeben

Zudem sollte geprüft werden, ob Kostensteigerungen über den Preis an die Kunden weitergegeben werden können. In der Regel ist das aktuell eher einfach möglich, weil das Thema in der öffentlichen Diskussion „angekommen“ ist und Kunden wissen, dass es zu Preisanhebungen kommen wird. Allerdings sollte man keine „kommentarlosen“ Preisanpassungen vornehmen, sondern Kunden Hintergründe und Notwendigkeit gut erläutern. Das fördert das Verständnis und verbessert die Kundenbindung.

Info

Vermeiden Sie es, Ihre Kunden zu verunsichern

Will man die Preise anheben, sollte man berücksichtigen, dass voraussichtlich in absehbarer Zeit auch die Personalkosten deutlich steigen werden. Um mehrfache Erhöhungen in kurzer Zeit zu vermeiden und Kunden somit zu verunsichern oder zu verärgern, sollte man diese Kostensteigerungen „antizipieren“ und die Preise tendenziell lieber einmal stärker anheben.

Ausblick: Wie geht es weiter mit den Energiepreisen?

Ein seriöser Ausblick ist in der aktuellen Situation kaum möglich. Vieles hängt davon ab, wie lange sich der Ukrainekrieg hinzieht. Auch wenn er schnell zu Ende gehen sollte, ist nicht damit zu rechnen, dass es dauerhaft sinkende Energiekosten geben wird.

Daher sollten Unternehmen konsequent daran arbeiten, den Energieverbrauch kontinuierlich zu reduzieren und sich so unabhängig wie möglich von fossilen Energieträgern zu machen.