Neue Energieeinsparverordnungen: Das gilt jetzt für Unternehmen

Um Energie einzusparen, hat die Bundesregierung zwei Energiesparverordnungen erlassen. Die erste trat am 1. September in Kraft, die zweite zum 1. Oktober. Beide Verordnungen nehmen auch Unternehmen in die Pflicht. Was jetzt für Betriebe gilt, lesen Sie hier.

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Businessfrau hält eine leuchtende Glühlampe und lässt Münzen in ein Sparschwein fallen
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Worum geht es bei den neuen Energieeinsparverordnungen?

Explodierende Energiepreise und die Angst vor leeren Gasspeichern – um den Energieverbrauch zu senken, werden nun auch Unternehmen in die Pflicht genommen. Für sie – aber auch für öffentliche Gebäude und private Haushalte – gilt seit dem 1. September 2022 für sechs Monate die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“ (EnSikuMaV) der Bundesregierung. Außerdem gilt seit dem 1. Oktober die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch mittelfristig wirksame Maßnahmen“ (EnSimiMaV) mit einer Geltungsdauer von 24 Monaten. Beide Verordnungen sollen dazu beitragen, den Energieverbrauch in Deutschland zu senken.

Was bedeutet die Energieeinsparverordnung über kurzfristig wirksame Maßnahmen für Unternehmen?

Die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch kurzfristig wirksame Maßnahmen ist, wie der Name schon sagt, darauf ausgelegt, kurzfristige Maßnahmen umzusetzen, die dabei helfen, Energie zu sparen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie von 1. September 2022 bis zum 28. Februar 2023 folgende Maßnahmen ergreifen müssen:

  • Lufttemperatur für Arbeitsräume: Die Lufttemperatur darf laut Energiesparverordnung Temperaturen von 12 bis 19 Grad nicht unterschreiten – in Abhängigkeit von der Art und Schwere der Arbeit. Diese Temperaturen gelten als Mindesttemperaturen. Unternehmen können damit von der bisher geltenden Arbeitsschutzrichtlinie um durchschnittlich 1 Grad abweichen. Möglich sind nun:
    • 19 °C für körperlich leichte und überwiegend sitzende Tätigkeiten.
    • 18 °C für körperlich leichte Tätigkeiten überwiegend im Stehen oder Gehen.
    • 18 °C für mittelschwere und überwiegend sitzende Tätigkeiten.
    • 16 °C für mittelschwere Tätigkeit überwiegend im Stehen oder Gehen.
    • 12 °C für körperlich schwere Tätigkeiten.

Info

Keine Pflicht zur Einhaltung geringerer Temperaturhöchstwerte

Unternehmen sind nicht verpflichtet, die geringeren Höchstwerte einzuhalten. Sie dürfen die Arbeitsstätte auch weiter mit höheren Temperaturen beheizen. Die Mindesttemperaturen dürfen sie hingegen nicht unterschreiten. Solch ein Verstoß kann geahndet werden.

  • Eingangssysteme im Einzelhandel: Das dauerhafte Offenhalten von Ladentüren und Eingangssystemen in beheizten Geschäftsräumen im Einzelhandel ist nun untersagt, da dies zum Verlust von Heizwärme führt. Das Offenhalten ist nur dann gestattet, wenn die geöffnete Tür als Fluchtweg dient.
  • Beleuchtete Werbeanlagen: Beleuchtete oder lichtemittierende Werbeanlagen dürfen von 22 Uhr bis 6 Uhr nicht betrieben werden. Ausnahme: Dient die Beleuchtung der Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr anderer Gefahren und kann nicht kurzfristig durch andere Maßnahmen ersetzt werden, ist sie erlaubt. Ein Beispiel hierfür sind beleuchtete Werbeträger an Fahrgastunterständen. Wichtig zu wissen: Schaufenster gelten nicht als Werbeanlage und dürfen somit weiter beleuchtet werden.

Welche mittelfristig wirksamen Maßnahmen müssen Unternehmen umsetzen?

Die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch mittelfristig wirksame Maßnahmen, enthält Maßnahmen, die mehr Zeit für eine Umsetzung erfordern. Unternehmen müssen demnach von 1. Oktober 2022 bis zum 30. September 2024 Folgendes tun:

  • Steigerung der Energieeffizienz: Eigentümer von Gebäuden mit Gasheizung müssen einen Heizungscheck innerhalb der nächsten zwei Jahre durchführen. Dieser Check kann im Rahmen der regelmäßigen Kehr- und Überprüfungstätigkeiten stattfinden. Stellt sich heraus, dass eine Heizung ineffizient ist, muss sie optimiert oder - wenn nötig - sogar ausgetauscht werden.
  • Hydraulischer Abgleich in großen Gebäuden mit zentraler Wärmeversorgung: Eigentümer großer Gebäude (ab 1000 m²) sind verpflichtet, einen hydraulischen Abgleich vorzunehmen, wenn die zentrale Wärmeversorgung auf Erdgasbasis erfolgt.
  • Umsetzung wirtschaftlicher Effizienzmaßnahmen: Ab einem Energieverbrauch von 10 Gigawattstunden pro Jahr sind Unternehmen nun verpflichtet, wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen zu ergreifen. Dies gilt für Unternehmen, die schon ein Energieaudit (Analyse ihrer Verbräuche und Einsparpotenziale) nach den Vorgaben des Energiedienstleistungsgesetzes durchgeführt haben. Als kurzfristige Maßnahmen nennt die Verordnung:
    • Austausch von Beleuchtungen mit LED
    • Optimierungen von Arbeitsabläufen und technischer Systeme, z. B. Druckluftsystemen

Info

Verordnungen in voller Länge

Die Energieeinsparverordnungen in voller Länge finden Sie hier:

  • EnSikuMaV (Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen)
  • EnSimiMaV (Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch mittelfristig wirksame Maßnahmen)

Tipp

Hilfestellungen zur Energiekrise für Unternehmer und Selbstständige

Welche Entlastungen und Fördermaßnahmen gibt es in der Energiekrise für Unternehmen? Wie können Betriebe ihre laufenden Kosten senken und ihre Liquidität erhöhen? Antworten auf diese Fragen und hilfreiche Praxis-Tipps erhalten Sie auf unserer Themenseite zur Energiekrise.