Gewerbesteuer: Was Sie als Gewerbetreibender wissen müssen

Die Gewerbesteuer wird von den Gemeinden erhoben und ist für sie die wichtigste Einnahmenquelle, um ihre öffentlichen Aufgaben zu erfüllen. Jede Gemeinde legt die Hebesätze für die Gewerbetreibenden, die in der Gemeinde tätig sind, selbst fest. Die Hebesätze werden jährlich im Rahmen der kommunalen Haushaltsberatungen neu festgesetzt. Der Hebesatz muss für alle in der Gemeinde vorhandenen Gewerbetreibenden der gleiche sein.

Definition

Was ist die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine Realsteuer, sie wird auch als Objekt- oder Sachsteuer bezeichnet. Steuergegenstand ist ein vorhandener Gewerbebetrieb in Deutschland und dessen objektive Ertragskraft. Die Gewerbesteuer erhält due Gemeinde, in deren Gebiet der jeweilige Gewerbebetrieb seine Betriebsstätte hat. Wenn ein Gewerbetrieb in mehreren Gemeinden Betriebsstätten hat, ist jede dieser Gemeinden berechtigt, anteilig Gewerbesteuer zu fordern.

Was ist der Unterschied zwischen Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Umsatzsteuer?

Der Unterschied zwischen der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer: Die Körperschaftsteuer fließt dem Bund zu und die Gewerbesteuer den Gemeinden. Ein weiterer Unterschied: Entsteht in einem Geschäftsjahr ein Verlust, darf dieser bei der Ermittlung der Körperschaftsteuer

  • ins Vorjahr zurückgetragen (Verlustrücktrag).
  • mit dem zu versteuernden Einkommen des Vorjahrs verrechnet werden, was sich steuersparend auswirkt.

Bei der Gewerbesteuer ist ein Verlustrücktrag unzulässig.

Der Unterschied zwischen der Gewerbesteuer und der Umsatzsteuer (auch als Mehrwertsteuer bezeichnet) besteht darin, dass die Gewerbesteuer die objektive Ertragskraft eines Gewerbebetriebs besteuert. Bei der Umsatzsteuer muss für jeden einzelnen Umsatz die Umsatzsteuer ausgewiesen und ans Finanzamt abgeführt werden.

Berechnung der Gewerbesteuer

Bei der Berechnung der Gewerbesteuer ermittelt zunächst das Finanzamt anhand der Gewerbesteuererklärung den Gewerbeertrag und leitet daraus den so genannten Gewerbesteuermessbetrag ab. Diesen setzt das Finanzamt in einem Steuerbescheid fest und teilt ihm der Gemeinde und dem Unternehmen mit. Die Gemeinde multipliziert nun den Gewerbesteuermessbetrag mit dem Gewerbesteuer-Hebesatz, der von Gemeinde zu Gemeinde variiert. Das Ergebnis ist die zu zahlende Gewerbesteuer.

Fälligkeit der Gewerbesteuer

Setzt die Gemeinde laufende Gewerbesteuer-Vorauszahlungen fest, sind diese an folgenden Tagen zur Zahlung fällig:

  • am 15. Februar
  • am 15. Mai
  • am 15. August und
  • am 15. November

Die Gewerbesteuererklärung müssen Sie grundsätzlich bis zum 31. Juli nach Ablauf des Steuerjahrs in elektronischer Form ans Finanzamt übermitteln.

Tipp

Gewerbesteuererklärung: Fristverlängerung bei Einschaltung eines Steuerberaters

Nur wenn Sie die Gewerbesteuererklärung durch einen Steuerberater erstellen lassen, gilt eine automatische Fristverlängerung. Das Finanzamt erwartet die Übermittlung der Gewerbesteuererklärung in diesem Fall erst Ende Februar des übernächsten Jahres nach Ablauf des Steuerjahrs.

Besteuerungsgegenstand

Besteuerungsgegenstand ist bei der Gewerbesteuer der Gewerbeertrag des Unternehmens. Dieser ergibt sich aus dem Gewinn des jeweiligen Geschäftsjahres – vermindert um bestimmte Kürzungen und erhöht um bestimmte Zurechnungen.

Bemessungsgrundlage

Für die Ermittlung des maßgeblichen Gewerbeertrags schaut das Finanzamt beim Einzelunternehmerund den Personenhandelsgesellschaften zunächst auf den Gewinn aus dem Gewerbebetrieb, der auch für die Einkommensteuer relevant ist. Bei einer GmbH wird das zu versteuernde Einkommen zugrunde gelegt.

Um den Gewerbeertrag zu ermitteln, wird der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb

  1. um bestimmte Hinzurechnungen erhöht und
  2. um bestimmte Kürzungen vermindert

Der Fiskus bezweckt mit der Hinzurechnung von Finanzierungsaufwendungen, dass Unternehmen nicht beliebig die Gewerbesteuer-Zahllast mittels Fremdfinanzierung mindern können.

Hinzurechnungen

Das Finanzamt prüft vor allem die Zinsen und Entgelte für Darlehen, wenn es um die Hinzurechnungen geht, was das folgende Berechnungsschema deutlich zeigt.

So wird der Hinzurechnungsbetrag berechnet:

100 % Zinsen und Entgelte für Schulden (§ 8 Nr. 1a GewStG)

+ 100 % Renten und dauernde Lasten (§ 8 Nr. 1b GewStG)

+ 100 % Gewinnanteile des typisch stillen Gesellschafters (§ 8 Nr. 1c GewStG)

+ 50 % Mieten, Pachten, Leasingraten von Immobilien (§ 8 Nr. 1e GewStG)

+ 20 % Mieten, Pachten, Leasingraten von beweglichen Wirtschaftsgütern (§ 8 Nr. 1d GewStG)

+ 25 % der Entgelte für Lizenzen, Konzessionen (§ 8 Nr. 1f GewStG)

= Summe Finanzierungsaufwendungen

./. 200.000 Euro Freibetrag (gem. § 8 Nr. 1 GewStG)

= Finanzierungsaufwendungen nach Freibetrag

x 25 %

= Hinzurechnungsbetrag zum Gewinn aus Gewerbebetrieb

Info

Der Freibetrag schützt kleine und mittlere Betriebe

Die Finanzierungsaufwendungen spielen für „normale“ Gewerbetreibende in der Regel keine Rolle, weil sie von einem hohen Freibetrag (200.000  Euro) bezüglich der jährlichen Finanzierungsaufwendungen profitieren.

Kürzung

Hat der Gewerbetreibende z. B. Grundbesitz im Betriebsvermögen, kürzt das Finanzamt den Gewinn um 1,2 % des Einheitswerts (§ 9 Nr. 1 GewStG). Anschließend wird der ermittelte Gewerbeertrag auf volle 100 Euro abgerundet (§ 11 Abs. 1 S. 3 GewStG).

Außerdem erfolgt eine Kürzung des Gewerbeertrags, wenn sich im Gewinn aus Gewerbebetrieb Einkünfte aus einer gewerblich tätigen Personengesellschaft befinden, an der der Gewerbebetrieb beteiligt ist. Da die Personengesellschaft selbst gewerbesteuerpflichtig ist, würde es ohne Kürzung zur Doppelbesteuerung des Gewinns der Personengesellschaft kommen.

Im Umkehrschluss gilt natürlich: Ist der Gewerbebetreibende an einer Personengesellschaft beteiligt und im Gewinn stecken Verluste dieser gewerblich tätigen Personengesellschaft, wird der Gewinn um diese Verluste erhöht. Ohne diese Erhöhung wären die Verluste doppelt steuerlich berücksichtigt.

Festsetzung des Steuermessbetrags und Berechnung

Zwar erheben die Gemeinden die Gewerbesteuer. Doch für die Ermittlung des Gewerbeertrags und des Gewerbesteuermessbetrags ist das Finanzamt zuständig. Die Behörde ermittelt anhand der eingereichten Gewerbesteuererklärung den Gewerbesteuerertrag. Dieser Gewerbesteuerertrag wird mit 3,5 multipliziert. Das Ergebnis ist der so genannte Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt in einem „Bescheid über Gewerbesteuermessbetrag“ festsetzt.

Die Gemeinde wendet wiederum ihren Gewerbesteuer-Hebesatz auf diesen Gewerbesteuermessbescheid an, was letztlich die an die Gemeinde zu zahlende Gewerbesteuer ergibt. Der Hebesatz variiert von Gemeinde zu Gemeinde, er muss jedoch mindestens 200 Prozent betragen. In München beispielsweise liegt er bei 490 Prozent (Stand 2021).

Beispiel: Ermittlung der Gewerbesteuer
Das Finanzamt ermittelt einen Gewerbesteuermessebetrag von 12.000 Euro. Der Gewerbebetrieb liegt in einer Gemeinde mit einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 380 Prozent. Daraus ergibt sich folgende Gewerbesteuerbelastung:

12.000 Euro x 3,8 = 45.600 Euro

Tipp

Für Einsprüche und Anträge ist das Finanzamt zuständig

Sind Sie mit der Höhe der Gewerbesteuer nicht einverstanden, müssen Sie gegen den Gewerbesteuermessbetrag des Finanzamts Einspruch einlegen und nicht gegen den Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde. Dasselbe gilt für Anträge auf Herabsetzung oder Erhöhung der laufenden Gewerbesteuer-Vorauszahlungen. Auch diese müssen Sie beim Finanzamt stellen.

Nichtabziehbarkeit

Die Gewerbesteuer darf den Gewinn des Gewerbetriebs nicht mindern. Das heißt: Wenn Sie die Gewerbesteuer-Vorauszahlungen während des Jahres in Ihrer Buchhaltung als Betriebsausgabe verbuchen, müssen Sie diese außerhalb der Gewinnermittlung wieder zurechnen. Die Nichtabziehbarkeitgilt auch für Nebenleistungen im Zusammenhang mit der Gewerbesteuer, beispielsweise für Verspätungs- oder Säumniszuschläge.

Freibetrag und Steueranrechnung

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften zieht das Finanzamt nach Ermittlung des Gewerbeertrags übrigens einen persönlichen Freibetrag von 24.500 Euro ab. Das bedeutet im Klartext: Nur wenn der vom Finanzamt ermittelte Gewerbeertrag über 24.500 Euro liegt, muss ein Gewerbetreibender mit Gewerbesteuerzahlungen rechnen.

Sind Sie Einzelunternehmer oder Mitunternehmer an einer Personengesellschaft? Dann müssen Sie eine weitere Besonderheit beachten: Das Finanzamt rechnet die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer an. Angerechnet werden 400 Prozent des Gewerbesteuermessbetrags. Da sich durch die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer auch der Solidaritätszuschlag mindert, bedeutet das Folgendes: Bei Gewerbetreibenden in Gemeinden mit einem Gewerbesteuer-Hebesatz bis 422 Prozent bewirkt die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer eine vollständige Neutralisierung der Gewerbesteuerbelastung.

Gewerbesteuer in einer GmbH

Auch Kapitalgesellschaften dürfen die Gewerbesteuerzahlungen nicht als Betriebsausgaben verbuchen. Das bestätigte nun der Bundesfinanzhof und stufte dieses Abzugsverbot als verfassungskonform ein. Eine GmbH muss jedoch weiterhin eine Gewerbesteuerrückstellung bilden und außerbilanzmäßig korrigieren. Dieses Nullsummenspiel zur Gewerbesteuer kann bei einer GmbH jedoch den Investitionsabzugsbetrag  (§ 7g Abs. 1 EStG) retten.

Besonderheiten bei den steuerlichen Hinzurechnungen

Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags als Grundlage für die Gewerbesteuer müssen nach § 8 Nr. 1 GewStG anteilige Hinzurechnungen vorgenommen werden für:

  • Zinsen
  • Mieten und Pachten
  • bewegliche und unbewegliche Gegenstände
  • Lizenzen

Nur wenn der Freibetrag von 100.000 Euro überschritten wird, wirken sich die Hinzurechnungen erhöhend auf die Gewerbesteuer aus.

Dabei sollten Sie folgende Stolperfallen beachten:

  • Saldierung verboten: Mietet die A-GmbH ein Grundstück für 100.000 Euro im Jahr an und vermietet es teilweise an die Tochtergesellschaft B-GmbH für 40.000 Euro im Jahr, verbietet die Finanzverwaltung eine Saldierung. Das führt dazu, dass bei der A-GmbH eine Zurechnung von 50.000 Euro (100.000 Euro x 50 %) und bei der B-GmbH von 20.000 Euro (40.000 Euro x 50 %) vorzunehmen ist.
  • Rückstellungen: Bildet eine GmbH eine Rückstellung für der Höhe nach ungewisse Mietzahlungen im Rahmen der Aufbewahrungsfristen, muss der auf die Miete entfallende Betrag anteilig bei der Ermittlung des Gewerbeertrags zur Gewerbesteuer hinzugerechnet werden.
  • Abschreibung: Zahlt die GmbH Lizenzen, sind in Höhe der jährlichen Abschreibungen Hinzurechnungen zum Gewerbeertrag vorzunehmen.
  • Aktive Rechnungsabgrenzung: Ein bei Mietvorauszahlungen gebildeter aktiver Rechnungsabgrenzungsposten führt bei erfolgswirksamer Auflösung zu einer anteiligen Hinzurechnung und somit zu einer Erhöhung der Gewerbesteuer.

Achtung

Mieten für Messen und Fremdlager

Im Visier des Prüfers sind auch die Mieten für Messen oder Fremdlager. Handelt es sich hierbei um reine Mietkosten, erfolgt eine Hinzurechnung zum Gewerbeertrag und somit bei Überschreitung des Freibetrags von 200.000 Euro zur Erhöhung der Gewerbesteuer der GmbH.

Gewerbesteuer für Gründer: Steuervorauszahlungen senken

Als Existenzgründer träumt man von einer Menge Gewinn. Doch diesen Traum sollte man nicht unbedingt mit dem Finanzamt teilen. Denn im Fragebogen für Existenzgründer fragt das Amt eher unscheinbar nach dem voraussichtlichen Umsatz im Erst- oder Zweitjahr. Wer hier (zu) hohe Gewinne einträgt, erhält postwendend einen Bescheid über ebenso hohe Steuervorauszahlungen. Aus diesem Grund sollte man hier besser auf die Euphoriebremse steigen und vorerst eine schwarze Null – also ein ausgeglichenes Ergebnis – bei der Gewinnprognose eintragen.