GmbH-Krise: Geschäftsführer muss seine Verhältnisse nicht offenlegen

Der richtige Zeitpunkt für den Antrag der Verlustrealisierung in der Einkommenssteuer
Aktualisiert am: 20.08.2015

In vielen Urteilen, die zur GmbH-Insolvenz entschieden werden, geht es um den Zugriff des Insolvenzverwalters auf das private Vermögen des Gesellschafter (-Geschäftsführers). Ziel des Verwalters: Er versucht in der Regel mit allen Mitteln, die Gläubiger der GmbH auch aus dem privaten Vermögen zu bedienen.

Viele Urteile belegen aber auch, dass der eingesetzte Insolvenzverwalter seine Rechte oft zu weit auslegt und der Gesellschafter-Geschäftsführer gar nicht privat einstehen muss. Dazu gibt es jetzt ein aktuelles Grundsatz-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das wichtig ist für alle Geschäfts­führer ohne Beteiligung an der GmbH (Fremd-Geschäftsführer). Dabei geht es um die Auskunftspflicht über die private Vermögenssituation.

Dazu führt der BGH aus: „Der Insolvenzverwalter hat Anspruch auf Auskunft über alle Vermögens­angelegenheiten der GmbH, der Gesellschafter und über Ansprüche der GmbH gegen den Geschäftsführer. Der Geschäftsführer ist aber nicht verpflichtet, Auskunft über seine privaten Vermögensverhältnisse zu geben“ (BGH, Urteil vom 5.3.2015, IX ZB 62/14).

Als Fremd-Geschäftsführer können Sie in Zukunft davon ausgehen, dass der Insolvenz­verwalter Ihre privaten Vermögensverhältnisse außen vor lassen muss. Auskunft geben müssen Sie lediglich, wenn die GmbH Ihnen gegenüber Vermögensansprüche hat. Das ist z.B. der Fall, wenn die GmbH Ihnen eine Darlehen gewährt hat, wenn die GmbH Ihnen einen Vorschuss auf Ihr Gehalt ausgezahlt hat oder wenn Sie über Gegenstände der GmbH verfügen (Firmenwagen, Mobiltelefon, Büroeinrichtung usw.).

Schwieriger ist die Situation des Gesellschafter-Geschäftsführers. Zwar müssen Sie dann Ihre Vermögensverhältnisse als Geschäftsführer nicht aufdecken. Der Insolvenzverwalter kann aber gegen Sie als Gesellschafter vorgehen und in dieser Eigenschaft vollen Einblick in Ihre privaten Vermögensverhältnisse nehmen.

Praxis-Tipp: So sichern Sie sich richtig ab
Dessen ungeachtet wird der Insolvenzverwalter im Insolvenzverfahren auch in Zukunft und auch im Falle des Fremd-Geschäftsführers genau prüfen, ob Rechtsverstöße vorliegen und ob darauf aufbauend Forderungen gegen das Privatvermögen des (Gesellschafter-) Geschäftsführers abgeleitet werden können. Dabei geht es in erster Linie um die Frage, ob rechtzeitig Insolvenzantrag gestellt wurde und damit um die Feststellung des genauen Insolvenz-Zeitpunktes. Als Geschäftsführer sind Sie gut beraten, bei ersten Krisenanzeichen umgehend zu handeln – sei es, dass Sie den Steuerberater umgehend mit der Erstellung einer Zwischenbilanz beauftragen oder dass Sie bei Anzeichen einer drohenden Überschuldung vorausschauend handeln und mit einem Insolvenzantrag in die Offensive gehen.

Besonders kritisch sollten Sie das Zahlenwerk der GmbH beleuchten, wenn folgende Situationen und Sachverhalte eintreten. Anhand dieser Krisen-Indikatoren „checken“ die Banken die Vermögenssituation Ihrer GmbH:

  • angespannte Kontoführung mit Überziehungstendenz
  • Rückgang des Kontoumsatzes
  • überraschender Kreditbedarf
  • Nichtrückführung von befristeten Zusatzkrediten
  • Abweichungen zwischen angekündigten und tatsächlichen Zahlungsein- und ausgängen
  • hohes Scheckobligio
  • Umstellung von Überweisung auf Scheckzahlung und von Scheck- auf Wechselzahlung
  • Ausstellung vordatierter Schecks
  • Ausnutzung von Respekttagen bei Wechseln und späte Abschaffung der Deckung für Schecks/Wechsel
  • Verschlechterung in der Qualität der zum Diskont eingereichten Wechsel
  • Zahlungen an Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher
  • Pfändungen, insbesondere wegen Steuern und Sozialabgaben
  • Häufung von Auskunftsanfragen und Verschlechterung neuer Auskünfte.
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