Kauf und Verkauf von GmbH-Anteilen: Diese 4 Fallen lauern

Verkauf von GmbH-Anteilen
Aktualisiert am: 25.02.2019

Wer GmbH-Geschäftsanteile (Beteiligungen) kauft oder verkauft, der hat neben den zivilrechtlichen Aspekten natürlich auch ein Auge auf die Steuer. Die bekannte Formel "Gewinn = Verkaufspreis minus Anschaffungskosten" gilt auch für GmbH-Geschäftsanteile. Und ein Gewinn muss versteuert werden.

Verkauf von GmbH-Anteilen: Gewinne müssen versteuert werden

Die steuerliche Grundregel lautet: Wer seinen GmbH-Geschäftsanteil verkauft, muss einen eventuellen Gewinn versteuern. Noch mehr Informationen zu dem Kauf oder Verkauf von GmbH-Anteilen finden Sie in Lexware GmbH-Wissen

Formel:

Verkaufsgewinn = Verkaufspreis – (historische) Anschaffungskosten + nachträgliche Anschaffungskosten

Besonderheit: Bei der Veräußerung von Gesellschaftsanteilen kommt es nicht darauf an, wann der Vertrag abgeschlossen wird oder wann das rechtliche Eigentum übergegangen ist, sondern ausschlaggebend für die Realisierung des Verkaufsgewinns ist der Übergang des wirtschaftlichen Eigentums. Wann das Verkaufsentgelt dem Verkäufer zufließt, ist also für die Steuer unwichtig. In der Praxis gelten zahlreiche Besonderheiten.

Fall 1: Sie sind nur zu 1 % beteiligt

Wessen Beteiligung an der GmbH weniger als 1 % beträgt, der ist „unwesentlich“ an der GmbH beteiligt. Erzielt er einen Gewinn aus dem Verkauf seiner Anteile, unterliegt dieser Gewinn der Abgeltungsteuer, wird also pauschal mit 25 % plus Solidaritätszuschlag plus mögliche Kirchensteuer besteuert, alles in allem also eine knapp 30-prozentige Steuerbelastung. Werbungskosten sind mit dem Sparer-Pauschbetrag (801 EUR bei Alleinstehenden / 1.602 EUR bei zusammen veranlagten Ehegatten) abgegolten. Verluste können Sie nicht geltend machen.

Fall 2: Sie sind zu mehr als 1 % beteiligt

Wer seine im Privatvermögen gehaltenen GmbH-Anteile verkauft, muss einen Verkaufsgewinn versteuern, wenn er wesentlich, also mit mindestens 1 % am Stammkapital der GmbH beteiligt ist oder innerhalb der letzten 5 Jahre war.

Als „wesentlich“ beteiligt gelten Sie auch, wenn Sie (irgendwann!) innerhalb der letzten 5 Jahre mal wesentlich beteiligt waren, also 1 % oder mehr der Anteile gehalten haben. Wie lange Sie „wesentlich“ beteiligt waren, ist völlig gleichgültig. Selbst wenn Sie nur mittelbar mit 1 % oder mehr an der GmbH beteiligt waren, müssen Sie einen Verkaufsgewinn versteuern. Anteile, die Sie geschenkt erhalten und noch am selben Tag verkaufen, rechnen ebenfalls mit bei der Bestimmung der 1-%-Grenze.

Steuerpflichtig kann der Verkauf Ihrer GmbH-Anteile aber auch dann werden, wenn Sie die Anteile vorher geschenkt oder vererbt bekommen haben und der Schenker oder Erblasser zuvor innerhalb der letzten 5 Jahre mit mindestens 1 % am Stammkapital der Gesellschaft beteiligt war.

GmbH-Anteile: Freibetrag richtig berechnen

Wenn Ihnen die GmbH komplett gehört und Sie alle Anteile der GmbH verkaufen, können Sie den Höchstbetrag von 9.060 EUR beanspruchen. Verkaufen Sie nur einen Teil, reduziert sich der Freibetrag. Für die Berechnung des Freibetrags ist nur der steuerpflichtige Teil des Verkaufsgewinns (60 %) zu betrachten. Die 40 %, die steuerfrei bleiben, sind nicht zu berücksichtigen. Der Freibetrag wird nicht für alle Veräußerungen in jeder Höhe gewährt. Vielmehr reduziert er sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn den Teil von 36.100 EUR übersteigt, der dem veräußerten GmbH-Anteil an der Kapitalgesellschaft entspricht. Wird ein Verkaufsgewinn versteuert, kann auch ein Verkaufsverlust steuerlich geltend gemacht werden. Einen Verlust erleiden Sie, wenn Ihr Verkaufsgewinn niedriger ist als die Veräußerungskosten zuzüglich der historischen und nachträglichen Anschaffungskosten. Hier gelten zahlreiche Sonderbestimmungen. Ohne steuerliche Fachberatung kommen Sie hier nicht weiter.

Ein Verlust beim Verkauf kann helfen, bei anderen Einkünften Steuern zu sparen. Zivilrechtlich ist zu beachten, dass ein GmbH-Anteilskauf nur dann rechtlich wirksam ist, wenn er notariell beurkundet wurde und ins Handelsregister eingetragen wurde.

Die 4 häufigsten Fallen bei Verkäufen von GmbH-Anteilen

1. Die Rückwirkung der Wesentlichkeitsgrenze wird nicht beachtet

Sie glauben, Ihre Steuerpflichten mit der Anrechnungsteuer erledigt zu haben. Das stimmt nur dann, wenn Sie weniger als 1 % Anteile an der GmbH halten. Wenn Sie aktuell oder irgendwann einmal in den letzten 5 Jahren "wesentlich" beteiligt waren, also 1 % oder mehr der Anteile gehalten haben, müssen Sie 60 % des Verkaufsgewinns versteuern.

2. Die Bedeutung der Gesellschafterliste wird nicht berücksichtigt

Nur wer in der Gesellschafterliste steht, darf seine Gesellschafterrechte ausüben. Steht er nicht drin, kann ihm die Teilnahme an den Versammlungen oder Beschlussfassungen verweigert werden. Käufer müssen also darauf achten, dass die aktuelle Liste mit ihrem Namen schnellstmöglich im Handelsregister veröffentlicht wird.

3. Beim Notar soll Geld gespart werden

Ausländische Notare sind oft deutlich billiger als deutsche Notare. Das darf aber nicht dazu verleiten, blind einem ausländischen Notar zu vertrauen. Und zwar noch nicht einmal, wenn er deutschsprachig ist. Vielmehr muss er einem deutschen Notar vergleichbar sein. Ist er es nicht, wird seine Beurkundung nicht anerkannt, Kauf und Verkauf der GmbH-Anteile sind nicht wirksam, es erfolgt keine Eintragung ins Handelsregister.

4. Nachträgliche Anschaffungskosten werden nicht berücksichtigt

Die meisten GmbH-Gesellschafter haben ihrer GmbH schon einmal ein Darlehen gegeben oder eine Bürgschaft geleistet. Wenn ein solcher Gesellschafter nun die Anteile verkauft und sein Darlehen nicht mehr zurückbekommt oder aus der Bürgschaft in Anspruch genommen wird, kann er dies als nachträgliche Anschaffungskosten geltend machen. Vergisst er dies, versteuert er einen zu hohen Verkaufsgewinn.

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